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1. Bundesliga, Nachholspiel vom 21. Spieltag

Angst vor dem Meistertitel?

FC Bayern München – FCR 2001 Duisburg 0:4 (0:1)

Text und Bilder von Karin Dorsch

05.06.2009   Frei nach dem Motto „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann”, im übertragenen Sinne „Wer hat Respekt vorm deutschen Meistertitel”, müssten wenigstens elf Bayern-Frauen antworten: „WIR”!!!

Die Löwinnen, Doppelpokalsieger in dieser Saison, waren mit nur 13 Spielerinnen "im Gepäck" angereist und hatten in Aschheim wohl nichts mehr zu befürchten. Auf der Reserve-Bank fehlte eine zweite Torhüterin, und wer sich jetzt zu Recht fragt, wer denn im Falle eines Falles Ersatz-Torfrau wäre, dem sei gesagt: laut Mannschaftsaufstellung Anne van Bonn!
München jedoch, in kompletter Besetzung, wies 18 Spielerinnen auf; elf in der Anfangsformation, sieben als Ersatzspielerinnen.

Die Hausherrinnen hatten sich vorgenommen druckvoll zu spielen, die Räume im Mittelfeld zu erobern und dann schnell nach vorne zu spielen. Vor allem sollte es gelingen, die Löwinnen nicht in ihr Spiel kommen zu lassen. München begann druckvoll, in der achten Spielminute gelang Melanie Behringer eine passgenau Flanke auf Nicole Banecki. Linda Bresonik klärte in letzter Sekunde zur Ecke, die jedoch für Bayern nichts brachte.

Nicole Banecki gegen Linda Bresonik

Linda Bresonik kann hier Nicole Banecki nur noch mit der Hand erwischen und sah dafür die gelbe Karte. In der achten Minute jedoch war Bresonik den Tick schneller am Ball und klärte eine brandgefährliche Situation vor Banecki

Die Löwinnen spielten munter mit, Simone Laudehr und Fatmire Bajramaj wechselten wie gewohnt die Seiten, die Münchnerinnen ließen sich aber davon nicht beeindrucken. Eine grandiose Leistung zeigte von Anfang an Inka Grings. Mit ihrer Laufbereitschaft war sie enorm torgefährlich und unberechenbar. Wer jedoch dachte, sie würde nach der langen Saison irgendwann mal Ermüdungserscheinungen zeigen, der hatte sich 90 Minuten lang geirrt! Die Abseitsfalle der Münchnerinnen funktionierte sehr gut, jedoch hoben die Schiedsrichterassistentinnen häufig sehr zögerlich die Fahne, und so tauchte Grings immer wieder vor Bayerns Torfrau Ulrike Schmetz auf.

Ulrike Schmetz gegen Inka Grings

Bayerns Keeperin Ulrike Schmetz musste mehrere Male in höchster Not so wie hier vor Inka Grings retten

Mitte der ersten Halbzeit trat Behringer eine Ecke, diese wurde abgefälscht und landete bei Katharina Baunach. Diese bediente wiederum Nicole Banecki, die eine tolle Torchance vergab. Im Tor der Gäste stand nicht, wie gewohnt, Kathrin Längert, sondern die teils in München, teils in Schweden lebende Kathrin Lehmann, die glänzend mitspielte und parierte.
Die Nervosität war den Münchnerinnen deutlich anzumerken, zu viele Fehlpässe waren deren Manko; die Ordnung fehlte. Immer wieder wurde die zuletzt gesperrte Nicole Banecki angespielt, in der 33. Minute vergab sie ihre bis dato größte Chance mit einem Knaller an die Latte.


Elfmetertor

Ein Elfmeter ins Herz der Münchner Bayern. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt - Sekunden vor dem Pausenpfiff - musste Keeperin Ulrike Schmetz den von Inka Grings souverän geschossenen Ball passieren lassen

Wer die Chancen so vergibt, bzw. wem das Glück zu diesem Zeitpunkt nicht hold ist, wird gerne mal bestraft: Laudehr setzte sich durch, drang in den Münchener Strafraum ein, Sandra de Pohl versuchte zu retten und berührte Laudehr, die etwas zögerlich, aber dennoch im Strafraum dankend annehmend, fiel. Schiedsrichterin Christine Beck aus Magstadt zögerte nicht lange und deutete auf den Elfmeterpunkt. Ausgeführt von Grings hieß es mit dem Halbzeitpfiff 0:1 aus Sicht der Münchnerinnen.

