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1. Bundesliga, 11. Spieltag

Befreiungsschlag für Saarbrücken

1. FC Saarbrücken - Hamburger SV 3:1 (1:1)

Text von Frank Schmidt
Bilder von Joachim Ewen

3.3.2008   Unterschiedlicher hätten die Ausgangspositionen beider Mannschaften für das letzte Spiel der Hinrunde kaum sein können: Der HSV, im gesicherten Mittelfeld der Tabelle, reiste nach dem in letzter Minute sichergestellten, überraschenden Punktgewinn gegen Turbine Potsdam mit viel Selbstvertrauen in die saarländischen Landeshaupt- stadt. Dagegen hatte bei den Verantwortlichen des abstiegsbedrohten 1. FC Saarbrücken während der Woche die indiskutable Leistung der Mannschaft beim Auswärtsspiel in München für Kopfzerbrechen gesorgt. Im stark ersatzgeschwächten Saarbrücker Team war insbesondere Abwehrass Ann-Katrin Schinkel (Kreuzbandriss) schmerzlich vermisst worden.

Schon beim Auflaufen dann die erste Überraschung: Nach über zehnmonatiger Verletzungspause stand Christina Arend, eigentlich nur für einen Kurzeinsatz vorgesehen, auf ungewohnter Mittelfeldposition von Anfang an in der ersten Elf. Ein besonders emotionaler Moment für „Chrissie“, der den rund 500 Zuschauern im Stadion Am Kieselhumes einen Sonderapplaus wert war.

Frauenfußball 1. FC Saarbrücken - Hamburger SV

Die Mannschaften vor dem Spiel: Links die Gäste aus Hamburg, rechts das Team des 1. FC Saarbrücken. Ganz rechts im Bild Christina Arend, die nach ihrer Verletzung erstmals seit mehr als 10 Monaten wieder auf dem Platz stand

Denen boten beide Mannschaften in der Anfangsphase des Spiels wenig Erwärmendes: Saarbrücken war leicht feldüberlegen, konnte sich aber keine zwingenden Torchancen erarbeiten. So plätscherte das Spiel zunächst bis Mitte der ersten Halbzeit vor sich hin, bevor die ansonsten gewohnt zuverlässige Saarbrücker Torfrau Romina Holz den Führungstreffer der Hamburgerinnen einleitete: Sie ließ einen eher harmlosen Steilpass durch die Arme gleiten, die mitgelaufene Denise Lehmann nutzte die unerwartete Torchance und schob den Ball ohne Mühe zum 0:1 ins leere Tor.

Nadine Keßler

Zwei U20-Nationalspielerinnen im direkten Duell: Links Saarbrückens Kapitänin Nadine Keßler, rechts Imke Wübbenhorst

Mit der Führung im Rücken spielte der HSV jetzt zunehmend sicherer und ließ den Ball gefällig durchs Mittelfeld laufen, ohne allerdings allzu gefährlich vor dem Saarbrücker Tor aufzutauchen. Die Saarländerinnen dagegen offenbarten wieder alte Schwächen: Trotz einer mutig aufspielenden Steffi Kaiser fehlte die Bindung zwischen Abwehr und Mittelfeld; der Ball wurde im Spielaufbau zu lange gehalten und bei Angriffsaktionen rückten die Defensivkräfte nicht nach. So kam der Ausgleich unmittelbar vor der Halbzeit eher überraschend: Nach Flanke von Lisa Schwab beförderte


1. FC Saarbrücken jubelt

Riesenjubel bei den Spielerinnen des 1. FC Saarbrücken nach dem Spiel: mit dem zweiten Saisonsieg wurde der Abstand auf die Abstiegsplätze auf fünf Punkte ausgebaut

das 15-jährige Ausnahmetalent Dzsenifer Marozsan aus halbrechter Position mit einem gefühlvollen Spannschuss den aufspringenden Ball ins lange Toreck.

