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1. Bundesliga, 16. Spieltag

Heißer Tanz in München endet mit einem Remis

FC Bayern München - VfL Wolfsburg 3:3 (1:2)

Text und Bilder von Karin Dorsch

23.03.09   Insgesamt sechs Tore, fünf gelbe Karten, eine gelb-rote Karte und ein Platzverweis für Bayerns Trainer Günther Wörle sorgten für Aufsehen bei diesem Spiel. Leider sahen nur 410 Zuschauer diese spannende Partie.

Nach Anpfiff durch die Schiedsrichterin Daniela Schneider versuchten die Bayern, ihr Spiel aufzuziehen. Die Wolfsburgerinnen jedoch waren überhaupt nicht gewillt, den Bayern-Tross in Fahrt kommen zu lassen und störten deren Spielaufbau schon sehr früh. Den Münchnerinnen war in der Anfangsphase die Verunsicherung wegen verletzungsbedingten Schwächen bzw. Ausfällen anzumerken. Besonders das Fehlen des Antriebsmotors Tanja Wörle im Mittelfeld machte sich bemerkbar.

Tanja und Günter Wörle

Tanja Wörle mußte das Spiel verletzungsbedingt von den Zuschauerrängen aus verfolgen. Später gesellte sich ihr Vater Günther dazu, der von der Schiedsrichterin von der Trainerbank verbannt wurde

Nach anfänglichem Abtasten gab es einen offenen Schlagabtausch. Sowohl Wolfsburg als auch Bayern hatten gute Torchancen, die jedoch noch nicht verwertet wurden. Die Bayern versuchten ihr Glück über Nicole Banecki, Nina Aigner und Julia Simic. Die Wolfsburgerinnen hatten ihre Stärken in der fast unberechenbaren Shelley Thompson und der wieselflinken Martina Müller. Erstere tauchte immer wieder im gegnerischen Strafraum auf und zeigte, wie torgefährlich sie ist.

In der Partie ging es hart zur Sache. Die quirlige Simic wurde im Mittelfeld unfair von den Wolfsburgerinnen gestoppt. Sie zog sich dabei vermutlich einen Schaden am linken Knie zu und musste später ausgewechselt werden. N. Banecki wiederum sah nach einem ebenso groben Foul an ihrer Gegnerin in der 24. Minute die gelbe Karte. Diese Verwarnung sollte ihr später noch zum Verhängnis werden. Weiter ging es mit einem fulminanten Konter: Thompson enteilte mal wieder der Bayern-Abwehr und rannte auf Keeperin Birgit Leitner zu, spielte den Ball an der Torfrau vorbei und konnte nur noch durch ein rüdes Foul am Torschuss gehindert werden. Die Unparteiische ahndete dies nur mit einer gelben Karte. Die Trainerbank um Ralf Kellermann forderte lautstark und nicht zu unrecht Rot.

Julia Simic

Julia Simic, hier am Ball, mußte mit einer Knieverletzung ausgewechselt werden. Rechts Nicole Banecki und Juliane Höfler

Die Champions-League ambitionierten Oberbayern erholten sich schnell von dieser Schrecksekunde, kamen immer besser in Fahrt und setzten die Gäste mehr unter Druck. Simic gelang in der 30. Minute das 1:0. Der Jubel war groß, aber das Spiel war damit längst nicht am Ende. Mit einem Doppelschlag innerhalb von nur vier Minuten durch Tore von Thompson und Müller drehten die Wölfinnen das Ergebnis um. Wieder einmal entwischte Thompson, ließ sich diesmal nicht lange bitten und traf zum Gleichstand. Kaum hatten sich die Münchnerinnen formiert, war es Nationalspielerin Martina Müller, die ihre Chance eiskalt nutzte und noch vor der Halbzeit ihr Team in Führung brachte. Bayern-Trainer Wörle musste Simic wegen Kniebeschwerden noch vor der Halbzeit auswechseln, für sie kam Vanessa Bürki. Endlich kam der erlösende Halbzeit-Pfiff. Geschockt gingen die Rot-Weißen vom Platz.

Wie ausgewechselt kamen die Münchnerinnen aus der Kabine. Von der ersten Minute an ging es zielstrebig nach vorn. Die erste Möglichkeit nach Wiederanpfiff nutzten sie durch Nina Aigner zum Ausgleich. Das Spiel wurde zunehmend


Nina Aigner

Nina Aigner bot in dieser Szene eine klasse Flugshow. Dieser Kopfball brachte letztlich nichts ein, Aigner brachte ihre Müncher Bayern aber mit dem Tor zum 2:2 gleich nach der Pause ins Spiel zurück. Nathalie Bock (links) und Juliane Höfler (rechts) sehen die artistische Einlage mit Interesse

giftiger und aggressiver. Wolfsburgs Trainer Kellermann beschwerte sich immer wieder bei der Unparteiischen über ihre Entscheidungen und wurde prompt ermahnt. Bianca Rech bekam einen Tritt auf den Knöchel und musste einige Minuten außerhalb behandelt werden. Die Stimmung schaukelte sich in die Höhe. Gefährlich waren Wolfsburgs Konter. Ihr Kurzpassspiel war präzise und dadurch sehr effektiv. Ein Angriff über Rebecca Smith auf Müller konnte zunächst durch Katha Baunach abgewehrt werden. Navina Omilade war es nun, die wieder Martina Müller bediente und diese nutzte ihre Chance zum 2 : 3 für Wolfsburg.

