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1. Bundesliga, 15. Spieltag

Knapper Sieg in gutem Spitzenspiel

1. FFC Frankfurt - FC Bayern München 1:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Peter Henkel

15.03.2009   Beinahe hätte ich geschrieben, ein 0:0 der besseren Art gesehen zu haben. Doch nach dem Siegtreffer durch Karolin Thomas in der 90. Minute kann man nun doch noch von einem glücklichen - das ist ein in der 90. Minute errungener Sieg immer - und doch absolut verdienten Sieg des 1. FFC Frankfurt gegen den bisherigen Tabellenführer Bayern München berichten.

Auch Bayerns Trainer Günther Wörle erkannte in der Pressekonferenz nach dem Spiel an, dass Frankfurt verdient gewonnen habe. Seine Mannschaft habe zu wenig nach vorne gemacht, Frankfurt die viel größere Zahl an Torchancen herausgearbeitet, die eigentlich schon viel früher zur Führung hätten führen müssen. Dass es so lange torlos blieb und ganz zum Schluss noch durch einen Schuss von Thomas aus der zweiten Reihe entschieden wurde, ärgerte Wörle aber doch. „Ich habe meine Spielerinnen vor dem Spiel gewarnt, wir hart und platziert Karolin Thomas aus der zweiten Reihe schießen kann!” erläuterte Wörle und schlug dabei mehrmals bekräftigend mit seiner Hand auf dem Tisch, als wolle er die Warnung noch einmal eindringlich wiederholen. Doch wie es so ist im Fußball, ein Moment der Unaufmerksamkeit kann ein Spiel entscheiden.

Karolin Thomas

Karolin Thomas nach dem Spiel im Interview mit Rolf Töpperwien (ZDF) auf die Frage, was sie im Moment des Torschusses gedacht habe: „Einfach draufhalten, irgendwann muss er ja reingehen!”

Allerdings hatten die Frankfurter Spielerinnen zu diesem Zeitpunkt schon fünf, sechs dicke Dinger vergeben. Einmal Pfosten, einmal war der Ball fast hinter der Linie - etliche Schüsse gingen vorbei oder wurden gehalten. Frankfurts Trainer Günter Wegmann wollte jedenfalls die Frage nach der mangelnden Durchschlagskraft seiner Offensive nicht bejahend beantworten. Die hohe Zahl der Chancen belege, dass die Durchschlagskraft in Ordnung sei, nur der Abschluss habe nicht gestimmt. Insgesamt aber kann man auf Frankfurter Seite über die gezeigte Leistung sowieso sehr zufrieden sein. Abgesehen von der Anfangsphase dominierte das Team den starken Gegner deutlich, die Abwehr stand sehr sicher, das ganze Spiel wirkte viel harmonischer als zuletzt im Stadion am Brentanobad gesehen. Es scheint so, als habe sich dieses Team jetzt endlich gefunden.

„Das Spiel in Wolfsburg war unsere Wiederauferstehung” lautete dann auch die Einschätzung von Wegmann. Nachdem man es in Wolfsburg geschafft habe, aus einem 0:2-Rückstand noch einen 3:2-Erfolg zu machen, sei klar geworden, dass die Moral der Mannschaft intakt sei. Jetzt habe das Team gezeigt, dass es 90 Minuten an sich glaube und in der Lage sei, auch in der letzten Minute noch das scheinbar Unmögliche zu vollbringen.
Auf jeden Fall ist jetzt die Meisterschaft wieder völlig offen, die drei Teams oben liegen nur noch einen einzigen Punkt auseinander, auch der Tabellenvierte aus Potsdam ist mit drei Punkten Abstand zum ersten noch ganz nah dran.

Sandra De Pol und Sandra Smisek

Für dieses Foul von hinten an Sandra Smisek bekam Sandra De Pol die gelbe Karte. Die Partie war jedoch insgesamt fair, und Bayern nicht nur kampfstark, sondern auch spielstark. Ein echtes Spitzenspiel!

