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1. Bundesliga, 19. Spieltag

Titelträume Adé

1. FFC Frankfurt - FCR 2001 Duisburg 1:2 (0:2)

Text von Tom Schlimme

03.05.2009   Nach dem 19. Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga steht fest: der 1. FFC Frankfurt wird keinen seiner drei Titel aus dem Vorjahr verteidigen können. Nach dem Aus im DFB-Pokal und im UEFA-Cup sind mit der Heimniederlage gegen den FCR Duisburg auch die letzten Meisterschaftschancen geplatzt. Selbst rechnerisch ist der Tabellenführer FC Bayern München nun nicht mehr einzuholen, praktisch erscheint auch der für die Qualifikation zur Champions-League ausreichende zweite Platz nun nicht mehr erreichbar. Doch man nahm es gelassen am Brenatano-Bad, die Saison ist abgehakt und der Blick geht nach vorne.

„Es ist gut für die Liga und für den Frauenfußball in Deutschland insgesamt, dass die anderen Vereine sich so stark entwickelt haben” erklärte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich nach dem Spiel und gratulierte Duisburgs Trainerin Martina Voss zum Erfolg. Natürlich wolle man auch in Frankfurt gerade mit Blick auf die WM 2011 in Zukunft wieder vorne mit dabei sein, und werde sich dementsprechend verstärken, doch jetzt seien auch einmal die anderen dran. „Wir haben 10 Jahre lang Erfolge weggesteckt, jetzt können wir auch einmal mit Niederlagen umgehen!” meinte Dietrich und gab dem FCR Duisburg die besten Wünsche für die Finalspiele im UEFA-Cup mit auf den Weg.

Inka Grings gegen Anna Marciak

Inka Grings (am Ball) erzielte den Duisburger Führungstreffer. Hier wird Grings von Anna Marciak bedrängt.

Bild: Peter Henkel

Auch Frankfurts Trainer Günter Wegmann hatte kein Problem damit, die Leistung der Duisburgerinnen und deren verdienten Sieg anzuerkennen. Man habe die hohe Qualität der Duisburger Mannschaft deutlich erkennen können. Die Tore seien zwar durch eigene Fehler entstanden, diese Fehler seien aber vom Gegner erzwungen worden. Trotz der Niederlage zollte Wegmann seinem Team ein Lob für die starke zweite Halbzeit, in der man gesehen habe, wozu auch diese ersatzgeschwächte Mannschaft imstande sei.

Entsprechend war dann auch Duisburgs Trainerin Martina Voss mehr mit der ersten Halbzeit ihres Teams zufrieden, in der man sehr offensiv gespielt habe, als mit der zweiten, wo die Ordnung etwas verloren gegangen sei. Nachdem die Frankfurterinnen durch einen schönen Konter noch zum Anschlusstor gekommen seien, sei die Partie noch einmal offen und spannend gewesen. „Ich bin froh über die Punkte, das war ein hartes Stück”, meinte Voss, die dem Gastgeber die Komplimente zurückgab, indem sie erklärte, der FFC habe trotz des Rückstandes mental noch alles probiert. „Wir haben derzeit 26 gesunde Spielerinnen, können im Training 13 gegen 13 spielen, das macht richtig Spaß”, beschrieb Voss die Stimmung beim FCR Duisburg, zeigte aber auch Verständnis für die Folgen der Verletztenmisere beim FFC.

Vertreter Zvezda 2005

Die „Spione” aus Russland sahen einen starken Finalgegner: rechts der Sports-Director von Zvezda 2005, Stanislav Kharitonov

Bild: Tom Schlimme

Eine kleine Delegation des UEFA-Cup Finalgegners Zvezda war im Stadion zu Gast und sah eine technisch starke, sehr lauffreudig und spritzig beginnende Duisburger Mannschaft, die dem russischen Meister mit Sicherheit schwer zu schaffen machen wird. Frankfurt hielt anfangs zwar gut dagegen, aber die erste Gelegenheit des Spiels hatte der FCR: Simone Laudehr - ganz starkes Spiel von ihr - setzte sich rechts durch, guter Pass nach innen, doch Inka Grings verzog aus etwas neun Metern Torentfernung. Das war in der 12. Minute, und in der 15. eroberte Sonja Fuss den Ball in der eigenen Abwehr, trieb das Leder in schnellem Lauf nach vorne, passte zu Grings, doch Frankfurts Keeperin Nadine Angerer ging noch dazwischen.


Simone Lauder gegen Nadine Angerer

Frankfurts Keeperin Nadine Angerer konnte die durchgebrochene Simone Laudehr in dieser Szene nicht stoppen. Ergebnis war das 2:0 für Duisburg

Bild: Peter Henkel

Angerer stand dann auch im Mittelpunkt der nächsten beiden Szenen: Petra Wimbersky spielte - auf Angerers Zuruf - einen riskanten Rückpass auf die Keeperin, vor der Grings mit ihrem bekannten Riecher für solche Szenen viel zu schnell für Angerer auftauchte. Angerer versuchte den Ball wegzuschlagen, doch Grings eroberte die Kugel und hatte keine Mühe, in der 23. Minute zur Duisburger Führung einzunetzen. Nur drei Minuten später lief Angerer gegen Laudehr hinaus, schaffte es aber wieder nicht, den Ball entscheidend aus der Gefahrenzone zu bugsieren, Laudehr blieb dran und vollendete zum 2:0.

