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1. Bundesliga, 21. Spieltag

Zweithöchster Bundesligasieg aller Zeiten

1. FFC Frankfurt - Tennis Borussia Berlin 13:0 (8:0)

Text von Tom Schlimme

04.05.2010   Nach dem 17:0 gegen einen damals mit einer völlig bundesligauntauglichen Mannschaft in die Saison gestarteten FSV Frankfurt, der am Ende jener Saison seine Frauenabteilung auflöste, war es der zweithöchste Sieg aller Zeiten für den 1. FFC Frankfurt. Dass die Frauenabteilung von Tennis Borussia Berlin jetzt den gleichen Weg geht, wie damals der FSV Frankfurt, ist eher unwahrscheinlich, aber gewisse Parallelen gibt es schon.

Genau wie damals der FSV Frankfurt ist auch Tennis Borussia Berlin ein großer Verein mit vielen Abteilungen, und genau wie damals beim FSV jeder Groschen für die Männerabteilung gebraucht wurde und die Frauen nur noch als störend empfunden wurden, geht es auch in Berlin dem Gesamtverein finanziell so schlecht, dass man für die Frauen praktisch nichts mehr übrig hat. Um dieser Not zu entrinnen, wurde ein Förderverein gegründet, der die Belange der Abteilung unabhängig vom Verein vertreten sollte. An sich vielleicht gar keine so schlechte Idee, wie dann allerdings agiert und das Porzellan in den eigenen Reihen zerschlagen wurde, dass die Splitter nur so flogen, war dann so schlecht, dass der Abstieg und auch eine so katastrophale Leistung wie jetzt beim vorletzten Saisonspiel nur die logische Konsequenz zu sein scheinen. Doch ich werde diesem Thema einen eigenen Artikel widmen und mich jetzt erst einmal auf das Spiel beschränken.

Karo Thomas, Anna Marciak, Leni Larse Kaurin und Jang-Mi Lee

Vor dem Spiel wurden vier Frankfurter Spielerinnen verabschiedet. Karolin Thomas (ganz links und Anna Marciak (links) müssen wegen schwerer Verletzungen zumindest für längere Zeit mit dem Fußball aufhören. Die erst in der Winterpause zum FFC gestoßene Leni Larsen Kaurin (dritte Spielerin von links) möchte zu einem Club wechseln, bei dem sie mehr Einsatzzeiten als in Frankfurt bekommt, um sich ihren Platz in der norwegischen Nationalmannschaft zu sichern, und die ebenfalls erst in der Winterpause gekommene Jang-Mi Lee (rechts) konnte sich aufgrund der Sprachbarriere nicht wirklich einleben und geht nach Südkorea zurück

Bild: Tom Schlimme

Für den 1. FFC Frankfurt ging es darum, das vor Anpfiff um 13 Tore schlechtere Torverhältnis im Vergleich mit dem FCR Duisburg deutlich zu verbessern, und so spielten die Spielerinnen des FFC auch von Anfang an hochkonzentriert und hochmotiviert auf. Es war noch keine Minute vergangen, da war Petra Wimbersky schon links an der Torauslinie durch, gab den Ball in den Strafraum, wo Kerstin Garefrekes zum Schuss kam, aber die vor ihr stehende Birgit Prinz anschoss. Noch während ich diese Szene auf meinen Zettel schrieb, fiel das 1:0, ich sah nur noch Prinz von der linken Strafraumecke aus abziehen. Da waren genau 63 Sekunden gespielt, wie Stadionsprecher Rolf Töpperwien mitteilte.

Birgit Prinz

Birgit Prinz schoss das erste Tor, verwandelte einen Elfmeter und schoss dann noch das letzte Tor des Tages. Dazu war sie noch an etlichen anderen Toren beteiligt

Bild: Peter Henkel

In der sechsten Minute rettete Berlins Keeperin Cordua Busack im Herauslaufen vor Garefrekes, in der achten drehte sich Sandra Smisek, von Prinz angespielt, schön um die eigene Achse, schoss, verfehlte das Tor aber knapp. Die Frankfurter Stürmerinnen suchten die Zweikämpfe in der Spitze und gewannen die meisten davon, das Ergebnis waren Chancen im Minutentakt, allein die bekannt schlechte Chancenausbeute stand noch einer Resultatsverbesserung im Wege. Aber das sollte sich in diesem Spiel noch ändern...

