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1. Bundesliga, 1. Spieltag

Die entscheidende Viertelstunde

FFC Heike Rheine : FFC Brauweiler Pulheim 6:2 (2:1)

von Nora Kruse (Text u. Bilder)

11.09.2006

Gleich am ersten Spieltag begegneten sich zwei Mannschaften, die als direkte Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg gesehen werden können, und so mussten die Punkte auf beiden Seiten her. „Wir sind mit der Zielsetzung ins Spiel gegangen, drei Punkte einzufahren“, so Rheines Trainerin Nicole Werner und auch für Gästetrainer Willi Küpper war klar: „Ich will am Ende zwei Mannschaften hinter mir lassen – wer das ist, ist mir egal.“

Im 19köpfigen Kader Küppers stellten sich direkt vor dem Spiel gewisse Probleme: Jessica Kreuzer, Jennifer Lutz und Angela Heitzer sind noch ohne Spielberechtigung, Lena Fehrenbach und Stefanie Löhr weilen im Urlaub. Aus privaten Gründe fehlten außerdem Irmela Koch und Pascale Ziegler. Blieben zwölf Spielerinnen – das war nicht viel, Hilfe musste her und so wurde Sonja Bleibler zum Rücktritt vom Rücktritt bewegt. Mit Stefanie Löhr fehlte sogar die Spielführerin – die Vertretung hieß Paula Balzer. 16 Jahre ist sie jung.

Paula Balzer

Paula Balzer (r.) wirbelte im Mittelfeld und zeigte vollen Einsatz

Dennoch gingen die Gäste sehr engagiert in die Partie und suchten von Beginn an den Weg nach vorne. Den Weg hatten sie auch schnell gefunden, nur die Möglichkeiten ihn zu gehen, fehlten ein wenig: die Pässe waren ungenau, die Bälle wurden verstolpert, es gab Abstimmungsschwierigkeiten – und am Ende landete der Ball dort, wo man ihn als Spielerin äußerst ungerne sieht: beim Gegner. Dort landete er ohne großes Zutun der Rheinenserinnen, denn selbst Nicole Werner bemängelte das wenig energische Spiel in der ersten Halbzeit, in der man nicht nah genug beim Gegner gestanden habe.
Dennoch machten die Brauweilerinnen den aktiveren Eindruck und kamen durch Susanne Kasperczyk in der sechsten Minute zur ersten Torchance. Nutzen konnten die Gäste sie nicht und so zeigte Rheine auf der Gegenseite, was man unter Chancenauswertung versteht: nach einem Fehler von Oana Niculescu in der Brauweiler Abwehr spielte sich Hollands Nationalspielerin Dyanne Bito durch – erste Chance, erstes Tor. Etwas überraschend, aber wer fragt danach. Die Verhältnisse im Spiel änderten sich nach diesem Treffer nicht, das Ergebnis allerdings nochmal, als Bito in der 19. Minute auch ihre zweite Chance erfolgreich abschloss. Optimale Chancenauswertung eben.

Noch immer hatte man nicht den Eindruck, dass Rheine im Spiel überlegen war, es standen zwei ebenbürtige Mannschaften auf dem Platz – die eine nutze ihre wenigen Chancen, die andere spielte ihre Pässe im entscheidenden Augenblick noch immer ins Nirgendwo. Gäste-Stürmerin Mariana Ciorba quittierte jeden Fehlpass ihrer Mannschaft mit ärgerlichen Ausrufen und wurde immer angefressener. Gegenmittel: nicht mehr auf Zuspiele hoffen, das Ding selber in die Hand nehmen. Genau das tat die Rumänin in der 37. Minute. Sie schnappte sich den Ball, rannte in Richtung gegnerische Abwehr, ließ diese stehen und zog ab – Fußball kann so einfach sein. Es stand nur noch 2:1 und eine Minute später versuchte es Kasperczyk aus der Ferne, verfehlte jedoch den Kasten. Halbzeit.


Denise Gorges, Dyanne Bito

In den seltensten Fällen stellte die Brauweiler Abwehr mit Denise Gorges (l.) ein unüberwindbares Hindernis dar. Dyanne Bito (r.) freute es, sie steuerte zwei Tore zum Sieg bei.

