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1. Bundesliga, 7. Spieltag

Kristina „Dreierpack” Brenner entscheidet

1. FFC Frankfurt - Hamburger SV 5:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von ViolA und Tom Schlimme

27.10.2008   Nach einer torlosen ersten Halbzeit, in der die Gäste aus Hamburg stellenweise feldüberlegen waren und auch die besseren Torgelegenheiten herausspielten, siegte der deutsche Meister 1. FFC Frankfurt dann doch noch 5:0. Dank einer gehörigen Portion Glück und dank einer 18-jährigen, die ihr erstes Spiel in der ersten Liga machte und gleich einen lupenreinen Hattrick hinlegen konnte. Eine der Geschichten, die Fußball immer wieder so attraktiv machen!

Verletzungsbedingt pfeift der 1. FFC Frankfurt derzeit aus dem letzten Loch. Am Freitag vor dem Spiel meldeten sich mit Sandra Smisek und Karolin Thomas zwei weitere Spielerinnen krank, die aus der zweiten Mannschaft nach Oslo eingeflogene und dort zur UEFA-Cup-Heldin gewordene Sarah Schatton fiel ebenfalls aus, Svenja Huth weilt mit der U17 Nationalmannschaft in Neuseeland, und so stand mit Kristina Brenner plötzlich eine Spielerin auf dem Platz, die nach eigenem Bekunden selber noch kurz vor dem Spiel nicht damit gerechnet hatte, sich so plötzlich in der Startelf der ersten Mannschaft zu finden.

Aferdita Kameraj und Kristina Brenner

Die 18-jährige Kristina Brenner (rechts), ein „echt Frankfurter Mädche” aus dem westlichen Frankfurter Stadtteil Sossenheim, mußte sich plötzlich mit erfahrenen Erstligaspielerinnen wie hier Aferdita Kameraj messen - und machte ihre Sache prima!

Bild: Tom Schlimme

Die Frankfurter Notelf tat sich dann auch lange Zeit sehr schwer gegen kompakt auftretende Hamburgerinnen, die im Laufe der ersten Halbzeit ihre Chance spürten und immer stärker wurden. In der Hamburger Innenverteidigung machten Denise Lehmann und die bärenstarke Aferdita Kameraj einen guten Job, außen ließen Marisa Ewers und Heike Freese auch nicht viel anbrennen. Vor allem aber erkämpfte sich das Hamburger Mittelfeld immer mehr Spielanteile, was nicht nur die eigene Abwehr entlastete, sondern auch Möglichkeiten in der Offensive der Gäste ermöglichte. Allen voran ist hier Silva Saländer zu nennen, die im zentralen Mittelfeld die Fäden zog und mächtig Akzente setzen konnte. Aber auch Patricia Hanebeck und die enorm lauffreudige Maja Schubert spielten gut nach vorne, während Imke Wübbenhorst ihnen defensiver eingestellt den Rücken freihielt. Vorne sorgte Kim Kulig auf dem linken Flügel für einige Gefahr, und Tanja Vreden in der Spitze spielte ebenfalls gut mit, versäumte aber eines, was für eine Stürmerin nun mal essentiell ist: das Toreschießen!

Chance Tanja Vreden Chance Tanja Vreden

Eine der Großchancen von Tanja Vreden (50. Minute): super angespielt von Silva Saländer, rutschte ihr in dieser Szene der Ball über den Schlappen. Stephanie Ullrich im Frankfurter Tor hätte gegen einen harten und platzierten Schuss aus dieser Entfernung kaum eine Chance gehabt!

Bilder: Tom Schlimme

Auf Frankfurter Seite waren die stärksten Spielerinnen zunächst die beiden Innenverteidigerinnen Tina Wunderlich und Gina Lewandowski, die eine schwer bezwingbare Bank in der Abwehr bildeten. Beeindruckend dabei die Kopfballstärke der hoffentlich nun wieder richtig genesenen Lewandowski, eine Spielerin mit so gutem Timing beim Kopfball sieht man selten in der Liga! Defensiv stimmte es auch einigermaßen beim FFC, wobei sich Sarah Günther rechts und Tina Plessen links in der Viererkette meist, aber nicht immer, gegen ihre jeweiligen Gegenspielerinnen behaupten konnten. Defensiv stimmte es auch im Frankfurter Mittelfeld einigermaßen. Aber der Spielaufbau, das eigene Spiel nach vorne, stotterte in der ersten Halbzeit erheblich, und durch Ballverluste im Aufbau kam dann auch Hamburg immer wieder ins Spiel und brachte die Frankfurter Abwehr in Bedrängnis.

