. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



1. Bundesliga, 19. Spieltag

Harmlosigkeit vor dem Tor kostet einen Punkt im Abstiegskampf

FC Bayern München – SC Freiburg 2:1 (1:1)

Text und Bilder von Sascha Pfeiler

18.04.2010   Der SC Freiburg verpasst den Sprung aus der Abstiegszone der 1. Bundesliga mit einer 2:1 Niederlage beim FC Bayern München. Für die Breisgauerinnen wäre mehr drin gewesen, doch vor dem Tor zeigte man Nerven.

„Es wäre an der Zeit, auswärts auch mal was Zählbares mitzunehmen.”, so der Freiburger Trainer Edgar Beck vor der Partie. Im Jahr 2009 hat der SC Freiburg 4 Punkte in München geholt, 2:4 nach 2:0 Rückstand im April und das unvergessene 5:5 im November; Selbstvertrauen sollten die Ergebnisse geben. Beck musste in München ohne Valerie Kleiner auskommen, die sich derzeit auf ihre Abiturprüfungen vorbereitet. Ebenfalls fehlten Neuzugang Kelly Parker (Haarriss im Mittelfußknochen) und Stürmerin Susanne Hartel (Bänderriss). „Wichtig wird sein, unsere Torchancen mit mehr Ruhe und abgeklärter abzuschließen und zu verwerten, dann können wir auch gegen die Bayern was holen.” Dieser Satz war nach dem Spiel aktueller denn je.

name

Sonja Spieler gab gegen Freiburg ihr Startelfdebüt nach ihrer Rückkehr zum FC Bayern München

„Wir richten den Blick nach vorne und wollen gewinnen.”; so die nüchterne Aussage von Günther Wörle, dem Bayerncoach, vor dem Spiel. Doch den Bayern fehlten neben den Langzeitverletzten Katharina Baunach, Mandy Islacker und Sylvie Banecki auch die Stammkräfte Nina Aigner (Knieprobleme) und Bianca Rech (Achillessehne). So kam die Österreicherin und Bayernrückkehrerin Sonja Spieler zu ihrem Startelfdebüt.

Thema Chancenverwertung: Aus vier Großchancen in der ersten Halbzeit machte der SC Freiburg ein Tor. Bereits in der sechsten Minute kam die Amerikanerin Mele French im Bayernstrafraum an den Ball, Bayerns Innenverteidigerin Corinna Paukner konnte ihr nicht mehr folgen, doch der Torschuss war nur halbherzig, Bayerntorfrau Kathrin Längert hatte keine Mühe, den Ball zu fangen. In der 24. Spielminute setzte sich die starke Juliane Meier auf der linken Seite gegen drei Bayernspielerinnen durch, bediente wunderschön Martina Moser im Strafraum, doch wieder kam der Abschluss ohne Präzision und landete am Außennetz.

Kathrin Längert

Bayerns Nr. 1 Kathrin Längert macht erneut ein gutes Spiel und sichert ihrer Mannschaft mit ihrer Leistung den Heimsieg

Die Bayern waren bemüht, das Spiel ruhig aus der eigenen Abwehr heraus aufzubauen. Der Ball wurde oft quer gespielt, Torfrau Kathrin Längert wurde als eine Art Libera mit eingebunden. Doch nach vorne ging im Spiel des immer noch amtierenden Vizemeisters nicht viel. Nach 23 Minuten rief Coach Wörle hörbar unzufrieden aufs Feld: „Die Hälfte der ersten Halbzeit ist vorbei und wir haben noch nicht einmal aufs Tor geschossen oder einmal einen Pass in die Tiefe gespielt!” Seine Spielerinnen nahmen sich die Worte zu Herzen und agierten nun offensiver. In der 29. Minute ergab sich nach einem Foul an Sonja Spieler eine gefährliche Freistoßsituation etwa 25 Meter vor dem Freiburger Tor. Melanie Behringer setzte den Ball in die gut postierte Freiburger


Mele French vs. Corinna Paukner

Die Freiburger Stürmerin Mele French (lks.) vergab zahlreiche Torchancen, wie hier beim Torschuss in der 6. Minute. Corinna Paukner kann ihr nicht folgen

Mauer. In der 30. Minute dann der erste wirkliche Torschuss der Bayern durch Isabell Bachor von halbrechts, Freiburgs Torfrau Marisa Brunner bekam gerade noch die Fingerspitzen an den Ball und lenkte ihn zur Ecke, die nichts einbrachte, wie man so schön sagt.

Drei Minuten später wieder ein Freistoß der Bayern, getreten durch Sonja Spieler. An den Ball kommt per Kopf Bayerns Geburtstagskind Stefanie Mirlach. Weiterhin 0:0, denn der Ball geht knapp links unten am Tor vorbei. Kurz danach, in der 33. Minute, nahm sich Isabell Bachor ein Herz, zog ca. 20 Meter vor dem Freiburger Tor ab und traf zum 1:0. Marisa Brunner war machtlos, denn der Ball wurde von einer SC-Abwehrspielerin unhaltbar abgefälscht.

