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1. Bundesliga, Nachholspiel vom 12. Spieltag

Doppelschlag brachte die Wende

FC Bayern München – 1. FFC Frankfurt 3:2 (2:1)

Text und Fotos von Martin Kochem

05.05.2008   Nur gut eine Woche nach der ersten Saisonpflichtspielniederlage überhaupt (0:1 gegen den SC 07 Bad Neuenahr) kassierte der amtierende Pokalsieger und UEFA-Cup-Finalist 1. FFC Frankfurt mit dem nicht unverdienten 2:3 (1:2) bei den Bayern-Mädels die nächste Pleite und sorgt damit selbst im Kampf um die deutsche Mannschaft weiter für Spannung.

Dabei hatte es für das in diesen Tagen so viel beschäftigte Team von Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks (es war das dritte Spiel in 8 Tagen !) so gut angefangen, denn bereits nach 8 Minuten zappelte der Ball zum ersten Male im Bayern-Netz: nach herrlicher Steilvorlage von Birgit Prinz war es Kerstin Garefrekes, die alleine auf FCB-Torhüterin Ulrike Schmetz zulaufen konnte, diese klassisch umspielte und locker zum 0:1 einschob.

Kerstin Garfrekes

Kerstin Garfrekes (hier im Duell mit Bianca Rech) schoss den Führungstreffer und hätte ihrem 6. Saisontor noch weitere folgen lassen können bzw. müssen, aber es sollte diesmal einfach nicht sein

Bereits kurz zuvor hatte Petra Wimbersky eine sogenannte Hundertprozentige vergeben, indem diese völlig freistehend aus 5 Metern die FCB-Torfrau anschoss, den anschließenden Nachschuss haute die mitgelaufene Conny Pohlers dann meilenweit über das Tor. Die Geschichte drohte eine einseitige Angelegenheit a la Pokalhalbfinale zu werden, als wiederum Garefrekes nach feiner Einzelaktion mit links nur knapp das 2:0 verfehlte (13.) und von den Bayern bis dato aber auch gar nichts zu sehen war.

Alexandra Krieger

Alexandra Krieger (links, hier im Duell gegen Corinna Paukner) offenbarte wie ihre Abwehrkolleginnen in der Defensive so manche Abstimmungsschwierigkeit

Dies änderte sich jedoch schlagartig nach gut 20 Minuten, als es beim ersten ernstzunehmenden FCB-Angriff beinahe geklingelt hätte: Nina Aigner tankte sich über die linke Außenbahn bis zur Grundlinie durch, legte klug zurück auf die mitgelaufene U 19-Nationalspielerin Stefanie Mirlach, doch diese scheiterte gleich mit zwei Versuchen zunächst an Nationaltorhüterin Silke Rottenberg sowie anschließend am Pfosten (24.). Doch diese Aktion schien den FFC aus seiner zunehmend lethargisch wirkenden Abwehrleistung nicht aufzuwecken und so kassierte der Titelverteidiger nur 3 Minuten später dafür prompt die Quittung:

Ein nahezu ähnlicher Angriff über Sandra de Pol und Nina Aigner rief diesmal U 20-Nationalspielerin Christina Schellenberg auf den Plan, welche Aigners maßgeschneiderte Flanke mit einem wuchtigem Kopfball fast von der Strafraumgrenze unhaltbar zum 1:1 ins Netz beförderte – ihr erstes Bundesligator überhaupt! Der Jubel unter den gut 3.500 Zuschauern im Hans-Walter-Wild- Stadion zu Bayreuth war kaum abgeklungen, da legten die nunmehr sichtlich Oberwasser gewinnenden Bayern eiskalt nach:


FCB-Torfrau Ulrike Schmetz

FCB-Torfrau Ulrike Schmetz war zweifellos die Matchwinnerin und mit ihren Paraden ein Garant für den Überraschungssieg der Bayern-Mädels

über die Stationen Schellenberg, Aigner und Mirlach kam der Ball nach zu kurzer Fußabwehr von Tina Wunderlich zu Sandra de Pol, welche die Kugel zwar nicht voll traf, aber Rottenberg derart auf dem falschen Fuß erwischte, dass der Ball quasi in Zeitlupentempo in das von der Schützin aus gesehen rechte untere Eck trudelte.

Der Favorit vom Main zeigte sich durch diesen Doppelschlag aber kaum geschockt und antwortete unmittelbar danach mit wütenden Angriffen. Nachdem Wimbersky zunächst mit links über das Gehäuse gehämmert hatte (30.) war auch Conny Pohlers’ Versuch nur zwei Minuten später nicht von Erfolg gekrönt, als deren von der glänzend reagierenden Torfrau Schmetz abprallende Ball von Bianca Rech gerade noch so von der Linie gekratzt wurde.

