1. Bundesliga, 2. SpieltagGut zum Einspielen1. FFC Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 4:0 (1:0) | ||
Text von Tom Schlimme 28.09.2009 Mit dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FC Saarbrücken trafen zwei Mannschaften aufeinander, die viele neue Spielerinnen integrieren müssen. So hatte Saarbrückens Trainer Stephan Fröhlich vor dem Spiel erklärt, dass er sich freue, mit Potsdam und Frankfurt erst mal ganz schwere Brocken vorgesetzt zu bekommen, denn hier könne sich seine neuformierte Mannschaft einspielen für die Spiele gegen die Gegner auf Augenhöhe, wo es dann gelte, die Punkte gegen den Abstieg zu holen. Mit etwas anderen Vorzeichen konnte man das auch in Frankfurt so sehen, kam doch mit Saarbrücken ein „leichter” Gegner, gegen den es ebenfalls darum gehen konnte, das Team einzuspielen - für die Spiele gegen die Mitfavoriten um den Meistertitel. Am Ende waren dann auch beide Trainer zufrieden. Fröhlichs Elf hatte sich vor allem in der ersten Halbzeit wacker geschlagen und den Spielerinnen mit den großen Namen das Leben schwer gemacht. Diese hatten aber am Ende die drei Punkte und vier Tore auf dem Zettel und konnten auf ein Spiel zurück blicken, in dem sie insgesamt dann doch klar dominiert und verdient gewonnen hatten. ![]() Saarbrückens Nachwuchsspielerin Laura Vetterlein musste sich hier mit Frankfurts Nationalspielerin Kerstin Garefrekes auseinandersetzen Schon die ersten Minuten zeigten, wie der Hase heute laufen würde. Frankfurt drückte, holte in der ersten Minute gleich den ersten Eckstoß heraus, der aber zu einem schnellen Konter Saarbrückens über Christina Arend führte. Karolin Thomas, heute wieder wie schon in der ersten Halbzeit gegen Lyon rechts in der Viererkette aufgeboten, klärte jedoch souverän. Es folgten weitere Eckbälle für Frankfurt, das Spiel fand fast nur in der Saarbrücker Spielhälfte statt, und die Gäste versuchten dann immer mal wieder mit plötzlichen Kontern die Deckung des 1. FFC in Gefahr zu bringen. Meist wurden diese Konter durch die schnelle und dribbelstarke Cynthia Uwak vorgetragen. Mit der nigerianischen Nationalspielerin, die aus der ersten finnischen Liga ins Saarland gewechselt ist, hat der 1. FC Saarbrücken einen guten Fang gemacht. Uwak passt auch von der Spielanlage her bestens zu Saarbrückens neuer Sturmspitze, der von der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt an die Saar gewechselten Selina Dambier, die als torgefährliche Vollstreckerin von einer Lücken reißenden Spielerin wie Uwak sehr profitieren kann. In der 17. Minute kam Dambier - allerdings aus abseitsverdächtiger Position - auch beinahe zum Schuss, doch Nationalkeeperin Nadine Angerer war wachsam und klärte. Die meisten Gelegenheiten gab es aber vor dem Saarbrücker Tor, wo ein Frankfurter „Teenie-Sturm” mit der aus Saarbrücken gekommenen Dzenifer Marozsan und Svenja Huth trickreich wirbelte. Manchmal übertrieben es die beiden mit ihrem technisch sehr ansprechenden Spiel, aber für überraschende Momente, die für viel Gefahr sorgen können, sind beide dann doch gut. ![]() Saarbrückens Keeperin Barbara Legrand fängt hier einen Ball haarscharf vor dem Kopf von Svenja Huth Der erste Frankfurter Treffer resultierte jedoch aus einer Traumkombination der Etablierten: Meike Weber spielte einen Ball aus dem zentralen Mittelfeld steil auf Sandra Smisek, die ließ genau in den Lauf von Kerstin Garefrekes abtropfen, und diese donnerte die Kugel dann aus vollem Lauf mit Wucht unter die Latte. So eine Aktion muss man erst mal hinbekommen, wenn da nur eine kleine Ungenauigkeit im Anspiel oder im Abschluss passiert, ist die Chance vertan. Doch Smisek, der einige schwierige Pässe gut gelangen, und Garefrekes, für mich heute sowieso beste Spielerin auf dem Platz, hatten es einfach drauf. |
Die 17-jährige Dzenifer Marozsan, die hier den Ball an Julia Leykauf vorbei spielt, bringt viel frischen Wind in die Angriffsbemühungen des 1. FFC Frankfurt. | |