Dabei war es nun sicher nicht so, dass die Frankfurterinnen sich gar keine Gelegenheiten hätten erspielen können. Zweimal kam Brenner in der vordersten Spitze an den Ball, in der achten Minute schoss sie vorbei, in der elften ließ sie sich von der Hamburger Abwehr noch abdrängen. In der 18. Minute erlief Petra Wimbersky aufmerksam einen zu schwachen Querpass von Lehmann, spielte sich mit dem Ball an zwei Hamburgerinnen vorbei, passte zur freien Prinz, doch die verfehlte das Tor. Dazwischen hatte Schubert in der zehnten Minute mit einer Direktabnahme die bis dahin beste Chance des Spiels neben den Kasten gesetzt, und Vreden vergab in der 21. Minute, als ihr der Schuss


Das dritte Tor von Kristina Brenner

Mit diesem Tor zum 3:0 machte Kristina Brenner (rotes Trikot) ihren lupenreinen Hattrick perfekt. Kerstin Garefrekes (nicht im Bild) hatte allein vor dem Tor Keeperin Weech auf sich gezogen, dann aber in die Mitte zu Brenner gepasst. Aferdita Kameraj im blauen Trikot konnte den Schuss von Brenner dann nicht mehr verhindern

Bild: ViolA

einfach zu schwach geriet. Dann blieb Frankfurts Keeperin Ullrich im Luftkampf Siegerin gegen Kulig, die sich wenig später auf dem linken Flügel durchsetzen konnte, doch Vreden setzte ihre gute Vorlage neben das Tor. Gegen Ende der ersten Halbzeit gab es dann noch einige Hamburger Chancen von mittlerer Qualität, die aber nicht genutzt wurden, so dass die Heimmannschaft mit einem eher glücklichen als verdienten 0:0 in die Kabine gehen konnte.

Nach dem Wechsel hatten sich dann erst mal weder die Aufstellungen noch die Spielanteile verändert. In der 50. Minute vergab Vreden dann die im Bild gezeigte Großchance, letztlich eine entscheidende Szene, denn nur zwei Minuten später kippte das Spiel. Der Ball kam etwa zwei Meter zentral vor dem Strafraum zu Brenner, Lehmann stand zu weit weg, Brenner sah Keeperin Bianca Weech etwas zu weit vor dem Tor und hob das Leder mit einem sehenswerten Schuss über Weech in die Maschen. Schlagartig wurde Frankfurt überlegen, und schon in der 59. Minute konnte sich Kerstin Garefrekes rechts durchsetzen, überlegter Pass zu Brenner in die Mitte, die brauchte nur noch den Fuß hinhalten und es stand 2:0. In der 70. kam dann Saskia Bartusiak, heute wie in der Natio auf der 6er-Position im Mittelfeld eingesetzt, zu einem schönen Fernschuss, den Weech mit guter Parade zur Ecke klären mußte. Diese führte zu einer weiteren Frankfurter Gelegenheit, als Prinz nach Anspiel von Brenner aus der Drehung zu einem gerade noch abgeblockten Schuss kam. Noch eine weitere Minute später setzte sich dann Garefrekes wieder entscheidend durch, ihr Pass zu Brenner ermöglichte dem Frankfurter Youngster dann den dritten Treffer und damit einen lupenreinen Hattrick im ersten Erstligaspiel überhaupt.

In der 76. Minute spielte sich dann Wimbersky auf dem linken Flügel an ihrer Gegenspielerin vorbei, verfehlte dann aber auch das lange Eck des Hamburger Tores knapp. Ein Kopfball von Kulig wurde von Ullrich noch an den Pfosten gelenkt (78.), die Hamburger Chancen der zweiten Hälfte - nach der Großchance von Vreden - sind damit aufgezählt. Einen Tag nach ihrem 31. Geburtstag konnte sich dann Prinz doch noch ein Geschenk machen, indem sie einen Freistoß aus gut 25 Metern völlig unhaltbar ins Hamburger Tor beförderte. Ein Tor der Extraklasse!

Tor gegen Bianca Weech

Das 4:0 durch Birgit Prinz: aus gut 25 Metern rauschte der Ball heran, doch Bianca Weech im Hamburger Tor hatte keine Chance!

Bild: ViolA

Frankfurts Trainer Günter Wegmann wechselte dann die Matchwinnerin Brenner aus. Bezeichnend, dass die eingewechselte Anna Marciak, eigentlich Abwehrspielerin, Brenners Position in der Spitze einnehmen mußte. Für Marciak und angesichts des Spielstandes sicher kein Problem, aber im Falle der Not hätte hier eine richtige Stürmerin gefehlt! Die Hamburgerinnen waren inzwischen aber schon so demoralisiert, dass sie sogar noch den fünften Treffer hinnehmen mußten. Diesmal kam der FFC über links, wo sich Wimbersky durchsetzen konnte, ihr Ball kam vor das Tor zu Garefrekes, und die ließ sich trotz Bedrängnis die Gelegenheit nicht entgehen. Zählt man zusammen, kam Garefrekes so auf einen eigenen Treffer und zwei Vorbereitungen, was ihren Anteil am Frankfurter Sieg deutlich macht.

