Text von Tom Schlimme Bilder von Volker Lieberum 14.4.2008
Oft wurde nach Frankfurter Siegen die These bemüht, die Gegner hätten von vorneherein zu zögerlich und ängstlich agiert. Man müsse gegen Frankfurt nur mutig nach vorne spielen, den „Hühnerhaufen” von Abwehr mal richtig fordern, und schon würde der Riese wackeln und wanken. Nun, Wolfsburg spielte heute nach diesem Prinzip. Mutig, kampfstark, lauffreudig, stellenweise mit schönen Kombinationen, streckenweise wirklich schön anzusehen. Der Lohn? 6:0 für Frankfurt.
In meinen Augen eine kleine Ehrenrettung für die vielen Trainer, die in der Vergangenheit mit vorsichtigeren taktischen Konzepten im Frankfurter Stadion ihre Aufwartung gemacht haben. Dabei stimme ich der in der Pressekonferenz nach dem Spiel geäußerten Ansicht von Wolfsburg Co-Trainer Frank Pichatzek zu, der Sieg ist etwas zu hoch ausgefallen, da war auch eine Portion Glück im Spiel, jedenfalls auf Frankfurter Seite. Die Wolfsburgerinnen spielten sich eine ganze Reihe von Chancen heraus und hätten durchaus einen oder vielleicht auch zwei Treffer verdient gehabt.
 Kerstin Garefrekes (hinten), hier gegen Nicole Boroczinski, riss die Wolfsburger Abwehr vor allem über rechts immer wieder auf
Doch an der Berechtigung eines klaren Frankfurter Sieges gibt es nichts zu deuteln. Gerade durch die Bemühungen des VfL, das Spiel offen zu halten, so zu spielen, als spiele man gegen einen gleichstarken Gegner, wurde deutlich, worauf letztlich die Frankfurter Überlegenheit beruht: auf der individuellen Klasse der Spielerinnen. Dabei präsentierten sich die Wolfsburgerinnen gar nicht schlecht, sowohl technisch als auch vom läuferischen oder kämpferischen her, nur waren die Frankfurterinnen dann doch eigentlich auf allen Positionen einen Tick besser.
 Wolfsburgs Co-Trainer Frank Pichatzek auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Chefcoach Bernd Huneke konnte wegen der Konfirmation seiner Tochter nicht mit nach Frankfurt fahren.
Das fing an im Tor: Wolfsburgs Keeperin Anne Rißling spielte fehlerlos und war für keinen der sechs Treffer verantwortlich. Ihre Konkurrentin Stephanie Ullrich, die in Vertretung der angeschlagenen Silke Rottenberg das Frankfurter Tor hütete, zeigte jedoch einige Glanzparaden und hielt ein bis zwei „unhaltbare”, so mit Fußabwehr gegen Martina Müller aus kurzer Distanz. Ullrich erhielt dann auch für ihre Leistung ein Sonderlob ihres Trainers Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, der an ihrem Beispiel herausstrich, wie wichtig es sei, eine hervorragend besetzte Bank zu haben.
Es geht weiter in der Abwehr: Wolfsburgs Innenverteidigung mit Andrea Wilkens und Lisa Eichholz hielt durchaus gehobenen Ansprüchen stand, doch die Frankfurter Innenverteidigerinnen Gina Lewandowski und Tina Wunderlich präsentierten sich eben doch deutlich sicherer, wobei
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Am Einsatz mangelte es nicht! Hier wirft sich Wolfsburgs Martina Müller, kämpferisch stark wie immer, Petra Wimbersky in die Parade. Doch am Ende hatten die Frankfurterinnen die Nase weit vorn
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Tina Wunderlich eine ähnlich starke Leistung bot wie im Pokal-Halbfinale in München. Also bärenstark! Alexandra Krieger auf der linken Position in der Frankfurter Viererkette klar besser als Juliane Höfler auf der gleichen Position bei Wolfsburg, Katrin Kliehm auf rechts besser als Maren Tetzlaff bei Wolfsburg rechts, und so zieht sich das durch.
