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1. Bundesliga, 5. Spieltag

Klarer Sieg durch erstklassige Chancenverwertung

VfL Wolfsburg – 1. FFC Turbine Potsdam 2:5 (1:4)

Text von Juliane Mintel
Bilder von Boris Schmelter

5.11.2007   Die Begegnung zwischen dem VfL Wolfsburg und Turbine Potsdam warf ihre Schatten weit voraus, auch wenn der Potsdamer Trainer Bernd Schröder im Vorfeld jegliche Brisanz der Partie bestritt, so wurde doch zumindest unter den Fangruppierungen schon vor dem Spiel viel diskutiert. Hintergrund dafür waren vor allem die Wechsel von Navina Omilade und Juliane Höfler im Sommer und Britta Carlson, die bereits im Winter von der Havel in die Autostadt wechselte.

Von Beginn an waren beide Mannschaften bemüht, das Spiel an sich zu reißen. Wolfsburg kam dabei zur ersten Chance, als Martina Müller durch einen Pass aus dem Mittelfeld heraus geschickt wurde, ihr Schuss allerdings in der Abwehr der Turbinen hängen blieb. Die Gäste wurden erstmals nach einem Freistoß in Höhe der Mittellinie gefährlich, den Carolin Schiewe gefährlich vor das Tor der Wölfinnen setzt, jedoch sprang auch dort nichts Zählbares heraus. Kurz darauf konnte sich Bianca Schmidt auf der rechten Außenbahn durchsetzen, ihre Hereingabe schob Jessica Wich bereits in der neunten Spielminute aus Nahdistanz zum 0:1 ein. Nur zwei Minuten später trat Anja Mittag eine Ecke von der linken Seite, nach der im Strafraum des VfLs die Ordnung nicht stimmte, was Carolin Schiewe zum schnellen 0:2 ausnutzte.

Jessica Wich und Maren Teztlaff

Gut eingekauft: Jessica Wich (links, gegen Maren Tetzlaff), zu Saisonbeginn aus Regensburg nach Potsdam gekommen, erweist sich als Volltreffer und erzielte in Wolfsburg zwei Tore.

Die Heimmannschaft steckte nicht auf und war bemüht, den Anschlusstreffer zu erzielen, so gelang es Shelley Thompson auf der rechten Seite zum Tor zu ziehen, wurde dann aber von Turbines Torfrau Desirée Schumann mit unfairen Mitteln gestoppt, die dafür die einzige gelbe Karte, in einem ansonsten sehr fair geführten Spiel, erhielt. Der darauf folgende Freistoß brachte den Wölfinnen nichts ein. Anders auf der Gegenseite, als Anja Mittag einen Freistoß aus zentraler Position – etwa 18 Meter vor dem Tor – direkt in den Winkel verwandelte.
Nun mussten die Gastgeber schon einem drei Tore Rückstand hinterher laufen, zeigten jedoch ihr Kämpferherz und gaben nicht auf.

Verena Brammer

So sehr sich Wolflsburgs Keeperin Verena Brammer auch streckte, der Freistoß von Anja Mittag zum 3:0 war nicht zu halten

Der Jubel der Potsdamer war noch nicht ganz verstummt, da wurde Shelley Thompson steil geschickt, diese behielt die Nerven und konnte den Ball über Schumann ins Tor heben. Nun keimte auch wieder die Hoffnung bei den VfL – Anhängern auf, das Spiel noch drehen zu können. Die ersten hatten den Torjubel wahrscheinlich auch schon wieder auf den Lippen, als Martina Müller, schön frei gespielt, allein auf die erst 17 – jährige Torfrau zulief, den Ball jedoch nicht an der gut aufgelegten U 19 Nationalmannschaftsspielerin vorbei bekam.

Wolfsburg drängte nun mehr und mehr auf den Anschlusstreffer, übernahm das Geschehen im Mittelfeld, ohne allerdings wirklich gefährlich zu werden. Kurz vor dem Halbzeitpfiff fasste sich Navina Omilade, die gleichzeitig ihren 26. Geburtstag feierte, ein Herz und schoss aus gut 25 Metern aufs Tor, Schumann konnte den Ball nicht festhalten, hatte aber Glück, da keine Wolfsburgerin nah genug am Tor stand um den abgewehrten Ball zu verwerten. Nach einer etwa 20 – minütigen Drangphase der


1:0 durch Jessica Wich

Das 1:0 in der neunten Spielminute durch Jessica Wich (verdeckt hinter Navina Omilade mit der 23) brachte Potsdam früh auf die Siegerstraße

Viele weitere Bilder von Boris Schmelter von diesem Spiel findet ihr unter:

http://www.boris-schmelter.de/07-08%20Vfl%20-%20Turbine/index.htm

Wölfinnen nutze erneut Jessica Wich das Chaos im Strafraum des VfLs aus, um ihren zweiten Treffer zu markieren. Dies war zugleich der Pausenstand, denn mit dem Anstoß pfiff die Schiedsrichterin Martina Storch-Schäfer zur Halbzeit.

