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1. Bundesliga, 13. Spieltag

Ein Spiel mit zwei Halbzeiten

Hamburger SV - FC Bayern München 1:2 (1:0)

Text und Fotos von Fuxi

01.04.2008   Bei den Männern ist es seit 1964 ein Klassiker der Bundesligageschichte. Bei den Frauen ging der Nord-Süd-Gipfel, der es allerdings nie über mittelmäßige Tabellenränge hinaus schaffte, in die mittlerweile 12. Auflage. Die Bayern hatten auch hier die bessere Bilanz: 6 Siege, 2 Unentschieden und nur drei Niederlagen. Allerdings holte der HSV alle drei Siege zuhause. Trotz des eindeutigen Tabellenstandes zugunsten der Bayern schien sich ein Duell auf Augenhöhe anzukündigen. Denkwürdig aus HSV-Sicht wurde es auf jeden Fall - allerdings auf die schlimmste Art und Weise, die vorstellbar war.

Beide Teams hatten mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Zum Kreuzbandriss von Viki Schnaderbeck im Pokalspiel gegen Frankfurt und der langwierigen Verletzung von Sonja Spieler gesellten sich ins Bayern-Lazarett noch Julia Simic, die im Hinspiel in der Schlussminute einen Elfmeter verschoss, Torfrau Ulrike Schmetz und Mandy Islacker. Die angeschlagene Nicole Banecki saß auf der Bank, Rekonvaleszentin Corinna Paukner konnte hingegen auflaufen. Sie stand neben Carmen Roth in der Innenverteidigerin vor Torfrau Birgit Leitner, flankiert von Bianca Eder links und Stefanie Mirlach rechts. Das Mittelfeld bestand ebenfalls aus einer Viererkette mit Bianca Rech, Sylvie Banecki, Sandra de Pol und Christina Schellenberg. Im Sturm: HSV-Schreck Nina Aigner (3 Treffer) und Vanessa Bürki. Die Bank der Bayern bestand aus Ersatzkeeperin Sandra Schams aus der zweiten Mannschaft, Julia Kremser, Christina Eckmann und Nicole Banecki.

Christina Plessen stoppt Sylvie Banecki

Zweikampfstärke war ein Aspekt, der zum Pausenstand von 1:0 für den HSV führte. Hier stoppt Christina Plessen Sylvie Banecki (Nr. 22)

Auch der HSV hatte Sorgen. Die Themen Christine Schoknecht und Vanessa Schröer bereits abgehakt und weiterhin zum Verzicht auf Jana Leugers und Janka Rohrberg gezwungen, meldete sich auch Toptorjägerin Tanja Vreden beim Warmmachen verletzt ab. Auch Nachwuchsspielerin Larissa Holland fehlte. Später erlitt mit Julia Weigel eine zweite Reservistin einen Kollaps, Heike Freese war angeschlagen. Im Tor stand Bianca Weech hinter der Viererkette aus Heike Freese, Janina Haye, Alexandra Gärtner (in ihrem 100. Bundesligaspiel) und Stephanie Ende. Die Doppel-Sechs wurde besetzt mit Imke Wübbenhorst und Christina Plessen, davor Spielmacherin Silva-Lone Saländer. Den Dreiersturm bildeten Marisa Ewers, Denise Lehmann und Sarit Shenar. Auf der Bank saßen neben den ausfallenden Vreden und Weigel noch Maja Schubert und die Nachwuchsspielerinnen Pajtesa Kameraj und Ersatzkeeperin Jennifer Weber. Die etatmäßige zweite Torfrau Almuth Schult hatte beim 2:0 gegen Lok Leipzig in der Zweiten Spielpraxis gesammelt. Geleitet wurde die Partie von Monique Klauß aus Mülheim an der Ruhr, begleitet von Swinde Wiederhold aus Kaarst und Caroline Telahr aus Bocholt.

