Fansoccer-Logo

1. Bundesliga, 22. Spieltag

Das Meisterstück

1. FFC Frankfurt - SG Essen Schönebeck 5:1 (4:1)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Volker Lieberum

17.06.2008   Am Ende einer langen Saison, die für etliche Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt über 50 Pflichtspiele gebracht hatte (Nationalmannschaft, DFB-Pokal, UEFA-Cup mitgerechnet), stand dann doch ein ganz großer Erfolg: zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte wurde das Triple eingefahren, nach DFB-Pokal und UEFA-Cup wurde durch einen Sieg gegen die SG Essen Schönebeck die siebte deutsche Meisterschaft des 1. FFC Frankfurt klar gemacht.

Dabei waren die Spielerinnen aus Essen mit dem Versprechen an den Ruhrpottnachbarn FCR Duisburg angereist, alles zu geben, um den Frankfurterinnen noch den Meistertitel zu entreißen. Angesichts des derzeitigen Essener Laufs (6 Siege in den letzten 7 Spielen) kein unmöglicher Versuch. Doch zwei Tage Erholungspause für die Spielerinnen nach der schlechten Frankfurter Leistung in Duisburg, als der FFC nur mit viel Glück das Unentschieden über die Zeit und den Ein-Punkte-Vorsprung retten konnte, reichten, um die Batterien noch einmal so aufzuladen, dass das Spiel und damit die Meisterschaft zur Halbzeitpause bereits entschieden war.

Birgit Prinz

Birgit Prinz (rechts, gegen Susanne Kasperczyk) präsentierte sich heute wieder gewohnt stark und erzielte vor den Augen von Meike Weber (hinten links) und Schiedsrichterin Anja Kunick drei Tore

Allerdings kam den Frankfurterinnen dabei eine deutlich erkennbare Nervosität vor allem der Abwehrspielerinnen der SG Essen Schönebeck zugute. 4500 Zuschauer waren gekommen, um den Saisonabschluss mitzuerleben (Rekordkulisse am Brentanobad!), und machten trotz zeitweise strömenden Regen richtig Krach. Ungewöhnlich für die sonst als leise geltenden Frankfurter Fans, und offensichtlich kamen die Frankfurter Spielerinnen mit dieser Kulisse wesentlich besser zurecht als die Essenerinnen. Diese begannen zwar offensiv, gleich zu Beginn mit guten Aktionen nach vorne und oft mit vier Spitzen ganz vorne auf gleicher Höhe, aber nach hinten eben zu unsicher.

Conny Pohlers und Carina Chojnacki

Carina Chojnacki (am Boden) hatte gegen Conny Pohlers einen sehr schweren Stand

Vor allem Carina Chojnacki auf der rechten Essener Abwehrseite, sonst oft eine Bank, erwischte einen schwarzen Tag, ihr verprangen etliche Bälle und sie verlor zu viele Zweikämpfe. So auch gegen Conny Pohlers in der neunten Minute, die sich links am Strafraum sowohl an Chojnacki als auch an Marina Himminghofen vorbeispielte und nach innen passte, wo Birgit Prinz eiskalt verwandeln konnte. „Meine Spielerinnen haben den Druck gespürt, der eigentlich auf Frankfurt hätte liegen müssen!” erkannte Essens Trainer Ralf Agolli später, und führte dies auf die ungewohnte Kulisse zurück.

Man muss allerdings auch anerkennen, dass die Frankfurter Offensivabteilung an diesem Tag wieder in Normalform, das heißt richtig gut, agierte. Für die im Training am Knie verletzte Petra Wimbersky standen diesmal Sandra Smisek und Conny Pohlers gleichzeitig auf dem Platz und die beiden sonst meist gegeneinander eingewechselten Spitzen harmonierten prächtig. In der 24. Minute profitierte davon wiederum


3:0 durch Kerstin Garefrekes

Kerstin Garefrekes köpft hier zum 3:0 für Frankfurt ein. Essens Keeperin Lisa Weiss kommt zu spät

Prinz und schoss das 2:0 nach Zuspiel von Smisek, die den Ball von Pohlers übernommen hatte. Diesmal hatte sich Pohlers auf der linken Essener Abwehrseite durchgesetzt. Nur eine Minute später köpfte dann Kerstin Garefrekes einen von Smisek hereingegebenen Eckstoß zum 3:0 in die Maschen, und damit waren Spiel und Meisterschaft entschieden.

Smisek selber besorgte dann auch noch das 4:0 nach Zusammenspiel mit Pohlers, in dem sie den Ball schön über Essens Torhüterin Lisa Weiss hob, die bei keinem der Tore eine echte Chance hatte. An der offensiven Grundhaltung änderten die Essener Spielerinnen aber nichts, und so gelang ihnen dann immerhin der Anschlusstreffer. Bei einem hohen Ball stießen Frankfurts Abwehrspielerinnen Saskia Bartusiak und Gina Lewandowski mit den Köpfen zusammen. Bartusiak blieb liegen und mußte dann mit einer blutenden Platzwunde ausgewechselt werden, der Ball kam nach rechts zu Isabelle Linden, „Bella” flankte präzise nach innen und Steffi Weichelt ließ Keeperin Silke Rottenberg keine Chance.

