1. Bundesliga, 17. SpieltagAcht schöne Tore1. FFC Frankfurt - Herforder SV 8:0 (2:0) | ||
Text von Tom Schlimme 30.03.2009 Nach einem 8:0 über den Aufsteiger aus Herford konnte der 1. FFC Frankfurt den bisher höchsten Sieg in dieser Saison feiern. Doch was dieser Sieg wert ist, wird sich erst am Mittwoch beim Schlagerspiel in Potsdam zeigen, meint Frankfurts Manager Siegfried Dietrich, und dürfte damit richtig liegen: „Dieser Kantersieg ist nichts wert, wenn wir am Mittwoch nicht drei Punkte aus Potsdam mitbringen!” erklärte Dietrich nach dem Spiel. Auf jeden Fall zeigt das Ergebnis, dass kaum eine der Spitzenmannschaften der Bundesliga derzeit so schwer einzuschätzen ist wie der 1. FFC Frankfurt. Das Team drehte in den letzten Wochen einen Zweitorerückstand in Wolfsburg noch zum Sieg, fügte Bayern München die bisher einzige Saisonniederlage bei - und verlor in Jena zwei und in Freiburg drei wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft. Nun also ein Kantersieg gegen Herford - auf was soll sich Potsdams Trainer Bernd Schröder vorbereiten? Zumindest auf eine Frankfurter Mannschaft, die das Fußballspielen nicht verlernt hat! ![]() Petra Wimbersky, die hier gegen Yvonne Hansmeier zum Flanken kommt, wird nicht vergessen haben, dass ihr Potsdams Trainer Bernd Schröder seinerzeit nach ihrem Wechsel von Potsdam nach Frankfurt öffentlich nur noch ein halbes Jahr gab, bis ihre Leistung einbrechen werde... Von der ersten Minute im Spiel gegen Herford an fegten die Frankfurterinnen über den Platz, als wollten sie Wiedergutmachung für die Niederlage in Freiburg erzwingen. Dabei liefen die Kombinationen aber völlig unverkrampft, schnell, flüssig, präzise, es war überhaupt nicht zu verstehen, wieso dieses Team sich manchmal so schwer tut in dieser Saison. Dabei hatte Herfords Trainer Björn Kenter sein Team relativ vorsichtig aufgestellt, vorne agierte meist Marie Pollmann als einzige Spitze, zeitweise unterstützt von Simone Müller bzw. später Maxine Mittendorf. Dahinter massierten sich mehrere Abwehrriegel, bei Ballbesitz versuchten die Herforderinnen aber auch, nach vorne zu agieren. Insgesamt eine vernünftige Strategie... doch in Ballbesitz blieben die unglücklichen Herforderinnen selten lange an diesem Tag. In der dritten Spielminute flankte Franfurts Linksverteidigerin Gina Lewandowski, die wieder viel für die Offensive tun konnte, von links in den Strafraum, doch Bianca Sauer, Linksverteidigern auf der anderen Seite, konnte die einschussbereite Kerstin Garefrekes noch abblocken. Wenig später flankte Garefrekes dann von rechts, in der Mitte kam Birgit Prinz zum Schuss, und schon nach fünf Minuten stand es 1:0. Frankfurt setzte nach, ein Schuss von Lewandowski verfehlte das Ziel, doch in der 14. Minute setzte sich Petra Wimbersky links durch, passte hart in den Strafraum - und Herfords Innenverteidigerin Desiree Lenz erwischte den Ball im Laufen so unglücklich, dass er mit Wucht im eigenen Kasten einschlug. ![]() Kerstin Garefrekes scheiterte heute mehrere Male an Keeperin Eva Mühle, erhielt jedoch für ihre Asists ein Sonderlob vom Trainer Die kommenden Minuten brachten weitere Frankfurter Angriffe, die aber erst einmal erfolglos blieben. In der 19. Minute war wieder Garefrekes rechts durch, spielte nach innen zu Wimbersky, doch deren Schuss |
Birgit Prinz erzielte fünf der acht Tore des 1. FFC Frankfurt gegen den Herforder SV. Keeperin Eva Mühle hatte bei keinem der acht Treffer eine Chance! | |