Silva Lone Saländer

Da war es schon passiert: Nach dem Foul von Bayern-Torfrau Leitner hilft Heike Freese der verletzten Silva Lone Saländer auf. Später musste die Spielmacherin mit Gedächtnisaussetzern raus

Die Bayern versuchten, von Beginn an früh zu stören. Der HSV reagierte darauf mit langen Bällen. Und die in Schwarz angetretenen Hamburgerinnen dominierten die erste Halbzeit. Zunächst aber eine Schrecksekunde: Leitner stürmte bei einem langen Ball aus ihrem Kasten und rammte Saländer, die vor ihr am Ball war, rüde um. Eine Karte gab es nicht, aber Saländer brauchte eine längere Behandlung. Ein Foul, das später noch Folgen haben sollte. Zunächst die 13. Minute: Ende nahm Aigner in der eigenen Hälfte den Ball ab und brachte ihn zu Shenar. Nach kurzem Antritt an ihrer Gegenspielerin vorbei brachte die Israelin den langen Ball an den Strafraum zu Lehmann. Die lange Mittelstürmerin legte sich das Leder technisch perfekt volley an Roth vorbei, zog aus 17 Metern ab und überwand die sich vergeblich streckende Torfrau Leitner ins linke Eck - das 1:0! Nach einer Viertelstunde führte der HSV, aber es drohte der erste Wechsel, denn Saländer musste erneut an der schmerzenden Hüfte behandelt werden. Zunächst ging es für sie weiter. Ihre Mannschaft spielte ganz gefällig nach vorn und gewann bereits früh im Mittelfeld die entscheidenen Zweikämpfe, um die Bayern nicht ins Spiel kommen zu lassen. So dauerte es bis zur 22. Minute, ehe es die erste Münchner Chance gab. de Pols langer Freistoß aus dem Mittelkreis segelte mit Rückenwind weit in den Strafraum, Mirlach kam völlig


Freistoßtor Nina Aigner

Der Ausgleich für die Bayern, der Anfang vom Ende für den HSV: Aigner schießt den Freistoß an der schlecht gestellten Mauer vorbei ins Torwarteck

frei zur Kopfballverlängerung, verfehlte das Tor aber um eineinhalb Meter.

Das Spiel war phasenweise zerfahren. Es gab viele Behandlungsunterbrechungen. Zweikämpfe und Fouls waren stets präsent. Trotzdem zog der HSV seine Linie durch. Auch, weil besonders Lehmann gut störte. Aber bei den Gastgebern machten sich bereits zu diesem Zeitpunkt Kameraj und Schubert warm, weil neben Saländer nun auch Lehmann nach einem Schlag auf dem Knöchel angeschlagen war. Letztere leitete die nächste HSV- Chance ein. Mit einem Pass bediente sie die aufgerückte Plessen, die im zweiten Versuch den Ball per Kopf für Shenar auflegte. Die Israelin zog von der Strafraumgrenze ab, Leitner flog ins kurze Eck und klatschte den Schuss zur Ecke (29.). Die Torgelegenheiten waren sehenswert. Auf der anderen Seite brachte de Pol einen Eckball herein, die sonst so sichere Bianca Weech im HSV-Kasten verschätzte sich beim Herauslaufen, doch der Aigner-Kopfball landete neben dem Tor (31.). Möglicherweise spielte hier aber auch der in Böen plötzlich auftretende Wind eine Rolle. Die Angriffsbemühungen der Bayern waren eher spartanisch. Nach Dribbling gegen Ende wollte Rech aus halblinker Position in den Strafraum spielen, aber Gärtner war mit der Fußspitze noch dran, und das Leder verfehlte den rechten Pfosten um einen Meter. Weech wäre machtlos gewesen. Aber es zeigte: Die Gäste machten nun mehr Druck, stellten die Hanseatinnen vor Probleme. Der HSV blieb dennoch gefährlicher. Einen langen Ball von Freese auf Lehmann konnte die Bayern-Abwehr noch parieren, den nachfolgenden Volley setzte Saländer aus 24 Metern knapp daneben. Und nur 60 Sekunden später nahm Shenar Roth im Strafraum den Ball ab, legte quer auf für Ewers, doch die scheiterte aus 12 Metern an einem bayerischen Fuß - der Ball ging rechts vorbei (41.).