Eine Minute nach Wiederanpfiff gaben die Rheinenserinnen mit einem wuchtigen Schuss auf den Kasten von Britta Trescher ein erstes Lebenszeichen von sich, eine Chance zum Ausgleich für Brauweiler ergab sich jedoch nur zwei Minuten später, als es Ciorba erneut mit der gegnerischen Abwehr aufnehmen wollte. Und als es fast schon so aussah, als sei sie durch, retteten Lena Wermelt und Anouk Dekker doch noch in höchster Not. Nur eine Minute später war es erneut die Rumänin, die für Alarmglocken im gastgebenden Strafraum sorgte, brachte das Runde jedoch erneut nicht ins Eckige.

Mariana Ciorba

Zwei Tore in einem Spiel sind eine gute Ausbeute. In einem anderen Spiel hätte sich Mariana Ciorba wahrscheinlich mehr darüber gefreut.

Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft – und zwar in diesem Fall von Kerstin Stegemann. Die Nationalspielerin legte die komplette Brauweiler Abwehr lahm – eine Aktion, zu der an diesem Tage meist nur ein einziger geschickter Pass ausreichte – und schloss erfolgreich ab.
Mit diesem Treffer in der 52. Minute läutete „Stege“ die später gern zitierte alles entscheidende Viertelstunde ein, eine Phase, in der Brauweiler zu nicht einem Hauch von Gegenwehr in der Lage war. Hatten sich die Gäste durch die ersten Gegentreffer wenig schocken lassen, saß dieser Stachel nun tief. Nur zwei Minuten später machte Stegemann ihr zweites Tor, in der 55. Minute verfehlte Jana Leugers den Kasten nur knapp und in der 66. und 68. Minute schaffte auch Melissa Thiem einen Doppelpack.

Kerstin Stegemann

Unermüdlich nach vorne: Kerstin Stegemann trieb ihre Mannschaft nicht nur an, sondern steuerte auch zwei Tore zum Heimsieg bei.

Während Rheine in dieser Phase so gut wie alles gelang, schauten die Gäste hinterher. Im Spiel der Abtei-Städterinnen war null Bewegung, keiner bot sich an. Die Spielerinnen in der Abwehr hoben hilflos die Hände, wenn sie das


Spiel von hinten aufbauen sollten und auch Britta Trescher kommentierte die Einstellung nur mit einem wütenden „Wollt ihr keinen Ball haben, oder was!!??"

Nach dem 6:1 schien man in Rheine jedoch genug zu haben – solche hohen Siege sind schließlich auch ungewohnt. Die Konzentration ließ nach, die Fehlpassquote stieg und Brauweiler wurde im Rahmen seiner geringen Möglichkeiten wieder stärker. Während Rheines Trainerin die Fitness ihrer Mannschaft lobte, sah man Brauweiler die Strapazen an. Insbesondere die aufopferungsvoll kämpfende Spielführerin Paula Balzer wirkte stehend k.o. – der kämpferische Einsatz der Mannschaft war jedoch vorbildlich und so setzte Ciorba durch ihren zweiten Treffer in der 86. Minute den Endstand.

Willi Küpper:
„Der Sieg für Rheine geht vollkommen in Ordnung und hätte Mitte der zweiten Halbzeit fast zweistellig werden können. Meine Mannschaft hat ihr Bestes gegeben und bis zum Ende gefightet.“

Nicole Werner:
„Mit dem Spielverlauf bin ich sehr zufrieden, die Gegentore dürfen allerdings in dieser Form nicht passieren. Wir sind in der ersten Halbzeit nicht gut ins Spiel gekommen. Der Garant für den Sieg war eine deutliche Steigerung in der zweiten Halbzeit, Sicherheit im Kombinationsspiel und eine Viertelstunde, in der uns fast alles gelang.“

Aufstellungen

Rheine
Geurts, Wermelt, Kattenbeck, Scholz, Dekker, Stegemann, Sauer (83. Meester), Voss, Leugers (60. Reinike), Bito, M. Thiem

Brauweiler
Trescher, Kasperczyk, Gorges, Schäfer, Niculescu (81. Stommel), Bleibler, Balzer, Lenz, Bock, Ciorba, Spangemacher (64. Karl)

Tore
1:0 Bito (10.)
2:0 Bito (19.)
2:1 Ciorba (36.)
3:1 Stegemann (52.)
4:1 Stegemann (54.)
5:1 Thiem (66.)
6:1 Thiem (68.)
6:2 Ciorba (86.)

Gelbe Karte:
Dekker, Sauer, Bito

Schiedsrichterin:
Martina Storch-Schäfer

Zuschauer: 560

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