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1. Bundesliga, 21. Spieltag

Aufwärtstrend unverkennbar

1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 1:2 (0:0)

Text von Tom Schlimme

18.05.2009   Eine schwer krankheitsgeschwächte Frankfurter Mannschaft konnte gegen den Tabellenzweiten aus Potsdam zum Saisonabschluss ein gutes Spiel abliefern. Dass die Punkte dabei an die Gäste gingen, kam schon sehr unglücklich zustande, wie auch Potsdams Trainer Bernd Schröder hinterher zugab, der meinte, dass das Glück, mit dem Frankfurt im Hinspiel aus einem 0:2 noch ein 2:2 gemacht habe, nun auf Potsdamer Seite gewesen sei. Eine Meinung, die man so zwar nicht unbedingt teilen muss, die aber wiederspiegelt, dass das Spiel offen war und auch leicht anders hätte ausgehen können.

Nachdem in der Woche ein Magen-Darm-Virus die Frankfurter Mannschaft arg dezimiert hatte, mußte Trainer Günter Wegmann dann am Morgen des Spieltages auch noch die Absage von Kristina Brenner zur Kenntnis nehmen, die der Virus in der Nacht zum Sonntag noch erwischt hatte. So saß Wegmann dann mit keiner einzigen gesunden Auswechselspielerin auf der Bank, was dazu führte, dass Ariane Hingst in ihrem ersten Heimspiel für Frankfurt trotz Konditionsrückstand nach ihrer langen Verletzungspause voll durchspielen musste - was sie sogar hervorragend erledigte, einer der Hoffnungsschimmer, aus denen man in Frankfurt Mut für die Zukunft schöpfen kann.

Alisa Vetterlein

Schade, dass sie geht: U20 Nationalkeeperin Alisa Vetterlein, die Frankfurt verlässt, um in Wolfsburg erste Liga zu spielen, wurde vor dem Spiel verabschiedet. Links Frankfurts Manager Siegfried Dietrich, rechts Vorstandsmitglied Bodo Adler

Bild: Tom Schlimme

Die auch heute wieder ernorm fleißige, aber im Abschluss weiter etwas glücklose Kerstin Garefrekes holte früh einen Freistoß mittig am Strafraum heraus, den Sandra Smisek nur äußerst knapp am Winkel vorbeizirkelte. Da deutete sich schon an, dass diese Frankfurter Elf noch einmal alles geben würde, auch wenn die Saison praktisch gelaufen und am vierten Tabellenplatz nichts mehr zu ändern ist. Aber auch die Turbinen aus Potsdam spielten offensiv, für sie ging es ja noch um Wahrung der letzten Chance auf die Meisterschaft und vor allem um den wichtigen zweiten Platz, der zur Teilnahme an der Champions-League in der kommenden Saison berechtigt. Es war beeindruckend, wie schnell Potsdam aus der Abwehr heraus das Mittelfeld überbrückte, nur in der Nähe des Strafraums fehlte es dann meist doch etwas an Durchschlagskraft.

Aber auch das Frankfurter Mittelfeldspiel war gegenüber etlichen mäßigen Heimauftritten in dieser Saison nicht wiederzuerkennen. Dabei zeigte sich, welche Verstärkung eine gesunde Ariane Hingst für dieses Team sein kann. Endlich ging es aus dem Mittelfeld heraus wieder konstruktiv nach vorne, zwar nicht ganz so dynamisch wie bei Potsdam, aber dafür wurden die Angriffe teilweise sehr gut vorbereitet. Neben Hingst blühte dann auch Meike Weber, die zuletzt auch nicht so ganz ihre Form gezeigt hatte, wieder richtig auf und machte ebenfalls ein starkes Spiel.

