Von Nora Kruse (Text u. Fotos)
03.11.2008
Nach dem Unentschieden gegen den SC Freiburg ist der FC Bayern München zurück in der Erfolgsspur. Mit 5:0 siegte der Tabellenführer beim Herforder
SV, bot jedoch in der ersten Halbzeit eine alles andere als meisterliche Leistung.
Das Hauptgeschehen spielte sich in den ersten 45 Minuten im Mittelfeld ab. Die Münchenerinnen wirkten überlegen, doch die Abwehr der Gastgeberinnen,
in die nach überstandener Verletzung Außenverteidigerin Susanne Werner zurückgekehrt war, stand. Die Herforderinnen ließen kaum einen gefährlichen
Angriff des FCB zu, waren jedoch ihrerseits auch nicht in der Lage, mit den abgefangenen Bällen ein strukturiertes Spiel nach vorne aufzuziehen.
Dennoch gehörte dem HSV die erste gefährliche Situation, als sich Marie Pollmann über die rechte Seite durchsetze und den Ball in den Strafraum flankte.
Die Schüsse von Kerstin Nolte und Maxine Mittendorf wurden jeweils geblockt, doch es dauerte seine Zeit, bis die Bayern-Abwehr den Ball aus der
Gefahrenzone schlagen konnte.
Die Herforderinnen liefen jedem Ball hinterher, machten sich das Leben jedoch häufig selbst schwer. Kaum ein Pass fand die Mitspielerin. Immer wieder
spielte sich Mittendorf im Mittelfeld recht gut frei, ihre Pässe waren dann jedoch kaum zu verwerten. Doch auch der Meisterschaftsfavorit bot hier
keine gute Leistung, zu viel wurde in der ersten Hälfte mit langen Bällen versucht, die fast blind wirkten und zumeist kein Problem für die Abwehr der
Gastgeberinnen darstellten.
Alle gegen eine - Marie Pollmann (r.) war im Sturm auf sich gestellt und zumeist chancenlos gegen Wörle, Behringer und Co.
Mehr oder weniger aus dem Nichts fiel in der 35. Minute das 0:1 durch Mandy Islacker. „Individuelle Klasse“ sei dies gewesen, so HSV-Trainer Björn
Kenter, der sah, wie Islacker aus gut 18 Metern sehenswert abzog. Viel ärgerlicher fand Kenter jedoch den zweiten Treffer, der Sandra de Pol noch vor dem
Pausentee gelang. „Das darf so nicht passieren. Wir hatten durchgegeben, dass nur noch eine Minute bis zur Halbzeit zu spielen war.
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Nina Aigner und Melanie Behringer (r.) haben wieder Grund zur Freude: mit einem 5:0 beim Herforder SV hat Bayern die Tabellenführung souverän verteidigt.
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Da muss man solche
Bälle einfach weghauen.“ Das gelang jedoch nicht, denn ein Freistoß von Melanie Behringer fand den Weg durch den Fünfmeterraum, sodass de Pol verwandeln
konnte.
„Das zweite Tor hat uns alle Türen geöffnet“, analysierte Gäste-Trainer Günther Wörle. „Herford hat viel Laufaufwand betrieben, das ging an die Substanz.“
Und genauso verlief die zweite Hälfte. Während in den ersten 45 Minuten kaum ein Unterschied zwischen dem Tabellenführer und dem Aufsteiger zu erkennen
war, wurde er mit Verlauf der zweiten Hälfte immer deutlicher. „Bayern hat die Bälle schön laufen lassen“, bewunderte Kenter, dessen Spielerinnen dafür
die Gäste haben laufen lassen. In der 58. Minute konnte Sylvie Banecki fast ungehindert durch Mittelfeld und Herforder Abwehrreihe laufen, den Ball
schließlich zu Behringer spielen, die souverän auf 0:3 erhöhte.
Für Herford ging es im Anschluss nur noch darum, das Ergebnis „möglichst in Grenzen zu halten“. Doch gelingen wollte dies nicht, in der 66. Minute
legte Julia Simic das 0:4 nach, zwei Minuten vor dem Schlusspfiff erzielte Aigner den 0:5-Endstand. Dieser Schuss aus der Drehung der Österreicherin
fand höchste Anerkennung bei Kenter, der nur das Prädikat „sensationell“ dafür fand.
„So wie wir die Bälle in der zweiten Halbzeit haben laufen lassen, haben wir verdient gewonnen“, lobte Wörle seine in dieser Saison noch immer
ungeschlagenen Spielerinnen. „Nach dem 5:5 gegen Freiburg war wichtig, dass diesmal hinten die Null steht. Das ist uns gelungen, und wir haben
die Tabellenführung verteidigt. Jetzt gilt es, diese bis zur Winterpause zu behalten.“
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Erstmal folgt jedoch eine knapp sechswöchige Bundesligapause, die zumindest Herford gar nicht ungelegen kommt, zu lang ist die Liste mit verletzten
oder angeschlagenen Spielerinnen. „Ich hätte heute morgen nicht gedacht, dass Kerstin Stegemann und Kerstin Nolte überhaupt spielen können, umso
beeindruckender, wie sie sich in den Dienst der Mannschaft gestellt haben“, dankte Kenter.
Statistik
Herford
Speckmann, Schlottmann, Stegemann, Schulte, Hansmeier, Werner, Nolte, Lenz (69. Lühr), Mittendorf, Hölscher (51. Mahler, 75. S. Müller), Pollmann
München
Schmetz, Baunach, de Pol, Paukner, Rech, Behringer, Wörle, Aigner, Simic (72. Wenninger), Islacker (79. Krüger), S. Banecki (66. Würmseer)
Tore
0:1 Islacker (35.)
0:2 de Pol (45.)
0:3 Behringer (58.)
0:4 Simic (66.)
0:5 Aigner (88.)
Gelb
Lenz, Wörle, de Pol
Schiedsrichterin
Sandra Pansch (Ahrensburg)
Zuschauer: 1.553
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