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1. Bundesliga, 8. Spieltag

Knapper Heimsieg im Nordderby

Hamburger SV - VfL Wolfsburg 3:2 (1:2)

Text von Jens Wolter
Fotos von Beate Wolter

03.11.2008   Im Duell gegen die Konkurrenz aus Wolfsburg gelang dem HSV ein knapper, aber wichtiger Sieg. Dieser Erfolg dürfte dem HSV nach den beiden Niederlagen gegen München und Frankfurt mindestens psychologischen Auftrieb geben. Zugleich vergrößerte sich der Abstand zur Abstiegszone von vier auf jetzt sechs Punkte.

Das Spiel hatte noch gar nicht richtig begonnen, da lag der Ball schon hinter Torfrau Bianca Weech im Netz des HSV (2. Minute). Vorangegangen war eine Ecke von rechts, die bereits abgewehrt schien, aber Martina Müller war zur Stelle, um den Ball, einen Schuss aus ca. 20 Metern Torentfernung in das Strafraumgewühl hinein abgegeben, zur Wolfsburger Führung ins Netz zu lenken. Das Heim-Team liess sich von diesem schnellen Rückstand jedoch nicht wirklich schocken. Bereits in der 7. Minute setzte sich Kim Kulig auf dem linken Flügel durch und ihre hohe Flanke wurde von Torjägerin Tanja Vreden zum 1:1 Ausgleich eingeköpft.

Tor Martina Müller

Bereits in der zweiten Minute konnte Martina Müller, die sich hier am linken Pfosten nach ihrem Tor bereits abwendet, einen Fernschuss zur Wolfsburger Führung ins Hamburger Tor lenken

Danach lief bei den Gastgeberinnen jedoch nur noch wenig zusammen und Wolfsburg dominierte das Geschehen auf dem Rasen. Die VfL-Spielerinnen gingen bissiger in die Zweikämpfe, betrieben ein gutes Forechecking und schalteten blitzschnell von Abwehr auf Angriff um. Das HSV-Team wirkte hingegen langsam, unentschlossen und unsicher in seinen Aktionen. Man kam mit dem Forechecking des Gegners überhaupt nicht klar, leistete sich zahlreiche Fehlpässe und viele falsche Laufwege. Zu einem besonderen Unruheherd für die HSV-Abwehr wurde Martina Müller.

Es war, als hätte die Hamburger Defensivabteilung von den Qualitäten der Wolfsburger Nationalspielerin noch nie gehört, so ungehindert ließ man sie an den Ball kommen und mit Ball am Fuß agieren. So wirbelte Müller in dieser 1. Hälfte im Alleingang immer wieder die Hamburger Abwehr durcheinander und arbeitete Chancen für ihr Team heraus. Dies zum Beispiel in der 16. Minute, als sie sich links im Strafraum gegen Aferdita Kameraj durchsetzte und ihr Querpass in die Mitte von Torfrau Bianca Weech gerade noch vor der einschussbereiten Andrea Wilkens abgefangen werden konnte.

Tor Tanja Vreden

Die Wolfsburger Führung hielt nicht lange: Tanja Vreden hat hier soeben den Ausgleich erzielt

Oder in der 36. Minute, als sie sich erneut über links durchsetzen und gefährlich schießen konnte. Es war daher eher erstaunlich, dass es bis zur 39. Minute dauerte, bis Wolfsburg erneut in Führung zu ging. Wiederum war es Martina Müller, die sich am rechten Flügel durchsetzte, nach innen kurvte und aus rd. 16 Metern zum 1:2 einschoss, ohne auf echten


Silva Lone Saländer und Lisa Eichholz

Eng und umkämpft wie dieser Zweikampf war das ganze Spiel: Die Hamburgerin Silva Lone Saländer bekommt hier vor Lisa Eichholz den Kopf an den Ball

Widerstand zu stoßen. Und auch die letzte Aktion der ersten Spielhälfte gehörte der Wolfsburgerin, als sie sich in der 44. Minute erneut auf rechts durchsetzte und abzog. Diesmal allerdings landete der Ball sicher in den Armen von Bianca Weech. Auf Grund der Eindrücke der 1. Spielhälfte sah Wolfsburg wie der sichere Sieger aus.