Meistens blieben die Essener Angriffe allerdings spätestens an der Strafraumgrenze hängen, die Frankfurter Abwehr mit der wieder einmal ganz starken Tina Wunderlich stand sicher. Von Linda Bresonik, die ihrem künftigen Verein die Meisterschaft hätte sichern können, sah man außer einem Fernschuss hoch über den Kasten wenig, Melanie Hoffmann blieb ebenfalls blass, Weichelt war noch die agilste der Essener Angreiferinnen, was ja auch gerechterweise mit einem Tor belohnt wurde.

Aus der Pause kam Essen dann mit umgebauter Abwehr, Franceska Weber für Chojacki, Inka Weseley rückte auf rechts und Susanne Kasperczyk aus der Mitte nach links. Damit stand Essen hinten nun sicherer, oder Frankfurt ließ es gemächlicher angehen, wie immer schwer zu beurteilen.

Ein Tor fiel trotzdem noch, Conny Pohlers spielte sich in den Strafraum, umspielte die herauseilende Keeperin Weiss, die Pohlers noch am Fuß erwischte. Klarer Elfmeter, klare Sache für Birgit Prinz, die damit auf 25 Saisontore kam. Eines weniger als Inka Grings, die so wenigstens die Torjägerkanone nach Duisburg holen konnte. Die Zuschauer verfolgten das Spiel begeistert, durch das Stadion am Brentanobad schwappte die Welle, was es hier so noch nie vorher gegeben hat.

Foul im Strafraum

Hier erwischt Keeperin Lisa Weiß Conny Pohlers am Fuss. An der Berechtigung dieses Elfmeters gab es nichts zu deuteln

Dabei stand das Spiel auch im Zeichen des Abschieds von Spielerinnen, die lange Zeit das Gesicht des 1. FFC Frankfurt geprägt haben. Renate Lingor, Nia Künzer und Louise Hansen werden ihre Karriere beenden, schön, dass Künzer und Hansen gegen Ende unter großem Beifall des Publikums noch einmal eingewechselt werden konnten. Lingor berichtete gegenüber dem Fernsehreporter, dass sie nach ihrer Schulterverletzung voll im Plan


liege und sich nach wie vor gute Chancen ausrechne, bis Olympia wieder fit zu sein.

Abschied großer Spielerinnen

Große Persönlichkeiten beenden ihre Karriere: Vor dem Spiel wurden Renate Lingor, (ganz links neben FFC-Vorstand Bodo Adler), Nia Künzer, Louise Hansen (neben FFC-Schatzmeisterin Annelie Hauptvogel), und Dr. Hans-Jürgen Tritschoks verabschiedet. Rechts im Bild Commerzbankchef Klaus Müller, im Hintergrund FFC-Manager Siggi Dietrich und ganz rechts die FFC-Vorstandsvorsitzende Doris Dietmayer

Aber auch Dr. Hans-Jürgen Tritschoks wurde verabschiedet. Nach vier äußerst erfolgreichen Jahren ist ihm durch das Erreichen des Triples ein Abschied auf dem Höhepunkt vergönnt. Tritschoks, der aus beruflichen Gründen als Trainer aufhört, zeigte sich stolz auf seine Mannschaft, die trotz zahlreicher Verletzungen und der großen Belastungen die hochgesteckten Ziele erreicht hat. Jetzt gelte es, den Erfolg zu genießen und einfach zu feiern.

Jubel beim 1. FFC Frankfurt

Die älteste trägt die jüngste: Die 36-jährige Keeperin Silke Rottenberg hebt Svenja Huth in die Höhe, das 17-jährige Küken der Mannschaft

Gefeiert wurde dann noch lange nach dem Spiel, erst im Stadion und dann auch noch vor dem und im Frankfurter Rathaus, wo sich die Spielerinnen - mal wieder - ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt eintrugen, begleitet von den Glückwünschen der Oberbürgermeisterin Petra Roth. Frankfurts Fußballspielerinnen sind ein Aushängeschild der ganzen Stadt geworden. Ich hoffe, dass die Frankfurter Stadtpolitiker nicht vergessen, die versprochene Sanierung des stadteigenen Stadions am Brentanobad endlich durchzuführen, daran sei bei dieser Gelegenheit einmal erinnert.

1. FFC Frankfurt:
Rottenberg - Kliehm, T. Wunderlich, Lewandowski (77. Künzer), Bartusiak (33. Günther) - Weber, Krieger (80. Hansen), Garefrekes, Prinz, Smisek, Pohlers

SG Essen-Schönebeck:
Weiss - Chojnacki (46. Weber), Himminghofen, Mpalaskas, Weseley - Kasperczyk, Deilmann (65. Kowalik), Bresonik, Hoffmann, Linden (75. Laihanen), Weichelt

Tore:
1:0 Prinz (9.)
2:0 Prinz (24.)
3:0 Garefrekes (25.)
4:0 Smisek (28.)
4:1 Weichelt (31.)
5:1 Prinz (67. FE)

Gelbe Karte: Chojnacki

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Chemnitz)

Zuschauer: 4520


Zur 1. Bundesliga

Zur FanSoccer-Startseite