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1. Bundesliga, 4. Spieltag

FC Bayern München auf der Überholspur

FC Bayern München - 1. FFC Frankfurt 1:0 (1:0)

Text und Bilder von Karin Dorsch

29.09.2008   Ein interessantes und spannendes Spiel versprach die Begegnung des Triple-Gewinners 1. FFC Frankfurt gegen den FC Bayern München. Die Bayern gingen mit einer fulminanten Auftaktserie in diese Begegnung. Die daraus resultierende Siegermentalität war ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Frankfurt wiederum kam mit positiver Erinnerung ins Aschheimer Stadion, hatten sie doch das DFB-Pokal Halbfinale mit 4:0 für sich entschieden.

Nach Anpfiff durch Schiedsrichterin Daniela Schneider ging es fast eine Halbzeit nur in eine Richtung: die Bayern wollten zeigen, wer die „Platzherren” sind. Sie machten von Anfang an Druck. Stefanie Mirlach hatte schon nach vier Minuten eine Traum-Gelegenheit ein Tor zu machen, verzog aber knapp.

Ein ums andere Mal kreuzten die Münchnerinnen vor Frankfurts Torfrau Stephanie Ullrich auf, die im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun hatte. Allen voran die Banecki-Geschwister, Stefanie Mirlach und Melanie Behringer. Die Hessinnen fanden keinen Weg, das Bayern-Abwehr-Bollwerk zu überwinden. Erst nach einer knappen viertel Stunde wurde es das erste Mal richtig gefährlich im Strafraum der Bayern. Nach einem Freistoß von Karolin Thomas konnte Bayerns Torfrau Ulrike Schmetz den Ball nicht halten, eine Frankfurterin war aber nicht zur Stelle.

Dies war die einzig bemerkenswerte Möglichkeit des Deutschen Meisters in den ersten 45 Spielminuten. Die Bayern zeigten sich absolut zweikampfstark. Corinna Paukner büßte das jedoch in der 15. Minute mit der ersten gelben Karte in diesem Spiel. Dass ihr diese Karte noch zum Verhängnis werden sollte, wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand.

Die Bayern-Offensive ließ nicht nach. Immer wieder wurde die Nationalspielerin Melanie Behringer angespielt, diesmal mit Erfolg. In der 22. Minute schoss sie von halblinks kommend scharf aufs Tor, Stefanie Ullrich konnte den Ball nur abprallen lassen, Bianca Rech ließ sich nicht zwei Mal bitten und versenkte den Ball im Tor. Und wer sich jetzt gedacht hat, die Münchnerinnen ziehen sich zurück bzw. die Frankfurterinnen drehen den Spieß um, der hatte sich gänzlich geirrt. Die Bayern gingen weiter unbeirrt ihren Weg und setzten den Gegner noch mehr unter Druck.

Julia Simic und Meike Weber

Zweikampf im Mittelfeld: Münchens Julia Simic kämpft mit Frankfurts Meike Weber um den Ball

Eine Riesenmöglichkeit ergab sich für Stefanie Mirlach nach einer Steilvorlage von Nina Aigner, sie verfehlte nur knapp. Die Bayern-Fans waren aus dem Häuschen, lautstark feuerten sie ihre „Mädels” an und jeder wartete nur noch auf das nächste Tor. Zuerst schoß Nicole Banecki knapp am Frankfurter Tor vorbei, dann hatte nach drei Ecken in Folge wieder Bianca Rech die Möglichkeit mit einem Kopfball, der aber ebenso nur haarscharf am Pfosten vorbei ging. Die Frankfurterinnen retteten sich mit einem Gegentreffer in die Halbzeitpause.

Der „Bomber der Nation” Gerd Müller


Stefanie Mirlach

Stefanie Mirlach findet hier die Lücke zwischen Tina Plessen (links) und Petra Wimbersky. Mirlach setzte die Abwehr des FFC in der ersten Halbzeit mächtig unter Druck, in der zweiten Halbzeit war es dann umgekehrt

sowie Co-Bundestrainerin Ulrike Ballweg waren die Ehrengäste im Aschheimer Stadion. In der Halbzeit äußerte sich Frau Ballweg sehr positiv über die Bayern, sie stünden in der Abwehr sehr stabil, bewegten sich enorm schnell und gut. Auf die Frage, wen genau sie denn ins Visier nähme, kam mit einem verschmitzen Lächeln die Antwort: Stefanie Mirlach und die Baneckis, ebenso gefalle ihr Tanja Wörle. Behringer und Rech seien ihr ja schon bekannt, sie zeigten beide eine starke Leistung.

