. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



Erste Bundesliga, 4. Spieltag

Klare Verhältnisse

Herforder SV - SG Essen-Schönebeck 0:4 (0:2)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

28.09.2008

„Ich hatte mir das hier schon schwieriger vorgestellt“, wunderte sich Essens Trainer Ralf Agolli über den hohen und ungefährdeten Sieg beim Herforder SV. Der hatte sich eigentlich einen Punkt gegen die Gäste aus dem Ruhrgebiet vorgenommen, doch nach neunzig Minuten musste Trainer Björn Kenter konstatieren, den ersten Tiefschlag der Saison eingesteckt zu haben.

„Wir haben heute unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“, so Kenter, „und konnten von Beginn an nicht umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten.“ An der Spitze dieses Vorhabens stand, das Duo Stefanie Weichelt und Melanie Hoffmann auszuschalten – genau die beiden Spielerinnen, die schließlich nach Belieben schalten und walten konnten und Herford abschossen. „Wir haben nahezu jeden Zentimeter des Feldes kontrolliert“, zeigte sich Agolli dagegen zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft. Herford verspielte die Bälle leichtfertig, fand überhaupt nicht ins Spiel – von der Leidenschaft, mit der der HSV beim letzten Heimspiel gegen den FFC Frankfurt knapp 3000 Zuschauer begeistert hatte, war nichts mehr zu sehen.

Tolle Leistung und drei Tore: Melanie Hoffmann entschied das Spiel im Alleingang

Auch zu diesem Spiel fanden knapp 1000 Zuschauer den Weg ins Jahnstadion und unterstützten Herford über die gesamte Spieldauer – auch wenn ihnen nicht gefallen haben dürfte, was ihre Mannschaft auf dem Rasen bot. Nach einer etwas zähen halben Stunde war es schließlich Hoffmann, die Essen per Freistoß in der 38. Minute in Führung brachte. „Wir haben mit jedem Tor mehr Sicherheit bekommen“, so Agolli, der nur vier Minuten später über das 0:2 von Stefanie Weichelt jubeln durfte. „Mit dem 0:2 zur Halbzeit waren wir noch gut bedient“, musste Kenter anerkennen, dessen Mannschaft nicht einen einzigen gefährlichen Schuss auf das Tor zustande brachte.

Marie Pollmann war beim HSV als einzige Spitze aufgestellt und hatte kaum Unterstützung ihrer Mitspielerinnen. Das Problem ist nicht neu in Herford, bislang konnte die U20-Nationalspielerin auch noch keinen Treffer in der Saison erzielen. Dennoch weiß man so recht keinen Ausweg. Bei einer zweiten Spitze bestehe Sorge, dass das Mittelfeld geschwächt und überrannt werde, so Kenter. In den vergangenen Spielen stand das Mittelfeld der Herforderinnen tatsächlich recht sicher, gegen Essen schaute es allerdings nur hinterher.


Marina Himmighofen, Kerstin Nolte

Kerstin Nolte (r.) schaut hinterher: ihre Mannschaft konnte Essen nicht folgen.

Zuschauen beim nächsten Spiel gegen den SC 07 Bad Neuenahr wird dagegen wohl Claudia Bujna. Die 17-jährige Abwehrspielerin sah in der 65. Minute nach einer Fehlentscheidung von Schiedsrichterin Marija Kurtes die gelbrote Karte. Die Juniorennationalspielerin lieferte sich ein Laufduell mit Susanne Kasperczyk, in dem sich beide Spielerinnen zogen. Kasperczyk ging eine Zehntelsekunde früher zu Boden, Kurtes entschied auf Foulspiel und zeigte Gelbrot. Die Schiedsrichterin dürfte die Szene mehr schlecht als recht gesehen haben, befand sie sich doch hinter den beiden Spielerinnen, hatte deren Rückenansicht, wodurch ihr das gegenseitige Gerangel der Arme entgangen sein dürfte. Ihre Assistentin blieb ebenso stumm – die mangelnde Kommunikation des Schiedsrichtergespanns zog sich über die gesamte Dauer der Partie. Die jungen Unparteiischen, im Schnitt gerade zwanzig Jahre alt, fielen durch zögerliche Entscheidungen, Unsicherheit und schlechtes Stellungsspiel auf. Bujna verließ unter Tränen den Platz, und die anstehende Sperre verärgerte Kenter fast mehr als das Ergebnis.

Stefanie Weichelt (r.) wirbelte über den Platz und stellte die Abwehr um Susanne Werner immer wieder vor Probleme.

Auf die schlechte Schiedsrichterleistung wollte er die Heimschlappe jedoch nicht schieben, zu deutlich war die Überlegenheit der Ruhrpöttlerinnen, die jede Menge Platz auf dem Feld hatten. Diesen nutzte Kasperczyk gleich zweimal sehr effektiv. Nachdem sie in der 47. Minute bereits das 0:3 über die linke Seite vorbereitet hatte, war die Entstehung des 0:4 quasi eine Wiederholung. Erneut setzte sich Kasperczyk auf links durch und flankte in den Strafraum. Abgeschlossen wurden ihre Hereingaben beide Male von Hoffmann.


Agolli zeigte sich hochzufrieden, mit drei Punkten den Heimweg antreten zu können. „Wir sind auf einem guten Weg nach dem Freiburg-Spiel“. Nach jener 1:2-Niederlage hatte er Wiedergutmachung seiner Mannschaft gefordert, und diese kam dem Trainerwunsch eindrucksvoll nach. Beim HSV ist dagegen in den nächsten Tagen Analyse, Aufarbeitung und Seelenmassage angesagt, denn für Kenter war klar: „So kann man in der Bundesliga nicht bestehen.“

Statistik

Herford
Speckmann, Bujna, Stegemann, Schlottmann, Werner, Hansmeier (70. Müller), Lenz (77. Lühr), Schulte, Mittendorf (60. Rolfs), Pollmann, Nolte

Essen
Weiß, Himmighofen, Kasperczyk , Choinacki (77. Wesely), Duhme, M. Hoffmann, Weber, Mpalaskas, Deilmann (60. Löwenberg), Weichelt, Hamann (70. Nati)

Tore
0:1 Hoffmann (38.)
0:2 Weichelt (42.)
0:3 Hoffmann (47.)
0:4 Hoffmann (75.)

Gelb
Schlottmann, Müller, Mpalaskas, Weichelt

Gelbrot Bujna

Schiedsrichterin
Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer: 950

Mehr Bilder vom Spiel

Zur Ersten Bundesliga

Zur FanSoccer-Startseite