Martina Müller

Martina Müller (links, rechts Nina Aigner) bewies wieder einmal ihre Torgefährlichkeit. In München erzielte die Wolfsburgerin zwei Treffer

Bayern-Trainer Wörle haderte nun auch mit den Schiedsrichterentscheidungen. Sie hätte zum wiederholten Male das Abseits nicht gepfiffen. Lautstark agierte er an der Seitenlinie. Bayern war wieder in Zugzwang, sie wollten unbedingt gewinnen. Wolfsburg war in Führung und lauerte auf Konter.

Nicole Banecki schnappte sich in der eigenen Hälfte den Ball. Eine Wolfsburgerin attackierte sie von hinten und Banecki wehrte sich mit einem leichten Bodycheck. Die Unparteiische pfiff auf Foul durch Banecki. Die Stimmung drohte zu eskalieren. Banecki zeigte Daniela Schneider wegen dieser Entscheidung einen Vogel, weswegen sie umgehend mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde. Wörle, schon ermahnt, äußerte wieder lautstark seinen Unmut über diese Entscheidung und flog ebenfalls. Sandra de Pol versuchte zu schlichten, fand wohl nicht die freundlichsten Worte und bekam dafür ebenfalls Gelb. Die Stimmung drohte zu eskalieren. Heftig wurde zwischen der Bayern-Bank und der Schiedsrichterin debattiert. Nach einigen Minuten Unterbrechung konnte das Spiel aber fortgesetzt werden.

Nicole Banecki

Schiedsrichterin Daniela Schneider winkt hier Nicole Banecki zu sich, um ihr die gelbrote Karte zu zeigen. Bayerns Kapitänin Sandra De Pol (links) ist mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und sieht gleich auch noch gelb

Wie schon im Spiel gegen Frankfurt bewiesen die Münchnerinnen in Unterzahl Moral und zeigten noch mehr ihren Kampfgeist. Jede von ihnen wollte das Spiel nochmals drehen, um wenigstens einen Punkt zu holen. In der 63. Minute kam Stefanie Mirlach für Katharina Würmseer. Unnötige Ballverluste auf Bayerns Seite brachten die Wölfinnen immer wieder mal vor das Tor von Leitner. Die Hausherrinnen waren aber auf der Hut und ließen keine echte Torchance mehr zu. Bianca Rech, von Beginn an im Mittelfeld spielend, feuerte noch mal ihre Kolleginnen auf, schneller nach vorne zu spielen. Nach einer Ecke war es Vanessa Bürki, die den Gleichstand zum 3 : 3 herstellte. Bayern machte weiter Druck, die Wölfinnen verließen sich doch zu sehr auf ihr Konterspiel. Auf Seiten der Gäste gab es kurz hintereinander zwei Wechsel: für Anna Blässe kam Stephanie Bunte und für Annelie Brendel kam Katri Nokso-Koivisto. Das Spiel verlagerte sich zunehmend in die Wolfsburger Hälfte, Torfrau Nadine Richter hatte jetzt allerhand zu tun. „Jay” Rech hatte


schon fast das 4 : 3 auf dem Fuß, der Ball krachte jedoch an die Latte. Es war gerade in den Schlussminuten ein richtiges Powerplay der Münchnerinnen. Letztendlich blieb es aber bis zum Abpfiff bei einem 3 : 3.

Katha Baunach nach dem Spiel: „Wir hatten uns reichlich Torchancen erarbeitet, sie aber leider nur drei Mal genutzt. Es gab ein paar Situationen, wo wir unaufmerksam waren und somit bekamen wir die Gegentreffer. Die Mannschaft hat wieder einmal in Unterzahl Moral bewiesen und alles ins Zeug gelegt. Das zeichnet diese Mannschaft eben aus.”

Trainer Günther Wörle sprach seiner Mannschaft ein großes Kompliment aus, solche Leistungen in Unterzahl zu bringen sei schon großartig. Tanja Wörle fehle im offensiven Mittelfeld. Derzeit sei es nur mit enormen Aufwand möglich, die Bälle schnell nach vorne zu bringen und das eigene Spiel durchzuziehen. Die Frage nach dem zukünftigen Meister beantwortete er mit einem Schmunzeln: „Ich weiß es nicht, gerade wenn man die heutigen Ergebnisse so sieht. Aber Potsdam ist derzeit in der Lage, eine richtige Serie hin zulegen und dann schauen wir mal, wer zum Schluss ganz oben steht!”

Die Wolfsburger hätten nach diesem Spielverlauf gerne drei Punkte mit nach Hause genommen. Dass dies nicht gelang, lag laut Co-Trainerin Britta Carlson an fehlender Cleverness. Sie hätten konsequenter am Gegner bleiben müssen.

Anna Blässe

Die Wolfsburgerinnen, hier Anna Blässe, boten ein gutes Spiel beim Champions-League-Aspiranten und trauerten am Ende der zweimal wieder verspielten Führung nach



FC Bayern München:
Leitner, Baunach, Paukner, de Pol, Roth, Rech, Würmseer (63. Mirlach), Simic (44. Bürki), Behringer, Aigner, Nicole Banecki

VfL Wolfsburg:
Richter, Ende, Smith, Bock, Höfler, Brendel (81. Nokso-Koivisto), Wilkens, Omilade, Blässe (76. Bunte), Müller, Thompson

Tore:
1 : 0 Simic (30.)
1 : 1 Thompson (35.)
1 : 2 Müller (38.)
2 : 2 Aigner (47.)
2 : 3 Müller (54.)
3 : 3 Bürki (69.)

Gelbe Karten: N. Banecki, Leitner, de Pol, Paukner, Wilkens

Gelb-Rote Karte:: N. Banecki

Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach-Oberfrohna)

Zuschauer: 410


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