Ulrike Ballweg

Co-Bundestrainerin Ulrike Ballweg (Bildmitte) im Gespräch mit Karin Dorsch. Links im Hintergrund Karin Danner, die Managerin der Bayern-Frauen

FFC-Trainer Günter Wegmann stellte seine Mannschaft nach der Halbzeitpause taktisch und personell um. Sandra Smisek kam für Sarah Günther ins Spiel, Wimbersky ging nach links außen, Bartusiak und Plessen tauschten ihre Plätze, Neuzugang India Trotter nahm die 6-er Position ein und Thomas rutschte auf die rechte Abwehrseite. Zielstrebig begannen die Triple-Gewinner die 2. Halbzeit, die einen fulminanten Verlauf nahm. Corinna Paukner „half” ab der 49. Minute unfreiwillig den Gegnern ihr Ziel umzusetzen. Es war eine Schreckszene für alle Bayern:

Birgit Prinz bekam den Ball zugespielt, die Bayern-Abwehr war in diesem Moment viel zu weit weg, Prinz startete durch und konnte nur durch ein Foul von Paukner gebremst werden. Da sie aber schon vorbestraft war, musste sie also mit Gelb-Rot vom Platz. Fortan spielten nur noch die Frankfurterinnen, 11 gegen 10 hieß es jetzt auf dem Spielfeld. Wegmann forderte seine Spielerinnen auf, Ruhe zu bewahren, jetzt nichts zu überhasten oder schlimmstenfalls in einen Konter zu laufen. Mittelpunkt des ganzen Geschehens war jetzt nicht mehr Torfrau Ullrich, sondern ihre Konkurrentin aus München. Ulrike Schmetz flogen die Bälle nur so um den Kasten, mal von einem Angriff kommend, mal von den Eckbällen aus. Petra Wimbersky auf der Außenbahn forderte nun lautstark von ihren Mitspielerinnen die Bälle, das Zusammenspiel mit Prinz klappte jetzt wirklich gut.

Auch Bayern-Trainer Wörle brachte jetzt frische Kräfte, in der 59. Minute Julia Simic für S. Banecki und in der 65. Minute Neuzugang Ivana Rudelic für N. Banecki. Kerstin Garefrekes hatte den Ausgleich auf dem Fuß, Ulrike Schmetz parierte jedoch grandios. Nach einer Ecke von Meike Weber war Schmetz bereits ausgespielt und Katharina


Baunach musste auf der Linie retten. Der Schlussspurt war nichts für schwache Nerven, die Einen stürmten, die Anderen konterten, es ging knapp 20 Minuten von Tor zu Tor mit jeweils großen Chancen. So schoß I. Rudelic nach einem Konter ein Tor, jedoch stand sie im Abseits und überhörte den klaren Pfiff der Schiedsrichterin. Nach Reklamierens sah sie unnötig Gelb. Es stand immer noch 1:0 und Frankfurt wollte zwingend den Ausgleich. In den letzten 5 Minuten standen wirklich alle Frankfurterinnen in Bayerns Hälfte, nicht einmal Stephanie Ullrich hielt es in ihrem Kasten aus. Nach einer Reihe von Ecken und Freistößen für die Gäste kam aber nach kurzer Nachspielzeit der ersehnte Schlusspfiff und so gelang es den Münchnerinnen, ihren Vorsprung über die Zeit zu retten.

Die Freude über diesen Sieg war riesengroß, jedoch gab es am Spielfeldrand auch missmutige Stimmen. So drehte DFB.TV das Spiel Herford gegen Essen. Bayern-Koordinatorin Karin Danner dazu: „Nichts gegen diese zwei Mannschaften, aber das Top-Spiel fand in Aschheim statt!“ Traute man den Münchnern im Vorfeld kein Sieg zu? Viele Spekulationen diesbezüglich hörte man noch lange nach dem Abpfiff. Die gleiche Paarung gibt es erneut am 19. Oktober 2008 in Aschheim. Diesmal treffen beide Mannschaften beim DFB-Pokal aufeinander.

Nicole Banecki und Meike Weber

Nicole Banecki, hier im Zweikampf mit Meike Weber, bot genau wir ihre Schwester Silvie ein starkes Spiel

FC Bayern München:
Schmetz – Rech, Paukner, De Pol, Baunach – Mirlach, Wörle, Behringer, Aigner, S. Banecki (59. Simic), N. Banecki (65. Rudelic)

1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Trotter, Wunderlich, Plessen (77. Huth), Bartusiak – Garefrekes, Weber, Thomas, Günther (46. Smisek) – Wimbersky, Prinz

Tore:
1:0 Rech (22.)

Gelbe Karten: Rudelic, de Pol
Gelb-rot: Paukner (49.)

Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach-Oberfrohna)

Zuschauer: 1.220

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