1. Bundesliga, 10. Spieltag4 Tore und ein launiger Bernd SchröderSC 07 Bad Neuenahr - 1. FFC Turbine Potsdam 0:4 (0:1) | ||
Text von Peter Eckhardt 03.12.2009 Das Spitzenspiel zwischen dem Tabellendritten SC 07 Bad Neuenahr und dem Primus Turbine Potsdam endete mit einem klaren 4:0 (1:0) für den deutschen Meister. Eindrucksvoll und unterhaltsam verlief auch die Pressekonferenz nach dem Spiel, in der Potsdams Trainerurgestein Bernd Schröder kräftig seine Meinung abließ. Die Kurstädterinnen, die keineswegs enttäuschten, mussten eingestehen, dass es noch 2-3 Jahre harter Arbeit bedarf, um den von den Turbinen gezeigten Traumfussball zu spielen. Alleine Lira Bajramaj und Anja Mittag waren schon das Eintrittsgeld wert. Nationalspielerin Lira Bajramaj bestätigte die Hochform, in der sie sich seit Wochen befindet, auch in Bad Neuenahr Aber es wäre zu einfach, das Spiel des Meisters alleine auf die Beiden zu reduzieren. Potsdam trat als geschlossene Einheit auf. Wenn man jetzt bedenkt, dass die Truppe von Bernd Schröder eigentlich immer erst in der 2. Saisonhälfte so richtig aufdreht, kann einem schon Angst und Bange werden vor so viel Spielwitz. War das 1:0 durch Lira Bajramaj noch durch einen krassen Fehler im Spielaufbau, von Lydia Neumann entstanden, so waren die restlichen Tore Ergebnis reinster Spielkultur. Jessica Wich, nochmals Bajramaj und Anja Mittag vollendeten tolle Spielzüge über die Flanken der Turbine-Offensive. Die beste Neuenahrerin - Keeperin Romina Holz - war es, die mit tollen Paraden ein Dabakel verhinderte. Dieses hätten die Girls von Trainer Thomas Obliers allerdings auch nicht verdient gehabt, stemmten sie sich doch mit allem was sie hatten gegen den Sturmwirbel der Gäste. ![]() Hier hat Bad Neuenahrs Keeperin Romina Holz den Ball sicher vor Monique Kerschowski, so dass Lydia Neumann nicht mehr eingreifen muss Dieses Spiel hätte wahrlich mehr als 855 Zuschauer verdient gehabt. Man muss sich schon einmal die Frage stellen, welche Tabellenkonstellation her muss, um in Bad Neuenahr die 1000er Grenze zu knacken. Immerhin beläuft sich der Schnitt der ersten Heimspiele auf 697 Zuschauer. In der Rückrunde stehen dann noch die Partien gegen Bayern, Duisburg und Frankfurt auf dem Programm. Bei mindestens einem dieser Spiele sollte es dann wohl klappen. Am Sonntag jedenfalls sorgte der Turbineanhang sangeskräftig für eine Auswärtsspielathmosphäre, zu verhalten gaben sich Fans des SC 07. ![]() Sehenswerter Zweikampf zwischen Lydia Neumann (hinten) und Monique Kerschowski |
Anja Mittag, die hier zwischen Peggy Kuznik und Laura Störzel zum Schuss kommt, machte vor den Augen der Bundestrainerin ein Riesenspiel, ragte gemeinsam mit Lira Bajramaj aus dem starken Potsdamer Team noch ein Stück hinaus | |
