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1. Bundesliga, 10. Spieltag

Frankfurt obenauf

1. FFC Frankfurt - FCR Duisburg 4:0 (1:0)

Text von Tom Schlimme

25.02.2008   Vor dem Spiel trennte den Tabellenführer 1. FFC Frankfurt und den Tabellenzweiten FCR Duisburg nur ein einziger Minuspunkt. Frankfurt hatte bis dahin vier Zähler abgegeben, Duisburg fünf. Doch nach diesem Gipfeltreffen im Stadion am Brentanobad ist der Unterschied nicht nur auf vier Minuspunkte angewachsen, die Perspektiven der beiden Vereine für den Rest der Saison gehen deutlich auseinander.

So verabschiedete sich Duisburgs neue Trainerin Martina Voss in der Pressekonferenz nach dem Spiel vom Saisonziel Meisterschaft. „Wir haben sehr viele junge, talentierte Spielerinnen im Verein, mit denen wir in den nächsten zwei bis drei Jahren ganz oben mitspielen wollen”, erklärte Voss und verschob damit den angestrebten Titelgewinn in die Zukunft. Doch angesichts des Patzers von Potsdam in Hamburg behält Duisburg vier Punkte Vorsprung vor dem Tabellendritten Potsdam, so dass im Falle eines Gewinns des 1. FFC Frankfurt im Uefa-Cup die jungen Duisburgerinnen sich schon nächstes Jahr auf der inter- nationalen Bühne wiederfinden könnten.

Sonja Fuss und Birgit Prinz

Birgit Prinz spielte heute wie auch schon in Hamburg wieder weiter zurückhängend im Spielaufbau. Hier blockt sie den Ball vor Duisburgs Kapitänin Sonja Fuss

Bild: Volker Lieberum

Der 1. FFC Frankfurt dagegen behält die Saisonziele Meisterschaft, DFB-Pokal und Uefa-Cup weiter vor Augen. Dabei war längst nicht alles Gold, was in diesem Spiel auf Frankfurter Seite glänzte. Eine gehörige Portion Glück war auch dabei, und so spiegelt der hohe Sieg nicht unbedingt den Leistungs- unterschied der beiden Teams an diesem Tage wieder. Nach dem frühen Führungstor durch Conny Pohlers, die einen Fehlpass von Patricia Hanebeck abfing, blitzschnell schaltete und die weit vor dem Kasten stehende FCR-Keeperin Christina Bellinghoven mit einem Lupfer aus gut 25 Metern überwand, war Duisburg zeitweise die bessere Mannschaft.

Sarah Günther

Sarah Günther ist ihre lange Verletzungspause nicht mehr anzumerken. Auf der Position links in der Viererkette stürmte sie fleißig nach vorne, hier angegriffen von Annemieke Kiesel (ganz links) und Sonja Fuss

Bild: Volker Lieberum

Die bessere zweier nicht besonders guter Mannschaften, muss man allerdings einschränken, denn in dieser Phase gelang es beiden Teams selten, den Ball länger als drei Stationen in den eigenen Reihen zu behalten. Wie so oft in einem Spitzenspiel schalteten sich die Mittelfeldreihen gegenseitig aus, und zerstören gelang beiden besser als Aufbau. So war die Partie bei bestem Frühlingswetter und vor einer Rekordkulisse von 2880 Zuschauern, darunter DFB- Präsident Dr. Theo Zwanziger, Bundestrainerin Silvia Neid und Hessens Innenminister Volker Bouffier, nicht immer schön anzusehen.

Direkt nach dem Führungstreffer verpasste Duisburgs Abwehrchefin Annike Krahn, gut gestört von Saskia Bartusiak, mit dem Kopf nur ganz knapp den postwendenden Ausgleich. In der Minute vor dem Pausenpfiff kam wiederum Krahn noch einmal zum Schuss, doch zu schwach, kein Problem für Silke Rottenberg im Tor des 1. FFC Frankfurt. Rottenberg hatte dann noch nach einer guten halben Stunde im Herauslaufen gegen die von Jennifer Oster steil geschickte Turid Knaak zu retten, beide verletzten sich dabei, Rottenberg konnte weitermachen, Knaak mußte später verletzt aufgeben. Eine Chance hatte Duisburg noch vor dem Frankfurter Führungstreffer gehabt, als Patricia Hanebeck einen Eckstoß nach hinten auf van Bonn spielte, diese den Ball sofort steil in den Strafraum gab und Simone Laudehr mit dem Kopf nur knapp verpaßte.


Christina Bellinghoven

Christina Bellinghoven vertrat die verletzte Kathrin Längert im Tor des FCR Duisburg mit einer guten Leistung. Hier hält sie den Ball vor Conny Pohlers (links).