Nach der Halbzeitpause, in der es in der HSV-Kabine wohl einige deutliche Worte gegeben habe dürfte, wechselte Hamburgs Trainer Achim Feifel zwei Spielerinnen aus. Für Heike Freese übernahm Janka Rohrberg die Position in der linken Außenverteidigung und für Silva Lone Saländer kam die wieder genesene Janina Haye zum Einsatz, die ihre angestammte Rolle in der Verteidigung einnahm, während Aferdita Kameraj ins Mittelfeld vorrückte.

Tor Aferdita Kameraj Tor Aferdita Kameraj

Aferdita Kameraj (im oberen Bild an der Nummer 8 zu erkennen) umspielt hier Stephanie Bunte (5) und erzielt den Ausgleich zum 2:2

Der HSV agierte nun wesentlich entschlossener als in der 1. Hälfte und wurde schnell für diesen Mentalitätswechsel belohnt. Nach einem direkten Freistoß, den Patrizia Hanebeck von links hoch hereinbrachte, erzielte Aferdita Kameraj in der 48. Minute aus einem Strafraumgewühl heraus das 2:2. Sechs Minuten später versuchte Wolfsburgs Anna Blässe, die Führung ihrer Mannschaft wieder herzustellen, aber ihr geschickter Heber aus gut 30 Metern Entfernung tippte nur auf die Oberkante der Latte.

In der 56. Minute dann die letztlich entscheidende Spielszene: Eine hohe Rechtsflanke von Maja Schubert landete am ausgestreckten Arm von Navina Omilade. Die Schiedsrichterin zögerte keine Sekunde, auf Strafstoß für den HSV und gelbe Karte für Omilade zu entscheiden. Aferdita Kameraj verwandelte den Elfmeter souverän - der HSV hatte das Spiel innerhalb von nur 11 Minuten gedreht!

Die letzte halbe Stunde des Spiels bot den Zuschauern noch einiges an Spannung. Hamburg stand nun besser in der Abwehr und versuchte, durch Konter zum alles entscheidenden


vierten Treffer zu kommen. Wolfsburg, das nun nicht mehr so überlegen agierte wie in der ersten Halbzeit, drängte auf den Ausgleich und gab so HSV-Torfrau Bianca Weech noch einige Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. So zum Beispiel in der 78. Minute, als sie den Ball um Haaresbreite vor Martina Müller wegfischte, die mit einem Steilpass geschickt worden war oder in der 88. Minute, als sie nach einer Ecke einen Kopfball aus kurzer Distanz noch über die Latte lenken konnte.
Letzten Endes reichte es für einen knappen, hart erkämpften Erfolg des HSV und damit für drei sehr wichtige Punkte.

Fazit:

Den Gästen aus Wolfsburg gehörte eindeutig die erste Spielhälfte. Sie versäumten es allerdings, aus ihren Gelegenheiten noch ein drittes oder gar viertes Tor zu machen, was durchaus im Bereich des Möglichen gelegen hätte. Hamburg zeigte erst nach dem Seitenwechsel den notwendigen Biss und kam durch zwei schnelle Tore wieder in die Erfolgsspur. Die im zweiten Durchgang wesentlich stabilere Hamburger Abwehr sicherte letzten Endes den knappen Erfolg. Über das ganze Spiel betrachtet, wäre ein Unentschieden sicherlich das gerechteste Ergebnis gewesen.

Nadine Richter

Nadine Richter im Tor des VfL Wolfsburg hatte gegen den von Aferdita Kameraj getretenen Strafstoß zum 3:2 keine Chance

Hamburger SV:
Weech - Ewers, Kameraj, Lehmann, Freese (46. Rohrberg) - Wübbenhorst - Schubert (69. Tekkal), Saländer (46. Haye), Kulig - Vreden, Hanebeck

VfL Wolfsburg:
Richter - Ende, Eichholz, Omilade, Höfler - Brendel (69. Unzeitig), Wilkens, Bunte, Bock (85. Chandraratne) - Blässe (75. Thompson), M. Müller

Tore:
0:1 M. Müller (2.)
1:1 Vreden (7.)
1:2 M. Müller (39.)
2:2 Kameraj (48.)
3:2 Kameraj (56. / Elfmeter)

Gelbe Karten: Lehmann - Omilade

Schiedsrichterin: : Christina Jaworek (Rötsweiler) mit Sandra Blumenthal und Elfi Schwander

Zuschauer: 310


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