Die Freiburgerinnen zeigten sich von der bayerischen Druckphase wenig beeindruckt und spielten weiter ihr Spiel. 7 Minuten nach dem Führungstor der Bayern schlug der SC nach einem Freistoß von Juliane Maier aus gut 35 Metern zurück. Der Ball landete auf dem Kopf der von der bayerische Abwehr allein gelassenen Michelle Wenino, die nur noch einnicken brauchte. Mit ihrem ersten Tor für den SC brachte die Amerikanerin Wenino, die erst seit knapp 4 Monaten im Breisgau unter Vertrag steht, die Freiburgerinnen zurück ins Spiel.

Myriam Krüger vs. Sonja Spieler

Myriam Krüger wird durch Sonja Spieler (liegend) hart attakiert.

Vor der Pause fast der Führungstreffer für den SC Freiburg. Nach einer Ecke von Juliane Maier köpfte Julia Zirnstein den Ball an den Pfosten. Bayerns Kapitänin Tanja Wörle, die am Pfosten postiert war, war vollkommen überrascht und griff nicht ein. Der Nachschuss von Mele French landete wieder am Außennetz. 1:1 zur Pause.

Einmal mehr scheint Günther Wörle in der Halbzeitpause die richtigen Worte für die Ansprache an seine Bayernfrauen gefunden zu haben. Denn in der Anfangsphase nach dem Wechsel spielte seine Elf, wie ein Heimteam spielen muss. Man setzte sich in der gegnerischen Hälfte fest, kam aber noch nicht zu nennenswerten Torchancen. Die Freiburgerinnen konnten sich nur vereinzelt mit Entlastungsangriffen befreien. In der 59. Minute passte Bayerns Spielmacherin Julia Simic auf die im Strafraum freistehende Ex-Freiburgerin Melanie Behringer, die sich nur noch drehen und die Ecke aussuchen musste. Sie entschied sich für die linke Ecke, überwand die Schweizer Nationaltorfrau Marisa Brunner und schoss zum 2:1 ein.

Und wieder musste Freiburg reagieren. Vier Minuten nach Behringers Treffer war es erneut Mele French, die die gesamte überforderte bayerische Abwehr ausdribbelte, gar Katz und Maus mit ihr spielte. Zum Torschuss kam sie auch, doch wiederum schob sie den Ball nur Richtung Bayerntor, Kathrin Längert war schnell unten auf der Linie und erstickte die Chance sicher. Freiburgs beste Spielerin Juliane Maier musste Mitte der zweiten Halbzeit aufgrund einer Muskelverhärtung ausgewechselt werden, für sie kam Selina Nowak, die auch gleich mit einer platzierten Flanke Jeanne Haag bediente, die allerdings die entstandene Chance zum erneuten Ausgleich leichtfertig vergab.

Es passierte nicht mehr viel im Sportpark Aschheim, die 325 Zuschauer


sahen bei bestem Fussballwetter eine Freiburger Schlussoffensive, die den Namen nicht verdiente. Denn alle Bemühungen der vom Abstieg bedrohten Breisgauerinnen brachten keine Gefahr für das Bayerntor. Trainer „Ede” Beck nach dem Spiel: „Ich bin mehr als enttäuscht, dieses Gefühl kann man mit Worten gar nicht beschreiben. Das ist ganz bitter, diesen Punkt hätten wir ganz dringend brauchen können.”

Stefanie Mirlach

U20 Nationalspielerin Stefanie Mirlach konnte an ihrem 20sten Geburtstag auch den Heimsieg ihrer Mannschaft feiern

Der FC Bayern München konnte mit dem Heimsieg den vierten Tabellenplatz vor dem VfL Wolfsburg behaupten. In den restlichen drei Bundesligapartien gegen TeBe Berlin, den Hamburger SV und den FCR Duisburg 2001 gilt es nun, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um den Anschluss an die großen Drei der Liga bis zum Ende der Saison zu halten und nicht Platz 4 noch an den VfL Wolfsburg abzugeben.

Beim SC Freiburg wird die Luft um Abstiegskampf immer dünner. Mit einem Punkt in München, der durch die Vielzahl der Großchancen möglich war, hätte man mit dem 1.FC Saarbrücken gleichziehen können. Nun muss im Endspurt dringend gepunktet werden, um dem drohenden Abstieg einmal mehr zu entgehen. Die Gegner der letzten drei Spiele heißen Hamburger SV, FCR Duisburg 2001 und am letzten Spieltag hat man zum Showdown die SG Essen-Schönebeck zu Gast im heimischen Möslestadion, die ebenfalls noch um den Klassenerhalt kämpfen.

Melanie Behringer vs. Stéphanie Wendlinger

Ex-Freiburgerin Melanie Behringer (lks.) rettet in höchster Not mit einem harten Zweikampf gegen Freiburgs Stéphanie Wendlinger



FC Bayern München:
Längert - de Pol, Spieler, Paukner, Wenninger, Mirlach, Simic, Behringer (81. Dietsch), Wörle, Bürki, Bachor (76. N.Banecki)

SC Freiburg:
Brunner - Faißt, Boschert, Wendlinger (79. Eberhart), Zirnstein, Krüger, Moser (85. Hummel), J.Maier (62. Nowak), Haag, French, Wenino

Tore:
1:0 Bachor (33.)
1:1 Wenino (40.)
2:1 Behringer (59.)

Gelbe Karten:Spieler / Krüger, Haag, Zirnstein

Schiedsrichterin: Dr. Riem Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer: 325


Weitere Fotos unter:
www.girlsplay.de


Zur 1. Bundesliga

Zur FanSoccer-Startseite