ging aus kurzer Entfernung vorbei. In der 22. Minute krachten die herauseilende Herforder Keeperin Eva Mühle und Birgit Prinz vor dem Strafraum zusammen, Schiedsrichterin Christine Beck ließ aber weiterspielen. Eigentlich hätte man hier sogar rot für eine Notbremse geben können, Glück für Herford in dieser Szene. Der Schuss von Prinz ging knapp am Tor vorbei. Es folgten ein Kopfstoß von Lewandowski neben das Tor, auch Saskia Bartusiak, die heute wieder Innenverteidigern spielte, ohne dabei groß beschäftigt zu sein, versuchte sich mit einem Fehlschuss. ![]() Eva Mühle erwischte den Fuß von Birgit Prinz, als der Ball schon weg war. Glück für Herford, dass Schiedsrichterin Beck hier beide Augen zudrückte Eine Gelegenheit hatte dann auch Herford, als Müller einen Freistoß in den Frankfurter Strafraum zirkelte, doch trotz einer gewissen Verwirrung im Strafraum blockte die Abwehr Herfords Stürmerin Pollmann dann doch ab. Einen Schuss von Prinz in der 43. Minute lenkte Mühle mit den Fingerspitzen noch um den Pfosten, und dann war vor der Pause noch ein Fernschuss von Anna Laue für Herford zu verzeichnen, der aber eher als Verzweiflungstat gewertet werden muss, denn aus viel zu großer Entfernung war der Versuch chancenlos. Nach dem Wiederanpfiff ging es dann Schlag auf Schlag. Prinz verlor den Ball am Rande des Strafraums an Sabrina Schlottmann und Bianca Sauer, so schien es jedenfalls, doch das Leder kam noch einmal frei, Prinz nahm die Kugel volley und hämmerte sie trotz der engen Bewachung unhaltbar in die Maschen. Dann gab Garefrekes wieder eine ihrer präzisen Zuspiele von rechts herein, Smisek verpasste, doch da war noch Prinz, die zum 4:0 verwandelte. Das 5:0 nur eine Minute später war dann fast eine Kopie des vorhergehenden Tores. Wieder nur drei Minuten später ging dann Prinz mit dem Ball in ihrer typischen Dynamik auf den Strafraum von Herford, spielte dann Smisek an, hätte wohl auch selbst verwandeln können, doch Smisek stand wirklich noch besser und nutzte diese Chance auch zum 6:0. So war Herford in der 58. Minute bereits hoch geschlagen. Dass es noch dicker kam, lag daran, dass die Frankfurterinnen einfach nicht nachlassen wollten. ![]() Kaum drei Minuten auf dem Platz, bereitete Franfurts Nachwuchsspielerin Svenja Huth (hier gegen Anna Laue) schon das 7:0 vor Trainer Günter Wegmann hatte in der 61. Minute die junge Svenja Huth für Karolin Thomas gebracht, die setzte sich gerade drei Minuten auf dem Platz rechts durch, flankte nach innen, und Smisek vollendete mit einer sehenswerten artistischen Leistung zum 7:0. Etliche Chancen erspielte sich auch Garefrekes, doch in 1:1-Situationen gegen die gute Keeperin Mühle war der Kasten wie zugenagelt. |
Überhaupt, Mühle bot eine Klassepartie, von den acht Torschüssen war kein einziger haltbar gewesen, dafür hielt Mühle vor allem gegen Garefrekes, einmal dann auch noch gegen Smisek, einige „unhaltbare”. Beim 8:0 gegen Prinz auch wieder in einer 1:1-Situation konnte aber dann auch Eva Mühle nichts mehr machen. „Wir sind nicht mit dem letzten, sondern mit dem allerletzten Aufgebot angetreten,” verwies Herfords Trainer Björn Kenter nach dem Spiel auf die Verletztensituation seiner Mannschaft. In der Halbzeitpause habe man entschieden, noch einmal mehr nach vorne zu versuchen, doch Frankfurt habe diese Phase für sich entschieden. Dann habe er beide Innenverteidigerinnen aus dem Spiel genommen, da diese mit je vier gelben Karten von einer Sperre bedroht gewesen seien. Im Kopf sei man mit den Gedanken zu diesem Zeitpunkt schon beim für den Klassenerhalt wichtigeren Spiel gegen den Hamburger SV gewesen. ![]() Die unglückliche Herforder Keeperin mußte nach dem Spiel getröstet werden, hier von ihrer linken Verteidigerin Bianca Sauer
Auf die Frage, was seine Mannschaft nach dem Spiel in Freiburg anders gemacht habe, erklärte Günter Wegmann, das Team habe direkt nach dem Freiburgspiel selbst erkannt, was falsch gelaufen war und habe heute ein deutliches Signal gegeben. Er könne seine Mannschaft heute nur loben, hinter dem Sieg habe eine Menge Arbeit gesteckt, aber es sei auch viel spielerischer Glanz zu sehen gewesen. Ein besonderes Lob zollte Wegmann Kerstin Garefrekes, die mit ihren zahlreichen Asists manchmal einen größeren Anteil an den Torerfolgen hätte als die Torschützinnen selbst.
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