Text von Tom Schlimme Bilder von Volker Lieberum 19.11.2007
Mit einer guten ersten Halbzeit, in der flotte Kombinationen zu sehen waren, verdiente sich der amtierende deutsche Meister einen souveränen Erfolg über den TSV Crailsheim. Doch auch in Crailsheim darf man zufrieden sein mit dem Ergebnis, denn hier in Frankfurt wurden in den ersten drei Heimspielen dieser noch jungen Saison schon München, Hamburg und Freiburg mit deutlich klareren Ergebnissen nach Hause geschickt.
Allerdings weiß natürlich keiner, wie dieses Spiel gelaufen wäre, stünde das Team des 1. FFC Frankfurts nicht mitten in schweren englischen Wochen und kurz vor dem ungemein wichtigen Aufeinandertreffen mit dem russischen Meister Rossiyanka im Rückspiel des Viertelfinales im Uefa-Cup. Am Donnerstag endete das Hinspiel in Russland mit einem 0:0, was keinesfalls als gute Ausgangsbasis betrachtet werden kann, denn nun muss der FFC das Rückspiel am Mittwoch auf jeden Fall gewinnen. Um so besser also für die Frankfurterinnen, dass sie nach dem lockeren Sieg gegen Crailsheim mit einem Erfolgserlebnis im Rücken in dieses Spiel gehen können.
 Frankfurts Kerstin Garefrekes setzt sich hier gegen Daniela Held durch
Etwas Glück bzw. eine fragwürdige Schiedsrichterentscheidung gehörte dabei dazu. Bereits in der 2. Spielminute kickte Frankfurts linke Verteidigerin Saskia Bartusiak einen Freistoß von Daniela Held aus kürzester Entfernung volley in die Arme von Frankfurts Keeperin Silke Rottenberg, die gar nicht anders konnte, als diesen Ball festhalten. Für Crailsheims Trainer Günther Wörle ein klarer Rückpass, der seiner Meinung nach mit einem indirekten Freistoß hätte geahndet werden müssen. Trotz Wörles Protesten ließ Schiedsrichterin Monique Klauß aber weiterspielen.
 Eine typische Szene in diesem Spiel: Conny Pohlers (ganz links) verpasst knapp das Tor. Crailsheims Spielführerin Ramona Treyer und Keeperin Stefanie Kübler sehen es mit Erleichterung
Nun ging es aber nur noch in Richtung Crailsheimer Tor. Stefanie Kübler zwischen den Pfosten brauchte sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. In der sechsten Minute zeigte sie einen Klassereflex gegen einen Schuss von Conny Pohlers, in der siebten pflückte sie eine Flanke von Kerstin Garefrekes gerade noch vor der einschussbereiten Petra Wimbersky, in der achten hatte Kübler dann einfach Glück, als ein Ball von Garefrekes an den langen Pfosten und von dort Kübler in die Arme sprang. In der neunten Minute ging dann nach einer scharfen Pohlers-Flanke ein Kopfball der heute im offensiven Mittelfeld eingesetzten Alexandra Krieger (Gina Lewandowsi nahm dafür ihren Platz in der Innenverteidigung ein) über die Latte.
Pohlers war klar die agilste Frankfurter Stürmerin in diesem Spiel. Nach schönem Zusammenspiel mit Krieger verfehlte sie aber mit einem Schuss das Crailsheimer Tor. Pohlers zeigte sich wieder so, wie man sie aus ihrer besten Potsdamer Zeit in Erinnerung hat, wühlend, kämpfend, immer wieder Torchancen herausarbeitend, aber mit nicht ganz optimaler Chancenausbeute. Wenn sie dann wie heute bei acht Chancen zweimal trifft, hilft das dem Verein aber allemal zum Erfolg. In der 14. Minute vergab Pohlers noch eine hochkarätige, als sie im Strafraum nach einer Flanke von Wimbersky und schönem Zuspiel von Krieger einen Moment mit dem Ball am Fuß frei war, dann aber eine Drehung zuviel machte und damit der herbeieilenden Held die Gelegenheit gab, ihr den Ball noch wegzuspitzeln.
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Das 1:0 durch Conny Pohlers. Crailsheims Keeperin Stefanie Kübler hatte eben erst einen harten Kopfball von Pohlers abgewehrt, bei diesem Nachschuss hatte sie keine Chance mehr
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In der 21. Minute aber machte Pohlers dann alles richtig. Nach Zuspiel von Garefrekes kam sie zu einem wuchtigen Kopfball, den Kübler nur abklatschen konnte, den Nachschuss versenkte Pohlers dann zur verdienten Frankfurter Führung. Es ging weiter mit einer guten Chance für Wimbersky, die Kübler vereiteln konnte. Dann fischte Kübler einen Schuss von Pohlers noch aus dem Eck. Stark auch eine Szene von Pohlers in der 28. Minute, als sie Kübler an der Strafraumgrenze ausspielte, sich gegen Jasmin Goodman durchsetzen und von der Torauslinie einen Rückpass in den Strafraum geben konnte, doch Katrin Kliehm wurde von Held dann am Schuss gehindert, gab den Ball weiter zurück, und ein Schuss von der Strafraumgrenze (von Krieger?) ging dann über das leere Tor.
