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1. Bundesliga, 17. Spieltag

Druckvolle zehn Minuten drehten das Spiel

FC Bayern München – VfL Wolfsburg 2:1 (0:1)

Text von Sascha Pfeiler

22.03.2010   Mit einem 2:1 Heimsieg kann der FC Bayern München seinen Aufwärtstrend bestätigen. Allerdings sah das nach der ersten Halbzeit ganz anders aus, denn zum Halbzeitpfiff führte der VfL Wolfsburg völlig verdient mit 0:1. Nach der Pause besannen sich die Münchenerinnen auf ihre Stärken und drehten das Spiel mit zwei Treffern binnen vier Minuten.

Als Angstgegner haben die Bayern den VfL Wolfsburg vor dem Spiel bezeichnet. Bayerns Trainer Günther Wörle kommentierte die Ausgangslage vor dem Spiel: „Gegen den VfL Wolfsburg sind eigentlich noch zwei Rechnungen zu begleichen!” Genau genommen waren es drei, wenn man das gesamte Jahr 2009 betrachtet, denn im vergangenem Jahr konnte der FC Bayern keins der 3 Spiele gegen die Niedersachsen gewinnen. Im Rückspiel der Saison 08/09 hieß es in einem verrückten Spiel am Ende 3:3 unentschieden. Im Hinspiel der laufenden Saison gewannen die Wölfe zu Hause haushoch mit 4:0 durch zwei Doppelpacks von Martina Müller und Selina Wagner und zu guter Letzt warf der VfL die Bayern im laufenden DFB-Pokal in Aschheim mit 1:3 aus dem Wettbewerb.

Martina Müller gegen Kathrin Längert

Martina Müller war auch heute wieder gefährlich: Kathrin Längert (re.) pariert hier grandios bei der Großchance von Wolfsburgs Törjägerin Nr.1 in der 31. Minute

Bild: Sascha Pfeiler

Der VfL Wolfsburg wollte nach dem verspäteten aber geglückten Rückrundenstart (2:0 gegen SC 07 Bad Neuenahr) in München nachlegen und vor dem harten Programm inklusive dreier Nachholspiele bis Mai wichtige Punkte einfahren. Mit der guten Statistik gegen die Bayern im Hinterkopf konnte das Team mit dementsprechend großem Selbstvertrauen an die Isar fahren. Und genauso fing Wolfsburg auch an.

In der ersten Halbzeit hatte der VfL leichtes Übergewicht im Spiel und auch die besseren Tormöglichkeiten. Martina Müller, Wolfsburgs beste Torschützin in dieser Saison, hatte zwei Großchancen (18. und 31. Minute), scheiterte aber beide Male an der erneut starken Bayerntorfrau Kathrin Längert. In der 35. Minute trat Andrea Wilkens eine Ecke für die Gäste hoch in den Münchener Strafraum und die Innenverteidigerin Rebecca Smith verwandelte per Kopfball-Lupfer über Längert zum 0:1. Für die in ihrer Karriere weit herumgekommene neuseeländische Nationalspielerin war dies der erste Bundesligatreffer für die Wölfinnen seit ihrem Wechsel im Januar 2009 von den Newcastle United Jets (Australien).

Jubel Wolfsburg

Großer Jubel nach dem Tor von Rebecca Smith bei den Wölfinnen. v.l. Anna-Kaisa Rantanen, Selina Wagner, Stephanie Bunte, Rebecca Smith

Bild: Sascha Pfeiler

Für die Bayern gab es im ersten Durchgang genau eine nennenswerte Torchance, als Stefanie Mirlach in der 19. Spielminute den Ball nach einer perfekten Flanke von Nina Aigner über das Tor von Alisa Vetterlein köpfte. Eine deutliche Reaktion der Münchener Mannschaft auf die Führung der Wolfsburger war vorerst nicht zu erkennen. Pünktlich pfiff Schiedsrichterin Moiken Reichert zur Pause und die Bayernfrauen durften sich wohl auf eine flammende Halbzeitansprache von Günther Wörle „freuen”. Dagegen konnte Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann mit der Leistung seiner Mannschaft sehr zufrieden sein, auch wenn man nach den Großchancen von Müller schon durchaus hätte höher führen können, wenn nicht gar müssen.


Kopfball Stefanie Mirlach

Stefanie Mirlach (li.) bei der einzigen nennenswerten Chance des FC Bayern in der ersten Halbzeit. Per Kopf setzt sie sich gegen Stephanie Bunte und Torfrau Alisa Vetterlein durch. Der Ball fliegt allerdings über das Tor. In der zweiten Hälfte machte es Mirlach jedoch besser, schoss erste den Ausgleich und bereitete dann den Siegtreffer vor

Bild: Frank Scheuring

Anscheinend hatte Wörle in der Halbzeit tatsächlich die richtigen Worte gefunden, denn nach dem Wiederanpfiff konnten die 310 Zuschauer im Sportpark Aschheim einen völlig anderen FC Bayern erleben. Es waren noch die selben Spielerinnen wie in Halbzeit eins auf dem Platz, aber nun traten die Bayern als Heimteam auf, machten plötzlich Druck und suchten den Weg ausschließlich in die Spitze.

