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1. Bundesliga, 9. Spieltag

Kein Mittel gegen die Krise

1. FFC Frankfurt - TSV Crailsheim 2:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Nora Kruse und Tom Schlimme

19.11.2008   Selbst ein hoher Frankfurter Sieg gegen den bisher punktlosen Tabellenletzten aus Crailsheim wäre nicht unbedingt ein Signal gewesen, dass die Frankfurter Krise nach dem Aus im DFB-Pokal und im UEFA-Cup schon überwunden ist, insofern konnte der deutsche Meister an diesem Sonntag sowieso mehr verlieren als gewinnen. Am Ende waren dann die drei Punkte so ziemlich das einzige, worüber man sich auf Frankfurter Seite freuen konnte.

Statt sich wenigstens ein bißchen Frust von der Seele zu schießen, taten sich die Frankfurter Spielerinnen weiterhin schwer, so schwer, dass man sogar um diesen Pflichtsieg lange bangen mußte. Dabei lag es meiner Meinung nach nicht einmal an mangeldem Kampfeswillen oder Laufbereitschaft, wie in Frankfurter Zeitungen zu lesen war, ich habe die Spielerinnen durchaus laufen und kämpfen gesehen. Es gab auch etliche gute Einzelaktionen und auch einige sehr schöne Kombinationen über das halbe Spielfeld, wo am Ende nur etwas Glück beim Abschluss fehlte. Aber letztlich war es dem Favoriten nicht möglich, über längere Phasen des Spiels soviel Druck aufzubauen, dass Crailsheim in Strafraumnähe eingeschnürt worden wäre und mehr Torgelegenheiten die zwangsläufige Folge gewesen wären.

India Trotter

India Trotter zeigte sich weitgehend genesen mit guten Ansätzen, aber manchmal zu eigensinnig, ihr fehlt noch die Eingespieltheit mit der Mannschaft

Bild: Nora Kruse

Es kann gut sein, dass das Team aus Crailsheim sich in einem Aufwärtstrend befindet und man Crailheim auf keinen Fall schon jetzt als sicheren Absteiger abschreiben sollte. Jedenfalls sah das in Abwehr und Mittelfeld recht ordentlich aus, was die Spielerinnen von Trainer Hubert Müller da boten. Vorne haperte es allerdings gewaltig, große Torgelegenheiten erspielten sich die Crailsheimerinnen über 90 Minuten keine. „Wir haben drei 16-jährige und zwei 17-jährige im Offensivbereich, auch im Training fallen wenig Tore” erklärte Müller, der das Problem sah, dass seine jungen Stürmerinnen Ermüdungserscheinungen zeigten und an diesem Tage nicht so frisch wirkten wie sonst.

Die älteren und erfahreneren Spielerinnen, die nach dem Aderlass zum Saisonwechsel noch in Crailsheim geblieben sind, sind jedenfalls alle dem defensiven Bereich zuzuordnen. Manager Hubert Oechsner hat bereits Verstärkungen vorbereitet, die in der Winterpause dazustoßen könnten. Sechs Punkte Abstand seien aufzuholen, gibt sich Oechsner optimistisch. Gleichzeitig ist er aber auch vorsichtig und realistisch. Auf keinen Fall sollen unabwägbare wirtschaftliche Risiken eingegangen werden. „Wir werden den Karren nicht wirtschaftlich an die Wand fahren!” erklärte Oechsner. Konkret bedeutet das, dass nur dann Verstärkungen dazugeholt werden, wenn der Abstand nicht schon so groß geworden sei, dass ein Abstieg kaum noch zu vermeiden sei. Dann solle lieber in der zweiten Liga auf vernünftiger wirtschaftlicher Basis neu aufgebaut werden, wo der gute Unterbau mit zahlreichen Mädchenmannschaften eine Ausgangsposition für die Zukunft bietet.

Kerstin Garefrekes und Heike Gaugler

Kerstin Garefrekes am Ball im Zweikampf mit Heike Gaugler

Bild: Nora Kruse

Das Spiel begann nach einer Gedenkminute für die mit dem Auto tödlich verunglückte Spielerin der zweiten Mannschaft, Julia Salokat.


Birgit Prinz und Ramona Treyer

Die beiden älteren gehörten heute zu den stärkeren in ihren Mannschaften: Birgit Prinz wird hier bewacht von Ramona Treyer

Bild: Nora Kruse

Auch in den ersten Minuten des laufenden Spiels war es gespenstisch still im Stadion, die Trauer um die junge Fußballerin war überall zu spüren, und die Situation war sicherlich auch für die Spielerinnen auf dem Platz nicht einfach. So begann das Spiel recht verhalten, erst nach zehn Minuten war der erste richtig gelungene Frankfurter Spielzug zu verzeichnen, bis dahin ging es relativ ausgeglichen im Mittelfeld hin und her. Dann die erste Frankfurter Drangphase, schöne Hereingabe von India Trotter von rechts, Cecila Gaspar rettete gerade noch vor Birgit Prinz. Dann verfehlte Kerstin Garefrekes aus extrem spitzem Winkel das Tor, und wieder nur zwei Minuten später ging eine Volleyabnahme von Petra Wimbersky über die Latte. In der 19. Minute zielte Prinz knapp vorbei, und die 20. Minute brachte dann einen von Wimbersky herausgeholten Eckstoß, der zu einem unübersichtlichem Gestocher vor dem Crailsheimer Tor führte, doch ein Kopfball von Trotter aus drei Metern ging schließlich über das Tor.