 Saskia Bartusiak hat hier Annika Höß (am Boden) ausgespielt, jetzt eilt Carolin Hörber herbei
In der 31. Minute gab dann die starke Meike Weber einen Eckball gefährlich in den Fünfmeterraum. Goodman störte ihre Keeperin Kübler, der Ball kam unglücklich zur Strafraumgrenze zu Krieger, diese gab das Leder sofort steil auf Wimbersky, die es brasilianisch mit der Hacke zum 2:0 ins Tor lenkte. Wenig später setzte sich wieder einmal Pohlers gegen drei Gegenspielerinnen durch, hatte mit dem Ball am Fuß im Strafraum nur noch Kübler gegen sich, doch Crailsheims Keeperin blieb Siegerin in diesem Duell. Etwa fünf Minuten vor dem Pausenpfiff kam dann Crailsheims Spitze Julia Manger zur bis dahin besten Chance für die Gäste, als sie von Bettina Grossmann steil geschickt gegen Lewandowski ihre Schnelligkeit ausspielten konnte und zu einem harten und platzierten Schuss kam, den aber Frankfurts Keeperin Silke Rottenberg mit einer Glanzparade entschärfte.
 Die US-Amerikanerin Alexandra Krieger, sonst als Innenverteidigerin eingesetzt, spielte heute im offensiven Mittelfeld und erwies sich auch hier als Verstärkung für das Frankfurter Team. Im Hintergrund greift Carina Breunig an
Zur zweiten Halbzeit wechselte Crailsheims Trainer dann Claudia Nußelt und Tanja Wörle ein, und Crailsheim wurde deutlich stärker. Das Spiel war in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit fast ausgeglichen, wobei Nußelt für einige Gefahr vor dem Frankfurter Tor sorgen konnte. Aber auch ein Schuss von Carolin Hörber, die genau auf Rottenberg zielte, hätte gefährlich werden können, wäre er mehr in die Ecke gegangen. Vor dem Crailsheimer Tor rettete Carina Breunig vor Krieger, dann setzte sich, wer wohl, Pohlers wieder einmal rechts durch, schöner Pass in den Strafraum, doch Kliehm bekommt den Ball frei vor dem Tor nicht unter Kontrolle. Es ging weiter mit einer Großchance für Garefrekes, die sich in der Mitte durchsetzte, aber Annika Höß lenkte den Ball gerade noch zur Ecke.
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Nach genialem Steilpass von Weber erzielte Pohlers dann schließlich in der 65. Minute das alles entscheidende 3:0. Crailsheim gab nicht auf, wurde offensiver und Rottenberg mußte einige Male im Herauslaufen Kopf und Kragen gegen Crailsheimer Stürmerinnen riskieren, wobei es zu einem heftigen, zum Glück folgenlosen Zusammenprall mit Nußelt kam. In der 81. Minute mußte Rottenberg wieder heraus, wehrte gegen Breunig ab, der Ball prallte zu Ramona Treyer, und Crailsheims Kapitänin zog aus gut 20 Metern ins leere Tor ab. Bei diesem 3:1 Ergebnis blieb es dann.
 Ramona Treyer erzielte den Crailsheimer Anschlusstreffer
Crailsheims Trainer Günter Wörle wies nach dem Spiel darauf hin, dass er mit der eingewechselten Fanni Vágó und Annika Höß zwei 16-jährige auf dem Platz gehabt hatte. Manager Hubert Oechsner betonte die Zielsetzung Klassenerhalt und bescheinigte dem Team, sich vor allem in der zweiten Halbzeit gut aus der Affäre gezogen zu haben.
Auch Dr. Hans-Jürgen Tritschoks war zufrieden mit seiner Mannschaft. Crailheim habe in dieser Saison immer knapp gespielt und gegen Potsdam 1:0 gewonnen, erinnerte der Frankfurter Trainer. Das Team habe den Ball gut laufen lassen, einzig die Torausbeute sei nicht zufriedenstellend gewesen. Die an den Tag gelegte Spielfreude habe ihm angesichts der hohen Belastung, unter der die Mannschaft zur Zeit stehe, sehr imponiert.
Alle Augen sind in Frankfurt jetzt aber erst mal auf den Uefa-Cup gerichtet. Zwischen 2000 und 3000 Zuschauer werden erwartet, für das Spiel am Mittwoch um 13.30 Uhr sind noch wenige Sitzplatzkarten zu haben.
1. FFC Frankfurt
Rottenberg - Kliehm, Lewandowski, T. Wunderlich, Bartusiak - Weber (74. Lingor), Thomas, Krieger, Garefrekes, Wimbersky (69. Engel), Pohlers
TSV Crailsheim
Kübler - Schwab (46. Wörle), Goodman (46. Nußelt) , Held, Hörber, Treyer, Grossmann, Höß, Breunig, Schmitt, Manger (67. Vágó)
Tore:
1:0 Pohlers (21.)
2:0 Wimbersky (31.)
3:0 Pohlers (65.)
3:1 Treyer (81.)
Gelbe Karten: Weber / Nußelt
Schiedsrichterin: Monique Klauß (Duisburg)
Zuschauer: 1.225
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