Simone Laudehr gegen Tanja Wörle

Simone Laudehr, hier am Ball gegen Tanja Wörle, bestätigte ihre Bombenform der letzten Wochen und war kaum zu halten

Der Gang in die Kabine war für die Gäste leider eine weniger angenehme Situation. Sie wurden nicht nur ausgepfiffen, sondern auch auf das Äußerste von Fans beleidigt. Sonja Fuss beklagte sich zu Recht bei den Verantwortlichen. Nach der Pause ließen sich die Gäste Zeit, wieder aus der Kabine zu kommen. Als schließlich beide Mannschaften auf dem Spielfeld standen, signalisierte die Schiedsrichterin, nicht anzupfeifen, da zu viele Fans über die Absperrung geklettert waren und sich davor niedergelassen hatten. Nach zahlreichen Aufforderungen des Stadionsprechers Bernhard Kux und den Sicherheitskräften war es Melanie Behringer, die auf die Fans zuging und sie zurück auf ihre Plätze verwies.

Nach Wiederanpfiff machten anfangs die Gastgeberinnen Druck. Über die Außenbahn kommend, flankte Behringer in den Strafraum und fand in Nina Aigner ihre Abnehmerin, aber Gäste-Torfrau Lehmann war wieder einmal zur Stelle. Auf Bayerns Seite wirkte alles viel zu hektisch, das nötige Tor sollte erzwungen werden. Im Gegenzug jedoch ließ Laudehr drei Bayern-Spielerinnen stehen, diese standen sozusagen fast Spalier, und Laudehr hatte keine Mühe, das 0:2 zu erzielen. Nur zehn Minuten später war es die kleine Vanessa Martini, eingewechselt für Corinna Schröder, die zum 0:3 einköpfte. Vorarbeit leistete Bresonik mit einem tollen Freistoß.

Simone Laudehr gegen Nicole Banecki

Hier läuft Simone Laudehr Nicole Banecki davon


Beim FC Bayern lief nun überhaupt nichts mehr zusammen, die Pässe kamen nicht an, die Abspielfehler häuften sich. Sie wollten - und konnten trotzdem nicht. Ist es denn so schwer, Deutscher Meister zu werden? "Ja", schien die Antwort zu lauten. Auch Stefanie Mirlach, eingewechselt in der 71. Minute für Nicole Banecki, kam nach einem passgenauen Zuspiel von Julia Simic nicht zum Anschlusstreffer - für Bayern die größte Chance in der zweiten Halbzeit. Auf der anderen Seite ließ sich Inka Grings die Chance zum 0:4 nicht entgehen und lochte problemlos nach Zuspiel von Laudehr zum Endstand ein.

So hatten sich das die Bayern nicht gedacht. Nach dem Spiel äußerte sich deren Trainer Günther Wörle resigniert: „Nach diesem Spieltag sind wir nicht mehr Tabellenführer. Es ist sehr bedauerlich bei so vielen Zuschauern. Der Druck hat uns richtig gehend gelähmt! Die Mädels wollten, aber konnten nicht. Die langen Bälle, die sowieso nichts bringen - es ist wirklich zum Heulen!”

Lira Bajramaj gegen Bianca Rech

Lira Bajramaj kommt hier gegen Bianca Rech zum flanken

Bei Duisburg stand, wie im UEFA-Cup-Halbfinale in Lyon, Kathrin Lehmann statt Kathrin Längert im Tor, warum? "Dass ich im Tor stehe, ist eine kleine Geschichte zwischen Martina Voss und mir. Wir haben schon eine sehr lange Freundschaft, früher habe ich gegen sie gespielt. Ich wohne ja hier in München. Ich weiß nicht, was nächste Saison sein wird, und das ist ja ein schönes Spiel vor meinen Freunden. Dass es immer so klappt, ist, wenn man bei dieser Mannschaft hinten im Tor steht, als wenn man einen Rolls Royce fährt. Es geht von alleine, ich kann das nur genießen."

Der Titelkampf bleibt spannend bis zum Schluss. Erst am kommenden Sonntag werden wir wissen, wer Deutscher Meister ist.

FC Bayern München:
Schmetz - Rech, Paukner, Baunach, Roth (53. Simic), de Pol, Behringer, Wörle, Aigner, N. Banecki (71. Mirlach), Bürki (69. Islacker)

FCR 2001 Duisburg:
Lehmann - Bresonik, Krahn, Fuss, Schröder (59. Martini), Kiesel, Hegering (51. van Bonn), Laudehr, Maes, Bajramaj, Grings

Tore:
0:1 Grings (45./FE) 0:2 Laudehr (56.) 0:3 Martini (66.) 0:4 Grings (86.)

Gelbe Karten: de Pol, Bresonik

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 3.112


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