1. Bundesliga, 16. SpieltagDie bekannten Probleme1. FFC Frankfurt - Hamburger SV 4:2 (1:1) | ||
Text von Tom Schlimme 17.03.2010 So klar, wie sich ein 4:2 anhört, war der Sieg des 1. FFC Frankfurt gegen den Hamburger SV nicht. Mit nur etwas mehr Glück hätten die Hamburgerinnen zwischenzeitlich 2:0 führen und den Frankfurterinnen das Siegen extrem schwer machen können. Aufgrund der Spielanteile geht der Frankfurter Sieg letztlich absolut in Ordnung, doch die bekannten Probleme des FFC wurden auch in diesem Spiel offenkundig. So war die Chancenauswertung immer noch der entscheidende Schwachpunkt im Frankfurter Spiel. Auch die Probleme der Abwehr bei schnellen Kontern sind nicht abgestellt, wobei dies nicht unbedingt ein Problem der Abwehrspielerinnen alleine ist, die durch die Bank nur wenig individuelle Fehler machten. Vielmehr resultiert die Abwehrschwäche auch aus mangelnder Offensivstärke, denn die gesamte Mannschaft muss sehr viel Aufwand betreiben und oft weit nach vorne rücken, um Druck auf das gegnerische Tor aufzubauen. Auch das Mittelfeld der Frankfurterinnen präsentiert sich in dieser Saison wie auch in diesem Spiel nämlich keineswegs in Höchstform, so dass eigentich alle Mannschaftsteile mit Problemen zu kämpfen haben. ![]() Der Ball war oft im Hamburger Strafraum, hier versucht Kerstin Garfrekes bewacht von Janina Haye, etwas aus der Situation zu machen, doch die Chancenauswertung bei Frankfurt war wieder einmal das große Manko Da dies nicht neu ist, hatten sich die Hamburger Spielerinnen, wie später auch ihr Trainer Achim Feifel bestätigte, viel vorgenommen und hatten die Anreise mit gedämpftem Optimismus angetreten. Entsprechend stark zeigte sich dann auch das Team aus der Hansestadt, die Abwehr um Janina Haye stand stabil, vor der Abwehr räumte Marisa Ewers auf, im Mittelfeld lenkte Silva Lone Saländer mit gekonnten Pässen das Spiel, und vorne sorgten die schnelle Ana Maria Crnogorcevic und die heute in den Sturm gestellte Kim Kulig für Gefahr. Unterstützt wurden die beiden Hamburger Spitzen noch von Nicole Zweigler, die ein starkes Spiel auf der linken Seite machte und sich von dort oft in den Angriff einschaltete. ![]() Marisa Ewers (links) spielte für Hamburg im defensiven Mittelfeld, Sara Thunebro auf der linken Abwehrseite des 1. FFC Frankfurt schaltete sich , wie in dieser Szene, oft ins Angriffsspiel ein und schlug die Flanke zum zweiten Frankfurter Tor in den Strafraum Die erste Chance hatte aber Birgit Prinz für den FFC in Minute Drei, doch ihr Schuss nach Zuspiel von Leni Larsen Kaurin ging vorbei. Doch zwei Minuten später wackelte schon die Latte des Frankfurter Tores, Kulig war in ein Anspiel von Zweigler gestartet und hatte gleich abgezogen. Allerdings hätte ein Treffer wegen Abseits nicht gezählt. Die nächste Chance hatte wieder der FFC, Kerstin Garefrekes gab den Ball von rechts herein, Petra Wimbersky kam zum Schuss, doch Bianca Weech im Hamburger Tor hielt den Ball. Doch es ging weiter hin und her, und nach gutem Zuspiel von Saländer hatte Zweigler wenig Mühe, das 0:1 für die Gäste zu erzielen. Sieben Minuten waren gespielt, und wieder einmal lief das Frankfurter Team einem Rückstand hinterher. ![]() Nicole Zweigler, die hier gegen Alexandra Krieger zum Schuss kommt, erzielte die Führung für den HSV - es kann diese Szene gewesen sein Jetzt hätte es