Weltmeisterin Nadine Angerer hatte in ihrem ersten Heimspiel für den 1. FFC Frankfurt nach fünf Minuten die erste Ballberührung, als sie nach einem Eckstoß einen harmlosen Kofpball von Nina Aigner halten konnte. Die die Gäste aus München begannen nicht schlecht, spielten sich auf ihrer linken Angriffsseite immer wieder fest - fest in dem Sinne, dass einerseits die FFC-Abwehr den Ball in der ersten Viertelstunde oft gefühlte Minuten lang nicht aus ihrer rechten Abwehrhälfte wegbekam, andererseits aber auch die Münchnerinnen nicht weiter als bis links in die Nähe der Eckfahne kamen, der Strafraum war versperrt. Wegmann hatte den Gedanken von Bundestrainerin Silvia Neid aufgegriffen und Saskia Bartusiak in die Innenverteidigung gestellt, dafür rückte Gina Lewandowski in der Viererkette nach links. Beide brachten auf ihren neuen Positionen eine ausgesprochen gute Leistung, wobei sie ja vorher auch nicht schlecht gespielt hatten.


Karolin Thomas und Günter Wegmann

Riesenjubel beim 1. FFC Frankfurt nach dem Spiel: Torschützin Karolin Thomas läuft auf Trainer Günter Wegmann zu, Sarah Günther und Anna Marciak hinterher, kurze Zeit später ist alles nur noch eine große Menschentraube. Moral und Zusammenhalt im Team scheinen prächtig zu stimmen!

Die rechte Abwehrposition wurde von Anna Marciak ausgefüllt, und die hatte, weil Bayern ja vorwiegend über links kam, alle Hände voll zu tun, löste die schwere Aufgabe aber hervorragend. Die extrem schnelle und dribbelstarke Nicole Banecki kam an Marciak einfach nicht vorbei.

Nicole Banecki

Nicole Banecki machte durch ihre Schnelligkeit und gute Dribblings auf sich aufmerksam, konnte die sichere FFC-Abwehr aber nicht ernsthaft in Gefahr bringen

Nach etwa 20 Minuten ausgeglichenen Spiels wurde dann der FFC stärker. Petra Wimbersky hatte die erste richtig gute Gelegenheit, lupfte auch klug über die ihr entgegenkommende Bayern-Keeperin Birgit Leitner, doch der Ball kullerte dann doch ein gutes Stück am leeren Tor vorbei. Zwei Minuten später war Kerstin Garefrekes links frei, ihr Schuss von der Strafraumgrenze ging etwa einen Meter über das Tor. Eine Minute später schoss Thomas erstmals in diesem Spiel, aber noch zu schwach. Dann war nach Balleroberung von Meike Weber und Zuspiel von Prinz wieder Garefrekes durch, alleine vor Leitner, doch sie zögerte einen Moment zu lange, so dass Sandra De Pol noch dazwischenspritzen und zur Ecke klären konnte. Nach dieser Drangphase zwischen 19. undd 23. Minute ließ der Druck auf das Bayern-Tor wieder etwas nach, in der 29. war dann Birgit Prinz an der Reihe, brachte jedoch zu wenig Druck hinter ihren Schuss aus der Drehung.

Petra Wimbersky und Katharina Baunach

spannende Zweikämpfe wie hier lieferten sich Petra Wimbersky (links) und Katharina Baunach

In der 33. Minute dann wieder eine Riesenchance für Garefrekes: Marciak flankte hoch und steil vors Tor, Leitner verschätzte sich und ließ den Ball flach abprallen, direkt vor die Füße von Garefrekes, deren Schuss aus kurzer Entfernung von der Keeperin dann jedoch noch mit einer Hand an den Pfosten gelenkt werden konnte. Wenig später parierte Leitner dann einen Schuss von Wimbersky. Dann der erste Bayern-Angriff über rechts, ein Sturmlauf von Nicole Banecki, die fand in der Mitte aber keine Anspielstation, mußte von der Strafraumgrenze aus schießen und verfehlte das Tor um einen Meter. Vor den Augen von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Bundestrainerin Silvia Neid ging es dnn torlos in die Kabinen.