In der 32. Minute rettete Daniela Held knapp vor Garefrekes, und damit war diese Frankfurter Drangphase auch vorbei. Crailsheim löste sich, bei einem Konter verfehlte Carolin Hörber von der Strafraumgrenze aus das lange Eck des Frankfurter Tores, und der Rest der ersten Hälfte spielte sich wieder weitgehend im Mittelfeld ab. So ging es torlos in die Kabinen, ein Zwischenergebnis, das auf Crailsheimer Seite sicherlich als Erfolg zu werten war.

Nach dem Seitenwechsel drückte Frankfurt wieder etwas stärker, Prinz kam nach einer Einzelaktion gegen drei Gegenspielerinnen zu einem Linksschuss knapp über das Tor. Prinz trat jetzt auch die Ecken. „Wir haben das in der Halbzeitpause angesprochen” erklärte Frankfurts Trainer Günter Wegmann nach dem Spiel auf die Frage, ob ihm auch aufgefallen sei, dass die Frankfurter Eckstöße, getreten von Meike Weber, in der ersten Hälfte zu flach und ungenau gekommen waren. In der 53. Minute führte dann ein von Prinz wirklich gut vor das Tor getretener Eckstoß dann auch prompt zur Frankfurter Führung durch einen Kopfball von Saskia Bartusiak.

Tor durch Saksia Bartusiak

Mit diesem Kopfstoß beförderte Saskia Bartusiak (helles Trikot mit der 25) einen von Birgit Prinz getretenen Eckball zum 1:0 ins Crailsheimer Tor

Bild: Tom Schlimme

Es folgten zwei weitere Eckstöße in den nächsten Minuten, die ebenfalls brandgefährlich waren. Crailsheims Keeperin Kim Kaller, die im folgenden noch einige Glanzparaden bei Schüssen aus kurzer Distanz zeigen konnte, offenbarte im Bereich Strafraumbeherrschung bei hohen Bällen kleine Mängel, die hier zutage traten. Doch in der 63. Minute, als Prinz allein durch war, lenkte Kaller den Ball mit einer Klassereaktion noch zur Ecke. In der 66. Minute wehrte Kaller erst einen Schuss von Prinz ab und dann gleich noch den Nachschuss von Trotter.

Auch im Herauslaufen zeigte sich Kaller stark, so in der 68. Minute gegen Garefrekes. Das war dann auch das Ende des Frankfurter Zwischenspurts,


es gelang nicht, ein beruhigendes zweites Tor nachzulegen, und die Partie verflachte wieder. Allerdings geriet der Sieg dank der Crailsheimer Sturmschwäche auch nicht ernsthaft in Gefahr. In der 87. Minute vereitelte Kaller dann noch eine Frankfurter Riesenchance, in dem sie in einer Eins-zu-eins-Situation gegen Wimbersky die Oberhand behielt. Dass es dann doch noch zum zweiten Frankfurter Tor in der letzten Spielminute kam, war ein Crailsheimer Geschenk: Jasmin Goodman erwischte eine Flanke von rechts unglücklich und spielte den Ball genau zur frei vor dem Tor stehenden Wimberksy, die sich dann das Eck aussuchen konnte und eiskalt verwandelte.

„Wir können besser Fußball spielen!” erklärte der Frankfurter Trainer hinterher. „Die Schwachstelle sitzt in den Köpfen der Spielerinnen”, glaubt Wegmann und ist überzeugt, dass nach einem Erfolgserlebnis mit mehr Selbstvertrauen auch wieder bessere Leistungen möglich sind. Recht verhalten blickt man dem Bundesligaspiel in Duisburg am kommenden Samstag entgegen. Wie Manager Siegfried Dietrich erklärte, werde man am Freitag Abend nach Duisburg fahren und hoffen, „das Beste draus zu machen”. Dietrich bedankte sich ausdrücklich bei den Fans, die gut zur Mannschaft gestanden hätten und deren Unterstützung für die Spielerinnen gerade jetzt sehr wichtig sei.

Tor durch Petra Wimbersky

Petra Wimbersky nahm das Geschenk von Jasmin Goodman (zweite von links) an und beförderte den Ball zum 2:0 in die freie Ecke des Crailsheimer Tores.

Bild: Tom Schlimme

Insgesamt zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft zeigte sich Hubert Müller, wobei das zweite Tor komplett unnötig gewesen sei, so dass er mit dem Ergebnis dann doch etwas hadere. Aber Frankfurt sei der „erwartet schwere Gegner” gewesen und sein Team hätte trotzdem richtig guten Fußball gespielt.
So kann man bei beiden Mannschaften gespannt sein, wie es in Zukunft weiter geht!



1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Günther, Lewandowski, T. Wunderlich, Bartusiak (72. Plessen) - Weber, Trotter (72. Brenner), Schatton, Garefrekes, Wimbersky, Prinz

TSV Crailsheim:
Kaller - Goodman, Held, Gaugler, Gaspar - Treyer, Hörber, Höß, Breunig, Kuffner (60. Vago), Eberhardt (75. Tajmel)

Tore:
1:0 Bartusiak (53.)
2:0 Wimbersky (90.)

Gelbe Karten:Keine

Schiedsrichterin: Rien Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer: 930


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