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1. Bundesliga, 4. Spieltag

Noch lange nicht auf Augenhöhe

Hamburger SV - 1. FFC Turbine Potsdam 1:3 (0:2)

Text von Jens Wolter
Fotos von Beate Wolter

30.09.2008   Das Duell der beiden Tabellennachbarn (5. gegen 4.) wurde vom Turbine-Team deutlicher beherrscht, als es den Gastgeberinnen lieb sein konnte. Auf Hamburger Seite wird man zurecht insbesondere zwei Bällen nachtrauern, die nur das Aluminium trafen, aber letztlich gewann das Team mit dem zwingenderen Offensivspiel.

Die ersten rund 20 Minuten der Begegnung gehörten den Gastgeberinnen, bei denen sich die Stürmerinnen Kathrin Patzke und Kim Kulig ins Mittelfeld zurückzogen, während Patrizia Hanebeck öfters als zweite Spitze neben Tanja Vreden auftauchte. In diese frühe Phase fiel auch die Riesenchance zur Hamburger Führung. In der 17. Minute wurde Patzke von Vreden im Strafraum freigespielt, traf aber aus rund fünf Metern nur den Pfosten des Potsdamer Tores.

Als sei dies der berühmte Weckruf gewesen, übernahm nun Turbine mehr und mehr die Initiative und holte eine Reihe von gefährlichen Ecken und direkten Freistößen heraus, die letzendlich zu den Treffern führen sollten. In der 28., 29. und 30. Minute hatte Anja Mittag jeweils die Gästeführung auf dem Fuß.

Zunächst ging ihr direkter Freistoß nur knapp über das Tor, dann kam sie nach einer Unachtsamkeit in der Hamburger Abwehr aus halbrechter Position zum Schuss und wieder eine Minute später noch einmal aus halblinker Position. In der 36. Minute fiel dann aus einer der Standardsituationen die Potsdamer Führung. Isabel Kerschowski fand mit einem direkten Freistoß aus etwa 20 Metern in halbrechter Position genau die Lücke in der HSV-Mauer und erzielte das 1:0.

Genau fünf Minuten später brachte ein weiterer Freistoß, diesmal von links in der Nähe der Torauslinie geschlagen, die Vorentscheidung. Die gesamte HSV-Abwehr schaute dem von Anja Mittag getretenen Ball lediglich hinterher, Tabea Kemme stieg am langen Pfosten als einzige zum Kopfball hoch und versenkte den Ball unhaltbar zum 2:0. Nahezu mit dem Pausenpfiff ging dann ein weiterer Schuss von Mittag nur knapp am langen Pfosten vorbei.

Jennifer Zietz und Patricia Hanebeck

Potsdams Kapitänin Jennifer Zietz war nach ihrer Rot-Sperre wieder dabei und liefert sich hier ein Kopfballduell mit Patricia Hanebeck (ganz links). Isabell Kerschowski und ganz rechts Kathrin Patzke schauen zu

Wenige Minuten nach Wiederanpfiff der Partie fiel dann die endgültige Entscheidung zugunsten von Turbine. Nachdem Jessica Wich im Hamburger Strafraum zu Fall gebracht wurde, verwandelte Babett Peter in der 52. Minute den fälligen Strafstoß zum 3:0 für die Gäste. Hamburgs Torfrau


Jennifer Werth

HSV Keeperin Jennifer Werth musste einige Male vor Anja Mittag retten. Am Pfosten Marisa Ewers

Jennifer Werth hatte zwar die richtige Ecke geahnt, war gegen den platzierten Schuss jedoch machtlos.

Elfmetertor

Babett Peter (nicht im Bild) verwandelte den Foulelfmeter zum 3:0, aber wie man sieht, wäre Jennifer Werth beinahe noch an den Ball gekommen

In der 59. Minute lag dem Hamburger Publikum der Torschrei auf den Lippen, aber ein hoch hereingeschlagener Freistoß aus etwa 40 Metern ging an allen Spielerinnen vorbei, tippte auf den Boden auf und klatschte an die Latte des Potsdamer Tores. Ein Anschlusstreffer zu diesem Zeitpunkt hätte durchaus die Wende einleiten können, doch das Hamburger Angriffsspiel blieb in der Folge so drucklos, wie es bereits in der 1. Spielhälfte gewesen war.

Imke Wübbenhorst und Jessica Wich

Mitte der zweiten Halbzeit kam für Hamburg Imke Wübbenhorst ins Spiel, die sich hier Jessica Wich entgegenstellt. Doch auch ihre Einwechselung konnte die Wende nicht mehr herbeiführen

Die Pässe in die Spitze waren zu ungenau, um Gefahr herauf zu beschwören und die Hamburger Angreiferinnen standen meist einer zahlenstärkeren und massiven Deckung gegenüber. Potsdam hatte auch in der zweiten Hälfte mehr und gefährlichere Chancen, so dass Hamburg nur noch zum Ehrentreffer duch Denise Lehmann in der 69. Minute kam. In der 79. und 80. Minute konnte Hamburgs Torfrau Jennifer Werth jeweils noch verhindern, dass aus einer Niederlage ein Debakel wurde. Zu einer echten Schlussoffensive konnte sich keine der beiden Mannschaften mehr aufraffen.


Kommentar:
In Hamburg verbreitet man gerne die Mär, man sei der Angstgegner von Turbine. Zu einem Angstgegner gehört allerdings, dass dieser ein Duell als Außenseiter regelmäßig gewinnt - und genau daran mangelt es den Bemühungen des HSV. Das gegenwärtige Team ist klar stärker als das, mit dem man in der letzten Saison in akuter Abstiegsgefahr schwebte. Zu den Spitzenmannschaften der Liga besteht aber immer noch ein deutlicher Abstand.
Anders hingegen die Situation auf Potsdamer Seite. Die Mannschaft stellte unter Beweis, dass sie - nach einem etwas holprigen Start - auch in dieser Saison wieder zu den Favoriten der Liga gehört.

Desiree Schumann

Potsdams junge Keeperin Desiree Schumann kann hier vor Aferdita Kameraj klären. Marie-Louise Bagehorn macht sich schon auf den Rückweg. Insgesamt war Schumann nicht überbeschäftigt, die größere Anzahl von Chancen hatte ihre Mannschaft



Hamburger SV:
Werth - Ewers, Kameraj, Lehmann, Lübcke - Tekkal (56. Schubert), Saländer (73. Wübbenhorst), Kulig, Hanebeck, Patzke (69. Schacher) - Vreden

1. FFC Turbine Potsdam:
Schumann - Zietz, Peter, Schmidt - I. Kerschowski, Odebrecht, Bagehorn, Larsen Kaurin - Kemme, Wich (89. Podvorica), Mittag

Tore:
0:1 I. Kerschowski (36.)
0:2 Kemme (41.)
0:3 Peter (52./Foulelfmeter)
1:3 Lehmann (69.)

Gelbe Karten: Kameraj - Kemme, Wich

Schiedsrichterin: Monique Klaus (Duisburg)

Zuschauer: 420


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