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1. Bundesliga, 12. Spieltag

Vielbeinige Abwehr

1. FFC Frankfurt - SC 07 Bad Neuenahr 1:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Peter Henkel

15.12.2008   Hochverdient gewann der angeschlagene Titelverteidiger 1. FFC Frankfurt das letzte Punktspiel in diesem Jahr gegen den SC 07 Bad Neuenahr mit 1:0. Doch die Zuschauer mußten lange zittern, der entscheidende Treffer fiel erst in der 83. Minute, bis dahin konnte die vielbeinige Bad Neuenahrer Abwehr den Auswärtspunkt festhalten.

Aus der Krise geschossen haben sich die Frankfurterinnen damit noch nicht, doch die drei Punkte können im Kampf um die Meisterschaft bzw. einen Platz in der neugegründeten Champions-League (auch der Meisterschaftszweite ist dabei) Gold wert sein. Der Sieg war aufgrund der drückenden Frankfurter Feldüberlegenheit und auch aufgrund der viel größeren Zahl der herausgespielten Torchancen ganz klar verdient, wie auch Bad Neuenahrs Trainer Deniz Bakir hinterher einräumte. Aber es war schon fast schmerzhaft, mitanzusehen, wie sich das Frankfurter Team schwer tat, die haushohe Überlegenheit letztlich in das zu verwandeln, was im Fußball einzig und allein zählt, in Tore.

Sarah Günther und Mirvet Arabaci

Sarah Günther im Zweikampf mit Mirvet Arabaci

Die Ex-Frankfurterin Ursula Holl im Bad Neuenahrer Tor trug mit einer Klasseleistung und vielen tollen Paraden ihr Teil dazu bei, dass ihre Null hinten solange stand. Auch die Strategie von Bakir, der Lena Goeßling in die Abwehr zurückgezogen hatte, wo die eigentlich vor allem als offensivsstark bekannte Mittelfeldspielerin eine Klassepartie bot, trug Früchte. Bakir hatte seinem Team eine sehr defensive Marschrichtung vorgegeben, und die funktionierte recht gut. Das Team ließ sich weit zurückfallen, Frankfurter Angriffen stellten sich im eigenen Strafraum oft sechs oder sieben Spielerinnen in den Weg, und entsprechend schwer taten sich dann auch die Frankfurterinnen.

Ursula Holl

Bad Neuenahrs Keeperin Ursula Holl machte mit tollen Paraden mehr als eine Frankfurter Chance zunichte

Dabei war Bad Neuenahr nach vorne noch nicht einmal ungefährlich, denn mit Isabell Bachor hatten sie eine Trumpfkarte auf dem Platz, die in zwei Szenen in der zweiten Halbzeit sogar hätte stechen können. Bachor war mit ihrer Schnelligkeit und technischen Stärke ein ständiger Gefahrenherd. Glück für Frankfurt, dass in der 45. Minute, als Bachor rechts durchbrach und einen feinen Pass in die Mitte spielen konnte, Frankfurts Keeperin Stephanie Ullrich noch mit einer Hand die Richtung des Balles verändern konnte, so dass Lydia Neumann im Sturmzentrum nicht zum Schuss kam. In der zweiten Halbzeit brach Bachor dann zweimal selber in der Mitte durch, doch beide Male konnte sie die Situation nicht nutzen.

Birgit Prinz und Yasmin Pietsch

Birgit Prinz angegriffen von Yasmin Pietsch

Das war es aber auch so ungefähr an Chancen für Bad Neuenahr. Die Frankfurter Chancen jetzt alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, doch es war mehr als nur Pech, dass sie weitgehend ungenutzt blieben. Oft ging der Ball am Tor vorbei, wie ein Kopfball von Kerstin Garefrekes in der fünften Minute, die Schüsse zu schwach wie von Birgit Prinz in der 11. Minute, meist aber war einfach noch ein Bad Neuenahrer Bein im Weg, und gute Chancen führten nur zu Eckbällen. Wenn man jetzt gute Eckbälle hereingeben und die dann kopfballstark verwandeln könnte, dann hätte man ein Mittel gegen Mannschaften, die sich so hinten rein stellen wie Bad Neuenahr am Sonntag. Aber, in diesem Punkt muss ich mich einfach mal einem Komentar in der Frankfurter Rundschau anschließen, in diesem Team voller Nationalspielerinnen scheint es keine Spielerin außer Birgit Prinz zu geben, die einen Eckstoß gefährlich vortragen kann. Ob es dazu auch noch an Spielerinnen mangelt, die in solchen


