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1. Bundesliga, 6. Spieltag

Duisburg Spitze, Frankfurt wacht auf

1. FFC Frankfurt - FCR 2001 Duisburg 2:3 (1:1)

Text von Tom Schlimme

28.10.2009   Im Spitzenspiel des sechsten Spieltages eroberte sich der FCR Duisburg durch einen Sieg beim 1. FFC Frankfurt die Tabellenspitze. Doch auch auf Frankfurter Seite war man nicht völlig unzufrieden mit dem Spiel, denn trotz der erneuten Niederlage war durch den Trainerwechsel eine deutliche Leistungssteigerung zu erkennen. Die 2.900 Zuschauer sahen ein hochklassiges Spiel, zu dem beide Mannschaften beitrugen.

Von Spielbeginn an wurde von beiden Teams ein hohes Tempo vorgelegt, der Ball schnell weitergegeben und beide Teams suchten ihr Heil in der Offensive. Dabei waren beide Mannschaften personell deutlich geschwächt, auf Duisburger Seite fehlte Annemieke Kiesel, die für die Niederlande im Länderspieleinsatz war, und beim Warmspielen verletzte sich Marina Hegering, die ganz kurzfristig durch Elena Hauer ersetzt werden musste. Schon früh im Spiel musste dann auch noch Jennifer Oster verletzt ausgewechselt werden. Bei Frankfurt wurde außer den Dauerverletzten Alexandra Krieger und Ariane Hingst auch Gina Lewandowski vermisst, die sich im Training eine Bänderverletzung zugezogen hat, und Sara Thunebro war für Schweden unterwegs.

Luisa Wensing vs. Petra Wimbersky

Die 16-jährige Luisa Wensing (links) musste von ihrer Trainerin „ins Feuer geworfen” werden und honorierte das in sie gesetzte Vertrauen durch ein gutes Spiel. Aber auch Petra Wimbersky (rechts) spielte wie ausgewechselt, machte ihr bestes Heimspiel für den FFC seit gefühlten Ewigkeiten

Bild: ViolA

Doch die Spielerinnen, die für ihre Teams auf dem Platz standen, zeigten ihre Klasse. Dabei fiel auf Frankfurter Seite gegenüber den Spielen zuvor das höhere Tempo, die Spritzigkeit und die Spielfreude auf, die mit dem Wechsel von Trainer Günter Wegmann zum bisherigen Co-Trainer Sven Kahlert zurückgekehrt sind. Am krassesten war der Unterschied wohl bei Petra Wimbersky zu sehen, die wie aufgedreht agierte und ihr bestes Spiel im Stadion am Brentanobad seit vielen Monaten machte. Aber auch die anderen Frankfurter Spielerinnen spielten, als habe sich eine Bremse gelöst, frisch auf.

So drängte die Heimelf die Gäste aus Duisburg erst einmal in die eigene Hälfte zurück, doch schon der erste Eckball für Duisburg brachte deren Führung in der siebten Minute. Alexandra Popp brachte beim Kopfball am Fünfmeterraum ihre ganze Körpergröße voll zum Einsatz, und auch wenn Keeperin Nadine Angerer eine gewisse Mitschuld an dem Treffer trägt, weil sie sich nicht gegen eine Spielerinnentraube vor ihr in ihrem Fünfmeterraum durchsetzen konnte, war es letztlich einfach eine Klasseleistung von Popp, wie sie sich hier durchsetzte und wuchtig einköpfte.

Alexandra Popp gegen Svenja Huth

Alexandra Popp, die hier gegen Svenja Huth verteidigt, brachte nicht nur beim Kopfballtor ihre körperliche Überlegenheit zum Tragen

Bild: ViolA

Frankfurt antwortete mit verstärkter Angriffslust und kam zu einigen Chancen, schon zehn Minuten nach dem Führungstreffer fiel der Ausgleich. Nach einem steilen Zuspiel von Kerstin Garefrekes, die vom neuen Trainer Kahlert wie schon in den Spielen zuvor in die Abwehr zurückbeordert worden war, um diese zu stärken, drehte sich Wimbersky im Strafraum sehr schön mit dem Ball zum Tor und schoss zum 1:1 ein. Es ging weiter mit Chancen für Frankfurt, Garefrekes an das Außennetz, Laura Del Rio mit einem Schuss aus der Drehung von der Strafraumgrenze aus, den Duisburgs Keeperin, die Ex-Frankfurterin Ursula Holl, nur mit Mühe parieren konnte...


Tor  Alexandra Popp

Alexandra Popp brachte den FCR Duisburg mit diesem Kopfballtor schon in der siebten Minute in Führung

Bild: Peter Henkel

Doch dazwischen setzte der FCR seine Zeichen. Inka Grings spielte einen Zauberpass in die Schnittstelle der Innenverteidigung, Femke Maes war plötzlich völlig frei vor Angerer, verfehlte aber das Tor. Es gab weitere Chancen für den FFC, Wimbersky über das Tor, und dann wieder eine 100%ige für Duisburg: Grings nahm Christina Zerbe, die an Stelle von Tina Wunderlich in der Frankfurter Innenverteidigung eingesetzt war und bis dahin stark gespielt hatte, den Ball ab, ging alleine auf Angerer zu, die parierte aber mit einem Klassereflex. So hatte Frankfurt in der ersten Hälfte insgesamt zwar eine gewisse Feldüberlegenheit und mehr Torgelegenheiten, die deutlich klareren Chancen hatte aber Duisburg, so dass das Unentschieden zur Pause durchaus in Ordnung ging.

