. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



1. Bundesliga, 17. Spieltag

Essen nur 20 Minuten lang Spielverderber

SG Essen Schönebeck - 1. FFC Turbine Potsdam 1:5 (1:3)

Text und Bilder von Karin Reuter

23.03.2010   Am Ende war die Niederlage für die SG Essen-Schönebeck gegen den Meisterschaftsfavoriten aus Potsdam dann doch deutlich. Dass es trotz der frühen Führung für Essen nicht zu einer Überraschung kam, lag am starken Auftritt des amtierenden Deutschen Meisters aus Brandenburg.

1343 Zuschauer waren gekommen, darunter zahlreiche Fans von Rot-Weiss-Essen, die zum Ausklang der "Demo für den Stadionneubau" am Sportpark "Am Hallo" vorbeigekommen waren und für lautstarke Unterstützung der SGS-Frauen sorgten, wofür ihnen großer Dank gebührt.

Vor dem Spiel wurde Melanie Hoffmann anlässlich ihres 100. Bundesligaspiels für die SGS geehrt, doch die ersten Aktzente im Spiel setzte das Gästeteam. Bereits in der 4. 5. und 6. Minute hatte Potsdam Riesenmöglichkeiten, durch Mittag und Bajramaj in Führung zu gehen.

Melanie Hoffmann

Die 100 sind voll: Blumen für Melanie Hoffmann, sie hatte heute sogar schon ihr 101. Bundesligaspiel für die SGS

Doch die SGS lauerte auf Konter, spielte gut mit und versteckte sich nicht. Dafür wurden sie in der 10. Minute mit dem Führungstreffer durch Sarah Freutel (1.Bundesligator) belohnt, die mit einem Distanzschuss aus 25 Metern erfolgreich war. Damit mussten die Turbinen einem Rückstand hinterherlaufen, was nur selten vorkommt. Essen hatte in den folgenden Minuten sogar weitere gute Möglichkeiten durch Sofia Nati und Hoffmann. Nach einem Eckball in der 14. Min. für Turbine konnte die SGS klären und einen schnellen Konter einleiten, doch den Schuss von Hoffmann konnte Torfrau Desiree Schumann abfangen.

Sarah Freutel

Sarah Freutel erzielte ihr erstes Bundesligator für die SGS - und das gleich gegen den amtierenden Meister!

Potsdam startete nun wütende Gegenangriffe und versuchte Essen unter Druck zu setzen. Essens Torfrau Lisa Weiß hatte alle Hände voll zu tun. In der 21. Minute war es schließlich soweit, Nadine Keßler gelang der Treffer zum 1:1-Ausgleich. Doch noch taten sich die Turbinen schwer gegen die defensiv und kompakt stehenden Essenerinnen, die weiter versuchten, mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Lisa Weiß im Essener Tor und die Spielerinnen vor ihr leisteten Schwerstarbeit.

Nach einem Eckball von Lira Bajramaj köpfte schließlich Babett Peter (37.) den Ball unhaltbar zur 1:2 Führung ins Tor. Noch vor der Pause war es Anja Mittag, die cool zum 1:3 einschob. (43.) Bis zur Halbzeitpause blieb es dann bei diesem


Tor Nadine Keßler

Essen ging in Führung, doch am Ende kam es wie erwartet, die Turbinen nahmen sich die drei Punkte mit nach Hause. Nadine Keßler hat eben gerade den Ausgleichstreffer erzielt. Rechts im Bild Laura Hoffmann die sich im Spiel einen Nasenbeinbruch zuzog

Ergebnis, und den meisten im Stadion dürfte klar geworden sein, dass es mit einer Überraschung an diesem Tage doch nichts werden würde.

Beide Teams kamen unverändert aus der Pause zurück, und nach gerade mal 5 Minuten erhöhte Bajramaj auf 1:4 (50.). Immerhin, die Essenerinnen gaben sich nicht auf und kamen zu einer Konterchance durch Nati, die mit einem tollen Schuss den Ball hinter der Latte aufs Tornetz senkte. Doch im Wesentlichen stürmte nur noch Potsdam und hatte Chancen für Mittag, die jedoch nicht das Tor traf. Potsdam verschäfte das Tempo sogar noch, es rollte Angriff auf Angriff auf das Essener Tor, aber entweder ging der Ball knapp vorbei oder es war noch ein Fuß dazwischen. Die Abwehr der SGS war nun völlig überfordert und kam kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus.

