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Erste Bundesliga, 10. Spieltag

Freiburgs Last-Minute-Sieg an der Waterkant

Hamburger SV - SC Freiburg 0:1 (0:0)

Text von Jens Wolter
Bilder von Beate Wolter und Roland Baumann


04.12.2008

Vor einer sehr dürftig besetzten Tribüne verschenkte der gastgebende HSV in den letzten zwei Minuten nicht nur einen möglichen Sieg, sondern auch noch die bereits sicher geglaubte Punkteteilung. Die Gäste aus dem Breisgau sorgten geradezu mustergültig für die Erfüllung einer alten Fußballerweisheit: Viele vergebene Torchancen werden sich - meistens - bitter rächen.

Bereits in der zweiten Minute ergab sich durch einen Freiburger Abwehrfehler die erste Torchance des Spiels, aber der Versuch eines Hebers durch Patrizia Hanebeck aus etwa 16 Metern geriet zu flach und konnte von Freiburgs Torfrau Marisa Brunner sicher heruntergepflückt werden. In der achten Spielminute gab es auf der anderen Seite eine gute Möglichkeit für Freiburg, aber Merza Julevic zielte knapp über das HSV-Tor. Die gesamte erste Halbzeit kam der HSV nicht richtig in Fahrt. Durch ungenaues Passspiel und fehlende Konsequenz in den Zweikämpfen machte das Team sich selbst das Leben schwer. Freiburg spielte keineswegs brilliant, wirkte aber durchdachter im Spielaufbau und energischer in den Zweikämpfen.

Haag vs Wübbenhorst und Hanebeck

Freiburgs Jeanne Haag versucht sich hier gegen Imke Wübbenhorst und Patrizia Hanebeck durchzusetzen

Bild: Roland Baumann

Die Gäste konnten ihre optische Überlegenheit jedoch nicht in Tore verwandeln. Zu den gefährlichsten Freiburger Möglichkeiten zählten ein Konter in der 27. Minute, den Kerstin Boschert aus etwa 16 Metern Entfernung rechts neben das Tor setzte, und zwei direkte Freistöße in der Viertelstunde vor der Pause. Den ersten dieser Freistöße, in der 30. Minute von rechts aus 20 Metern durch Juliane Maier auf den langen Pfosten gezielt, konnte Torhüterin Bianca Weech gerade noch zur Ecke lenken. Der zweite, in der 38. Minute aus gleicher Entfernung, diesmal aus zentraler Position und von Martina Moser geschossen, prallte von der Mauer zur Ecke, die jedoch keine weitere Gefahr für das HSV-Tor brachte.

Torraumszene mit Bianca Weech

Der Sportclub hatte in der ersten Halbzeit seine größten Chancen, doch lies Bianca Weech, wie hier in dieser Szene, nichts anbrennen.

Bild: Roland Baumann


Das Tor des Tages durch Susi Hartel

Sekunden vor Spielende mogelte sich Susi Hartel (7) an Imke Wübbenhorst (15) vorbei und erzielte den glücklichen Siegtreffer für Freiburg. Tugba Tekkal (rechts) und Torhüterin Bianca Weech waren machtlos

Bild: Beate Wolter

Erst in der 42. Minute konnte der HSV wieder eine eigene Chance verzeichnen, aber ein etwas verunglückter Schuss von Aferdita Kameraj aus 14 Metern ging über den Freiburger Kasten hinweg. Das 0:0 zur Halbzeit war insgesamt ein in jeder Beziehung leistungsgerechter, wenn auch wenig befriedigender Zwischenstand.

In der zweiten Halbzeit kam ein HSV-Team auf den Platz, das nicht nur auf zwei Positionen verändert war, sondern auch mit einer anderen Einstellung an das Spiel heranging. Das Ergebnis waren nun spielerisch und kämpferisch überlegene Gastgeberinnen, die immer wieder gefährlich vor dem Freiburger Tor auftauchten. Allerdings können nur wenige Chancen als hochkarätig bezeichnet werden und die Hamburger Angreiferinnen stellten sich hinsichtlich des Toreschießens auch nicht geschickter an, als die Freiburgerinnen in der ersten Spielhälfte. Mangelhaft blieben auf Hamburger Seite in jedem Fall die hohen Flanken in Richtung Gästetor. Diese wurden mehrheitlich zu dicht vors Tor geschlagen und wurden so eine sichere Beute von Torfrau Marisa Brunner. Kamen sie ausnahmsweise mal an Brunner vorbei, wurden sie mit dem Kopf knapp verpasst (60. Minute, Kameraj nach Flanke Hanebeck) oder über das Tor gesetzt (70., Kameraj gerät in Rückenlage nach Flanke von Silva Lone Saländer).

Biance Weech vs. Sinah Amann

Mit aller Entschlossenheit schnappt hier Biance Weech der durchgebrochenen Sinah Amann den Ball vom Fuß. Die mitgelaufene Denise Lehmann braucht nicht mehr einzugreifen
Bild: Beate Wolter

Freiburg kam in der gesamten zweiten Halbzeit gegen eine stabilisierte HSV-Abwehr nur zu zwei Chancen durch Susanne Hartel (54.) und Sinah Amann (81.), die beide von Bianca Weech im letzten Moment vereitelt werden konnten. Die Spielanteile der Teams und die Torchancen beider Seiten in der Gesamtschau beider Halbzeiten deuteten kurz vor Spielschluss auf ein 0:0 auch als Endergebnis hin. Doch dann kamen die letzten zwei Spielminuten. Zunächst sorgte eine Serie von drei aufeinander


folgenden Eckbällen für erhebliche Unruhe im Freiburger Strafraum, aber die HSV-Angreiferinnen bekamen den Ball auch jetzt nicht über die Linie des Gästetores. Wie man das besser macht, demonstrierten ihnen die Freiburgerinnen, als sie im Gegenzug in der 90. Minute ihrerseits einen Eckball zugesprochen bekamen. Aus dem Gewühl heraus stocherte Susanne Hartel den Ball zur Freiburger 1:0-Führung ins HSV-Tor. Das Spiel wurde zwar nochmals angepfiffen, doch sinnvolle Spielzüge kamen in den wenigen verbleibenden Sekunden nicht mehr zustande.

Torraumszene mit Imke Wübbenhorst

Kurz vor Spielende ergaben sich einige turbulente Szenen im Freiburger Strafraum. Hier blockte Jeanne Haag vor ihrer Torhüterin Marisa Brunner einen Schuss von Imke Wübbenhorst (vorne 15)

Bild: Beate Wolter

Fazit: Das junge Freiburger Team verbuchte - wenn auch mit Glück - drei wichtige Punkte für den Tabellenstand und fürs Selbstbewusstsein. Bei den Gastgeberinnen offenbarte sich eine alte, in dieser Saison bereits überwunden geglaubte Schwäche: Die mangelnde Abgebrühtheit vor dem gegnerischen Tor.

Hamburg:
Weech - Ewers, Lehmann, Haye, Rohrberg (46.Freese) - Schubert (83.Tekkal), Wübbenhorst, Kameraj, Schacher (46. Saländer) - Hanebeck, Vreden

Freiburg:
Brunner - Wendlinger (71. Zirnstein), Boschert, Kleiner, Maier - Krüger, Moser, Haag, Enoch (88. Hummel) - Hartel, Julevic (75. Amann)

Tore:
0:1 Hartel (90.)

Gelbe Karten: - / -

Schiedsrichter: Monique Klauß (Mülheim)

Zuschauer: 292


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