Ariane Hingst

Ariane Hingst, die hier von Stefanie Draws und Isabel Kerschowski abgeblockt wird, erweist sich als große Verstärkung für das Frankfurter Spiel

Bild: Peter Henkel

Bei Potsdam wurden die Angriffe vor allem über die Flügel vorgetragen. Klasseleistung auch nach vorne sowohl von den Außenverteidigerinnen Bianca Schmidt und Isabel Kerschowski (wechselte später die Position) - beides ja auch gelernte Stürmerinnen - sowie von Viola Odebrecht rechts, die eine etwas andere Rolle im Team hat als früher, als sie zentral spielte. Vorne und links sorgte vor allem Anja Mittag für Gefahr, wobei auch Tabea Kemme ein gutes Spiel machte, auch wenn man natürlich schon merkte, dass die junge Spielerin noch nicht ganz so weit ist wie zum Beispiel eine Anja Mittag, aber das traf auf der anderen Seite auch auf Svenja Huth zu, die in vielen Szenen sehr viel Potential zeigte, die ganz große Torgefahr aber noch nicht ausstrahlt.


Nadine Angerer

Mit einer erstklassigen Fußabwehr parierte Frankfurts Nationalkeeperin Nadine Angerer einen harten Schuss von Anja Mittag aus kurzer Entfernung. Gina Lewandowski (vorne) und Leni Larsen Kaurin sehen es unterschiedlich erfreut

Bild: ViolA

Wenn beide Teams eine echte Torjägerin in ihren Reihen gehabt hätten, das Spiel hätte auch 4:4 ausgehen können. Auf jeden Fall ging es meist schnell und munter hin und her, teilweise wurde dabei auch sehr guter Fußball geboten, spannend und unterhaltsam war es auf jeden Fall. Auf einige Aufreger hätte man allerdings verzichten können. So gab es zwei Szenen, in denen Potsdams Keeperin Desiree Schumann im Strafraum so gegen ihre Gegenspielerinnen vorging, dass man auch Elfmeter hätte pfeifen können, auf DFB-TV kann sich jeder selbst ein Bild hierzu machen. Erst in der achten Minute gegen Kerstin Garefrekes, dann noch mal gegen Ende der Partie gegen Sandra Smisek. Schiedsrichterin Anja Kunick entschied jedoch beide Male auf Weiterspielen.

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Keeperin Desiree Schumann senste Sandra Smisek in dieser Szene im Strafraum um, auf einen Elfmeterpfiff warteten die Zuschauer aber vergeblich

Bild: Peter Henkel

Gerade eine Minute, nachdem Kunick Garefrekes den Elfmeter verweigert hatte, gab sie dann eine gelbe Karte nach einem Luftkampf, wo Garefrekes und eine Gegenspielerin beide zum Ball hochgesprungen waren - mag sein, dass Garfrekes dabei leicht foulte, gelb war dies aber nie und nimmer und in Zusammenhang mit dem nicht gegebenen Elfmeter hatte Kunick nun einen Gutteil des 2500-köpfigen Frankfurter Publikums gegen sich. Was die Schiedsrichterin nicht davon abhielt, Ariane Hingst für ein Allerweltsfoul in der 14. Minute eine weitere fragwürdige gelbe Karte zu zeigen. Der ebenfalls fällige - berechtigte - Freistoß führte zu einer Riesenchance für Mittag, doch Nadine Angerer im Frankfurter Tor parierte mit einem Klassereflex.

Kurze Zeit später legte Mittag artistisch auf Odebrecht auf, die traf den Ball aber nicht perfekt, so dass er vom Pfosten ins Toraus trudelte.Aber auch Frankfurt hatte Chancen durch einen Kopfball von Hingst, einen Weitschuss von Smisek und die beste durch Außenverteidigerin Gina Lewandowski, die im Doppelpass mit Huth durch die Potsdamer Reihen stürmte und den Ball nur haarscharf am leeren Toreck vorbei zirkelte. Gleich danach hatte dann Garefrekes die Möglichkeit, als sie allein vor Schumann freie Bahn hatte, doch ihr Schuss ging zwar über die Keeperin, aber auch über das Tor.