Die beiden Wolfsburger Spitzen Martina Müller und Shelley Thompson sorgten immer wieder für Gefahr, vor allem Müller kam auch zu einigen guten Chancen. Unterstützt wurden sie von Nicole Boroczinski oder auch von Anna Blässe, die oft mit nach vorne kamen. Doch im Vergleich mit Birgit Prinz, Conny Pohlers und Petra Wimbersky auf der anderen Seite war kein Blumentopf zu gewinnen. Sowohl Müller als auch Thompson sind allgemein als Vollstreckerinnen bekannt, doch bei einigen von ihnen vergebenen Gelegenheiten hatte man schon das Gefühl, dass die Frankfurter Stürmerinnen das Ding reingemacht hätten. So den Versuch eines Hebers von Thompson, als Ullrich sich nur zu strecken brauchte, um das Leder zu erhaschen, oder bei einigen zu schwachen Schüssen.
 Das 5:0 durch Conny Pohlers: Pohlers hat Keeperin Anne Rißling schon umkurvt und läuft fast mit dem Ball ins Tor
„Frankfurt hat so gespielt, wie wir es eigentlich vorhatten!”, verriet Co-Trainer Pichatzek hinterher. „So”, das hieß, mit frühem Stören Bälle erobern, die Abwehr über die Außenpositionen aufreißen, stark im Zweikampf und mit schönem Kombinationsspiel den Ball laufen lassen. Dies gelang der konzentriert wirkenden Frankfurter Mannschaft überzeugend, bei Wolfsburg waren gute Ansätze zu erkennen.
 Shelley Thompson konnte ihre Gefährlichkeit heute nur andeuten
Die Tore: beim 1:0 trieb Pohlers nach einer Balleroberung im Mittelfeld das Leder schnell nach vorne und zog dabei drei Abwehrspielerinnen auf sich, schickte Prinz mit klugem Pass in die Spitze, die umspielte die herauslaufende Rißling und schoss ein. Beim zweiten Tor war Kerstin Garefrekes auf dem rechten Flügel mal wieder nicht zu bremsen, ihre Hereingabe verwandelte Prinz mit dem Kopf. Das dritte Tor war ein
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von Prinz äußerst sicher verwandelter Foulelfmeter (Eichholz an Lingor). Beim vierten Treffer setzte sich Prinz links mehrfach gestört doch noch durch, Pohlers konnte ihre Hereingabe dann freistehend einköpfen. Pohlers umspielte dann Rissling an der Strafraumgrenze und schob zum fünften Treffer ein, den sechsten erzielte Wimbersky mit sattem Schuss nach Flanke von Pohlers vom rechten Flügel.
Für Wolfsburg kam Navina Omilade zu einem Kopfball an die Latte, etliche aussichtsreiche Schüsse von Martina Müller wurden gerade noch zur Ecke abgewehrt, Thompson mit dem erwähnten Versuch eines Hebers über Ullrich und etliche Kopfballversuche nach Ecken waren weitere Wolfsburger Gelegenheiten, so dass ich das Chancenverhältnis etwa bei drei bis vier zu eins ansiedeln würde, das 6:0 also wie gesagt als zu hoch einstufe. Aber das interessiert bald niemanden mehr. Am Donnerstag fliegt die Frankfurter Mannschaft zum Pokalendspiel nach Berlin, und die Generalprobe heute kann man nur als gelungen bezeichnen.
 Dieses Tor durch Petra Wimbersky bildete den Abschluss eines unterhaltsamen Spieles. Keeperin Anne Rißling hatte keine Chance, und auch Maren Tetzlaff im Hintergrund kann nicht mehr eingreifen
1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Kliehm, Lewandowski (76. Künzer), Wunderlich, Krieger - Lingor (76. Weber), Thomas, Garefrekes (66. Smisek), Wimbersky, Prinz, Pohlers
VfL Wolfsburg:
Rißling - Tetzlaff, Eichholz, Wilkens, Höfler (68. Unzeitig) - Carlson, Omilade, Boroczinski (76. Freimuth), Blässe, Thompson, Müller
Tore:
1:0 Prinz (15.)
2:0 Prinz (36.)
3:0 Prinz (FE, 38.)
4:0 Pohlers (71.)
5:0 Pohlers (85.)
6:0 Wimbersky (89.)
Gelbe Karten: Eichholz, Tetzlaff, Müller
Schiedsrichterin: Sandra Pansch (Ahrensburg) in ihrem ersten Einsatz in der 1. Bundesliga. Mein Eindruck: ordentlich!
Zuschauer: offiziell 1330
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