1. Bundesliga, Nachholspiel vom 12. SpieltagAlte Probleme schlagen durch1. FFC Frankfurt - VfL Wolfsburg 1:2 (0:1) | ||
Text von Tom Schlimme 06.04.2010 Mit Glück und Geschick holte sich das Team des VfL Wolfsburg am Ostersamstag den ersten Sieg gegen den 1. FFC Frankfurt in der Vereinsgeschichte, und das in Frankfurt. Frankfurt begann mit der Taktik, die in Duisburg zum Erfolg geführt hatte, spielte also defensiver als bisher. Da Wolfsburg sich aber weiter zurück zog als die Duisburgerinnen eine Woche zuvor, passierte in den ersten 20 Minuten nur wenig. Erst dann kam Frankfurt zur ersten wirklich guten Aktion, als Conny Pohlers zum Schuss kam, doch Alisa Vetterlein im Wolfsburger Tor tauchte schnell genug runter und fischte den gut platzierten Ball noch aus dem Eck. Es sollte nicht die erste gute Leistung der Wolfsburger Keeperin an diesem Tag bleiben. ![]() Conny Pohlers hatte heute die Seuche am Fuß und versemmelte beste Chancen In der 24. Minute dann eine 100%ige für Frankfurt: Kerstin Garefrekes flankte von rechts über Vetterlein zur Tormitte, wo Pohlers drei Meter vor dem Tor frei stand, aber statt einfach in die Mitte des leeren Tores zu schießen, rutschte ihr der Ball genau auf die am kurzen Pfosten stehende Vetterlein. Diese parierte dann auch noch in der 26. Minute mit einem Klassereflex einen guten Schuss von Birgit Prinz und hatte in der 27. Minute Glück, dass ein Schuss von Petra Wimbersky nur den Pfosten traf. ![]() Hier war die starke Wolfsburger Keeperin Alisa Vetterlein mal geschlagen, doch gegen den Schuss von Petra Wimbersky rettete der Pfosten So schien es - von der Chancenausbeute abgesehen, nun besser für Frankfurt zu laufen, doch in der 32. Minute läutete ausgerechnet ein Eckstoß für Frankfurt die Niederlage des Heimteams ein. Dieser Eckstoß mündete nämlich in einen schnellen Konter der Wolfsburgerinnen. Auf der rechten Seite lief Zsanett Jakabfi der wohl etwas zu weit aufgerückten Frankfurter Abwehr davon, zog dann rechts vor dem Tor gleich drei Abwehrspielerinnen auf sich, flankte in die Mitte zur völlig freien Melissa Wiik und Wolfsburgs in der Winterpause neuverpflichtete norwegische Nationalstürmerin hatte keine Mühe, das 0:1 zu erzielen. Zwei Wolfsburger Stürmerinnen hatten drei Frankfurter Abwehrspielerinnen ausgekontert. ![]() Die norwegische Nationalstürmerin Melissa Wiik erzielte ihr erstes Bundesligator und machte ein gutes Spiel - eine echte Verstärkung für Wolfsburg! Frankfurt kam nun nur noch zu kleineren Chancen, Wolfsburg dafür in der 40. Minute noch einmal zu einem schnellen Konter über Jakabfi, doch diesmal schoss in der Mitte Selina Wagner fast sträflich über das Frankfurter Tor. Auf der Gegenseite ließ Vetterlein einen Gewaltschuss von Dzsenifer Marozsan nur abprallen, doch der Nachschuss von Pohlers wurde von Rebecca Smith noch zur Ecke gelenkt. Es folgte die Halbzeitpause und dann erst einmal ein kalter Regenguss mit Gegenwind für Frankfurt - symbolisch für die Situation? Die 53. Minute brachte wieder einen gefährlichen Wolfsburger Konter, Martina Müller war von Wiik steil geschickt worden, lief allein vor´s Tor - den muss sie machen, dachte ich - doch der Ball sprang ihr weg, Sara Thunebro köpfte ihn ins Aus. In der 72. Minute dann aber |
Diese Szene prägte den Spielverlauf: Zsanett Jakabfi (3) ist nach einem Frankfurter Eckstoß mit dem Ball nach vorne gestürmt, Sara Thunebro (verdeckt) und Ariane Hingst (17) kommen kaum hinterher, Jakabfi kann nach innen passen, wo Melissa Wiik frei vor dem Tor steht - allein gelassen von Saskia Bartusiak, die ihren Kolleginnen gegen Jakabfi zu Hilfe kommen wollte (Wiik und Bartusiak nicht im Bild). Wiik machte das Tor, Frankfurt lief mal wieder einem Rückstand hinterher, fing sich weitere Konter ein... | |
