. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



Erste Bundesliga, Nachholspiel vom 11. Spieltag

Herford schaut zu

Herforder SV - Hamburger SV 1:4 (0:2)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

12.04.2009

Im Vorfeld der Partie gegen den Hamburger SV hatte man in Herford auf einen „Big Point“ gehofft, den ersten Punkt gegen eine Mannschaft, die nicht ebenfalls im Abstiegskampf steckt. Doch bei knapp dreißig Grad entwickelte sich das erste der drei Heimspiele innerhalb einer Woche zum Debakel.

„Die ersten sechs, sieben Minuten hat die Mannschaft wie paralysiert gewirkt“, so Herfords Trainer Björn Kenter, dessen Team zu Beginn der Partie von den Gästen förmlich überrollt wurde. Ein Angriff nach dem nächsten steuerte auf das Tor von Sonja Speckmann zu, und schon in der sechsten Minute war sie bei einem Heber von Tanja Vreden machtlos. „Wir wollten von Beginn an Druck auf die Abwehr machen“, erläuterte Hamburgs Trainer Achim Feifel die Taktik, „da wir wussten, dass dort ein Knackpunkt ist.“ Doch von der Leichtigkeit, mit der sein Team zum gegnerischen Kasten vordrang, war selbst Feifel überrascht. „Wir haben relativ einfach viele Torchancen erspielt.“ Zu bemängeln hatte er daher nur die miserable Verwertung der Möglichkeiten, denn die Hamburgerinnen hätten in der Folgezeit mühelos erhöhen können.

Patricia Hanebeck

Wichtiges Tor zum richtigen Zeitpunkt: Patricia Hanebeck traf kurz vor der Halbzeitpause.

In der ersten Halbzeit „haben uns Welten getrennt“, konstatierte Kenter. Im Publikum wurden die ersten ärgerlichen „Aufwachen!“-Rufe laut, denn die knapp 1.000 Zuschauer sahen eine Heimmannschaft, die den Bällen nur hinterher schaute. Doch trotz dieser Vorstellung kippte die Stimmung im Publikum zu frenetischer Anfeuerung: Nicht enden wollendes rhythmisches Klatschen, Jubel bei jeder erfolgreichen Grätsche. Aber erst nach gut 25 Minuten gab es erste Herforder Entlastungsangriffe, gefährlicher blieben dennoch die Gäste, die die Abwehr mit nur einem langen Ball aushebeln konnten.

Kenter wechselte nach 32 Minuten erstmals, brachte Maxine Mittendorf


Aferdita Kameraj, Kerstin Nolte

Immer eher am Ball: die Hamburgerinnen um Aferdita Kameraj (l.) waren schneller, spritziger und selbstbewusster.

für Justine Pank, die bei den hohen Temperaturen mit Kreislaufproblemen vom Platz musste und noch lange danach ärztlich behandelt wurde. Nur zwei Minuten später war sie an der besten Herforder Chance der ersten Halbzeit beteiligt, als sich Anna Laue auf der halblinken Seite durchsetzen konnte. Statt abzuziehen, legte sie jedoch noch mal quer auf Mittendorf, die den Ball aber nicht richtig traf.

Noch vor dem Pausentee erhöhten die Hamburgerinnen auf 0:2. Ein schon sicher geglaubter Ball versprang Sabrina Schlottmann, Patricia Hanebeck schaltete am schnellsten und netzte ein. „Wir waren gute Gastgeber“, so Kenter bitter, „das, was Hamburg nicht genutzt hat, haben wir ihnen noch mal vorgelegt.“

Mit Beginn der zweiten Halbzeit kam Kerstin Stegemann nach ihrer Knieverletzung zum ersten Einsatz seit vier Monaten. Die Weltmeisterin rückte ins rechte Mittelfeld. Die Leistungssteigerung der Herforderinnen in den zweiten 45 Minuten war deutlich, wenn auch nicht gefährlich. Die beste Möglichkeit hatte Laue in der 56. Minute, doch der Ball landete nur auf dem Netz.

Genau in dieser Phase gelang des Hamburg nachzulegen. Kim Kulig spielte sich halbrechts frei, stand alleine vor Speckmann, legte noch mal quer auf Vreden, die keine Mühe hatte, den Ball im leeren Kasten unterzubringen. Mit dem 0:3 war die Partie entschieden, die Zuschauer feuerten jedoch ohne Unterbrechung weiter an – auch als in der 73. Minute Kulig noch auf 0:4 ausbaute. Gästetrainer Feifel hätte dieses Spiel gerne „zu Null“ zu Ende gebracht, doch drei Minuten vor Schluss gelang Mittendorf der Ehrentreffer. Aufgrund des Engagements in der zweiten Halbzeit, in der sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat, verdient und unter frenetischem Jubel des Publikums.

Während die Hamburgerinnen jetzt eine Woche Verschnaufpause haben, geht es für Herford schon am Mittwoch gegen den FCR Duisburg. „Nicht ganz verkehrt“, findet Kenter, denn so


könne seine Mannschaft nicht zu lange über die Niederlage nachdenken. Während man gegen Hamburg vom Punktgewinn geträumt hatte, war er gegen Duisburg nie wirklich auf der Rechnung. Doch die Luft wird dünner, jetzt wird es am Mittwoch mit aller Kraft darum gehen, vielleicht das Unmögliche zu schaffen.

Enttäuschung und Ratlosigkeit nach dem Spiel bei Desirée Lenz (l.) und Sabrina Schlottmann.

Statistik

Herford
Speckmann, Schlottmann, Sauer, Hansmeier, Lenz (63. Schulte), Nolte, Laue, Voss, Pank (33. Mittendorf), Pollmann, S. Müller (46. Stegemann)

Hamburg
Weech, Freese, Lehmann, Lübcke, Ewers (80. Schimpf), Saländer, Kameraj, Haye (77. Schacher), Hanebeck, Vreden (70. Tekkal), Kulig

Tore
0:1 Vreden (6.)
0:2 Hanebeck (40.)
0:3 Vreden (59.)
0:4 Kulig (73.)
1:4 Mittendorf (87.)

Gelb: -

Schiedsrichterin
Christiane Wenkel (Weimar)

Zuschauer: 941

Mehr Bilder vom Spiel

Zur Ersten Bundesliga

Zur FanSoccer-Startseite