Lena Goeßling, Isabelle Stümper, Saskia Bartusiak

Ein typisches Bild: Eine Frankfurter Spielerin, hier Saskia Bartusiak, wird von drei Gegenspielerinnen bewacht: Von links Nadine Fols, Lena Goeßling und Isabelle Stümper

Strafraumsituationen mit dem Kopf erfolgreich abschließen können, möchte ich gar nicht beurteilen, denn die Ecken kommen viel zu selten hoch in den Strafraum, als dass man sehen könnte, ob eine Spielerin damit etwas anfangen kann.

Auch aus Freistößen tief in der gegnerischen Hälfte macht das Frankfurter Team regelmäßig nichts. Dabei sind gerade diese Standards die Situationen, die man geboten bekommt, wenn sich ein Gegner weit zurückfallen läßt und auf das Verteidigen konzentriert. Doch immerhin kann ich positiv festhalten, dass das Mittelfeldspiel wesentlich besser lief als zuletzt gegen Crailsheim. Und auch in besseren Frankfurter Zeiten hat es Spiele gegeben, in denen der Ball einfach nicht ins gegnerische Tor wollte, ich erinnere mich da noch gut an ein 0:0 gegen den späteren Absteiger Rheine vor zwei Jahren, als Frankfurt am Ende der Saison dann doch noch mit 9 Punkten Vorsprung Meister wurde.

gelb in gelb

Gelb neben gelb: Schiedsrichterin Sandra Jung war farblich von den Spielerinnen aus Bad Neuenahr kaum zu unterscheiden.

Ein klarer Elfmeter war den Frankfurterinnen übrigens schon in der 32. Minute verweigert worden, als Yasmin Pietsch Kerstin Garefrekes von den Beinen holte. „So darf sie da im Strafraum nicht hingehen,” hätte sich auch Bad Neuenahrs Trainer über einen Strafstoßpfiff an dieser Stelle nicht beschwert. Doch die Pfeife von Schiedsrichterin Sandra Jung blieb stumm, sehr zu Verwunderung auch der in der Nähe postierten Fotografen. Letztlich aber dann doch egal. So passte dann auch das Tor des Tages zu diesem Spiel, denn es war nicht herausgespielt, sondern eher erzwungen. Gewühl im Strafraum von Bad Neuenahr, zweimal prallte der Ball von Keeperin Holl oder Abwehrspielerinnen ab, beim erneuten Nachschuss durch die gerade eingewechselte Kristina Brenner war er dann endlich im Netz. Wie es oft so ist in solchen Spielen, irgendwie geht er dann doch rein.

Kristina Brenner

Kristina Brenner machte sechs Minuten nach ihrer Einwechselung das entscheidende Tor

Insgesamt war das Spiel beider Mannschaften nach wie vor geprägt von zahlreichen Ausfällen von Leistungsträgerinnen, auch auf Seiten von Bad Neuenahr. Im Januar soll aber Celia Okoyino da Mbabi wieder ins Training einsteigen, Nadine Hagmann wird zurückerwartet, ebenso Eva Augustin. Frankfurts Günter Wegmann äußerte sich eher verhalten auf die Frage, mit welchen Spielerinnen er denn nach der Winterpause rechnen könne. Alexandra Krieger wird die Winterpause in ihrer Heimat, den USA, verbringen, und über den Heilungsprozess bei ihr können noch keine genauen Aussagen gemacht werden, erst im Februar/März werde man sehen, wie fit sie dann ist. Auch Pia Wunderlich wird nach ihrer schweren Knieverletzung, wo außer dem Kreuzband noch einiges anderes im


Knie kaputt gegangen war, noch nicht fest zurückerwartet. Conny Pohlers und Karo Thomas machten gute Fortschritte, aber wie schnell sie nach der langen Pause herankommen würden, könne man jetzt noch nicht sagen.

