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1. Bundesliga, Testspiel

Frankfurt präsentiert starke Spielerinnen

1. FFC Frankfurt - Olympique Lyonnais 2:3 (1:0)

Text und Bilder von Tom Schlimme

17.09.2009   Das Gastspiel des französischen Meisters Olympique Lyonnais beim deutschen Topverein 1. FFC Frankfurt war natürlich „nur” ein Freundschaftsspiel und taugt daher nur begrenzt als Gradmesser für die Leistungsfähigkeit beider Teams. Etliche interssante Erkenntnisse brachte die Begegnung trotzdem, und für die 510 Zuschauer im Stadion am Brentanobad wurde vor allem in der ersten Halbzeit sehr ansprechender Fußball geboten.

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Vor dem Spiel wurden die Europameisterinnen geehrt. Einer der Gratulanten: der US-Botschafter in Deutschland, Philip D. Murphy (ganz links). In der Mitte FFC-Vorsitzende Doris Dietmayr und die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Hotz

Die Gäste aus Frankreich spielten fast mit ihrer derzeitigen Topbesetzung. Lyons schwedischer Stürmerstar Lotta Schelin war ebenso mit dabei wie die französischen Nationalspielerinnen, allen voran Louisa Necib, Elodie Thomis und Corinne Franco. Leider fehlte die norwegische Nationalkapitänin Ingvild Stensland, die krankheitsbedingt in Norwegen weilt, und bedauerlicherweise verletzte sich Louisa Necib bereits nach einer Viertelstunde im Zweikampf mit Birgit Prinz schwer. Die Spielmacherin der französischen Nationalelf erlitt eine noch nicht näher diagnostizierte Sprunggelenksverletzung, es sah gar nicht gut aus, wie sie in der Halbzeitpause von zwei Betreuern mehr in die Kabine getragen wurde, als dass sie selber mit einem Bein laufen konnte. FanSoccer wünscht der für Lyon sehr wichtigen Spielerin rasche Genesung!

Louisa Necib vs. Karo Thomas

Lyons Spielmacherin Louisa Necib in einem Zweikampf mit Karolin Thomas. Necib musste wenig später verletzt ausscheiden

Frankfurts Trainer Günter Wegmann startete mit einer komplett neu formierten Abwehrkette. Links spielte erstmals die schwedische Nationalspielerin Sara Thunebro für Frankfurt. Thunebro brachte eine Menge Dynamik ein, trat alle Eckbälle und zeigte von der ersten Spielminute gegen den starken Gegner, dass Frankfurts Manager Siggi Dietrich hier die Verpflichtung eines absoluten Hochkaräters gelungen ist. Allerdings unterliefen ihr in der Defensivarbeit noch einige Fehler, was angesichts der nicht eingespielten Abwehr sicher nicht verwunderlich ist, und der eine oder andere Fehlpass bzw. zu riskante Querpass, der nur mit Glück ankam, zeugte von der Fremdheit im Team und den noch nicht so bekannten und eingespielten Laufwegen.

Sara Thunebro

Frankfurts schwedischer Neuzugang Sara Thunebro klärt hier auf der Linie. Die Abwehr des FFC hatte schon in der ersten Halbzeit einige brenzlige Situationen zu überstehen

Fehlpässe und Schnitzer unterliefen allerdings auch den anderen Abwehrspielerinnen reichlich. In der Innenverteidigung spielten in der ersten Halbzeit Saskia Bartusiak und Gina Lewandowski, rechts in der Viererkette spielte zum ersten Mal in Frankfurt auf dieser Position Karolin Thomas, die bisher immer zentral im Mittelfeld aufgeboten worden war. Insofern gilt der bereits für Thunebro aufgeführte Hinweis auf die mangelnde Eingespieltheit auch für die anderen Abwehrspielerinnen als Entschuldigung für etliche Fehler. Positiv ist aber festzuhalten, dass es der Frankfurter Abwehr in der ersten Halbzeit gelang, die starken Angreiferinnen von Lyon weitgehend in Schach zu halten. Lyon gelang aus eigner Kraft kaum etwas nach vorne. Gefährlich für das Tor von Nadine Angerer wurde es eigentlich immer nur durch Fehlpässe und krasse Fehler der Frankfurter Abwehrkette, die zu einigen Großchancen für Schelin führten, während Thomis in der ersten Hälfte recht blass blieb.

