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1. Bundesliga, 16. Spieltag

„Verkehrte Welt” in Duisburg

FCR 2001 Duisburg - 1. FFC Turbine Potsdam 0:3 (0:2)

Text von Marion Kehren
Bilder von Katrin Müller

23.03.2009   Die Pressekonferenz begann mit einem deprimiert dreinschauenden Dieter Oster (Teammanager vom FCR): „Ich wusste gar nicht, was der DJ für eine Musik im Stadion spielen sollte. Duisburg ist es ja nicht gewohnt zu verlieren und dann passt wohl kaum „So ein Tag so wunderschön wie heute”. Nur gut, dass die Konkurrenz auch Punkte gelassen hat.”
Was war passiert? Soeben hatte völlig unerwartet Duisburg 3 Punkte nach Brandenburg abgegeben. Aber jetzt erst einmal von vorne:

Die „englischen Wochen” des FCR Duisburg begannen heute mit einem absoluten Spitzenspiel in der 1. Frauen-Bundesliga, FCR Duisburg gegen den 1. FFC Turbine Potsdam. Beide Teams traten mit geschwellter Brust zum heutigen Spiel an, denn beide hatten innerhalb der Woche ihre Nachholspiele souverän gewonnen und stehen in der Tabelle direkt hintereinander.

Pressekonferenz

„Wir haben heute nach einem alten DDR-Prinzip agiert, 1:1 und immer eine mehr als der Gegner” erklärte Potsdams Trainer Bernd Schröder (links). Duisburgs Manager Dieter Oster (Mitte) und Trainerin Martina Voss (rechts) hatten weniger Grund zum Scherzen

Ein Knistern lag in der Luft, für beide Mannschaften war dieses Spiel überaus wichtig und so gingen die Teams mit viel gegenseitigem Respekt ans Werk. Aber es waren gerade einmal 3 Minuten gespielt als es schon im Duisburger Tor klingelte. In den Unwirren der Duisburger Abwehr flankte Tabea Kemme von rechts in den Duisburger Strafraum, Jessica Wich stand goldrichtig und kickte, völlig unerwartet, zum 0:1 ein. Die Anhänger des FCR trauten ihren Augen nicht, doch die Duisburger Spielerinnen zeigten sich zunächst wenig geschockt.

Im Folgenden bestimmte Duisburg das Geschehen und hätte ein ums andere Mal ausgleichen können. Doch entweder war es die Nervosität, das Pech oder die hervorragend stehende Turbinenabwehr, die die Duisburgerinnen schier zur Verzweiflung brachte. In der 11. Minute dann brachte Lira Bajramaj einen Eckball von links in den Strafraum direkt auf Inka Grings und diese feuerte volley den Ball an die Querlatte, dass es nur so krachte. Dies war übrigens eine der wenigen Chancen die Grings heute hatte, denn Bianca Schmidt hatte Inka stets fest im Griff.

Lattenschuss Inka Grings

In der 11. Minute hätte sich das Spiel drehen können, doch der Volleyschuss von Inka Grings (ganz links) krachte nur an die Latte

Die körperbetonte und hitzige Partie entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch, der in der 21. Minute für Duisburg ein jähes Ende fand. Ausgerechnet die gerade wiedergenesene Annike Krahn sah wegen wiederholten Foulspiels an Anja Mittag die gelbrote Karte. Somit war klar, dass der FCR die letzten 70 Minuten nur noch zu zehnt spielen würde. Folgerichtig musste Voss die Mannschaft umstellen. Linda Bresonik rückte zurück in die Abwehr auf den Platz von Krahn und fehlte damit verständlicher Weise in der Offensive.

Bedingt durch die neugeschaffene Situation benötigte Duisburg ein bisschen Zeit, um sich darauf einzustellen, doch die Turbinen schafften es zunächst nicht, dies auszunutzen. Duisburg setze nun alles auf eine Karte und versuchte es u.a. mit Alleingängen und Pässen von Jennifer Oster und Femke Maes auf der rechten und Lira Bajramaj auf der linken Seite. Aber selbst wenn die Turbinenabwehr einmal geknackt war, stand immer noch Desirée Schumann im Potsdamer Tor parat und hielt ihren Arbeitsplatz bis zum Ende des Spiels sauber. Während dieser Zeit schaffte Potsdam nur gelegentliche Freischläge, aber


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Anja Mittag, die hier den Ball mit dem Kopf balanciert, erzielte in Duisburg ihre Saisontreffer 13 und 14. Von links: Isabel Kerschowski, Alexandra Popp, Linda Bresonik, Anja Mittag, Tabea Kemme

aus genau so einer Situation entwickelte sich der dritte Paukenschlag gegen Duisburg. Eine wunderschön hereingegebene Flanke über links von Viola Odebrecht erreichte Anja Mittag im Strafraum und diese brauchte nur noch aufs Duisburger Tor zu halten und es stand zur Halbzeit 0:2.