Dzenifer Marozsan

Die 15-jährige Dzenifer Marozsan (am Boden) beschäftigte oft mehrere HSV-Spielerinnen, hier sind es Janina Haye, Christina Plessen, Torschützin Denise Lehmann und Heike Freese (von links). Aus einer ähnlichen Position erzielte Maroszan in herrlicher Direktabnahme den Ausgleichstreffer zum 1:1

Nach einer insgesamt schwachen ersten Hälfte wechselte Hamburg zur Halbzeit zweimal aus, doch der FCS war die Mannschaft, die wie verwandelt aus der Kabine kam. Die Angriffe wurden jetzt konsequenter, vor allem lauffreudiger vorgetragen und der Ball schneller abgespielt. Dadurch ergaben sich zwangsläufig Torchancen. So hatte Bianca Weech im Hamburger Tor Gelegenheit, bei einem strammen Distanzschuss von Schwab ins rechte Eck ihre Klasse zu zeigen. Nach einer Stunde Spielzeit patzte aber auch Weech, als sie eine Flanke der groß aufspielenden Jenny Marozsan unterlief. „Dankeschööön“ sagte sich Lisa Schwab, getreu dem Motto der am Spieltag erstmals vorgestellten neuen Stadionhymne für die FC-Mädels - und netzte aus halblinker Position zum 2:1 für Saarbrücken ein. Doppeltes Pech für die Hanseatinnen: Stephanie Ende verletzte sich bei der Aktion und musste nach minu-tenlanger Behandlung ausgewechselt werden.

Kurz zuvor hatte auf der anderen Seite Christina Arend das Spielfeld nach gelungenem Comeback verlassen. Für Arend kam die Amerikanerin Natalie Budge, die sich bei ihrer Heimpremiere gleich mit einigen guten Offensivaktionen für weitere Einsätze empfahl. Der HSV mühte sich fortan zwar um den Ausgleich, ließ aber Konzentration im Aufbau und Präzision im Abschluss vermissen.

So hatte die verletzungsbedingt durcheinander gewirbelte Saarbrücker Abwehr bis zum Schlusspfiff keine ernsthaften Probleme mehr mit dem Hamburger Sturm. Der entpuppte sich im Gegensatz zu Tief „Emma“, dessen Ausläufer sich gelegentlich noch im Stadion bemerkbar machten, an diesem Tag als eher laues Lüftchen. Eine durchsetzungsfähige Angreiferin - das war es, was die aus der Hansestadt mitgereisten Fans am meisten vermisst haben dürften.

Kurz vor Schluss fiel dann die endgültige Entscheidung, als Budge einen langen Pass von Nadine Kraus direkt auf Selina Wagner ablegte, die den Ball im Strafraum artistisch über die


herausstürmende Torfrau hinweg zum 3:1 ins lange Eck hob. Wenige Augenblicke später konnten die Saarbrücker Spielerinnen den zweiten Heimsieg der Saison bejubeln. Da war es endlich, das vor dem mit Spannung erwarteten Pokalhalbfinale am Ostersonntag so dringend benötigte Erfolgserlebnis.

Die Frauenmannschaft des 1. FC Saarbrücken, längst das Aushängeschild des Vereins, hat es in der Rückrunde mit nunmehr fünf Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz selbst in der Hand, den Klassenerhalt zu schaffen. Der Hamburger SV dagegen hat mit der unerwarteten Auswärtsniederlage zunächst einmal den Anschluss an das obere Tabellendrittel verloren.

Der SWR hat in seiner Sendung „Sport-Arena” einen sehr guten Bericht vom Spiel plus Interview mit Nadine Keßler und Nadine Kraus gebracht, dazu noch ein Special über Sarah Karnbach und die von ihr beispielhaft organisierte Jugendarbeit. Diese Sendung ist auch im Internet abrufbar unter folgendem Link:

Zur Sendung Sport Arena

Solche Sendungen würden wir gerne häufiger sehen!





1. FC Saarbrücken:

Holz - Hinsberger, Henning, Kaiser (61. Blank), Keßler, Karnbach, Wagner, Kraus, Marozsan (81. Leykauf), Schwab, Arend (54. Budge)

Hamburger SV

Weech - Haye, Ende (69. Gärtner) , Plessen, Freese Saländer, Ewers (46. Weigel), Wübbenhorst, Lehmann Vreden, Shenar (46. Holland)

Tore:
0:1 Lehmann (25.)
1:1 Marozsan (43.)
2:1 Schwab (60.)
3:1 Wagner (88.)

Gelb: Arend (FCS), Ende, Wübbenhorst (HSV)

Schiedsrichterin: Miriam Dietz (Bad Sobernheim)


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