Jana Teodoridis gegen Sara Thunebro

Jana Teodoridis (links) im Zweikampf mit Sara Thunebro

Bild: Tom Schlimme

In der 12. Minute war Garefrekes mit dem Kopf nach Eckstoß von Prinz erfolgreich, in der 20. lupfte Svenja Huth nach Vorarbeit von Prinz den Ball geschickt über die ihr entgegen kommende Busack in die Maschen, in der 25. Minute setzte sich Prinz, obwohl sie gefoult wurde - die gute Schiedsrichterin Christina Jaworek zeigte Vorteil an - gegen zwei Gegenspielerinnen durch, gab zu Garefrekes weiter, die zog nach links, gab den Ball nach innen, und Conny Pohlers vollendete zum 4:0. Zwei Minuten später ließ Pohlers das 5:0 folgen, indem sie in Uwe-Seeler-Manier einen Eckball von Prinz mit dem Rücken zum Tor stehend mit dem Hinterkopf einköpfte.


Svenja Huth gegen Chantal Willers

Auch wenn Svenja Huth hier von Chantal Willers noch abgeblockt wird, Huth machte ein Bombenspiel, war enorm zweikampfstark und an vielen Toren beteiligt

Bild: Peter Henkel

Das 6:0 in der 29. Minute war dann ein Foulelfmeter, den Prinz verwandelte, Huth war gefoult worden. Ein einsetzender heftiger Regenschauer bremste das Spiel nun etwas ab. Die Zuschauer auf der Stehtribüne flohen in Scharen, bekamen Regencapes für 99 Cent das Stück angeboten, doch die Spielerinnen, die mir in solchen Situationen immer sehr leid tun, mussten den kalten Schauer mit unangenehm dicken Tropfen ungeschützt ertragen. Es wird den Frankfurterinnen angesichts des Spielstandes etwas leichter gefallen sein.

Franziska Hagemann

Franziska Hagemann im kalten Frankfurter Regen... die Spielerinnen aus Berlin werden diesen Tag in keiner guten Erinnerung behalten

Bild: Tom Schlimme

Noch vor der Pause flankte Alexandra Krieger von rechts in Tornähe, Katarina Tarr verwandelte zum 7:0. Dumm gelaufen, Eigentor. Das war zwar schon in der 43. Minute, aber damit war immer noch nicht Halbzeit. Nur eine Minute später erzielte Pohlers mit einem schönen Flachschuss den Pausenstand von 8:0.

Tor Wimbersky

Das 9:0 erzielt hier Petra Wimbersky, Svenja Huth (nicht im Bild) hatte von rechts geflankt, Conny Pohlers (auf der Torauslinie stehend) zurück gelegt, Wimbersky braucht nur noch einzuschießen

Tor Garefrekes

Das 10:0 durch Kerstin Garefrekes

Bilder: Tom Schlimme

Nach der Pause, der Regen hatte zum Glück deutlich nachgelassen, dauerte es auch nur fünf Minuten bis zum nächsten Tor. Svenja Huth, die überhaupt ein überragendes Spiel machte, mit hoher Flanke von rechts, Pohlers legt auf Wimbersky ab, die donnert ihn rein. Doch wenig später hatten dann auch die Berlinerinnen ihre erste Chance in diesem Spiel. Vorne mühte sich Amanda Feigt als einzige Spitze schon die ganze Zeit fleißig, lief viel, bekam aber kaum brauchbare Bälle. Doch in der 54. Minute waren plötzlich mehrere Berlinerinnen vorne, der Ball kam hoch von rechts in den Strafraum, und Ilka Heyke kam zu einem wuchtigen Kopfstoß, allerdings genau auf Keeperin Nadine Angerer, die gut parierte.