 Bianca Schmidt gegen Sofia Nati

Blick auf den Ball: Bianca Schmidt (rechts) und Sofia Nati

In der 73. Min. tauchte die SGS aber noch einmal im Potsdamer Strafraum auf, in dem Gewühle brachte Neuzugang Emily Zurrer den Ball ins gegnerische Tor - doch der Treffer wurde wegen Torwartbehinderung nicht gegeben. 35 Minuten konnten die Essenerinnen ein weiteres Tor verhindern, doch Yuki Nagasato sorgte für die am Ende etwas zu hohe 1:5 Niederlage (85.).

Tor Emily Zurrer

Essen schoss sogar noch ein Tor: Emily Zurrer (24) überwindet hier Turbines Torfrau Desiree Schumann, doch das Tor wurde wegen Torwartbehinderung nicht gegeben...

Inka Wesely gegen Yuki Nagasato

...Statt dessen traf dann später Yuki Nagasato, hier im Zweikampf mit Inka Weseley

Turbine Potsdam war insgesamt spielbestimmend und drückend überlegen, besonders aufgrund der 2. Halbzeit ist der Sieg absolut verdient. Doch die Spielerinnen der SGS haben sich im Großen und Ganzen recht ordentlich präsentiert, trotz der hohen Niederlage bewiesen sie Moral und Kämpferqualitäten.


Essens Trainer Ralf Agolli auf der Pressekonferenz: "Ich könnte jetzt sagen, dass wir besser sind als der norwegische Meister, Turbine hat derzeit die stärkste Mannschaft, die ich in meiner Zeit als Trainer in der Bundesliga überhaupt je gesehen habe."

Fans Rot Weiß Essen

Sie kämpfen gerade für ein neues Stadion für Rot-Weiß-Essen: Zahlreiche RWE-Fans, die für Stimmung sorgten und die SGS unterstützten, hatten immerhin eine tapfer kämfende Essener Elf und einen bärenstarken Titelaspiranten gesehen

Trainer Schröder: "Die SG Schönebeck hat teilweise guten Fußball gespielt, um uns zu schlagen, muss man aber besser sein."

Auf der Tribüne war DFB-Trainerin Maren Meinert zu Gast, die wahrscheinlich ihre U 19-Schützlinge Tabea Kemme, Sofia Nati, Kyra Malinowksi und Inka Wesely unter die Lupe nahm, sowie Martina Voss-Tecklenburg und einige Spielerinnen vom FCR Duisburg, wobei Simone Laudehr sich reichlich Notizen machte. Weniger erfreulich: die SGS Spielerin Laura Hoffmann erlitt beim Spiel einen Nasenbeinbruch.

Kozue Ando und Yuki Nagasato

Die Japanischen Nationalspielerinnen li. Kozue Ando vom FCR Duisburg, re. Yuki Nagasato, Turbine Potsdam, nutzten die Gelegenheit zu einem kurzen Plausch auf japanisch

SG Essen-Schönebeck:
Weiß - L. Hoffmann, Freutel (65. Kraus), M. Hoffmann (C), Löwenberg, Malinowski, Wesely, Nati, Weichelt (80. Bade), Hamann (65. Kowalik), Zurrer

1. FFC Turbine Potsdam:
Schumann - Peter, Henning, Wich, Bajramaj (56. Nagasato), Zietz (C), Odebrecht (74. Kemme), Schmidt, Draws, Keßler (66. M. Kerschowski), Mittag

Tore:
1:0 Freutel (10.)
1:1 Keßler (21.)
1:2 Peter (37.)
1:3 Mittag (43.)
1:4 Bajramaj (50.)
1:5 Nagasato (85.)

Gelbe Karten: Löwenberg (25.), Wesely (35.)

Schiedsrichterin: Martina Storch-Schäfer (Petersberg)

Zuschauer: 1343


Zur 1. Bundesliga

Zur FanSoccer-Startseite