Chance Stefanie Mirlach

Die erste Chance der Bayern, aber Stefanie Mirlach verlängert Sandra de Pols Freistoß am Tor vorbei. Der HSV mit Respektsabstand, der in der zweiten Hälfte noch größer wurde

Die Halbzeitführung für den HSV war durchaus verdient. Sie waren bissig, störten konsequent. Die Bayern leisteten sich viele Fehler, fanden keine spielerische Linie, und manchmal schien es, als nähmen sie den HSV nicht ernst. Nicole Banecki sollte Abhilfe schaffen. Sie kam für Mirlach ins linke Mittelfeld, Rech rückte in die linke Verteidigung zurück und Eder auf die rechte Außenseite. Und die Partie kippte. Bayern spielte nun energisch nach vorn, und dem HSV unterliefen eine Reihe von Fehlern. Nach Stellungsfehlern in der Abwehr bediente Bürki Aigner, und die war von Haye nur durch ein Foul zu stoppen. 18 Meter zentral ist eine gefährliche Position. Für Aigner war das eine Einladung, denn weder Mauer noch Mauerstellerin Weech deckten das linke Eck ab. Und dort schlug der fast sanft mit der Innenseite geschobene Ball zum 1:1 ein (55.).

Freistoßtor

Da ist er drin: Aigner (Nr. 18) dreht zum Jubeln ab, das schlecht gestellte HSV-"Mäuerchen" mit Wübbenhorst (verdeckt), Lehmann, Haye, Freese und Ewers sieht wie Torfrau Weech (am Boden) dem Ball hinterher

Nur eine Minute später die nächste unglückliche Aktion von Weech. Ende passte zurück, Richtung Gärtner. Die ließ aber für Weech durch, Aigner spritzte dazwischen und rannte in den Klärungsversuch der Torfrau. Eigentlich ein Elfmeter, aber Schiri Klauß wollte einen Pressschlag gesehen haben, gab Eckball, während beide Spielerinnen schmerzverzerrt liegen blieben. Es ging zur Erleichterung beider Trainer weiter. Der HSV antwortete. Saländer spielte einen Steilpass hinter die Abwehr auf Plessen, die plötzlich völlig frei war, aber anstatt ins lange Eck einzuschieben, wählte sie die kurze Ecke per Außenrist, und Leitner parierte (58.). So kam, was kommen musste: Langer Ball von Rech in den Strafraum, Haye stand schlecht vor Aigner, die mit der Stirn verlängerte. Weech war unnötig aus dem Tor gelaufen, wehrte noch mit einer guten Reaktion ab, aber genau vor die


Füße von Aigner, und es hieß 1:2 in der 62. Minute. Der HSV machte es den Bayern durch individuelle Fehler zu einfach. Kurz darauf ballerte Schellenberg aus 25 Metern vorbei. Als de Pol es dann aus 25 Metern flach an der Freistoßmauer vorbei versuchte, war Weech zur Stelle. Und weiter die Bayern. Bürki schickte Nicole Banecki steil hinter die Abwehr, aber die Eingewechselte scheiterte an Weech.

