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1. Bundesliga, 14. Spieltag

Tadellose Kämpfermoral

SG Essen-Schönebeck – FCR 2001 Duisburg 1:1 (1:1)

Text von Marion Kehren

21.02.2010   Mit einer tollen kämpferischen Einstellung ergatterte sich der Tabellenachte verdient einen Punkt im Revierderby gegen den FCR 2001 Duisburg. Dem FCR hingegen dürften die beiden verlorenen Punkte bitter aufstoßen, da zum gleichen Zeitpunkt Turbine Potsdam in Freiburg mit 4:0 gewann und damit die Führung in der Tabelle ausbauen konnte.

So begann auch die anschließende Pressekonferenz mit deutlicher Verspätung, da Trainerin Martina Voss-Tecklenburg sehr lange bei ihrer Mannschaft in der Kabine weilte. Ihre Verspätung hatte allerdings weniger mit dem Spiel zu tun als mit der Tatsache, dass viele ihrer Spielerinnen sich nach dieser Partie in alle Winde zerstreuten, u.a. nach La Manga, zum Algarve- oder Zyperncup. „Allerdings wollte ich ihnen noch einiges mit auf den Weg geben, u.a. eine CD des heutigen Spieles, die sich dann ein paar Mal angucken können”, fügte sie mit Galgenhumor hinzu.

Stephanie Weichelt gegen Alexandra Popp

Die beiden "Tatverdächtigen" des Führungstreffers: Stephanie Weichelt und Alexandra Popp. Die eine gab den unglücklichen Rückpass auf Uschi Holl, die andere bedankte sich brav mit einem Tor...

Bild: Katrin Müller

So konnte man Voss-Tecklenburg die Unzufriedenheit über die Partie auch anmerken: „Von dem Spiel bin ich natürlich enttäuscht, weil wir eigentlich nur in den ersten 10-12 Minuten gut gespielt haben. Das Gegentor war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Schönebeck warf anschließend alles in die Wagschale und davor hatte ich meine Mannschaft gewarnt. Nach der Halbzeit haben wir viele Fehler gemacht und wir müssen uns selber hinterfragen warum die Mannschaft nicht das abgerufen und gezeigt hat was sie kann. Nichts desto Trotz gratuliere ich Essen zu dieser kämpferischen Leistung, ein bisschen davon hätte ich mir gerne von meiner Mannschaft gewünscht.”

Vanessa Martini gegen Annemieke Kiesel

Essens Abwehrfrau Vanessa Martini überließ heute nichts dem Zufall und war gegen ihre ehemaligen Vereinskolleginnen (hier Annemieke Kiesel) besonders motiviert

Bild: Sandra Kunschke

Essens Trainer Ralf Agolli hingegen konnte sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen: „Zuerst einmal muss ich meiner Mannschaft gratulieren. Wir haben versucht kompakt zu stehen und den Gegner zu hohen Bällen zu zwingen. Bereits im Vorfeld habe ich gesagt, dass wir nur eine Chance gegen Topmannschaften haben, wenn diese einen schlechten Tag erwischen. Die letzten zehn Minuten waren noch einmal richtig brenzlig. Die Mannschaft hat mit Leidenschaft diesen Punkt geholt.”

Sofia Nati gegen Marith Prießen

Die quirlige Jung-Nationalspielerin Sofi Nati sorgte vor allem in der ersten Halbzeit für mächtig viel Unruhe, hier gegen Bresonik-Ersatz Marith Prießen

Bild: Katrin Müller

Essen durfte sich bei diesem Spiel über die Rückkehr der Langzeitverletzten Inka Wesely freuen, die in ihrem zweiten Spiel seit überstandenem Kreuzbandriss förmlich über sich hinauswuchs. Duisburg hingegen musste kurz vor Spielbeginn noch eine weitere Hiobsbotschaft hinnehmen. Linda Bresonik fiel wegen muskulärer Probleme aus und musste auf der Bank neben der verletzten und gelb-rot gesperrten Simone Laudehr Platz nehmen.

In der Anfangsphase machte Duisburg richtig Dampf und testete gleich mehrfach Neu-Nationalspielerin Lisa Weiß im Tor der Essenerinnen. Die erste Tormöglichkeit nach zwei Minuten hatte


Inka Grings gegen Inka Weseley

Ein typisches Bild: Die Duisburgerinnen stürmten, doch die Essener Spielerinnen warfen sich ihnen mit aller Kraft entgegen - so wie hier die nach ihrer langen Verletzungspause schon wieder sehr starke Inka Weseley gegen Inka Grings

Bild: Volker Nagraszus

Femke Maes mit dem Kopf, nach weiteren zwei Minuten Alexandra Popp mit einem sehenswerten Fallrückzieher und anschließend reihte sich auch noch Inka Grings mit einem gefährlichen Schuss ein.

Faustabwehr Lisa Weiß

Im direkten Vergleich der beiden Ersatztorhüterinnen der Nationalmannschaft bot Lisa Weiß wieder eine hervorragende Leistung und steht nicht zu Unrecht im Kader...