In der 51. Minute donnerte Wimbersky den Ball an die Latte, nur eine Minute später scheiterte Maes, wieder von Grings klasse angespielt, an Angerer. 60. Minute, Del Rio mit Schuss von der Strafraumgrenze über das Tor, 61. Minute, Freistoß für den FFC, Garefrekes kurz auf Smisek, die schläft jedoch, Hauer geht dazwischen, spitzelt den Ball nach vorne, dort verpasst Zerbe den Steilpass auf Grings, die ist alleine durch und macht das 1:2. Es folgte eine gute Gelegenheit für Simone Laudehr von links, auf der anderen Seite parierte Holl einen Freistoß von Dzenifer Marozsan.

Ursula Holl

Beide Torhüterinnen hatten öfters Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Hier ist es Duisburgs Keeperin Ursula Holl, die einen Ball gerade eben noch abwehrt

Bild: ViolA

In der 76. Minute parierte dann Angerer einen Schuss von Grings, und in dieser Phase hatte ich das Gefühl, die Spielerinnen des FFC seien erschöpft, hätten mit dem hohen Tempo zuvor ihr Pulver verschossen. Da fiel auch gleich das dritte Tor für Duisburg, die Vorentscheidung: Beim Angriff über rechts wurde der Ball nach innen gegeben, dort war Inka Grings völlig frei und erzielte ihren 11. Treffer dieser Saison im sechsten Spiel, ihr 300. Bundesligator überhaupt. Trainer Kahlert reagierte jedoch prompt, brachte mit Conny Pohlers, die somit zum ersten Einsatz für die erste Mannschaft nach ihrer über einjährigen Verletzungspause kam, und mit Sarah Günther frische Kräfte.

Conny Pohlers vs. Linda Bresonik

Conny Pohlers, hier gegen Linda Bresonik, war kaum fünf Minuten auf dem Platz, da bereitete sie bereits den Frankfurter Anschlusstreffer vor

Bild: Peter Henkel

Beide Einwechselungen erwiesen sich als goldrichtig, der FFC wachte noch einmal auf, Günther ging für Garefrekes, die nun nach vorne rückte und dort für Gefahr sorgen konnte, in die Abwehr, und Pohlers bereitete kurz nach ihrer Einwechselung den Anschlusstreffer vor, in dem sie sich rechts im Strafraum gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzte und den Ball nach innen gab, wo Birgit Prinz souverän verwandeln konnte. Damit blieb das Spiel offen bis zum Schluss, nach einem schönen Zusammenspiel von Prinz und Sandra Smisek musste Holl noch einmal ran, auf der anderen Seite ging ein Freistoß von Grings an die Latte.

Es blieb dann schließlich beim 2:3. Aufgrund der klareren Duisburger Chancen ein völlig verdienter Sieg, doch auf Frankfurter Seite darf man trotzdem optimistisch in die Zukunft


blicken. Der Aufwärtstrend unter dem neuen Trainer, der sich durch die klaren Siege in Bad Neuenahr und Hamburg bereits etabliert hat, hat sich fortgesetzt. Wenn nur einige der verletzten Spielerinnen wieder dabei sind, ist von diesem Team noch viel zu erwarten.

Laura Del Rio vs. Simone Laudehr

Laura Del Rio, die unter Günter Wegmann „wegen muskulärer Probleme” nie länger als 30 Minuten pro Spiel gespielt hatte, spielt unter Sven Kahlert 90 Minuten durch - und das gut! Hier behauptet sie den Ball vor Simone Laudehr

Bild: Peter Henkel

Auf die Frage, was er denn gemacht habe, dass sein Team so plötzlich gegenüber dem Spiel gegen Bayern München vor vierzehn Tagen zu einer solchen Spritzigkeit zurückgefunden habe, antwortete Kahlert in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Wenn ich mit einem Wort antworten darf: Spaß!” Das Team habe einfach den Spaß am Fußball wiedergefunden, und auch wenn er mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein konnte, machte Kahlert der Mannschaft ein großes Kompliment für die gezeigte Leistung.

Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg konnte allerdings mit der Leistung ihrer Mannschaft, vor allem auch mit Blick auf die zum Teil sehr kurzfristigen Ausfälle, die das Team gut verkraftet habe, ebenfalls sehr zufrieden sein. „Wir haben drei Punkte unter schlechten Vorzeichen geholt,” erklärte Voss-Tecklenburg und hob dann noch die Leistung der kurzfristig eingesprungenen Elena Hauer besonders hervor, aber auch die 16-jährige Luisa Wensing, die sie ins Feuer habe werfen müssen, habe aller Ehren wert gespielt.

Linda Bresonik vs. Laura Del Rio

Linda Bresonik, die hier vor Laura Del Rio am Ball ist, musste auch heute wieder in die Innenverteidigung. So fehlt sie dem FCR Duisburg zwar im Spiel nach vorne, ist hinten aber wichtig, um die Abwehr stabil zu halten

Bild: ViolA

1. FFC Frankfurt:
Angerer - Garefrekes, Zerbe, Bartusiak, Thomas - Huth (80. Günther), Prinz, Smisek, Wimbersky - Del Rio, Marozsan (80. Pohlers)

FCR 2001 Duisburg:
Holl - Wensing, Bresonik, Krahn, Popp - Oster (17. van Bonn), Hauer, Knaak (69. Beckmann), Laudehr, Gings, Maes

Tore:
0:1 Popp (7.)
1:1 Wimbersky (20.)
1:2 Grings (63.)
1:3 Grings (77.)
2:3 Prinz (84.)

Gelbe Karten: Garefrekes

Schiedsrichterin: Riem Hussein
mit Christiane Wenkel und Ines Appelmann

Zuschauer: 2880


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