Birgit Prinz

Birgit Prinz (hier im Laufduell mit Bianca Rech) kam nicht wie gewohnt zur Geltung und konnte die 2:3-Niederlage ihres FFC nicht verhindern

Auch nach Wiederanpfiff und einem netten Volleyschussversuch Aigners (50.) blieben die Hessinnen, welche übrigens bereits fünf (!) Minuten vor Beginn der 2. Halbzeit wieder auf den Platz zurückgekehrt waren, am Drücker und kamen folgerichtig nach 54 Minuten zum Ausgleich. Ein in seiner Entstehung zugegebenermaßen etwas zweifelhafter Freistoß von Saskia Bartusiak verlängerte ausgerechnet die Ex-Frankfurterin Rech mit dem Hinterkopf in den eigenen Torwinkel – da konnte selbst die ausgezeichnet parierende Schmetz nur tatenlos hinterhersehen...

Eigentor zum 2:2

Das 2:2 - Bianca Rech (Nr. 33) kommt nach Freistoß von Saskia Bartusiak (hinten links) vor Kerstin Garefrekes an den Ball und verlängert diesen mit den Haarspitzen unglücklich und unhaltbar ins eigene Tor

In der Folgezeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, doch vergaben sowohl die natürlich um „Wiedergutmachung“ bemühte Rech (68.) ebenso wie die im letzten Moment von Carmen Roth gebremste Prinz auf der anderen Seite weitere Gelegenheiten. FFC-Coach Tritschoks ahnte schon Böses, als FFC-Schreck Vanessa Bürki nach 70 Minuten für die ausgepumpte U 19-Europameisterin Katharina Baunach eingewechselt wurde – und er sollte Recht behalten. Nach einem de Pol-Freistoß von der linken Seite ließ Rottenberg den sicher geglaubten Ball wieder fallen und nachdem Rech mit ihrem Nachschuss zunächst noch an der Frankfurter Torhüterin gescheitert


war hatte die goldrichtig stehende Bürki dann wenig Mühe, aus kürzester Distanz zum vielumjubelten 3:2 abzustauben (83.).

Heftige Proteste von Rottenberg bei Schiedsrichterin Müller hinsichtlich einer subjektiv empfundenden Behinderung im 5m-Raum blieben erfolglos, da auch die über das gesamte Spiel hinweg gesehen zum Teil indisponiert agierenden Assistentinnen an den Seitenlinien keine Unkorrektheit hatten ausfindig machen können. Mit letzter Kraft versuchte der Tripple-Anwärter das Spiel nochmals zu kippen, doch hämmerte Garefrekes nach schönem Zuspiel von Prinz völlig feistehend über das Gehäuse (85.) und auch die Weltfussballerin selbst scheiterte mit der letzten Gelegenheit an Münchens „Spielerin des Tages“ Ulrike Schmetz (90+2). So blieb es bei der großen Überraschung, welche die zurecht stolze FCB-Trainerin Sissy Raith nach Abpfiff kaum begreifen konnte: „Meine Mannschaft hat nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch voll überzeugt. Die Umstellung auf das 4-3-3 System hat sich letzten Endes ganz klar bezahlt gemacht. Wir wussten, dass der FFC –wenn überhaupt- dann nur in der Abwehr Schwächen hat. Und diese haben wir heute schonungslos ausnutzen können.“ FFC-Coach Tritschoks blieb am Ende hingegen nur die faire Gratulation an die bekanntlich zum Saisonende zum BFV wechselnde Sissy zu deren einmaligen Coup, bedeutete doch das 3:2 in deren 16. und letzten Aufeinandertreffen mit dem übermächtigen FFC der erste Sieg...

Conny Pohlers

Conny Pohlers (Nr. 6) kommt hier zwar vor Corinna Paukner zum Kopfball, blieb jedoch im Abschluss glücklos und diesmal ohne Torerfolg

FC Bayern München:
Schmetz - de Pol, Roth, Eder (80. Würmseer), Rech – Paukner, Mirlach, Schellenberg, Baunach (70. Bürki) - Aigner, N. Banecki

1. FFC Frankfurt:
Rottenberg - T. Wunderlich, Bartusiak, Krieger, Künzer, Kliehm (51. Günther) - Weber (38. Thomas), Krieger, Garefrekes - Prinz, Pohlers (71. Smisek), Wimbersky

Tore:
0:1 Garefrekes (8.)
1:1 Schellenberg (27.)
2:1 de Pol (29.)
2:2 Rech (54./Eigentor)
3:2 Bürki (83.)

Gelbe Karten: Baunach – Pohlers, Günther

Schiedsrichterin: I. Müller (Potsdam)

Zuschauer: 3.500


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