Beide Trainer reagierten in der Pause. Bei den Gästen nahm Trainer Bernd Schröder Bianca Schmidt vom Feld und brachte Essi Sainio. Wolfsburgs Trainer Bernd Hunecke brachte mit Jennifer Horwege eine dritte Stürmerin aufs Feld, für sie ging Natalie Bock. Zu Beginn der zweiten Hälfte vorerst ein ähnliches Bild, wie schon in der ersten Halbzeit. Wolfsburg versuchte viel, wurde dabei aber nicht gefährlich, die vielen Bemühungen scheiterten oft am letzten Pass, der nicht die Mitspielerin fand. Die endgültige Vorentscheidung fiel dann nach einer Stunde, als wiederum nach einer Ecke durch Anja Mittag, der Ball nicht entscheidend geklärt werden konnte und Babett Peter keine Probleme mehr hatte, den Ball zum 1:5 im Tor unterzubringen.

Shelley Thompson

Da schöpfte Wolfsburg Hoffnung: Shelley Thompson feierte ihren Anschlusstreffer zum 1:3 mit einem Bauchklatscher

In der Folgezeit verflachte das Spiel immer mehr, auf beiden Seiten ergaben sich kaum noch Torchancen. Die 388 Zuschauer im Stadion am Elsterweg sahen ein Spiel, das sich dem trüben Wetter anpasste. Huneke wechselte Anna Blässe aus, die in den letzten Spielen stets für Unruhe sorgen konnte, heute jedoch wenig Akzente setzten konnte. Für sie kam Sarah Freimuth – 10 Minuten vor Schluss kam Franziska Unzeitig für Mirka Mohs ins Spiel. Letzter Höhepunkt war das schöne 2:5, bei dem der VfL aufblitzen ließ, welches Potential in ihnen steckt. Dabei bekam Britta Carlson im Mittelfeld den Ball zugespielt, spielte diagonal auf Müller, die den Ball mit der Brust annahm, mit einem tollen Solo gleich mehrere Abwehrspielerinnen stehen ließ und den Ball sicher einnetzen konnte. Dies geschah aber bereits in der Nachspielzeit, so dass das Spiel kurz darauf abgepfiffen wurde.

Desiree Schumann

U19 Nationaltorhüterin Desiree Schumann bot eine prima Leistung und möglicherweise einen Vorgeschmack auf die Zeit nach Nadine Angerer in Potsdam

Der hohe Sieg der Turbinen spiegelt vielleicht nicht ganz den Spielverlauf wieder, ist aber alles in allem gerecht. Wer so gravierende Fehler in der Defensive verursacht wie die Wolfsburgerinnen und aus der eigentlichen Feldüberlegenheit – zumindest der Überlegenheit im Mittelfeld - nichts zählbares macht, hat den Sieg wohl einfach nicht verdient. Bei drei der fünf


Gegentore bekommen gleich mehrere Turbinen die Chance ein Tor zu erzielen, keine der Wölfinnen schaffte es in dieser Zeit den Ball konsequent aus dem Gefahrenbereich zu schlagen - sogar vier Gegentreffer entstanden nach Standardsituationen der Gäste. Das Mittelfeld von Potsdam fand fast nicht statt, so blieben die Außen in Person von Isabell Kerschowski, Bianca Schmidt und Essi Sainio eher blass, von Jennifer Zietz war kaum etwas zu sehen, Folge daraus waren zumeist lange Bälle aus der Abwehr heraus.

Wirklich lobend zu erwähnen ist Desirée Schumann, die auf Grund einer Erkrankung von Nadine Angerer zum wiederholten Mal das Tor der Turbinen hütete und wiederum ihr großes Talent demonstrierte. Bei beiden Gegentreffern kann sie nichts entgegensetzen und machte dazu, gerade in 1:1 Situationen, einen starken Eindruck. Für Wolfsburg geht es nächste Woche zum Aufsteiger aus Saarbrücken, wo man wichtige drei Punkte mit nach Hause nehmen möchte. Es wird sich zeigen, wie die Mannschaft nach den letzten erfolglosen Spielen mit einer solchen Drucksituation umgehen kann. Die Nationalmannschaftssaison ist vorbei, das gibt endlich Gelegenheit mit dem kompletten Kader auf Dauer zu trainieren und vor allem die Abstimmung zwischen Martina Müller und Shelley Thompson zu verbessern. Was diese Mannschaft, trotz und gerade wegen der vielen „Topstars“ braucht, ist Zeit, um zusammen zu finden. Für die Turbinen kommt es am kommenden Spieltag zum großen Showdown gegen den 1. FFC Frankfurt. Hier wird sich zeigen wie weit das junge Team in ihrer Arbeit ist und ob sie auch den „Großen“ ein Bein stellen können.

Martina Müller und Babett Peter

Martina Müller, hier mit Babett Peter im Rücken, erzielte mit dem Schlusspfiff immerhin noch das verdiente zweite Wolfsburger Tor



VfL Wolfsburg:

Brammer - Höfler, Bock (46. Horwege), Tetzlaff, Mohs (79. Unzeitig), Carlson, Omilade, Wilkens, M. Müller, Blässe (64. Freimuth), Thompson

1. FFC Turbine Potsdam:

Schumann - Kameraj, Marxkord, Peter, Draws, Schmidt (46. Sainio), Zietz, Schiewe, I. Kerschowski, Wich, Mittag

Tore:
0:1 Wich (9.)
0:2 Schiewe (11.)
0:3 Mittag (22.)
1:3 Thompson (23.)
1:4 Wich (45.)
1:5 Peter (62.)
2:5 M. Müller (90.)

Gelbe Karte: Schumann

Schiedsrichterin: Martina Storch-Schäfer (Petersberg)

Zuschauer: 388


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