Auch die Spielerinnen auf dem Platz waren bei weitem nicht alle gesund. So hofft man in Frankfurt, dass sich die Spielerinnen in der Winterpause endlich erholen können. Der Mannschaft wurden 14 Tage Ruhe verordnet, das Mannschaftstraining geht dann erst ab 12. Januar wieder los.

Bleibt die Frage nach Verstärkungen. Außer Ariane Hingst, die aber auch noch eine Verletzung auskuriert, sollen weitere Spielerinnen dazukommen.„Wir müssen nicht Meister werden, aber wir wollen!” Frankfurts Manager Siegfried Dietrich wollte sich aber „gemäß bewährter Frankfurter Tradition, wir melden Wechsel erst, wenn sie wirklich sicher sind” nicht genauer äußern. Sehr angetan zeigte sich Dietrich von der Einführung der Champions League, die allein schon durch den Namen eine Verbesserung darstelle, auch wenn es problematisch sei, dass das Endspiel bereits vorher festgelegt würde, so dass mit über 27.000 Zuschauern wie in diesem Jahr in Frankfurt wohl erst einmal nicht mehr gerechnet werden könne.

„Einen großen Dank an die Fans, die uns in jeder Sekunde unterstützt haben” sandten dann Dietrich und auch Wegmann mit auf den Weg in die Winterpause. Für mich als langjährigen Beobachter ist es allerdings ebenfalls beeindruckend, wie engagiert das Frankfurter Publikum gerade jetzt in der Krise sein Team unterstützt. Das als eher leise bekannte Frankfurter Publikum scheint mit jedem Spiel lauter zu werden. Alle Verzweiflungsseufzer nach vergebenen Chancen mündeten gleich wieder in die nächste Anfeuerung.

Fans danken Silke Rottenberg

Wieder hat eine ganz große Spielerin aufgehört: die Frankfurter Fans mit ihrem Dank an Silke Rottenberg für eine tolle Zeit

Fast 1000 Zuschauer waren zu diesem Spiel gekommen, einige allerdings sicher auch, um Abschied zu nehmen von Silke Rottenberg, die nach Bekanntgabe ihrers Karriereendes vor dem Spiel ebenso geehrt wurde wie die beiden Youngsters Svenja Huth und Alisa Vetterlein, die mit der U17 bzw. der U20 jeweils die Bronzemedaille bei den jeweiligen Weltmeisterschaften gewonnen haben. „Niemals geht man so ganz!” klang es vor und nach dem Spiel aus den Lautsprechern, der Abschied von Silke Rottenberg als aktive Spielerin ist für diese auch der Beginn eines neuen Abschnitts, in dem sie dem Fußball erhalten bleiben wird. So beginnt nun also eine Pause, nach der es mit frischer Energie weiter gehen wird. Nicht nur in Frankfurt, auch in Bad Neuenahr darf man mit positiver Erwartung in die Zukunft schauen!

1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Günther (77. Brenner), Lewandowski, T. Wunderlich, Bartusiak - Weber, Smisek, Garefrekes, Wimbersky - Prinz, Trotter (66. Schatton)

SC 07 Bad Neuenahr:
Holl - I. Stümper, Goeßling, Westphal, Pietsch ( 87. Sebastian) - Störzel, Graf, Fols, Arabaci (62. Straube) - Bachor, Neumann

Tor:
1:0 Brenner (83.)

Gelbe Karten: Weber / Goeßling, Fols

Schiedsrichterin: Sandra Jung (Kleve)

Zuschauer: 920


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