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1. Bundesliga, 16. Spieltag

Crailsheimer Paukenschlag in Hamburg

Hamburger SV - TSV Crailsheim 0:4 (0:0)

Text von Jens Wolter
Archivbilder von Tom Schlimme

05.05.2008   Für beide Teams hatte die Begegnung die gleiche Wichtigkeit. Es sollten unbedingt drei Punkte her, um die Distanz zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern.

In der ersten Halbzeit entwickelte sich eine zunächst wenig ansehnliche Partie, die sich überwiegend im Mittelfeld abspielte und aus der sich nur wenige Strafraumszenen ergaben. Ein zu hoch gezielter Ball von Hamburgs Silva Lone Saländer aus 18 Metern Entfernung in der 20. Minute war überhaupt der erste Torschuss der Partie. Eine Minute später rutschte einer Crailsheimer Spielerin nach einer Ecke von links der Ball über den Scheitel und der Ball ging deutlich am Hamburger Gehäuse vorbei.

Annika Höß

Youngster Annika Höß eröffnete den Crailsheimer Torreigen in der 53. Minute

In der Folge erspielte sich Hamburg bis zur Halbzeitpause eine leichte Feldüberlegenheit, die jedoch kaum in zwingende Torgelegenheiten umgesetzt werden konnte. Die einzige Ausnahme bildete eine Situation in der 36. Minute, als Tanja Vreden mit dem Ball am Fuß in den Crailsheimer Strafraum eindrang, von Torhüterin Rachel Howard und einer Verteidigerin abgedrängt wurde und trotzdem noch Gelegenheit hatte, von der Grundlinie aus hoch zurück auf Maja Schubert zu spielen. Deren Versuch eines Hebers über die weit herausgerückte Howard hinweg geriet zu flach und konnte von dieser abgefangen werden.

Tanja Wörle

Tanja Wörle krönte ihre gute Mittelfeldleistung mit dem Treffer zum 0:3

Wie sich herausstellen sollte, war dies Hamburgs letzte wirkliche Torchance des gesamten Spiels. Ein direkter Freistoß von Saländer in der 40. Minute kam direkt in die Arme von Howard und ein Flachschuss von Imke Wübbenhorst aus 25 Metern in der 43. Minute war zu schwach und ging zudem rechts am Tor vorbei.

Aus der Halbzeitpause kamen die in der ersten Hälfte doch sehr enttäuschenden Crailsheimerinnen wesentlich engagierter zurück. Sie


Tanja Vreden

HSV Torjägerin Tanja Vreden kam gegen Crailsheim wie der gesamte HSV-Angriff kaum zum Zuge

gingen nun deutlich aggressiver in die Zweikämpfe und kämpften um jeden Ball. In der 53. Minute konnte Annika Höß eine Unentschlossenheit in der Hamburger Abwehr ausnutzen und aus ca. 16 Metern das 1:0 für die Gäste erzielen. In den nachfolgenden fünf Minuten versuchten die Hamburgerinnen, auf diesen Rückstand zu antworten, fanden jedoch keinen Weg vor das Gästetor.

Die 58. Minute brachte dann eine Vorentscheidung. Hamburgs Torfrau Bianca Weech konnte etwa 10 Meter vor ihrem Tor einen Schuss von Ramona Treyer noch per Fuß abwehren, gegen den Nachschuss von Carina Breunig war sie allerdings machtlos und es stand 2:0 für die Gäste.

Angesichts dieses Rückstandes ersetzte Hamburg in der 60. Minute Stephanie Ende und Heike Freese durch die Offensivkräfte Sarit Shenar und Katrin Patzke. Indem er seine Abwehr praktisch auflöste, setzte Hamburgs Trainer Achim Feifel somit alles auf eine Karte - und er verlor. Auch die zahlenmäßig ihren Gegnerinnen nun überlegene Hamburger "Abteilung Attacke" war nicht in der Lage, eine Wende herbei zu führen. Zu konzeptlos waren die Angriffsversuche, zu ungenau die Zuspiele, um wirklich Gefahr vor dem Crailsheimer Tor herauf zu beschwören. Im Gegenteil, Gästekonter überwanden immer wieder die verwaiste Hamburger Abwehr.

Julia Manger

Julia Manger setzte mit dem 0:4 den Schlusspunkt einer Partie, mit deren deutlichem Ausgang wohl niemand gerechnet hatte

In der 65. Minute konnten Weech und Angelina Lübcke gerade noch gegen Claudia Nußelt retten, aber in der 71. Minute war Weech machtlos gegen einen Schuss von Tanja Wörle, der erst die Unterkante der Latte traf und von dort auf den Boden sprang und hinauf ins Tornetz - das 0:3. In der 80. Minute rettete Weech gerade noch gegen die frisch eingewechselte Julia Manger, um


dann in 87. Minute von der gleichen Spielerin ausgespielt zu werden und das 0:4 hinnehmen zu müssen.

Fazit:
Crailsheim konnte an diesem Vormittag einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Der Weckruf des Trainers in der Halbzeitpause hat offensichtlich funktioniert. An der Hamburger Hagenbeckstraße hingegen geht spätestens seit diesem Spiel das Abstiegsgespenst um. Alle fünf absolvierten Rückrundenspiele gingen verloren und zu den seit Jahren bestehenden Problemen mit dem Toreschießen kommt inzwischen auch das Problem mit dem Toreverhindern hinzu. Wenn nicht wenigstens die Abwehr die Stabilität der Hinrunde umgehend wieder erreicht, geht der HSV schweren Zeiten entgegen.

Achim Feifel

HSV Trainer Achim Feifel muss sich um den Klassenerhalt langsam ernste Sorgen machen


Hamburger SV:
Weech - Ende (60. Shenar), Plessen, Haye, Freese (60. Patzke) - Lehmann, Wübbenhorst, Saländer, Schubert, Lübcke - Vreden

TSV Crailsheim:
Howard - Großmann, Held, Burger, Beck - Hörber, Treyer (84. Voigt), Wörle, Breunig - Nußelt (73. Manger), Höß (85. Schwab)

Tore:
0:1 Höß (53.)
0:2 Breunig (58.)
0:3 Wörle (71.)
0:4 Manger (87.)

Gelbe Karte: Vreden

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa)

Zuschauer: 320


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