Bild: Volker Lieberum

Damit sind die Duisburger Chancen der ersten Hälfte aber schon aufgezählt, so dass man trotz einer leichten Feldüberlegenheit nicht gerade von überzeugender Effektivität sprechen kann. Auf Frankfurter Seite steht ein schöner Schuss aus der Drehung von Petra Wimbersky, steil angespielt von Pia Wunderlich in der 5. Minute auf dem Zettel, den Bellinghoven aber ohne Probleme hielt. Dann eine gute Gelegenheit in der 22. Minute, als Pohlers sich auf dem rechten Flügel durchsetzte und zwei Frankfurterinnen ihre scharfe Hereingabe in Tornähe verpaßten. Dann hielt Bellinghoven einen Schuss von Birgit Prinz und klärte später aufmerksam im Herauslaufen wieder vor Prinz.

Tor durch Sarah Günther Tor durch Sarah Günther Tor durch Sarah Günther

Sarah Günther nimmt den Ball volley, Anne van Bonn fälscht ab, unhaltbar für Christina Bellinghoven steht es 2:0 für Frankfurt

Bilder: Tom Schlimme

Zu dem Verletzungspech, das die Duisburgerinnen seit Wochen verfolgt, kam dann der Ausfall von Inka Grings nach 30 Minuten wegen Oberschenkelproblemen. Grings hatte ohnehin stark angeschlagen mit einem Bänderiss im Fußgelenk gespielt. Turid Knaak mußte dann in der 50. den Platz verlassen, so dass die komplette Duisburger Offensivabteilung ersetzt werden mußte. Für sie kamen die jungen Irini Ioannidou, Steffi Goddard und später noch Marina Hegering für Jennifer Oster. Beim 1. FFC Frankfurt dagegen konnte man zum Seitenwechsel mit Renate Lingor und Sarah Günther zwei Hochkaräter ins Spiel bringen, die auch prompt frischen Wind in die Partie brachten.

Tor durch Sandra Smisek

Sandra Smisek (rechts neben dem Pfosten) hat sich gegen Annike Krahn (mit der 13) durchgesetzt und mit unhaltbarem Kopfball das 3:0 erzielt. Petra Wimbersky freut sich, Anne van Bonn schaut eher bedröppelt, und Christina Bellinghoven steckt sich vergebens

Bild: Volker Lieberum

Sarah Günther war es dann auch, die in der 49. Minute einen hoch hereingebenen Freistoß von Sandra Smisek einfach volley nahm und das Glück hatte, dass van


Bonn den Ball unglücklich an die Hüfte bekam, so dass der Schuss abgefälscht wurde und unhaltbar zum 2:0 ins Tor ging. Jetzt spielte fast nur noch der 1. FFC, bei dem es jetzt insgesamt viel besser lief. Eine Ecke von Birgit Prinz verwandelte Sandra Smisek mit dem Kopf zum 3:0, und beim 4:0 gab Alexandra Krieger, heute rechts in der Viererkette, eine Flanke so genial in den Strafraum, dass der Ball im Tor landete. Wahrscheinlich keine Absicht, aber der frischgebackenen US-National- spielerin dürfte es trotzdem recht gewesen sein.

Erst in der Schlussphase kam Duisburg noch einmal zu zwingenden Chancen, doch Hanebeck verpasste nach Zuspiel von Laudehr, die sich dann später selbst noch einmal schön in der Mitte durchsetzen konnte, Rottenberg ausspielte, aber den Ball dann doch um Haaresbreite am Pfosten vorbei zirkelte. In der 90. Minute kam dann Goddard vor Rottenberg frei zum Schuss, doch dieser kam zu schwach, um das Tor der Nationalkeeperin zu gefährden. So läßt sich der größte Unterschied zwischen Frankfurt und Duisburg am heutigen Tage wohl in der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und der daraus folgenden Chancenausbeute festmachen.

Alexandra Krieger

Alexandra Krieger spielte kürzlich das erste Mal für die A-Nationalmannschaft der USA. Hier nimmt sie Anlauf zu ihrer Flanke, die zum 4:0 im Tor landen sollte

Bild: Volker Lieberum



1. FFC Frankfurt

Rottenberg - Krieger, Lewandowski, T. Wunderlich, Bartusiak (46. Günther) - Weber, P. Wunderlich (46. Lingor), Prinz, Smisek, Wimbersky, Pohlers (81. Huth)

FCR Duisburg

Bellinghoven - van Bonn, Fuss, Krahn, Pedersen - Kiesel, Oster (56. Hegering), Laudehr, Hanebeck, Knaak (50. Goddard), Grings (30. Ioannidou)

Tore:
1:0 Pohlers (16.)
2:0 Günther (49.)
3:0 Smisek (60.)
4:0 Krieger (73.)

Gelbe Karten: van Bonn, Laudehr, Ioannidou

Schiedsrichterin: Moiken Jung (Worms)

Zuschauer: 2880


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