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1. Bundesliga, 18. Spieltag

Pechsträhne wechselt zur Halbzeit

SC Freiburg - TB Berlin 2:0 (0:0)

Text und Bilder von Roland Baumann

14.04.2010   Ein Wechselbad der Gefühle mussten die Zuschauer im Freiburger Möslestadion über sich ergehen lassen, bis endlich das Abstiegsduell gegen Tennis Borussia Berlin mit dem 2:0 zu Gunsten der Heimmannschaft unter Dach und Fach war. Nach einer drückend überlegenen ersten Halbzeit des Sportclub stand es noch 0:0. Nach dem Seitenwechsel verließ nun die Gästemannschaft das Glück. Erst geriet sie mit einem Eigentor in Rückstand, dann wurde ein Tor nicht anerkannt, um nach einer Serie vergebener weitere Möglichkeiten in der Nachspielzeit gar noch den zweiten Gegentreffer zu kassieren.

Vor dem Spiel war beiden Teams klar, hier wird gegen den Abstieg gespielt und nur ein Sieg bringt einen weiter. Und genau so begann der Sportclub. Von der ersten Minute an dominierte die Heimelf und kam auch gefährlich vors Berliner Tor. Bereits in der zweiten Minute musste die Gästeabwehr einen Schuss von Martina Moser blocken. Mit den frühen Forechecking des Sportclubs kamen die Hauptstädterinnen überhaupt nicht zurecht. Fast alle Versuche, einen Spielzug aufzubauen, scheiterten kläglich an ungenauem Zuspiel und zu langsamen Agieren. Das Spielgeschehen verlagerte sich rasch in die Berliner Spielhälfte oder gar in deren Strafraum. Das einzige Manko in der Freiburger Offensive war die Chancenverwertung. Auch wenn der Sportclub das Mittelfeld klar kontrollierte und mit schnellen Spielzügen den Ball vors Berliner Tor brachte, musste TB-Keeperin Cordula Busack doch nur ein einziges Mal wirklich zupacken, als in der 23. Minute ein 25-Meter Freistoß von Juliane Maier aufs Tor kam.

Cordula Busack + Katarina Ann Tarr vs. Valeria Kleiner

In der ersten Halbzeit spielte sich das Geschehen zumeist in der Berliner Hälfte ab. Hier pariert Cordula Busack einen Schuss, während Valeria Kleiner, eng bewacht von Katarina Ann Tarr nicht an den Ball kommt.

In vielen anderen Aktionen fehlte im Abschluss die Genauigkeit und Kaltschnäuzigkeit, um Zählbares zu erzielen. Mal verstolperte Susi Hartel eine Hereingabe von Verena Faißt (17. Minute), dann verfehlte sie nach einer Ecke von Moser per Kopf knapp das Tor. Ähnlich erging es Kelly Parker, als sie in der 24. Minute vom Elfmeterpunkt das Ziel nicht traf oder Mele French, die ein Zuspiel mit dem Fuß wunderbar herunter nahm, aber dann doch verzog. Auch ein 35-Meter Fernschuß von Myriam Krüger traf nur die Netzoberkante. Fast musste man bei so viel Pech im Abschluss befürchten, dass ein dummer Konter seitens der Gäste alle Angriffsbemühungen zunichte machten könnte, zumal kurz vor der Pause Freiburgs Stürmerin Susi Hartel nach einem unglücklichen Zweikampf mit Berlins Kapitän Franziska Liepack mit einer Knöchelverletzung vom Platz musste. Da es bis zur Pause beim 0:0 blieb, musste sich in der zweiten Halbzeit einiges ändern.

Franziska Liepack vs. Susi Hartel

Dieser Zweikampf mit Franziska Liepack kurz vor der Pause bedeutete das Aus für Susi Hartel. Mit einer schweren Knöchelverletzung musste sie ausgewechselt werden. Fansoccer wünscht an dieser Stelle baldige Genesung!

Und es sollte sich auch gleich so einiges ändern. Schon der erste Spielzug nach Wiederanpfiff brachte Freiburgs 1:0 Führung. Juliane Maier hatte sich auf der linken Seite bis zur Grundlinie durchgetankt. Ihren Versuch einer Flanke in die Mitte lenkte Liepack aber unglücklich in die eigene Maschen. Danach war es aber mit der Freiburger Dominanz dahin. Schon im Gegenzug prüfte Ilka Heyke Marisa Bunner im Breisgauer Gehäuse. In der 55. Minute wurde Aylin Yaren auf der linken Seite schön freigespielt, doch statt es aus etwa 20 Meter selbst zu versuchen, passte sie halbherzig zum Elfmeterpunkt, wo Freiburgs Abwehr keine große Mühe hatte, zu klären.


Abseitstor F. Liepack 1

Bei diesem Kopfballduell zwischen Amanda Ruth Feigt und Valeria Kleiner steht Verena Faißt (Dritte v.r.) einen kleinen Schritt näher zum Tor als Franziska Liepack (ganz rechts) ...