 Anna-Sophie Fechner  gegen Alexandra Krieger

Anna-Sophie Fechner (rechts) vergab die beste Chance für Berlin, es war auch ihre einzige, denn die meiste Zeit musste sie wie hier gegen Abwehrspielerin Alexandra Krieger (links) verteidigen

Bild: Peter Henkel

Schon in der nächsten Spielszene kam plötzlich ein hoher Ball auf Anna-Sophie Fechner, die Frankfurter Abwehr erwartete Abseits und blieb stehen, oder dachte vielleicht auch, dass die völlig freie Fechner jetzt locker verwandeln würde und es sich nicht mehr lohne, noch einzugreifen, doch Fechner vergab die 100%ige Gelegenheit, indem sie sowohl an Nadine Angerer als auch weit am Tor vorbei schoss. So fielen die Tore dann weiter nur auf der einen Seite, das 10:0 folgte aus einer schönen Kombination über Huth, Pohlers, Garefrekes vollendete.


Drei weitere gute Chancen für Frankfurt wurden dann erst einmal vergeben nach dem Prinzip, zu viel gewollt, immer ein Schlenker zu viel. Doch in der 75. Minute machte wiederum Garefrekes das 11:0, es folgten ein Lattenschuss von Sara Thunebro, das 12:0 durch Jang-Mi Lee nach Eckstoß von Prinz, die dann das 13:0 selber erzielte, nachdem sich Huth an drei Berlinerinnen vorbei gespielt hatte und präzise zu Prinz passte.

Gina Lewandowski gegen Amanda Feigt

Vorne erfolgeich und auch hinten zweikampfstark und sicher - bis auf zwei Szenen im ganzen Spiel. Die Frankfurter Abwehr, hier Gina Lewandowski (rechts) gegen Amanda Feigt, hatte auch ihren Anteil am hohen Sieg

Bild: Tom Schlimme

„Ich möchte mich für die Leistung meiner Mannschaft entschuldigen”, erklärte Berlins Trainer Thomas Grunenberg in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Das war das schlimmste, was ich in meiner über 20-jährigen Trainerlaufbahn je erlebt habe. Ich habe der Mannschaft soeben mitgeteilt, dass ich mein Engagement mit ihr in Frage stelle, so etwas mache ich nicht mit!”

rainer Thomas Grunenberg

Berlins Trainer Thomas Grunenberg war die Enttäuschung nach dem Spiel deutlich anzusehen

Bild: Tom Schlimme

Frankfurts Trainer Sven Kahlert konnte seinem Team ein Kompliment machen. Die erste Halbzeit sei fast perfekt gewesen, auch im Ausnutzen der Torchancen, in der zweiten Halbzeit habe man dann trotz des Regens noch ordentlichen Fußball gespielt und die Minimalchance auf Platz zwei mit einer guten Leistung gewahrt. „Jetzt müssen wir in Bad Neuenahr vier Tore zwischen uns und den Gegner bringen, dann sind wir bei einer Niederlage von Duisburg in München am letzten Spieltag doch noch in der Champions League”, rechnete Kahlert vor.



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, Bartusiak, Lewandowski, Thunebro - Huth, Garefrekes, Smisek (75. Hingst), Wimbersky - Prinz, Pohlers (75. Lee)

Tennis Borussia Berlin:
Busack - Lüdtke, Tarr, Liepack, Willers - Teodoridis, Hagemann, Okoe, Heyke, Fechner (81. Stegermaier) - Feigt

Tore:
1:0 Prinz (2.)
2:0 Garefrekes (12.)
3:0 Huth (20.)
4:0 Pohlers (27.)
5:0 Pohlers (27.)
6:0 Prinz (29. FE)
7:0 Tarr (43. ET)
8:0 Pohlers (45.)
9:0 Wimbersky (50.)
10:0 Garefrekes (58.)
11:0 Garefrekes (75.)
12:0 Lee (81.)
13:0 Prinz (88.)

Gelbe Karten: Willers, Heyke

Schiedsrichterin: Christina Jaworek (Rötsweiler-Nockenthal)
mit Sonja Kuttelwascher und Sabine Stadler

Zuschauer: 1210


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