trotzdem das 0:2 für Wolfsburg: wieder ein schneller Wolfsburger Konter, Nadine Angerer musste gegen Jakabfi außerhalb des Strafraums klären, erwischte den Ball auch, Jakabfi kam aber an der Seitenauslinie noch einmal dran und schaffte es, den Ball aus diesem unmöglichen Winkel aus gut 20 Metern so an den langen Pfosten zu setzen, dass der Ball ins verlassene Tor sprang. Zsanett Jakabfi, die hier von Sara Thunebro bewacht wird, machte ein Riesenspiel für Wolfsburg. Das erste Tor bereitete sie vor, das zweite schoss sie selbst Garefrekes hätte gleich im Gegenzug den Anschluss schaffen können, doch statt selber einzuschießen passte sie im Strafraum quer ins Leere. Das einzige Frankfurter Tor musste dann eine Abwehrspielerin erzielen, in der 77. Minute nahm Ariane Hingst, die zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile von Trainer Sven Kahlert aus der Innenverteidigung ins Mittelfeld beordert worden war, einen Ball an der Strafraumgrenze volley und drosch ihn ins obere Wolfsburger Toreck. Doch es gelang dem Frankfurter Team nicht, in der Schlussphase noch einmal richtigen Druck aufzubauen und die Wolfsburger Abwehr ins Schwimmen zu bringen. Die beste Frankfurter Phase mit vier vergebenen Hochkarätern war vor dem 0:1 etwa von der 20. bis zur 30. Minute gewesen, und daran konnte man in keiner Phase des Spiels mehr anschließen. Als dann Vetterlein mit Fußabwehr gegen die zwei Meter vor ihr schießende Svenja Huth klären konnte, war schon die 90. Minute angebrochen und der Sieg von Wolfsburg mit dieser Aktion der guten Gästekeeperin besiegelt. ![]() Petra Wimbersky (rechts), hier gegen Rebecca Smith, war in der ersten Halbzeit noch eine der stärksten Frankfurterinnen, konnte sich aber später auch nicht mehr entscheidend durchsetzen Man kann es so sehen wie die Frankfurter Verantwortlichen nach dem Spiel: Wenn von den vier großen Chancen vor der Wolfsburger Führung nur eine genutzt worden wäre, hätte man ein völlig anderes Spiel gesehen. Ich sehe es aber anders. Die eigentlich bekannten Frankfurter Probleme wären dadurch nur übertüncht worden und man hätte sich weiter in der falschen Sicherheit nach dem Sieg in Duisburg gewiegt. Die Abwehr bleibt anfällig bei schnellen Kontern, die Chancenausbeute im Sturm ist katastrophal, das Mittelfeld funktioniert nicht, und zwar weder nach vorne, noch nach hinten. Nach vorne ist das Mittelfeld nicht in der Lage, den nötigen Druck aufzubauen, um einen Sieg auch mal mit der Brechstange zu erzwingen, und nach hinten fehlt eine Abräumerin. So eine Kombination wie früher Louise Hansen für das defensive und Renate Lingor für das offensive Mittelfeld wird es sobald nicht mehr geben, das ist klar. Doch Sandra Smisek und Birgit Prinz sind meiner Meinung nach nicht die Typen für diese Positionen. |
Trainerstimmen:
Dzsenifer Marozsan (l.), hier gegen Anna-Kaisa Rantanen, hatte drei schwere Länderspiele bei der U19 aus der vergangenen Woche in den Knochen, genau wie Svenja Huth. Deswegen wurden beide vernünftigerweise nur je eine Halbzeit gebracht, was vorher abgesprochen war, aber auch nicht unbedingt eine Stärkung für Frankfurt bedeutete Frankfurts Trainer Sven Kahlert: "Gratulation an meinen Kollegen, Wolfsburg hat sich den Sieg verdient, weil sie taktisch sehr gut gespielt haben. Meine Mannschaft hat nur 50% von dem gezeigt, was sie kann. Wenn man seine Chancen wieder nicht nutzt, dann wieder einem Tor hinterher läuft, wird es halt schwer. Es tut schon weh, dieses Spiel mit dieser Ausgangssituation zu verlieren, wir hatten es selbst in der Hand, noch einmal ganz nah an den zweiten Platz und die Champions League heran zu kommen, das ist jetzt vertan." Kuriosität am Rande, im Stadion habe ich es auch nicht gesehen, erst auf dem Bild: Navina Omilade hält hier im Strafraum den Ball mit beiden Händen, Schiedsrichterin Inka Müller übersieht es...
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