Anna-Kaisa Rantanen gegen Isabell Bachor

In fast allen Aktionen in der ersten Halbzeit war der VfL Wolfsburg bissiger. Hier der Zweikampf zwischen Anna-Kaisa Rantanen (li.) und Isabell Bachor. In der zweiten Hälfte drehte sich dieses Bild etwas

Bild: Sascha Pfeiler

In der 49. Minute war es Isabell Bachor, die mit einem schönen Pass Bianca „Jay” Rech bediente. Rech spitzelte den Ball in Richtung Tor, aber Alisa Vetterlein im Wolfsburger Tor konnte mit den Fingerspitzen abwehren. Stefanie Mirlach stand goldrichtig und musste den Ball nur noch einschieben – 1:1. Die Bayern hatten den Ausgleich förmlich erzwungen. Eben noch Torschützin, jetzt die Vorbereiterin: Nur vier Minuten später legte Mirlach mit Auge für Spielmacherin Julia Simic auf, die konzentriert an Vetterlein rechts oben vorbei verwandelten konnte. Die zweite Halbzeit war zu diesem Zeitpunkt erst acht Minuten alt und der Doppelschlag der Bayern hatte die erste Hälfte auf den Kopf gestellt.

Nach der Führung des FC Bayern mussten die Wölfinnen wieder mehr fürs Spiel tun. Wirklich geschockt zeigten sie sich nicht vom Doppelschlag der Bayern, bekamen schnell wieder Ruhe in das eigene Spiel.

Vor dem Tor von Kathrin Längert wurde es noch zweimal richtig brenzlig. Die Ungarin Zsanett Jakabfi köpfte in der 63. Minute nach einer Ecke aufs Tor und die kleine Julia Simic klärte ebenfalls per Kopf auf der Linie in höchster Not. Direkt im Anschluss an Simics Rettungsaktion verpassten Martina Müller und Anna-Kaisa Rantanen im dichten Strafraumgedränge den Anschluss für ihr Team.

Jubel Nina Aigner u.a.

Julia Simic und Stefanie Mirlach drehten das Spiel mit ihren Treffern innerhalb von nur vier Minuten. v.l. Julia Simic, Stefanie Mirlach, Tanja Wörle (verdeckt), Nina Aigner, Isabell Bachor

Bild: Frank Scheuring

Nach dem Spiel haderte Ralf Kellermann folgerichtig mit der Chancenverwertung seiner Mannschaft, gerade weil man das Spiel über weite Strecken bestimmt hatte. Günther Wörle freute sich selbstverständlich über den Sieg gegen Angstgegner Wolfsburg und erkannte, dass der FC Bayern München nach 4 Siegen aus 5 Spielen das erfolgreichste Team der 1. Bundesliga in der Rückrunde sei. Außer Acht gelassen hat er dabei nur, dass manche Bundesligisten durch die vielen Spielausfälle im Februar noch keine fünf


Spiele in der Rückrunde bestreiten konnten. Die Wolfsburgerinnen haben sogar 3 Spiele Rückstand.

 Alisa Vetterlein

Wolfsburgs Keeperin Alisa Vetterlein und ihr Team könnten mit drei Siegen in den drei anstehenden Nachholspielen noch bis auf Platz fünf der Tabelle aufsteigen

Bild: Sascha Pfeiler

Die versammelte Presse drängelte sich nach dem Spiel um die Noch-Münchnerin Melanie Behringer. Auf die Fragen zu ihrem Wechsel zum Saisonende zum 1.FFC Frankfurt antwortete sie: „Im Hinblick auf die WM 2011 ist es wohl die richtige Entscheidung, nach Frankfurt zu gehen. Der FFC hat mir einfach ein sehr attraktives Paket angeboten und ich denke, meine Mitspielerinnen hätten alle genauso entschieden wie ich. Dem FC Bayern München danke ich für zwei schöne Jahre und wünsche ihnen alles Gute.”

Melanie Behringer

Beliebte Interviewpartnerin: Melanie Behringer nimmt Stellung zu ihrem gerade erst bekanntgegebenen Wechsel zum 1.FFC Frankfurt

Bild: Sascha Pfeiler

FC Bayern München:
Längert - de Pol, Rech, Wenninger, Paukner, Mirlach (60. Bürki), Simic (80. Spieler), Behringer (88. Pini), Wörle, Aigner, Bachor

VfL Wolfsburg:
Vetterlein - Smith, Omilade, E.Chandraratne, Bunte (76. Marxkord), Wilkens (85. Brendel), Rantanen, Jakabfi, Wagner, Wiik (46. Blässe), M.Müller

Tore:
0:1 Smith (35.)
1:1 Mirlach (49.)
2:1 Simic (53.)

Gelbe Karten: Wenninger, Mirlach, Paukner

Schiedsrichterin: Moiken Reichert (Lampertheim)

Zuschauer: 310


Weitere Fotos unter:
www.girlsplay.de

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