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Auch Hasret Kayikci biss sich an der Turbinen Abwehr (hier Stefanie Draws) die Zähne aus

Mit zwei Änderungen in der Halbzeit kehrten die Duisburgerinnen aufs Spielfeld zurück. Martina Voss verstärkte ihre Offensive mit zwei frischen Stürmerinnen. Turid Knaak kam für Femke Maes und Hasret Kayikci für Marina Hegering ins Spiel. Bernd Schröder vertraute weiter auf die Mannschaft der ersten 45 Minuten. Doch leider musste in der 52. Minute Jessica Wich verletzt vom Platz getragen werden, für sie wurde Monique Kerschowski eingewechselt.

Durch eine erneute taktische Umstellung in der Duisburger Mannschaft, Bresonik kehrte auf ihre alte Position zurück, und den frischen Wind, den die beiden Youngster Knaak und Kayikci mitbrachten, frischte der Kampfeswille wieder vermehrt auf. Duisburg war dem Anschlusstreffer sehr nahe. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit einem Hauch Überlegenheit für den FCR, der aber nach wie vor nicht genutzt werden konnte. Die Potsdamer Mannschaft war grundsätzlich einen Tick schneller am Ball und die Abwehr bot eine kompakte Leistung. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr schwanden die Kräfte bei den Duisburgern. Spätestens als Anja Mittag aus knapp 20 Metern den Ball links unter die Latte hämmerte war allen klar: Das war´s!

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Die eingewechselte Monique Kerschowski siegte in diesem Zweikampf gegen Jennifer Oster und bereitete mit ihrer Flanke das 3:0 durch Anja Mittag vor

Bei der anschließenden Pressekonferenz waren sich beide Trainer einig, dass das Spiel in den ersten 15-17 Minuten entschieden worden ist. Bernd Schröder war


sichtlich erleichtert und gab auch gerne zu, dass er diese 3 Punkte mit Nichten eingeplant hatte. Er wusste um die Gefährlichkeit einer Inka Grings und hatte seine Mannschaft top auf das heutige Spiel eingestellt. Lobte er auch besonders Bianca Schmidt, die Inka Grings kaum eine Chance ließ. „Wir haben heute nach einem alten DDR-Prinzip agiert,” lachte er, „1:1 und immer eine mehr als der Gegner.” Er musste allerdings auch zugeben, dass die Aktion von Annike Krahn der Mannschaft gut in die Karten gespielt hatte.

Martina Voss blieb nur die Gratulation an Potsdam. Ihre Mannschaft sei zu nervös ins Spiel gegangen, anders wäre das 1:0 nicht zu erklären. Sie wollte sich weder zu einzelnen Spielerinnen äußern, noch Kritik an der Mannschaft üben. Im Gegenteil war sie sogar voll des Lobes, dass die Mannschaft so wacker über 70 Minuten gekämpft habe. Am Montag würde man geschlossen über die Vorkommnisse sprechen und spätestens dann würde sich auch der Charakter der Mannschaft zeigen. „Entweder wir zerfleischen uns gegenseitig und fressen uns auf oder wir sind eine Mannschaft und nehmen das Herz in die Hand”, sagte sie auffordernd.

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Enttäuschung bei Duisburg nach dem Abpfiff: Trainerin Martina Voss, Sonja Fuss, Linda Bresonik und Lira Bajramaj

FCR 2001 Duisburg:
Längert - Oster, Kiesel (77. Schröder), Grings, Bresonik, Krahn, Fuss, Hegering (46. Kayikci), Bajramaj, Popp, Maes (46. Knaak)

1. FFC Turbine Potsdam:
Schumann - Peter, Bagehorn, I. Kerschowski, Wich (52. M. Kerschowski), Zietz, Odebrecht, Schmidt, Kemme (83. Sainio), Draws, Mittag

Tore:
0:1 Wich (3.)
0:2 Mittag (36.)
0:3 Mittag (86.)

Gelbe Karten:I. Kerschowski, Zietz, Draws

Gelbrote Karte: Krahn (21. wiederholtes Foulspiel)

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Assistentinnen:: Moiken Reichert, Christina Jaworek

Zuschauer: 1490


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