Das Frankfurter Mittelfeld mit Meike Weber und Alexandra Krieger zentral sowie Petra Wimbersky und Kerstin Garefrekes außen zeigte sich schon recht gut in Form, eroberte viele Bälle und hielt das Spiel gegen den französischen Meister ausgeglichen, wobei Lyon etwas mehr Ballbesitz hatte, Frankfurt aber die geradlinigeren Angriffe aufbaute. Kerstin Garefrekes vergab nach gutem Dribbling eine Schusschance in der 43. Minute, als sie aus vollem Lauf abzog, aber verfehlte. Nach schönem Hackentrick von Thunebro kam Garefrekes in der 45. Minute noch einmal zum Schuss, doch Keeperin Veronique Pons, die für die verletzte Sarah Bouhaddi im Kasten Lyons stand, hielt. Garefrekes indes hatte ihr Tor schon in der 21. Minute gemacht, als sie einen von Thunebro wunderbar herein gegebenen Eckstoß mit dem Kopf ins kurze Eck


Tor Garefrekes

Das 1:0 durch Kerstin Garefrekes (im weißen Trikot zwischen Coralie Ducher und Wendie Renard). Den Eckball hatte Sara Thunebro auf das kurze Eck getreten. Doch am Ende drehte der französische Meister Olympique Lyonnais sogar einen 2:0-Rückstand noch zum Sieg

beförderte. Die besten Chancen der ersten Halbzeit hatte aber eigentlich Lyon gehabt, wie gesagt nach Frankfurter Abwehrfehlern, doch Nationalkeeperin Angerer hielt mit Klassereflexen, und irgendwie hatte man den Eindruck, dass Schelin bei ihren Gelegenheiten nicht voll durchzog, eigentlich hätte es 1:1 zur Pause stehen müssen.

Nach dem Seitenwechsel stand fast eine komplett andere Frankfurter Mannschaft auf dem Platz, auf sieben Positionen wurde gewechselt. Sämtliche Europameisterinnen wurden nun geschont. In der Abwehr standen nun innen Tina Wunderlich und Christina Zerbe, rechts außen Anna Marciak, einzig Thunebro blieb auf ihrer Position, was angesichts der Notwendigkeit, sie in Frankfurt einzuspielen, logisch war. Im Mittelfeld spielte Sarah Günter rechts auf der Position von Garefrekes, die 17-jährige, aus Saarbrücken gekommene Dzenifer Marozsan für Birgit Prinz in der Mitte, vorne Frankfurts Nachwuchsstürmerin Svenja Huth anstelle von Sandra Smisek. Im Tor dann auch noch Stephanie Ullrich für Angerer. Lyon machte mit der gleichen Formation weiter wie vor dem Pausenpfiff, und auch das Spiel blieb zunächst weiter ausgeglichen.

Coralie Ducher vs. Alexandra Krieger

Sehr erfreulich für Frankfurt: Alexandra Krieger(rechts), hier im Zweikampf mit Coralie Ducher, hat sich nach ihrer langen Verletzungspause in den Sommermonaten in den USA schon gut warm gespielt, präsentierte sich topfit und schoss das 2:0.

Nach feiner Vorarbeit durch Marozsan gelang dann Krieger sogar das 2:0 für Frankfurt in der 52. Minute. Doch langsam wurde Lyon stärker, und als in der 65. Minute ein eigentlich schon abgewehrter Ball von Schelin klasse zu Shirley Cruz durchgesteckt wurde, stand es nur noch 2:1. Nur eine Minute später spielte Schelin Keeperin Ullrich aus, doch aus spitzem Winkel traf sie dann nur noch das Außennetz. Es wurde deutlich, dass zumindest die Abwehr - abgesehen von der weitgehend fehlerlosen Wunderlich - nun gegen die Klassespielerinnen von Olympique Lyonnais ins Schwimmen geraten würde. Marciak verschätze sich des öfteren bei hohen Bällen, die über sie hinweg den Weg zur nun stark aufspielenden Thomis fanden. Marciak unterlief dann auch ein fataler Rückpass auf Ullrich, den Thomis erlaufen konnte, doch deren Schuss konnte Ullrich dann gerade noch parieren. Aber auch Zerbe sah bei hohen Bällen nicht immer sicher aus.

Beim 2:2 durch Schelin in der 78. war dann Thunebro nicht konsequent genug in ihrer Abwehrarbeit, und in der 81. Minute spielte Franco einen Zuckerpass steil durch die Mitte auf Sandrine Bretigny, die zum Siegtreffer für Lyon einschoss. Wenig später fischte Pons einen Superschuss der mit einigen exzellenten Szenen aufwartenden Marozsan aus dem Winkel, so dass es beim 2:3 blieb.