Silva Lone Saländer

Da ging es noch, Minuten später war Schluss für sie: Saländer technisch ansehnlich vor Aigner (re.) am Ball, Paukner wartet dahinter das Geschehen ab

Dann war das Spiel entschieden: Nach Foulspiel an Sylvie Banecki sah Wübbenhorst, bereits nach Blockieren des Balles beim Freistoß in der 62. Minute verwarnt, die Ampelkarte. Es war klar, dass der HSV das nicht mehr schaffen würde. Zu stark waren die Bayern, zu schwach die Hausherrinnen. Bayern hätte nun erhöhen können. Bürki stand nach Pass von Nicole Banecki frei vor Weech, spitzelte den Ball vor dem Tor quer, aber beim Einschuss ins Netz stand Aigner nach Ansicht des Schiedsrichtergespanns im Abseits. Der Treffer zählte nicht. Im Anschluss musste dann Saländer raus. Der Zusammenprall mit Aigner aus der Anfangsphase, verbunden mit mehreren Kopfballduellen, hatte bei ihr zum Aussetzen des Kurzzeitgedächnisses geführt - sie wusste weder Spielstand noch Halbzeit. Nach dem Spiel musste sie ins Krankenhaus und dort über Nacht zur Beobachtung bleiben. Ersatz Maja Schubert war dann doch beinahe noch am Ausgleich beteiligt. Nach Pass von Shenar und Eders Aussetzer stand sie halblinks acht Meter vor dem Tor, passte nochmal quer, aber eine Münchnerin störte noch, bevor Ewers abziehen konnte. Der Ball hoppelte knapp am Pfosten vorbei. Ewers brachte den anschließenden Eckball herein, und dann kam Lehmann noch zum Kopfball - knapp drüber.

Es war die letzte Torszene. Bei den Bayern kam noch Julia Kremser für Eder ins Spiel (83.). Sie verwalteten den 2:1-Sieg bis zum Ende. Obwohl sogar Kapitänin Haye nach vorn geschickt wurde, quasi als Brechstange, konnten sie nichts mehr reißen. So blieb es bei einem Bayern-Sieg, den der HSV sich selbst zuzuschreiben hatte. Bei den Hamburgern haderten die Trainer wieder einmal mit der Spielweise ihres Teams: Abermals hatten sie in der ersten Halbzeit dominiert und in der zweiten mit dem Fußballspielen aufgehört. Die Bayern erarbeiteten sich zwei Tore nur durch gütige Mithilfe der Platzherrinnen, obwohl man dem Team aus Aschheim mehr Aggressivität und Engagement als im ersten Durchgang bescheinigen konnte. Der HSV verspielte den Dreier durch zu lasche Einstellung und individuelle Fehlleistungen. Nur Schubert brachte nochmal etwas Schwung. Das war's aber auch - und zu wenig. Am unglücklichsten war Bianca Weech, die die Niederlage tränenreich auf ihre Kappe nahm. Aber allein an ihr festzumachen ist die Pleite auch nicht. Ihre Vorderleute haben dazu ihren Anteil beigetragen. Ein Problem, das die mageren fünf Punkte Vorsprung auf Abstiegskandidat Wattenscheid nicht gerade als dickes Polster darstellen. Schon gar nicht mit schwindendem Kader.

Hamburger SV:
Weech - Freese, Haye, Gärtner, Ende - Wübbenhorst, Plessen - Saländer (77. Schubert) - Ewers, Lehmann, Shenar

FC Bayern München:
Leitner - Mirlach (46. N. Banecki), Paukner, Roth, Eder (82. Kremser) - Rech, S. Banecki, de Pol, Schellenberg - Aigner, Bürki

Tore:
1:0 Lehmann (13.)
1:1 Aigner (55., Freistoß)
1:2 Aigner (62.)

Gelbe Karten:
Roth (München, 76. Minute, wegen Meckerns), Lehmann (Hamburg, 90. Minute, wegen Meckerns)

Gelb-Rote Karte:
Wübbenhorst (Hamburg, 73. Minute, Spielverzögerung und Foulspiel)

Schiedsrichterinnen: Monique Klauß (Mülheim an der Ruhr) mit Swinde Wiederhold (Kaarst) und Caroline Telahr (Bocholt)

Zuschauer: 520


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