Ihre Gefährlichkeit zeigten dann aber auch Uwak und Dambier, und eigentlich hätte Saarbrücken ein Elfmeter zugesprochen werden müssen: Uwak führte den Ball bei einem schnellen Konter, spielte ihn durch die Beine der ansonsten sehr sicheren Tina Wunderlich zu Dambier, die im Strafraum zurück auf Uwak, Saskia Bartusiak ging dazwischen und Uwak fiel. Es sah im Stadion schon elfmeterverdächtig aus, und die Fernsehaufnahmen des Saarländischen Rundfunks zeigen klar, dass Bartusiak das Bein von Uwak voll erwischte. Nach Ansicht dieser Aufnahmen hätte es Elfmeter geben müssen. Doch die Pfeife von Schiedsrichterin Sandra Jung, die nun mal keine Fernsehaufnahme zu Rate ziehen kann, blieb stumm. ![]() Zwei Neuzugänge, die einschlagen: die nigerianische Nationalspielerin Cynthia Uwak (am Ball) verstärkt den Sturm des 1. FC Saarbrücken, die schwedische Nationalspielerin Sara Thunebro die Abwehr des 1. FFC Frankfurt Aus Frankfurter Sicht zu bemängeln bleibt, dass es nicht gelang, gegen einen klar unterlegenen Gegner die Chancen so herauszuspielen und abzuschließen, dass weitere Tore zwangsläufige Folge gewesen wären. So ging es mit dem Vorsprung von einem Tor in die Pause. In der zweiten Halbzeit änderte sich zuerst nichts Wesentliches. Frankfurt drückte, aber nicht überzeugend. Saarbrückens Keeperin Barbara Legrand, die ja früher hinter Marleen Wissink zweite Keeperin beim FFC gewesen war, zeigte, was sie von der „fliegenden Holländerin” gelernt hat und hielt einen gefährlichen Schuss von Marozsan. Ein Saarbrücker Konter wurde noch gefährlich, Arend, die überhaupt ein Klassespiel im Zentrum des Saarbrücker Mittelfeldes machte, leitete den Angriff ein, gab weiter zu Dambier, die dann nach außen auf Maike Trach, die ja bekanntlich mit Dambier und Trainer Fröhlich von der zweiten des FFC nach Saarbrücken gegangen ist, und Trach hatte die Gelegenheit, an alter Wirkungsstätte ein Tor zu erzielen. Doch der Winkel wurde zu spitz, und ihr Schuss traf dann nur das Außennetz. ![]() Sandra Smisek,die hier gegen Julia Leykauf am Ball ist, erzielte ein Tor selber und war an zwei weiteren Treffern beteiligt Dann kamen die Minuten, in denen das Spiel entschieden wurde. In der 62. leitete Garefrekes in der Mitte einen Angriff ein, spielte zu Petra Wimbersky, die ganz rechts auf dem Flügel startete, die flankte in den Strafraum, dort ließ Smisek wie schon beim ersten Tor wieder abtropfen, diesmal zurück zu Garefrekes, die gab den Ball nach links zu Marozsan, und die 17-jährige spielte dann noch eine Gegenspielerin aus, bevor sie den Ball ins Tor schoss. In der 70. Minute wurde Thomas von Garefrekes per Einwurf klasse angespielt, flankte nach innen, der Ball ging an Freund und Feind vorbei durch die Mitte, und Smisek kam aus dem Hintergrund noch rechtzeitig, um ins weit offene Tor einzuschießen. Beim 4:0 nur zwei Minuten später wurde die eingewechselte Laura del Rio, die einige sehr gute Szenen hatte und eine weitere wesentliche Verstärkung im Frankfurter Team darstellt, steil von Marozsan angespielt, ließ sich von drei Gegenspielerinnen nicht wirklich stören und zirkelte den Ball überlegt ins lange Eck. |
„Wenn eine Mannschaft wie Frankfurt erst einmal ins Kombinieren kommt, wird es schwer, dagegen zu halten”, erklärte Gästecoach Fröhlich hinterher. Gegen Frankfurt und letzte Woche Potsdam habe man Lehrgeld zahlen müssen, doch jetzt kämen Gegner anderer Kragenweite. Bedauerlich sei, dass mit Vicky Hinsberger und Ann-Kathrin Schinkel zwei wichtige Verteidigerinnen noch einige Zeit verletzungsbedingt fehlen würden, doch in der ersten Halbzeit habe das Team gezeigt, dass es auf jeden Fall in der Liga mithalten könne. ![]() Juliane Edwards im Abwehrzentrum des 1. FC Saarbrücken machte ihre Sache gegen erfahrene Spielerinnen wie hier Petra Wimbersky verhältnismäßig gut
Frankfurts Coach Wegmann zeigte sich insgesamt zufrieden, auch wenn mehr möglich gewesen wäre. In der Pause habe er angesprochen, dass sein Team nach der Führung in der ersten Halbzeit aufgehört habe Fußball zu spielen, in der zweiten Hälfte seien seine Forderungen dann beherzigt worden. Angesprochen auf seine Einschätzung der Neuzugänge erklärte Wegmann, dass Sara Thunebro noch etwas müde vom Länderspiel Schwedes am Mittwoch abend gewesen sei. Marozsan hätte in der ersten Halbzeit etwas nervös gespielt, sei dann in der zweiten aber gut zum Zuge gekommen und hätte ein Tor geschossen und eines vorbereitet. Del Rio habe ihr Potential gezeigt, auch mit ihr werde man noch viel Freude haben. ![]() Die spanische Nationalspielerin Laura Del Rio, aus den USA nach Frankfurt gekommen, schoss nicht lange nach ihrer Einwechselung ihr erstes Bundesligator für Frankfurt
| |