Die erste Szene nach dem Seitenwechsel hatte dann wieder der FC Bayern, doch Julia Simic erwischte eine Flanke von Nicole Banecki von links nicht richtig. Der FFC blieb aber überlegen, bis zu den nächsten Großchancen dauerte es aber bis zur 65. Minute, da wurde ein weiterer Schuss von Garefrekes abgeblockt. In der 72. Minute blieb eine leichte Unsicherheit in der FFC-Abwehr folgenlos und führte nur zu einem Fernschuss von De Pol, der über das Tor strich. Auf der anderen Seite klärte kurz darauf Leitner aufmerksam im Herauslaufen vor Prinz. Ein Schuss von Wimbersky wurde


gehalten und ein Fernschuss von Garefrekes ging über das Bayerntor. Während Franfurts Abwehrchefin Tina Wunderlich kurz angeschlagen behandelt werden mußte, kam die eingewechselte Mandy Islacker plötzlich frei vor Angerer zum Schuss, doch die Nationaltorhüterin parierte mit gutem Reflex. „Da hätte das Spiel entschieden werden können!” trauerte Trainer Wörle hinterher dieser Chance nach. Katharina Baunach hatte hier mit einem Klassedribbling die FFC-Hintermannschaft auf sich gezogen, damit Islacker frei gespielt und diese dann exzellent bedient.

Zwei Minuten später sahen die Frankfurter Spielerinnen den Ball dann endlich hinter der Torlinie. Nach einer verunglückten hohen Flanke von Sarah Günther, die sich von rechts auf das Tor senkte, konnte Leitner nur abklatschen, Sandra Smisek kam zum Schuss, Leitner hielt, und wie die Fernsehbilder zeigten, überschritt der Ball die Torlinie wirklich nicht vollständig, eine richtige Entscheidung der Schiedsrichterinnen. Nur eine Minute später war dann Prinz links durch, ging alleine auf die ihr entgegeneilende Leitner zu, kam zu einem schönen flachen Linksschuss, doch dieser ging knapp an der langen Ecke des Münchner Tores vorbei.

Auf der anderen Seite passierte nicht mehr viel, Aigner kam nach einem Eckstoß noch zu einem Fernschuss deutlich über das Frankfurter Tor, auch Melanie Behringer, die auf ihrer Sechserposition, die sie bei München spielt, heute weitgehend mit Defensivaufgaben beschäftigt war, kam noch zu einem eher matt zu nennenden Schuss, den Angerer locker hielt. Dann kam die 89. Minute, Wimbersky passte zu Prinz auf der linken Seite, doch der Winkel wurde zu spitz und der Schuss geriet zu schwach. Das hätte die letzte Chance in einem torlosen Spiel sein können. Doch in der 90. Minute flankte Wimbersky noch einmal von links, der Ball wurde in der Mitte hoch aus dem Strafraum geköpft, Smisek legt auf zu Thomas, die hatte freie Bahn und schoss von der Strafraumgrenze so hart und platziert, dass Leitner im Bayerntor dem Ball nur hinterhersehen konnte.

Kerstin Garefrekes und Bianca Rech

Eine der vielen vergebenen Gelegenheiten: hier kann Bianca Rech (am Boden) Kerstin Garefrekes noch so entscheidend stören, dass der Schuss vorbei geht. Nina Aigner, heute mehr Toreverhinderin als Torjägerin, sieht, dass es knapp ist

„Ich habe die ganze Zeit dran geglaubt, aber irgendwann habe ich gedacht ich gehe selbst nach vorne und mache die Dinger rein, ich bin bald wahnsinnig geworden!” erklärte Keeperin Angerer nach ihrem dann doch noch erfolgreichen Heimdebut für den 1. FFC Frankfurt. Den meisten der 3190 Zuschauer dürfte es ähnlich gegangen sein!



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Marciak (76. Günther), Bartusiak, T. Wunderlich, Lewandowski - Weber (68. Brenner), Thomas, Smisek, Garefrekes, Wimbersky, Prinz

FC Bayern München:
Leitner - Mirlach, De Pol, Paukner, Baunach - Behringer, Simic (88. S. Banecki), Aigner, Bürki (56. Rech), N. Banecki, Rudelic (72. Islacker)

Tore:
1:0 Thomas (90.)

Gelbe Karten:Mirlach, De Pol

Schiedsrichterin:Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer:3190


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