Von Nora Kruse (Text u. Fotos)
22.03.2009
In der Hinrunde war der 4:0-Erfolg des Herforder SV gegen den SC 07 Bad Neuenahr noch ein Überraschungserfolg, jetzt waren die drei Punkte gegen die
Kurstädterinnen Pflicht, wollte man im Kampf gegen den Abstieg nicht ins Hintertreffen geraten. Dass der HSV dem Druck gewachsen war, bewies die
Mannschaft eindrucksvoll. Nicht nur die Punkte blieben in Ostwestfalen, auch die Spielweise des Bundesligaauf- steigers überzeugte.
Bereits zur Halbzeit lag Herford hochverdient mit 3:0 in Führung. Von der ersten Minute an machten die Gastgeberinnen Druck, und das frühe Tor von
Simone Müller sorgte für Selbstvertrauen. Spielfreude, Sicherheit, Laufbereitschaft – im Spiel der Herforderinnen passte alles zusammen, Trainer Björn
Kenter war „voll zufrieden“. Sein Gegenüber Deniz Bakir haderte dagegen mit dem Auftreten seiner Mannschaft. „Man muss Zweikämpfe überhaupt bestreiten,
um sie zu gewinnen“ und in der Tat zeigten sich die Gäste völlig von der Rolle. Unsicherheiten in der Abwehr, Fehlpässe am laufenden Band – und auch die
individuelle Klasse der Nationalspielerinnen Isabell Bachor und Lena Goeßling konnte daran nichts ändern. „Wir wollten die starke Offensive von Bad
Neuenahr nicht zur Entfaltung kommen lassen“, erklärte Kenter die Zielsetzung, die seine Mannschaft umsetzte. Insbesondere Bianca Sauer zeigte eine
starke Partie und ließ Bachor auf der rechten Seite keine Chance.
Vor der für Herforder Verhältnisse kleinen Kulisse von 660 Zuschauern fiel nach einer halben Stunde folgerichtig das 2:0 für die Gastgeberinnen.
Mit einem sehenswerten Sololauf hängte Marie Pollmann Gegenspielerin Laura Störzel ab und überwand schließlich auch Nationaltorhüterin Ursula Holl. Nur
fünf Minuten später konnte das lautstarke Publikum im Jahn-Stadion erneut jubeln, Anna Laue erzielte per Kopf das 3:0. Mit diesem Ergebnis ging es in
die Halbzeitpause, in der Bakir die richtigen Worte gefunden haben musste, denn Bad Neuenahr zeigte in der zweiten Hälfte ein anderes Spiel.
Bianca Sauer (r.) behält die Oberhand gegen Isabell Bachor - eine Szene, die sich insbesondere in der ersten Halbzeit oft wiederholte.
Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff erhielten die Gäste einen Freistoß zugesprochen, den Goeßling sicher zum Anschlusstreffer verwandelte – „unhaltbar“,
kommentierte Kenter.
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Anna Laue (r.) setzt sich gegen Isabelle Stümper durch. Die Herforderinnen gingen beherzt in die Zweikämpfe, die Rückkehrerin aus den USA erzielte
nach einer halben Stunde das 3:0.
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Heimspiel für Lena Goeßling - geboren in Bielefeld, aufgewachsen im Kreis Herford. Die Nationalspielerin hielt Bad Neuenahr mit ihrem
frühen Anschlusstreffer im Spiel.
Einen Einbruch im Spiel der Herforderinnen bedeutete das Gegentor zwar nicht, dennoch war das Auftreten ein anderes als in den
ersten 45 Minuten. Die Fehlpassquote erhöhte sich, die Mannschaft schaltete nicht mehr so schnell um, die Aktionen wurden zögerlicher. Auf der anderen
Seite fing Bad Neuenahr aber auch an, Druck zu machen, kämpfte und spielte beherzter. Die beste Chance hatten dennoch die Herforderinnen, als Maxine
Mittendorf Holl und Nadine Hagmann umspielte – anschließend aber nur den Pfosten traf. Mit dem 4:1 wäre die Partie entschieden gewesen. „Sie wollte es
spannend machen“, schmunzelte Bakir später über die Szene – und die Spannung kam in der Tat.
Einen eigentlich recht harmlosen Ball ließ Speckmann in der 90. Minute Lydia Neumann vor die Füße fallen, die zum 3:2 verkürzte. Da Schiedsrichterin
Sandra Pansch mehrere Minuten nachspielen ließ, kam noch einmal Hektik auf, Bad Neuenahr wollte mit aller Macht den Ausgleich. Am Ende blieb es jedoch
verdientermaßen beim ersten Heimerfolg der Herforderinnen seit sechs Monaten. Genau wie Bad Neuenahr und Jena hat der HSV nun elf Punkte auf dem Konto –
der Abstiegskampf ist so spannend wie nie.
Während Bad Neuenahr dafür mittlerweile wieder auf alle Leistungsträgerinnen zurückgreifen
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kann, auch Célia Okoyino da Mbabi spielte neunzig Minuten
durch, ist die Verletztenliste von Herford noch immer lang. „Wir hoffen, dass sich unser Lazarett in den nächsten Wochen etwas lüftet“, so Kenter, der
weiterhin auf die Abwehrspielerinnen Kerstin Stegemann, Christina Schulte, Susanne Werner und Claudia Bujna verzichten muss.
Statistik
Herford
Speckmann, Schlottmann, Hansmeier, Voss, Nolte, Lenz, Mittendorf, Sauer, Laue (75. Pank), Pollmann, S. Müller (78. Mahler)
Bad Neuenahr
Holl, I. Stümper (68. Arabaci/82. Graf), Westphal, Störzel, Fols, Bachor, L. Neumann, Hagmann, Okoyino da Mbabi, Gößling, Bartke
Tore
1:0 Müller (6.)
2:0 Pollmann (27.)
3:0 Laue (32.)
3:1 Goeßling (48.)
3:2 Neumann (90.)
Gelb
Schlottmann - Westphal, Neumann, Goeßling, Fols, Okoyino da Mbabi
Schiedsrichterin
Sandra Pansch (Ahrensburg)
Zuschauer: 662
Lydia Neumann (r.) gelang in der 90. Minute der 2:3-Anschlusstreffer.
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