Corinne Franco vs. Petra Wimbersky

Petra Wimbersky behauptet hier den Ball vor Corinne Franco

Die Spielerinnen von Olympique freuten sich sehr über das Siegtor, rannten zur verletzten Necib, als wollten sie ihr diesen Sieg widmen, und können nun auf den dritten Sieg im dritten Testspiel in Deutschland zurückblicken (Jeweils 2:0 gegen Saarbrücken und Freiburg). Letztlich war das Ergebnis des Spiels aber egal. Entscheidend zumindest für den FFC dürfte gewesen sein, dass man gesehen hat, dass der Kader stark und gleichmäßig besetzt ist, so dass Verletzungen aufgefangen werden können. Aus dem Mittelfeld kamen auch gegen den starken Gegner wieder deutlich mehr Impulse als bei vielen Spielen in der abgelaufenen Saison, die Probleme in der Abwehr sind mit etwas Routine zu lösen, und die Chancenauswertung stimmte endlich mal wieder.

Die Chancenauswertung seines Teams beklagte dann Olympiques Trainer Farid Benstiti als einziges Manko im Spiel seiner Elf, mit dem er ansonsten sehr zufrieden war. Es sei gut gewesen, die Gastspiele in Deutschland zur Saisonvorbereitung


durchzuführen, mit jedem Gegner und jedem Spiel habe sich sein Team gesteigert. Von deutschen Mannschaften könne man viel lernen, was frühes Stören angeht, vor allem aber die Effektivität beim Nutzen von Torgelegenheiten sei etwas, wo man in Deutschland noch weiter sei als in Frankreich.

Lotta Schelin vs. Gina Lewandowski

Lyons Stürmerin Lotta Schelin, hier im Kopfballduell mit Gina Lewandowski, hätte schon in der ersten Halbzeit zwei Tore machen können. Eines davon holte sie dann im zweiten Durchgang nach

Wie auf einer Pressekonferenz am Vormittag deutlich wurde, blicken die Verantwortlichen des 1. FFC Frankfurt sehr optimistisch in die kommende Saison. Die Konkurrenz sei sehr stark geworden, doch man habe aus den Erfahrungen mit der Verletztenmisere der abgelaufenen Saison gelernt und den Kader nochmals deutlich verstärkt, wobei alle wichtigen Spielerinnen mit teilweise langfristigen Verträgen gehalten werden konnten. Ein Verletzungspech wie erlebt werde sich nicht wiederholen, und man erwartet ein spannendes Kopf-an Kopf Rennen um die Meisterschaft, an dem sich auch der 1. FFC Frankfurt beteiligen will. Die Vorfreude auf die kommende Saison sei riesig beim Team und den Verantwortlichen.

Ich fand es auf jeden Fall eine sehr gute Idee, kurz vor Saisonbeginn einen solchen Hochkaräter wie Olympique Lyonnais im eigenen Stadion zu präsentieren. Kurz nachdem man sich viele Spielerinnen von Olympique im Fernsehen bei der Europameisterschaft ansehen konnte, diese nun auch live erleben zu können, war für mich als Zuschauer klasse. Den Optimismus der Frankfurter Verantwortlichen für die kommende Saison kann ich aufgrund der starken Spielerinnen im Kader teilen. Dass noch einige Feinarbeit im Zusammenspiel und insbesondere in der Abwehr ansteht, wird der Trainer gesehen haben und entsprechend agieren.

Sara Thunebro gegen Lotta Schelin

Für die beiden schwedischen Nationalspielerinnen Lotta Schelin (l.) und Sara Thunebro war es sicherlich auch etwas Besonderes, einmal gegeneinander zu spielen. Aber auch für die Zuschauer war das Freundschaftsspiel mit dieser hochkarätigen Besetzung eine sehr gute Idee!



1. FFC Frankfurt:
Angerer (46. Ullrich) - Thomas (46. Marciak), Bartusiak (46. T. Wunderlich), Lewandowski (46. Zerbe), Thunebro - Garefrekes (46. Günther), Weber, Krieger, Wimbersky - Prinz (46. Marozsan), Smisek (46. Huth)

Olympique Lyonnais:
Pons - Dusang, Renard, Henry (73. Bretigniy), Ducher, Simone, Franco, Schelin, Thomis, Necib (19. Dickenmann, 53. Kaci), Cruz

Tore:
1:0 Garefrekes (21.)
2:0 Krieger (52.)
2:1 Cruz (65.)
2:2 Schelin (78.)
2:3 Bretigny (81.)

Gelbe Karten:Keine

Schiedsrichterin: Katrin Rafalski mit Sabine Stadler und Susanne Luft (alle Deutschland)

Zuschauer: 510



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