Abseitstor F. Liepack 2

... dennoch entschied die Assistentin auf Abseits. Das Tor wurde nicht gewertet.

Besser machte es drei Minuten später Kapitän Liepack, als sie nach einem Kopfballduell zwischen Amanda Ruth Feigt und Valeria Kleiner kurz vor dem Torwartraum schneller als Verena Faißt schaltete und den Abpraller aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Ihr Pech nur, dass die Assistentin auf Abseits entschied. Eine sehr zweifelhafte Entscheidung! Mehr und mehr machte sich die englische Woche beim Sportclub bemerkbar, hatte man doch am Montag ein Nachholspiel in Wolfsburg und gleich am Mittwoch drauf ein weiteres beim FFC Frankfurt. Die Linie im Spiel war hin, während die Hauptstädterinnen das Heft in die Hand nahmen. Freiburg blieb nur noch Raum für Konter. So konnte French in der 69. Minute einen Berliner Angriff abfangen und den Ball auf Moser weiterleiten. Doch statt es selbst zu versuchen, passte die Schweizerin wieder zurück. Gegen die jetzt aufmerksame Berliner Abwehr war damit die Chance vorbei. Doch wie schon in der ersten Spielhälfte auf Freiburger Seite, brachte jetzt die Spieldominanz auf Seiten der Borussia keinen zählbaren Erfolg, was Trainer Thomas Grunenberg dermaßen in Rage brachte, dass Schiedsrichterin Monique Klauß ihn auf die Tribüne verbannte. Man merkte dem Spiel durchaus an, dass es hier um ein Abstiegduell ging. Trotz klarer Feldüberlegenheit konnte in dieser Phase TB Berlin keine wirkliche Torchance erarbeiten. Auf Freiburger Seite gab es zwar noch Konterchancen, die aber auch leichtfertig vergeben wurden. Krass war eine Szene aus der 85. Minute, als French einen misslungen Abstoß von Busack an der Strafraumecke abfangen konnte. Doch statt einfach das Ding in Ruhe durchzuspielen, musste unbedingt ein Hackentrick her, der prompt bei einer Berlinerin landete. Als jeder schon mit dem Abpfiff rechnete, verwertete Freiburg doch noch einen Konter. Martina Moser ging auf der rechten Seite durch. Ihre Flanke zur Mitte verpassten zwar French und ihre Gegenspielerin Chantal Willers am Elfmeterpunkt, nicht aber die im Hintergrund mitgelaufene Verena Faißt, die mit einem platzierten Schuss zum 2:0 Endstand Cordula Busack keine Chance ließ.

Marisa Brunner vs. Katarina Ann Tarr

In der zweiten Spielhälfte kontrollierten die Gäste aus Berlin weitgehend das Spiel, hier musste Marisa Brunner gegen Katarina Ann Tarr klären.

Während für TB Berlin der Abstieg fast nicht mehr zu verhindern ist, rückte der Sportclub bis auf 2 Punkte an den aktuellen Tabellenneunten Essen-Schönebeck heran, gegen den am letzten Spieltag im heimischen Stadion der Klassenerhalt geschafft werden könnte.


Berlins Trainer Thomas Grunenberg war ziemlich enttäuscht. 'Meine Mannschaft hat zu keiner Zeit gezeigt, zu was sie in der Lage sein kann. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir nur zugeschaut. Für mich war das fast schon Arbeitsverweigerung. Nach der Pause haben wir mehr Mut gezeigt und auch einige Chancen erarbeitet. Ob unser Treffer abseits war, kann ich nicht sagen, aber das Tor hätte eine Wendung geben können. So mussten wir noch was machen, waren offen für Konter und haben kurz vor Schluß dann auch noch das 2:0 kassiert. Entscheident für die Niederlage war aber die erste Halbzeit.' Edgar Beck trauerte der Vielzahl vergebener Chancen der ersten Halbzeit nach. Nach dem etwas glücklichen Führungtreffer war dann aus seiner Sicht das Spiel kaputt. Selbst bei den Konterchancen habe sich sein Team nicht besonders gut angestellt. Auch die Abwehr habe heute keinen sicheren Eindruck gemacht. Um so mehr freue er sich über den Sieg und die drei Punkte.

Verena Faißt

So jubelte Verena Faißt nach ihrem Treffer zum 2:0 in der Nachspielzeit

SC Freiburg:
Brunner - Faißt, Boschert, Kleiner, Wendlinger (70. Wenino) - Maier, Krüger, Parker (61. Haag), Moser - Hartel (43. Zirnstein), French

TB Berlin:
Busack - Willers, Liepack, Tarr, Heyke (72. Braun), Sharif (84. Tahiru), Teodoridis, Hagemann, Yaren, Fechner (72. Lindner), Feigt

Tore:
1:0 Liepack (47. ET)
2:0 Faißt (90.)

Gelbe Karten: Wendlinger / Liepack

besondere Vorkommnisse: Platzverweis für Thomas Grunenberg (75.)

Schiedsrichterin: Monique Klauß (Duisburg)

Zuschauer: 521

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