Meike Weber

Meike Weber zwischen Marie-Luise Bagehorn und Viola Odebrecht

Bild: Peter Henkel

In der zweiten Halbzeit drehte das Frankfurter Team dann noch etwas mehr auf und verlagerte das vorher ausgeglichene Spiel weitgehend in die Potsdamer Hälfte. Doch genau in diese Phase fiel das erste Potsdamer Tor: Nach einer hohen Flanke kam der Ball zu Lewandowski, die ihn aber nicht entschlossen genug weg schlug, Mittag nutzte die Situation, setzte sich durch und verwandelte durch einen strammen Schuss ins Eck. Frankfurt hätte postwendend ausgleichen können, doch Garefrekes setze sich zwar im Zweikampf gegen Kerschowski durch, drehte sich aber dann zu weit, schoss auf das lange Eck statt auf das ebenfalls freie kurze, und so ging der Ball vorbei. Dann kam das zweite elfmeterreife Foul von Keeperin Schumann, und vier Minuten später die Entscheidung durch ein Kopfballtor von Peter, die sich umringt von Frankfurterinnen durchsetzen konnte. Dabei sah auch Keeperin Angerer nicht gut aus, denn im Fünfmeterraum sollte eine Keeperin eine hohe Flanke auch selbst entschärfen.


Bianca Schmidt gegen Sandra Smisek

Bianca Schmidt (links), hier gegen Sandra Smisek, machte ein sehr gutes Spiel auf ihrer rechten Seite

Bild: Peter Henkel

Frankfurt gab aber nicht auf und die wieder einmal beste Offensivkraft Garefrekes erzielte dann in der 86. Minute auch den verdienten Anschlusstreffer, nachdem ein abgeblockter Schuss von Hingst bei ihr gelandet war. Zwei Minuten später dann noch ein Aufreger: Saskia Bartusiak und Keeperin Schumann prallten aufeinander, man mag auf Foul von Bartusiak entscheiden, man mag sagen, es war außerhalb des Fünfmeterraums und kein Foul, aber man sollte als Schiedsrichtergespann auf jeden Fall nicht übersehen, dass Schumann zweimal nachtrat, erst mit dem einen, dann mit dem anderen Bein. Beim Getümmel im Potsdamer Strafraum war dann auf einmal Potsdams Ersatzspielerin Aferdita Podvorica, die sich in der Nähe warm gemacht hatte, auf dem Platz, stellte sich vor Schumann und hielt ihre Keeperin zu deren eigenen Nutzen zurück.

Frankfurt hatte noch eine gute Gelegenheit, Garefrekes war eigentlich schon fast durch, legte dann zu Bartusiak auf, doch die nahm den Ball an statt direkt zu schießen und wurde abgeblockt. In der letzten Minute kam dann sogar Keeperin Angerer noch mit nach vorne, doch alles nutzte nichts, es blieb beim glücklichen Potsdamer Sieg. Bei beiden Teams war neben viel Licht auch einiger Schatten zu sehen, wobei sich bei Potsdam ja schon durch vier zum Teil sehr hochkarätige Verstärkungen abzeichnet, wie das Team aussehen könnte, das in der nächsten Saison dann ganz oben mitspielen will. Bei Frankfurt scheint mir noch nicht so richtig klar zu sein, wie das kommende Team aussehen wird. Unverkennbar ist aber, dass die Moral der Frankfurter Mannschaft in Ordnung ist, und ein ordentliches Gerüst exisitiert, auf dem man aufbauen kann.

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Anja Mittag, die hier über Anna Marciak springt, erzielte in Frankfurt ihren 20. Saisontreffer

Bild: Peter Henkel



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Marciak, T. Wunderlich, Bartusiak, Lewandowski - Garefrekes, Hingst, Weber (75. Thomas), Schatton (70. P. Wunderlich), Huth (77. Günther), Smisek

1. FFC Turbine Potsdam:
Schumann - Schmidt, Peter, Draws, I. Kerschowski - Odebrecht, Zietz, Bagehorn (59. M. Kerschowski), Larsen Kaurin (90. Schiewe), Kemme (68. Sainio), Mittag

Tore:
0:1 Mittag (63.
0:2 Peter (79.)
1:3 Garefrekes (86.)

Gelbe Karten: Garefrekes, Hingst, Schatton/-

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Leipzig)

Assistentinnen: Moiken Reichert, Marija Kurtes

Zuschauer: 2460


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