. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



1. Bundesliga, 14. Spieltag

Hamburg rettet einen Punkt

Hamburger SV - TSV Crailsheim 1:1 (0:1)

Text von Jens Wolter
Fotos von Beate Wolter

01.03.2009   Die Frauen des HSV schafften es gerade noch, einen Punkt in Hamburg zu behalten, nachdem die Gäste aus Crailsheim 80 Minuten lang ihren Vorsprung verteidigen konnten. Manchmal schien der klare HSV-Sieg im Hinspiel (7:1) noch zu deutlich in den Köpfen der Gastgeberinnen herum zu spuken und damit die Erkenntnis zu verhindern, dass jetzt die Karten neu gemischt waren.

Die in der Abwehr verstärkten Gäste machten durch ihren Einsatzwillen von der ersten Minute an klar, dass es diesmal kein Desaster geben sollte. Bereits nach vier Spielminuten gab es für den Crailsheimer Anhang Grund zum Jubeln: Nach einem von Daniela Held getretenen Freistoß von der linken Seite war es Annika Eberhardt, die den Ball zur 1:0-Führung ins Hamburger Tor befördern konnte.

Daniela Held und Tugba Tekkal

Daniela Held (rechts) war vor allem in der Abwehr beschäftig, hier gegen Tugba Tekkal. Doch Helds Freistoß war es, den Annika Eberhardt zur 1:0-Führung für Crailsheim verwerten konnte

In der Folge verstand es Crailsheim ausgezeichnet, den Hamburger Angriffsbemühungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Konsequentes Forechecking ließ dem HSV kaum Zeit für den Spielaufbau und zwang immer wieder zu Querpässen. Lange Bälle in Richtung des Crailsheimer Strafraumes prallten entweder von dem dort postierten Abwehrriegel zurück oder gerieten so lang, dass die HSV-Stürmerinnen sie nicht mehr erlaufen konnten. Die wenigen Male, in denen der HSV tatsächlich bis in Schussposition kam, stieß er dort auf eine glänzend aufgelegte Torfrau Kim-Corina Kaller, die mit Ruhe und gutem Stellungsspiel Schüsse von Tugba Tekkal und Tanja Vreden und einen versuchten Lupfer von Kim Kulig souverän zunichte machte.

So gut die Gästeabwehr auch gestaffelt war, nennenswerte eigene Chancen produzierte Crailsheim dabei allerdings auch nicht. Der letzte Aufreger der ersten Halbzeit ergab sich dann in der 41. Minute, als das Schiedsrichtergespann einen Treffer von Hamburgs Tanja Vreden wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannte, was beim Hamburger Publikum zu lautstarken Protesten führte.

In der 2. Halbzeit setzte sich zunächst das Geschehen aus der ersten Hälfte fast unverändert fort. Hamburg versuchte, jetzt mit größerer Energie als vorher, den Crailsheimer Abwehrriegel zu knacken. Die Gäste wiederum lauerten nun stärker auf Konterchancen, die sich aus dem Hamburger Anrennen ergeben könnten. Die erste derartige Chance hatte in der 55. Minute die Schützin des Führungstreffers, Annika Eberhardt, die aus etwa 15 Metern Torentfernung knapp über das Hamburger Gehäuse zielte.

Die 60. Minute brachte eine Schrecksekunde ganz anderer Natur für das Hamburger Team. Abwehrspielerin Daniela Schacher blieb nach einer unglücklichen Aktion auf Höhe der Mittellinie knapp ausserhalb des Spielfeldes schmerzverkrümmt liegen und musste dann auf einer Trage aus dem Stadion gebracht


Kopfball Kim Kulig

Ein Eckenverhältnis von 7:2 reichte den Hamburgerinnen nicht, um mehr als ein 1:1 gegen den Tabellenletzten herauszuholen. So führte auch dieser Kopfball von Kim Kulig nicht zum Erfolg

werden. Ein Verschulden einer Gegenspielerin war allerdings nicht erkennbar. Diese Situation veranlasste Hamburgs Trainer Achim Feifel, aus einem geplanten Doppelwechsel in der 62. Minute gleich einen Dreifachwechsel zu machen. Angelina Lübcke ersetzte die verletzte Schacher, Maja Schubert und Catharina Schimpf kamen für die glücklos agierenden Spielerinnen Tekkal und Patricia Hanebeck.

Patricia Hanebeck

Hier ist Patricia Hanebeck einmal durch, Ramona Treyer hat das Nachsehen, doch insgesamt war Hanebecks Spiel heute nicht erfolgreich

In der 64. Minute sah Hamburgs Aferdita Kameraj die gelbe Karte, als sie gegen eine Freistoßentscheidung zugunsten von Crailsheim protestierte. Die 70. Minute sah beinahe den Hamburger Ausgleich, aber Kim Kulig setzte den Ball nach einer Ecke per Kopf haarscharf neben den Pfosten. Ein Crailsheimer Konter in der 78. Minute brachte höchste Gefahr für das Tor von Bianca Weech, aber Denise Lehmann konnte die allein durchgestoßene Lisa Wich in letzter Sekunde nach rechts abdrängen.

Wenige Minuten vor Schluss sah es so aus, als könnten die Gäste den knappen Vorsprung nach Hause schaukeln. Der massive Crailsheimer Abwehrriegel zeigte dem Hamburger Team deutlich seine spielerischen Grenzen auf. Dann führte eine irgendwie kuriose Situation aber doch noch zum Hamburger Ausgleich in der 84. Minute. Nachdem der Ball von der rechten Eckfahne zurück ins Feld gesprungen war, eroberte ihn Hamburgs Maja Schubert und marschierte von dort energisch die Torauslinie entlang in den Crailsheimer Strafraum. Aus etwa 8 Metern Entfernung zielte sie mit einem scharfen Schuss ins kurze Eck. Der Schuss war so kraftvoll, dass die Torfrau ihn nur noch in einer Art Reflex nach unten klatschen konnte, von wo er dann doch zum 1:1 ins Tor sprang.

In den Schlussminuten bemühten sich die Gastgeberinnen zwar noch um den Siegtreffer, brachten jedoch keine wirklich 100-prozentige Chance mehr zustande.


Am Ende zeugte zwar ein Eckballverhältnis von 7:2 für das Angriffsbemühen der Hamburgerinnen, es gab jedoch zu wenige wirklich gefährliche Strafraumsituationen, um mehr als das aus HSV-Sicht glückliche Unentschieden zu rechtfertigen. Die personellen Verstärkungen der Crailsheimerinnen hingegen geben dort Anlass, den Klassenerhalt wieder als realistisches Ziel auszurufen.

Kopfball Kim Kulig

Dieser Kopfball von Kim Kulig verfehlte knapp das Tor



Hamburger SV:
Weech - Ewers, Lehmann, Freese, Schacher (62. Lübcke) - Kameraj, Saländer, Hanebeck (62. Schimpf) - Vreden, Tekkal (62. Schubert), Kulig

TSV Crailsheim:
Kaller - Nason, Held, Dyer, Gaugler - Höß, Hörber, Treyer - Kuffner (75. Sembach), Eberhardt (65. Wich), Breunig

Tore:
0:1 Eberhardt (4.)
1:1 Schubert (84.)

Gelbe Karten: Kameraj, Lehmann - Hörber

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg)
Assistentinnen: Imke Meinerling, Viktoria Ferderer

Zuschauer: 230


Zur 1. Bundesliga

Zur FanSoccer-Startseite