richtig dick kommen können für Frankfurt, denn in der 14. Minute entschied Schiedsrichterin Angelika Söder auf Foul von Gina Lewandowski an Crnogorevic - im Strafraum! Eine umstrittene Entscheidung, doch insgesamt stimme ich der großen Mehrheit der Entscheidungen des Schiedsrichterinnenteams zu. Mit einer Klasseparade hielt Nationalkeeperin Nadine Angerer den von Saländer in die rechte Torwartecke getretenen Ball und ersparte ihrem Team damit, einen Rückstand von zwei Toren aufholen zu müssen. Wie zu erwarten, erkämpfte sich Frankfurt jetzt ein deutliches Übergewicht und kam auch zu Gelegenheiten. In der 21. Minute schoss Garefrekes im Strafraum, der Ball prallte von Keeperin Weech zurück zu Garefrekes, die legte auf Prinz ab, doch deren Schuss ging neben das Tor. Wenig später parierte Weech dann aus zwei Metern wieder gegen Garefrekes, der |
Wie so häufig in diesem Spiel endet ein Frankfurter Angriff in den Händen von Hamburgs Keeperin Bianca Weech, die hier unterstützt von ihren Offensivkräften Silva Lone Saländer und Kim Kulig einen Eckstoß abfängt | |
Ball kam zu Conny Pohlers, doch auch deren Schuss wurde noch zur Ecke abgelenkt. Diese brachte eine unübersichtliche Szene im Strafraum, vereinzelte Torschreie waren bereits zu hören, doch irgendwie wurde auch der nächste Ball noch zur Ecke gelenkt. Als nächste versuchte sich Kaurin, doch ihr Ball ging genau auf Weech und war zudem zu schwach. Besser machte es dann wieder einmal Pohlers, die flach von der Strafraumgrenze ins lange Eck zum 1:1-Ausgleich schoss. Doch das hätte nicht der Pausenstand sein müssen, denn Hamburg hätte erneut in Führung gehen können. Kulig hatte den Ball von rechts knapp vors Tor gebracht, doch ein Schuss aus dem Gewühl traf nur den Pfosten des Frankfurter Tores. So ging es dann also doch mit einem insgesamt schon gerechten 1:1 in die Kabinen. ![]() Hamburgs Trainer Feifel hatte Nina Jokuschies (links) "wegen ihrer Dynamik" gegen Conny Pohlers (rechts) in die Innenverteidigung gestellt. Jokuschies machte ihre Sache dort gut, doch letztlich war Pohlers dann doch von niemandem aufzuhalten und machte mit ihren drei Toren den Frankfurter Sieg perfekt Auch die erste Chance in Teil 2 hatte Hamburg, Zweigler brachte den Ball nach einem Eckstoß aber nur genau auf Keeperin Angerer. Vor dem Hamburger Tor kam Garefrekes zu einem Kopfball, nachdem Wimbersky das Leder von links schön hereingebracht hatte, aber Ergebnis war nur der x-te Eckstoß für Frankfurt. Später schoss dann Prinz mit voller Wucht die eigene Mitspielerin Pohlers an - die Frankfurter verteidigten das Hamburger Tor mit vollem Einsatz! In Minute 59 löste Pohlers dann aber nach einem von Sara Thunebro hoch in den Strafraum gebrachten Ball doch noch den Knoten und erzielte die Frankfurter Führung. Die eingewechselte Dzenifer Marozsan hätte diese wenig später ausbauen können, doch ihre Direktabnahme wurde eine erneute Beute von Weech, die dann wenig später auch gegen Wimbersky gut hielt. ![]() Hier bleibt Janina Haye Kopfballsiegerin gegen Birgit Prinz - die Hamburger Innenverteidigung stand und hielt das Spiel bis fast zum Schluss offen Als dann ein Tor von Marozsan wegen Abseits nicht gegeben wurde, war klar, es würde spannend bleiben. So musste dann auch Ariane Hingst in höchster Not vor der eingewechselten Imke Wübbenhorst retten, nachdem sich Saländer