Tanja Vreden und Christina Plessen

Christina Plessen (rechts), zu Saisonbeginn aus Hamburg nach Frankfurt gewechselt, hatte gegen ihre ehemalige Kameradin Tanja Vreden das bessere Ende für sich. Allerdings war dazu etwas Glück nötig!

Bild: Tom Schlimme

Das Ergebnis ist viel zu hoch ausgefallen und spiegelt nicht wieder, dass es bei nur etwas Hamburger Glück auch ganz anders hätte ausgehen können. Allerdings muss man der verletzungsgeschwächten Frankfurter Mannschaft trotzdem ein Kompliment machen. Auch als es nicht so lief, behielten die Spielerinnen die Nerven und setzten sich letztlich dank Kampfkraft und einiger guter Aktionen doch noch durch. Wie stark der 1. FFC Frankfurt in dieser Saison wirklich ist, wird man sehen, wenn die sich Mannschaft einige Zeit in einigermaßen konstanter Besetzung einspielen konnte, was bis jetzt einfach noch nicht möglich war.


Stimmen zum Spiel

HSV-Trainer Achim Feivel hatte zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten gesehen. Bis zum 1:0 konnte er seiner Mannschaft ein Kompliment machen, sie habe das Spiel so gut im Griff gehabt wie gegen diesen Gegner noch nie, aber das hätte man auch in Tore ummünzen müssen, so sein einziger Vorwurf an das Team. Nach dem 2:0 habe man es Frankfurt dann zu leicht gemacht, zu offen nach vorne gespielt und damit zu viele Räume geöffnet.

Tor Kerstin Garefrekes

Das 5:0 durch Kerstin Garefrekes, die bedrängt von Janka Rohrberg Keeperin Bianca Weech keine Chance ließ

Bild: ViolA

Frankfurts Trainer Günter Wegmann zeigte sich glücklich mit dem Ergebnis, konstatierte aber, dass der Sieg weniger einfach war, als es das Ergebnis darstellt. Er habe sein Team vor dem HSV gewarnt, die dann noch besser aufgetreten seien, als er sie bei seinen Beobachtungen gesehen habe. Die Ausfälle seien nur durch eine Energieleistung seiner Mannschaft zu kompensieren gewesen, dazu sei dann auch Glück gekommen, welches aber in so manchem Spiel vorher in den letzten Wochen gefehlt habe. Kristina Brenner habe in ihrem ersten Erstligaspiel überhaupt ein Sonderlob verdient, wobei man aber sehen müsse, dass die Mannschaft es ihr leicht gemacht und die Tore gut herausgespielt hätte. Insgesamt zeuge es von großer Qualität der Mannschaft, in solch schwierigen Situationen zusammenzustehen und sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Es zeuge aber auch von der guten Arbeit des Vereins, dass mit Sarah Schatton und jetzt Kristina Brenner so gute Spielerinnen herangezogen würden. Wegmann habe bisher alle Heimspiele der zweiten Mannschaft in dieser Saison gesehen, und von daher gewußt, dass er auf diese Spielerinnen vertrauen könne!

Ehrung Birgit Prinz

Vor dem Spiel wurde Birgit Prinz, hier neben „Kicker”-Redakteurin Jana Wiske, zum achten Mal in Folge als Fußballerin des Jahres geehrt. Prinz stellte sich heute stark gehandicapt mit einer Fußverletzung in den Dienst der Mannschaft

Bild: ViolA

Auf Nachfragen erklärte Feifel, dass auch Hamburg nicht ohne Verletzungssorgen ins Spiel gegangen war. Neben Stürmerin Kathrin Patzke fehlt ja seit längerem U-21 Nationalspielerin Janina Haye, mit der die Innenverteidigung noch stärker sein könne als heute. Vor allem könne dann Kameraj ins Mittelfeld rücken, wo sie ihre Klasse noch besser ausspielen könne.

Fazit:
Hamburg hat in diesem Spiel das Potential gezeigt, in Zukunft ganz oben mitspielen zu können. Mit der hoffentlich bald wieder genesenen Haye und etwas mehr Schussglück kann Hamburg bald jeden schlagen! Beim FFC sollte man den eingeschlagenen Weg mit der guten Jugendarbeit weiter gehen und dabei auch etwas Geduld zeigen, eine Verletzungsmisere wie momentan dürfte die Ausnahme bleiben!

1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Günther, Lewandowski, T. Wunderlich, Plessen - Weber (83. Engel), Bartusiak (85. Kantor), Wimbersky, Garefrekes - Prinz, Brenner (81. Marciak)

Hamburger SV:
Weech - Evers (85. Schimpf), Lehmann, Kameraj, Freese (69. Rohrberg) - Wübbenhorst, Hanebeck, Saländer, Schubert (65. Tekkal) - Kulig, Vreden

Tore:
1:0 Brenner (52.)
2:0 Brenner (59.)
3:0 Brenner (73.)
4:0 Prinz (81.)
5:0 Garefrekes (87.)

Gelbe Karten:Keine

Schiedsrichterin: Inka Müller (Potsdam)

Zuschauer: 1410


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