1. Bundesliga, 4. SpieltagBayern glänzen in Frankfurt1. FFC Frankfurt - FC Bayern München 2:3 (0:1) | ||
Text von Tom Schlimme 13.10.2009 Auch ohne zehn verletzte Spielerinnen bezwang die junge Elf des Vizemeisters aus München den mit großen Ambitionen in die neue Saison gestarteten 1. FFC Frankfurt in dessen eigenem Stadion. Der Sieg war zwar aufgrund etlicher vergebener Frankfurter Chancen etwas glücklich, aber keineswegs unverdient. Denn fast über die gesamte Spielzeit wirkten die Gäste frischer und spritziger. Und dies, obwohl die Münchnerinnen die, wenn auch nicht sehr schwere, Partie in der Champions League vom Mittwoch Abend sicherlich noch in den Knochen stecken hatten. Dabei hatten die Bayern trotz der vielen Ausfälle (sicherlich nicht alles Stammspielerinnen, aber mit u.a. Melanie Behringer, Nina Aigner, Stefanie Mirlach und Corinna Paukner sehr wohl auch Leistungsträgerinnen) auch noch die wesentlich kompaktere und klarere Spielanlage. Julia Simic (links) und Vanessa Bürki nehmen hier Sandra Smisek in die Zange. Irgendwie waren die Bayern-Spielerinnen sehr häufig zahlenmäßig überlegen, schneller am Ball als die Frankfurterinnen Beeindruckend war auch, wie mutig und entschlossen die Münchner Offensivabteilung bei Ballbesitz nach vorne stürmte. Das ging über wenige Stationen blitzschnell ab wie die Feuerwehr. Julia Simic verteilte viele Bälle sehr geschickt, Nicole Banecki spielte auf der linken Münchner Angriffsseite Frankfurts Rechtsverteidigerin Karolin Thomas ein ums andere Mal schwindelig, und vorne in der Mitte lauerte dann mit Mandy Islacker eine eiskalte Vollstreckerin, die jeweils nach Vorarbeit von Banecki zwei bildschöne Tore erzielte. Dass Frankfurt insgesamt betrachtet doch ein zahlenmäßiges Plus an Torgelegenheiten erspielte, obwohl oft zuwenig Bewegung vor dem Ball zu sehen war, obwohl die Frankfurter Spielerinnen sehr viele Zweikämpfe verloren und zu oft einen Schritt zu spät kamen, obwohl sie viel zu selten den sogenannten „zweiten Ball” erobern konnten, obwohl der entscheidende letzte Pass zu selten ankam, obwohl das ganze Spielsystem nach wie vor nicht zwingend wirkt, ist wohl nur der individuellen Klasse der Einzelspielerinnen zu verdanken. Laura Del Rio, die hier gegen Katharina Baunach den Ball am Fuß führt, bewies erneut ihre ungemeine Torgefährlichkeit. Doch Trainer Günter Wegmann kann die spanische Nationalspielerin wegen muskulärer Probleme derzeit noch keine 90 Minuten lang einsetzen In 90 Minuten gibt es dann doch immer einige Szenen, in denen diesen starken Spielerinnen eine Kombination von Klasseaktionen gelingt, und dann ist fast immer eine Torchance die logische Folge. Beim 1:2 der Frankfurterinnen war es eine Klassekombination zwischen Sarah Thunebro auf Kerstin Garefrekes, die für die eingewechselte Laura Del Rio Garcia den Ball ablegte. Der Schuss von Del Rio von der Strafraumgrenze platziert ins lange Eck war ebenfalls eine Ausnahmeleistung. Del Rio schoss damit ihr viertes Saisontor im vierten Spiel, in dem sie als Einwechselspielerin nach der 60. Minute auf den Platz kam. Eine unglaubliche Ausbeute der Spanierin, die bekanntlich auch im Nationaldress in nur 39 Spielen 40 Tore erzielen konnte. |
Diese Spielerinnen hatten großen Anteil am Spielausgang: Nicole Banecki (links) spielte Karolin Thomas (rechts) mehrmals aus und bereitete die Tore von Mandy Islacker (Mitte) vor | |