gegen Thunebro durchgesetzt hatte. Überwiegend stürmte aber nur Frankfurt, Prinz schoss äußest knapp am Hamburger Tor vorbei, dann schoss Wimbersky mit Wucht, Weech ließ abprallen, doch Marozsan kam nicht richtig an den Ball. Prinz spielte Pohlers frei, Weech stürzte ihr entgegen und vereitelte auch diese Chance. Als dann in der 88. Minute Marozsan einen Eckstoß knapp vorbei köpfte, sah es so aus, als würde es bei einem knappen Ergebnis bleiben. Eine schöne Kombination von Alexandra Krieger über Marozsan zu Pohlers hatte dann doch auch noch nur einen Pfostentreffer zum Ergebnis. Doch nur Sekunden später brachte Wimbersky den Ball gut zur gerade eben erst eingewechselten Jang Mi Lee, der südkoreanische Neuzugang der Frankfurterinnen zog flach ab, der Ball kam im Strafraum zu Pohlers und die vollendete zum 3:1. In der Nachspielzeit erzielte dann Garefrekes nach Flanke von Pohlers mit dem Kopf sogar noch das 4:1. Doch während die Frankfurterinnen in Gedanken schon in der Kabine waren, brachten Hamburger Spielerinnen den Ball ganz schnell zum Anstoßkreis, führten aus, Crnogorcevic spazierte ohne richtig angegriffen zu werden durch das Mittelfeld, gab zu Wübbenhorst in |
den Strafraum, und die erzielte nur wenige Sekunden nach dem scheinbar klaren 4:1 der Frankfurterinnen noch das 4:2 - ein Ergebnis, welches dem Spielverlauf auch wesentlich gerechter wird. ![]() Sandra Smisek kommt hier gegen Kim Kulig zum Passspiel - überlegen war Frankfurt schon, so dass der Sieg in Ordnung geht. Aber von alten Glanzleistungen ist man noch deutlich entfernt
Die Hamburger Spielerinnen waren nach dem Abpfiff am Boden zerstört und sichtlich enttäuscht. Ihr Trainer musste sein Team erst mal zum Mittelkreis zusammen rufen und wieder aufbauen. Feifel war aber froh über diese Reaktion seines Teams, die einfach zeigt, wieviel sich die Spielerinnen vorgenommen hatten und dass sie eben nicht zum "großen" FFC gefahren waren, um nur ein gutes Spiel zu machen, sondern um wirklich zu punkten. Nachdem der FFC wieder viele Chancen vergeben habe, seien sie auch nahe dran gewesen, hätten nur eine ihrer großen Chancen, den Elfmeter oder den Pfostenschuss in der ersten Halbzeit, nutzen müssen, erklärte Feifel. ![]() Die Südkoreanerin Jang Mi Lee wurde das erste Mal in Frankfurt eingewechselt. Erst wenige Sekunden auf dem Platz brachte sie mit ihrer ersten Ballberührung die Kugel flach in den Strafraum, wo Conny Pohlers zum 3:1 vollendete "Als Trainer kann ich den Ball nicht auch noch selber rein machen", meinte Frankfurts Trainer Sven Kahlert hinterher und legte damit den Finger auf ein Hauptmanko des Spiels seiner Elf, die Chancenauswertung. Lobende Worte fand Kahlert für Keeperin Angerer, die mit dem gehaltenen Elfmeter ihr Team im Spiel gehalten habe. Dann sei auch ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, und das Spiel sei besser geworden, wobei aber auch Kahlert einräumte, dass es im Frankfurter Spiel noch viel zu verbessern gäbe. Das Spiel war auch mit einem Abschied verbunden: Vor der Partie wurde Gabriela Schmidt, Gründungsmitglied des 1. FFC Frankfurt und viele Jahre im Vorstand für die Jugendarbeit zuständig, geehrt. Gaby Schmidt (Bildmitte mit erhobenem Arm) kann aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt nicht mehr länger ausüben
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