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1. Bundesliga, 22. Spieltag

Des einen Freud, des anderen Leid

Hamburger SV - 1. FC Saarbrücken 1:1 (0:0)

Von Jens Wolter (Text)
und Beate Wolter (Fotos)

16.06.2008

Am letzten Spieltag kam es zu einem echten Endspiel um den Klassenerhalt. Der Spielplan wollte, dass die punktgleichen Tabellennachbarn Hamburg (10. Platz) und Saarbrücken (11. Platz) den zweiten Absteiger neben Wattenscheid im direkten Duell bestimmen mussten. Vor der Hamburger Rekordkulisse von über Zwölfhundert Zuschauern lag dabei der höhere Druck auf den Saarländerinnen, die unbedingt gewinnen mussten, während dem HSV auf Grund des geringfügig besseren Torverhältnisses schon ein Unentschieden reichte.

Vor Beginn der Partie wurden auf dem Rasen vom HSV-Vorstand, vertreten durch Katja Kraus (früher Nationaltorhüterin beim FSV Frankfurt), mehrere Spielerinnen verabschiedet, die das Team verlassen: Alexandra Gärtner (Karriereende), Julia Weigel (in die 2. Mannschaft), Almuth Schult (zum FFC Magdeburg), Stephanie Ende (zum VfL Wolfsburg), Jana Leugers und Sarit Shenar (beide Ziel unbekannt).

Letztes Spiel für die Hanseatinnen: Katja Kraus (2.v.r.) verabschiedete Almuth Schult, Sarit Shena, Jana Leugers, Stefanie Ende, Alexandra Gärtner und Julia Weigel (v.l.)

Beide Teams begannen das Spiel hochkonzentriert, aber auch erkennbar nervös. Saarbrücken agierte etwas druckvoller als die Gastgeberinnen und erarbeitete sich so ein leichtes optisches Übergewicht. Das Spiel bewegte sich zwischen beiden Strafräumen hin und her, ohne dass hieraus wirklich zwingende Chancen entstanden. Während der gesamten Partie sorgten überwiegend Standardsituationen für wirkliche Gefahrenmomente.

Es fällt schwer, aus den Strafraumsituationen der ersten Halbzeit wirklich bemerkenswerte herauszusuchen, denn hinsichtlich sogenannter "hundertprozentiger" Chancen herrschte Fehlanzeige. Die beiden vielleicht bemerkenswertesten Situationen waren der Versuch von Hamburgs Christine Schoknecht, in der 18. Minute die zweite Ecke des HSV direkt zu verwandeln - Saarbrückens Torfrau Romina Holz konnte gerade noch zur erneuten Ecke fausten -, und ein direkter Freistoß von Saarbrückens Lisa Schwab in der 38. Minute, den Hamburgs Torfrau Bianca Weech sicher fangen konnte.
Die zweite Halbzeit entwickelte sich zunächst genauso wie die erste. Ruhende Bälle, zunächst waren es Eckbälle, sorgten dafür, dass der Ball immer wieder mal gefährlich vor die beiden Tore kam, ohne dass für eine Seite die ganz große Möglichkeit daraus


Ohne Worte.

entstand. Die Uhr begann nun erbarmungslos herunterzuticken, gegen Saarbrücken, aber für den HSV.
In der 66. Minute gab es im linken Mittelfeld in etwa 40 Metern Torentfernung einen Freistoß für Saarbrücken. Der Ball wurde lang in die rechte Strafraumhälfte des HSV geschlagen. Dort sprang Saarbrückens Selina Wagner am höchsten und beförderte den Ball per Kopf zum 1:0 für Saarbrücken ins Hamburger Tor. Der stimmkräftige Anhang der Saarländerinnen jubelte berechtigter Weise, der Hamburger Anhang fühlte sich wie nach einem kräftigen Tritt vors Schienbein. Das HSV-Team ließ sich durch den Rückschlag allerdings nicht schocken, dieser wirkte eher wie ein Weckruf. Das eher zögerliche und ungenaue Spiel in die Spitze, das der HSV bislang gezeigt hatte, war plötzlich vergessen, energisch gingen die Spielerinnen nun in die Zweikämpfe. In der 70. Minute gab es eine beinahe spiegelverkehrte Situation wie beim 0:1-Rückstand. Hamburgs Angelina Lübcke spielte auf der rechten Seite einen Freistoß aus etwa 40 Metern Torentfernung hoch in die linke Hälfte des Saarbrücker Strafraums. Dort erwischte ihn die sechs Minuten vorher eingewechselte Denise Lehmann und schob ihn mit dem Fuß ins lange Eck zum umjubelten 1:1-Ausgleich.

Ausgleich - Denise Lehmann schießt Hamburg zum Klassenerhalt.

Zwei Minuten später gab es erneut Aufregung im Saarbrücker Strafraum, als Hamburgs Katrin Patzke sich in der linken Strafraumhälfte durchsetzte und den Ball in die Mitte zu ihrer mitgelaufenen Sturmpartnerin Tanja Vreden passte. Vreden und eine Saarbrücker Abwehrspielerin trafen den Ball gleichzeitig und dieser ging über das Tor hinweg, Vreden allerdings blieb verletzt liegen, konnte aber nach kurzer Behandlungspause weiterspielen.
In der 77. Minute gab es wiederum eine gefährliche Situation im Hamburger Strafraum. Wieder war es ein lang geschlagener Saarbrücker Freistoß aus dem linken Mittelfeld, diesmal allerdings


konnte Weech den Ball gerade noch vor der Torlinie unter Kontrolle bringen. Für die letzte gefährliche Situation vor dem Saarbrücker Tor sorgte in der 85. Minute Schoknecht, als sie einen Konter mit einem hohen Schuss abschloss, den Romina Holz gerade noch über die Latte lenken konnte.
Die letzten Minuten der Partie sahen dann fast schon verzweifelt zu nennende Angriffe und Schussversuche des 1. FC Saarbrücken. Die Spannung im Stadion stieg mit jeder Sekunde. Die Zuschauer, die nicht eines der beiden Teams anfeuerten, kauten (zumindest im Geiste) auf den Fingernägeln. Würde noch ein Last-Minute-Tor fallen, wie man sie ja bei der gerade laufenden Männer-EM gesehen hatte?
Dann, nach 94 Minuten kam der Schlusspfiff - erlösend für den HSV, vernichtend für Saarbrücken. Spielerinnen beider Mannschaften sanken auf den Rasen, die einen von einer Zentnerlast befreit, die anderen verzweifelt.

Fazit: Ein nervenaufreibender Saisonabschluss für beide Teams, die bis zuletzt alles gegeben hatten, ist vorbei. Aus Hamburger Sicht bleibt die Hoffnung, dass die nächsten Spielzeiten eine deutlich entspanntere letzte Partie zu bieten haben. Dem 1. FC Saarbrücken ist zu wünschen, dass sein junges Team zusammenbleibt und bereits in der kommenden Saison den Wiederaufstieg schafft!

Statistik

Hamburg
Weech - Lübcke, Gärtner, Haye, Schulz (46. Freese) - Schubert (64. Lehmann), Plessen, Saländer (78. Wübbenhorst), Schoknecht - Vreden, Patzke

Saarbrücken
Holz - Cronkrite, Hinsberger, Henning, Leykauf - Wagner, Karnbach (74. Kraus), Blank, Budge - Marozsan, Schwab

Tore
0:1 Wagner (66.)
1:1 Lehmann (70.)

Gelb
Schulz, Schwab, Blank

Schiedsrichterin
Riem Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer: 1.280

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