Beim zweiten Frankfurter Tor war es Birgit Prinz, die sich nach einem Traumpass von Del Rio entscheidend durchsetzen konnte. Dazu kamen an guten Frankfurter Torchancen dann noch ein Freistoß von Thunebro in der ersten Halbzeit, den die ganz starke Kathrin Längert im Tor der Münchnerinnen mit Klassereflex entschärfte, und einige Kopfbälle von Garefrekes nach von Dzenifer Marozsan wirklich gut getretenen Eckstößen. Dazu kam noch ein Fernschuss von Meike Weber, den Längert nur mit Mühe und einer Faust über die Latte bugsieren konnte. So blitzte also die individuelle Klasse nicht nur der genannten Frankfurter Spielerinnen immer wieder mal auf, das reichte, um das erwähnte Chancenplus herauszuspielen, aber das reichte nicht, um gegen eine starke Keeperin Längert mehr als zwei Tore zu erzielen. Kathrin Längert im Tor des FC Bayern hielt einige schwer zu haltende Schüsse auf ihr Tor, so wie in dieser Szene einen Fernschuss von Meike Weber Bayerns Trainer Günther Wörle bezeichnete dann nach dem Spiel den Sieg als glücklich, aber nicht unverdient, während sein Pendant Günter Wegmann den vergebenen Chancen seiner Elf nachtrauerte. Doch selbst wenn Frankfurt mit Glück zwei Tore mehr geschossen und das Spiel gewonnen hätte, würde das für mich nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es dem selbsternannten Meisterschaftsanwärter nie gelungen war, den ersatzgeschwächten Gegner wirklich dauerhaft und entscheidend unter Druck zu setzen. Was passiert, wenn Duisburg oder Potsdam am Brentanobad erscheinen, möchte ich mir gar nicht erst ausmalen. Feine Einzelleistung: Birgit Prinz setzt sich hier gegen Carmen Roth durch und erzielt den 2:3 Anschlusstreffer für Frankfurt - doch dabei blieb es Das Spiel wurde dabei nicht nur in der Abwehr verloren, wie Wegmann weiter ausführte, sondern es hapert in allen Mannschaftsteilen von vorne bis hinten und meiner Meinung nach allen voran am Spielsystem. Wobei sicherlich die größten individuellen Schwächen in der Abwehr zu finden sind, wo allein Sarah Thunebro einen sicheren Eindruck machte, dann kam an zweiter Stelle für mich Tina Wunderlich, dann Saskia Bartusiak und Karolin Thomas fiel dann ganz ab, hatte allerdings mit Nicole Banecki sicherlich auch die am schwersten zu haltende Gegenspielerin. |
Jedenfalls muss mit Spielerinnen der Qualität, die auf Frankfurter Seite auf dem Platz standen, eine klarere Spielanlage und eine deutlichere Überlegenheit im heimischen Stadion geboten werden können. Damit möchte ich jetzt aber nicht allein die Trainer kritisieren, meiner Meinung nach müssen Spielerinnen mit der Erfahrung, die in Frankfurt vorhanden ist, auch selbständig in einem Spiel erkennen können, dass sie sich ohne Ball zu wenig bewegen, dass sie zu oft einen Schritt zu spät kommen, also zu weit von ihren Gegnerinnen weg stehen, bei schnellen Kontern nicht entschlossen und mit einer ausreichenden Anzahl Spielerinnen nachrücken. Momentan scheint niemand in Frankfurt ein Spiel wirklich treffend lesen und schnell die nötigen Schlussfolgerungen ziehen zu können, weder neben dem Platz noch auf dem Platz. Jugend allein macht es auch nicht: Die 17-jährige Dzenifer Marozsan fand gegen Bayern München, hier gegen Katharina Baunach, genauso wenig die richtigen Mittel wie die erfahreneren Frankfurter Spielerinnen Festzuhalten bleibt aber auch, dass Bayern München eben nicht nur über elf starke Spielerinnen verfügt, sondern inzwischen auch über eine Ersatzbank, die jederzeit auch starken Mannschaften wie Frankfurt oder am Wochenende zuvor Potsdam Paroli bieten kann. Was Sissy Raith durch gezielte Förderung einer großen Zahl junger Spielerinnen über Jahre aufgebaut und Günther Wörle dann in beeindruckender Weise weiter verfeinert und zur Vollendung geführt hat, trägt jetzt Früchte, und wer zu Beginn der Saison geglaubt hat, in München werde man die Zusatzbelastung durch die Champions League nur schwer verkraften und in der Liga etwas abfallen, dürfte sich getäuscht haben.
1. FFC Frankfurt:
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