Selten wurde in der Kurstadt nach einer Niederlage in der Pressekonferenz so gelacht. Verantwortlich dafür war Trainerurgestein Bernd Schröder. Bei der Nachbetrachtung des Spiels stellte er fest: "Wir haben den Gegner sehr ernst genommen und haben etwa 100 km entfernt in Remscheid übernachtet. Da kam keiner auf die Idee vorher Dummheiten zu machen. Wir kennen das ja mit dem leckeren Ahrwein. Ich selbst habe mir eine Flasche für die Rückfahrt gesichert, die lasse ich mir munden. Wir haben heute unser bestes Spiel in Neuenahr seit langem gemacht. Die sind schon gut, aber wir waren heute eine Klasse stärker. Mittag und Bajramaj könnten das Sturmduo der Nationalelf sein, aber das dies nicht so ist, liegt am System, was bei Silvia Neid gespielt wird." Diese war denn auch im Stadion und hatte nach dem Spiel noch lange mit dem Turbinetrainer geplauscht. ![]() Ramona Petzelberger am Ball, hinter ihr lauert Nadine Keßler Schröders Spielanalyse war derart ausgiebig, dass sein Kollege Obliers lachend meinte: "Was soll ich denn jetzt noch sagen?" Er verwies noch auf die klare Torchance durch einen Kopfball von Celia Okoyino da Mbabi, welche im Erfolgsfalle das 1:1 bedeuter hätte, nur wer zweifelte daran, das die Gäste das Spiel nicht doch gewonnen hätten. Obliers jedenfalls nicht, dazu ist er zu sehr Realist. Nachdem Bernd Schröder die tolle Arbeit von Obliers gelobt hatte, stellte einer der Anwesenden die Frage nach dem Rahmnterminplan für 2010/11. Bekanntlich endet die kommende Saison bereits am 13. März 2011, um der Nationalmannschaft optimale Bedingungen zu gewährleisten. Nun lief Schröder heiß: "Es ist natürlich so, das es verheerend wäre, würde die Nationalelf im Sommer 2011 versagen. Der Frauenfußball in Deutschland würde in ein großes Loch fallen. Alleine deshalb kann ich Frau Neid verstehen", zeigte Schröder erst einmal Verständnis für den Standpunkt des DFB. Um sich dann kritisch mit den Vertretern der anderen Vereine auseinander zu setzen: "Was mir hier in der Liga fehlt, ist die Kultur des Streites und des Respektes. Deren Wert geht immer mehr verloren. Warum wehren sich die meisten Vereinsvetreter nicht gegen solche Pläne? Es ist dann ein halbes Jahr, in denen die Vereine keine Einnahmen haben, keine Möglichkeit die wertvollen Sponsoren zu präsentieren. Da sitzen dann Leute von den Vereinen bei den Tagungen, die froh sind, beim DFB mal eine Tasse Kaffee trinken zu dürfen. Auf solche Witzveranstaltungen habe ich einfach keine Lust mehr. Wenn beim DFB Leute sitzen, von denen man noch nie etwas gehört hat und die dann auch keinen kennen, wenn man dort anruft, dann kann sich jeder vorstellen, |
wo das hinführt. Es sind nur 2-3 Vereine, die dort Ihren Standpunkt kundtun, was soll das? Die haben dann doch gegen die Abnicker vom Dienst keine Chance. Da muss etwas passieren, soviel steht fest." ![]() Beim 0:2 durch Jessica Wich hatte Romina Holz keine Abwehrchance Ausgeschmückt mit dem einen oder anderen Scherz, trieben die Aussagen des Trainers selbst seinem Gegenüber die Lachtränen in die Augen, wobei es ausdrücklich die Art und Weise des Vortrages war und nicht der Inhalt, denn dieser ließ die Audienz stürmisch applaudieren. ![]() Die Trainer nach dem Spiel: links Bernd Schröder, rechts Thomas Obliers. Ob der Bad Neuenahrer Trainer da schon ahnte, dass er in der Pressekonferenz so viel zum Lachen bekommen würde - bei gleichzeitig starker inhaltlicher Aussage? Man kann nur hoffen, das Schröder der Liga noch lange erhalten bleibt, denn solche Menschen sind es, die Etwas bewegen können. Wenn er dann beim nächsten Mal die Punkte wieder im Ahrtal lässt, ist es den SC 07-Anhängern natürlich noch lieber.
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