Bild: Sandra Kunschke

Faustabwehr Uschi Holl

...doch nach ihrem Fehler konnte auch Uschi Holl durch diverse Abwehr- und Flugeinlagen glänzen

Bild: Volker Nagraszus

Aber im direkten Gegenzug fiel völlig überraschend das 1:0 für die SGS. Nach einem total verunglückten Rückpass von der zweiten Neu-Nationalspielerin Alexandra Popp auf Holl, wehrte diese mit dem falschen Fuß ab und spielte den Ball direkt vor die Füße von Stefanie Weichelt. Diese lies sich nicht lange bitten und vollendete dieses Ping-Pong-Spiel mit einem wunderschönen Heber, sehr zur Freude der heimischen Fans.

Die Löwinnen erhöhten merklich den Druck, sodass sich ein Sturm auf ein Tor entwickelte, aber Essen setzte tapfer dagegen. Besonders die Abwehr um Inka Wesely und Melanie Hoffmann machte den Duisburgern das Leben schwer. In der 20. Minute hatte Kiesel die bis dato größte Chance zum Ausgleich, als sie nach schönem Zuspiel von Ando das gegnerische Tor knapp verfehlte.

Kozue Ando

Duisburgs Neuzugang Konzue Ando versuchte ihr Bestes, aber immer waren gleich zwei Essenerinnen (wie hier: Sofi Nati, Marlene Kowalik) zu Stelle

Bild: Katrin Müller

Noch nicht ganz durchgeatmet zappelte der Ball eine Minute später doch im Netz der Schönebeckerinnen. Oster hatte sich auf der rechten Seite gleich gegen drei Gegenspielerinnen durchsetzen können und mit einer präzisen Flanke Maes bedient, die nur noch zum 1:1 einzuschießen brauchte. Danach verflachte die eh schon spielerische schlechte Partie zusehends. Auf dem schweren Boden waren Torraumszenen Mangelware.

Torschützin Femke Maes

Femke Maes krönte ihre super Leistung mit einem Tor und konnte sich bei Jennifer Oster für die tolle Vorlage bedanken

Bild: Volker Nagraszus

Nach der Halbzeit das gleiche Spiel. Die Duisburgerinnen mit wesentlich mehr Spielanteilen, schafften es aber weiterhin nicht, ihr Spiel aufzuziehen, sondern glänzten stattdessen mit Fehlpässen und Unkonzentriertheit. Essen hingegen machte hinten dicht und versuchte keinen Abgriff der Gäste


durchzulassen und konnte sich nur durch einige Konter Luft machen, doch spätestens bei Uschi Holl war Endstation.

Ansehnliche Spielzüge auf beiden Seiten waren weiterhin kaum gegeben. In der 75. Minute hatte Essen sogar die größte Möglichkeit zum Führungstreffer, als Jessica Bade knapp am Tor vorbei köpfte. Einzig und allein die neu eingewechselte Hasret Kayikci und die quirlige Belgierin Femke Maes sorgten auf FCR-Seite für ein bisschen Unruhe.

Schiedsrichterin Katrin Rafalski

Schiedsrichterin Katrin Rafalski griff hart durch und fackelte nicht lange, hier ermahnt sie Marith Prießen, Carolin Hamann sucht das Weite. Sechs bzw. fünf gelbe Karten und einmal gelb-rot waren ihre Ausbeute

Bild: Katrin Müller

In den letzten Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Schiedsrichterin Katrin Rafalski, die eh schon 6x gelb verteilt hatte, stellte Bade wegen Unsportlichkeit vom Platz. Der FCR warf nochmals alles nach vorne, während Essen den Punkt retten wollte. Der Ball kommt zu Maes, die volley abzieht, Weiß kann den Ball nur abklatschen lassen, dieser fällt direkt vor die Füße von Grings, doch das Tor wurde wegen angeblicher Abseitsstellung nicht gegeben.

Torjubel Inka Grings

Umsonst gejubelt Inka! Ball zwar im Netz, aber die Schiedsrichterin wollte ein Abseits gesehen haben

Bild: Volker Nagraszus

Die Spielzeit war schon längst vorbei, dennoch pfiff die Schiedsrichterin das Spiel nicht ab. Das Essener Publikum war außer sich während ihre Mannschaft weiter tapfer um diesen einen Punkt kämpfte. Als endlich der heiß ersehnte Abpfiff erfolgt war die Freude auf Essener Seite riesengroß während die Duisburgerinnen mit hängenden Köpfen auf dem Platz stehen... und das Abseitstor? Das dürfte auch noch heute bei beiden Teams Gesprächsstoff sein...

SG Essen-Schönebeck:
Weiß – L. Hoffmann, Martini, Kowalik, M. Hoffmann, Löwenberg (83. Chojnacki), Wesely, Kraus (46. Goddard), Nati (64. Bade), Weichelt, Hamann

FCR 2001 Duisburg:
Holl –Prießen, Oster, Kiesel, Grings, Krahn, Maes, Hegering (61. Knaak), Popp, Ando (73. Kayikci), Wensing

Tore:
1:0 Weichelt (8.)
1:1 Maes (21.)

Gelbe Karten: Löwenberg, Goddard, Chojnacki/ Krahn, Popp

Gelbrote Karte(n): Bade (81. Unsportlichkeit)

Schiedsrichterin: Katrin Rafalski (Bad Zwestern)
mit Anna Katharina Scheib und Sonja Kuttelwascher

Zuschauer: 1.012


Weitere Bilder von Katrin Müller unter:
www.kapixblog.net

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