Linda Bresonik gegen Sandra Smisek

Linda Bresonik, hier gegen Sandra Smisek am Ball, begann das Spiel rechts in der Viererkette, spielte dann in der zweiten Halbzeit erst zentral im Mittelfeld und dann links in der Viererkette. „Linda kann außer Torwart alles spielen” erklärte Trainerin Martina Voss hinterher diese Umstellungen, die sich durch taktische Überlegungen ergeben hätten

Bild: Peter Henkel

Die Nationalkeeperin hielt dann wenig später einen Kopfball von Grings aus zwei Metern und zeigte später noch in anderen Szenen ihre große Klasse. Letztlich entsprachen die beiden Tore der Überlegenheit der Duisburgerinnenin der ersten Halbzeit, die einige gute Torgelegenheiten erarbeiteten, während es bei Frankfurt im Spiel nach vorne doch ziemich mau aussah. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild dann etwas. Ein Kopfball von Wimbersky über das Tor in der 49. Minute war ein erstes Signal.

Die nächsten beiden Chancen hatte aber wieder Duisburg, die jetzt aber zu kompliziert spielten, Femke Maes hätte in der 51. Minute nach Vorarbeit von Laudehr (diesmal von links) draufhalten müssen, statt noch einmal abzugeben, und dann nahm Grings ihrer Teamkameradin Maes den Ball praktisch vom Kopf, als Lira Bajramaj eine hohe Flanke in den Strafraum gab, wo Grings und Maes frei standen. Doch dann war in der 55. Minute Wimbersky plötzlich durch, brachte aber nur einen schwachen Schuss zustande. Ein Kopfball von Kerstin Garefrekes ging dann auch über das Tor, auch dies eigentlich keine schlechte Gelegenheit.

Kerstin Garefrekes gegen Annike Krahn

Kerstin Garefrekes kann sich hier gegen Annike Krahn durchsetzen, ihre Flanke fand dann aber keine Abnehmer

Bild: ViolA

Garefrekes war es dann auch, die durch eine Balleroberung den von Voss erwähnten schönen Frankfurter Konter einleitete. Ihr präziser Pass erreichte Wimbersky, die mit einem Mittelding aus Schuss und Flanke die eingewechselte Sarah Günther erreichte. Günther nahm den Ball direkt und erzielte so den Anschlusstreffer. Wenig später hätte Karolin Thomas mit einem Fernschuss über die zu weit vor dem Tor postierte Kathrin Längert mit etwas Glück sogar den Ausgleich erzielen können, doch der Ball ging dann doch über das Tor.


Freuen konnten sich die Frankfurter Zuschauer dafür über das Comeback von Pia Wunderlich, die nach über einjähriger Verletzungspause und einigen Spielen in der zweiten Mannschaft nun zu ihrem ersten Einsatz in der ersten Mannschaft eingewechselt wurde. Einen Moment lang konnten die 2.830 im Stadion dann sogar über ein Frankfurter Tor jubeln, als ein Schuss von Wimbersky im Netz zappelte, doch es war vorher abgepfiffen worden. So wurde es jetzt also doch noch einmal richtig spannend. Die nächste Gelegenheit hatte aber wieder Duisburg, Bajramaj setzte sich durch, Angerer parierte aber sowohl ihren Schuss aus kurzer Entfernung als auch ihren Nachschuss.

Petra Wimbersky gegen Alexandra Popp

Petra Wimbersky, die hier von Alexandra Popp verfolgt wird, hatte noch die meisten Frankfurter Torgelegenheiten, konnte aber keine davon nutzen

Bild: Peter Henkel

Eine unübersichtliche Szene vor ihrem Tor mußten die Gäste dann noch überstehen, als der Ball ca. 20 Sekunden lang zwischen vielen Beinen am Fünfmeterraum eingeklemmt war, es sah aus wie beim Rugby, aber das Leder wollte nicht hinter die Torlinie. Nachdem in der 93. Minute Svenja Huth links durchbrach, Keeperin Längert ihre Flanke aber vor der einschussbereiten Wimbersky abfing, ertönte dann der Schlusspfiff. Frankfurt ist also aus dem Meisterschaftsrennen ausgeschieden, Duisburg hat mit nur einem Punkt Abstand auf Potsdam und vier Punkten Abstand auf Bayern den Anschluss gehalten.

Rugbyszene

Gestocher vor dem Duisburger Tor: es sah von ferne aus wie beim Rugby, doch auch nach 20 Sekunden bewegte sich der Ball keinen Zentimeter weiter auf das Tor zu. So blieb es beim Duisburger Auswärtssieg

Bild: ViolA



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Marciak (74. P. Wunderlich), T. Wunderlich, Bartusiak, Lewandowski - Garefrekes, Thomas, Smisek, Huth, Wimbersky, Brenner (46. Günther)

FCR 2001 Duisburg:
Längert - Bresonik, Krahn, Fuss, Popp (78. Oster) - Laudehr, Hegering (46. van Bonn), Kiesel, Bajramaj, Maes, Grings (57. Kayikci)

Tore:
0:1 Grings (23.)
0:2 Laudehr (26.)
1:2 Günther (71.)

Gelbe Karten: Hegering, Bajramaj

Schiedsrichterin: Inka Müller (Potsdam)

Zuschauer: 2830


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