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1. Bundesliga, 2. Spieltag - Nachholspiel

Turbine ratlos, Wolfsburg glücklich

1. FFC Turbine Potsdam - VfL Wolfsburg 0:1 (0:0)

Text von Marko Schiller, Fotos von Jan Kuppert

05.10.2006

Im Nachholspiel des zweiten Spieltags trafen die beiden Teams aus Potsdam und Wolfsburg am „Tag der Einheit“ im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion aufeinander. Beide Mannschaften hatten nicht den besten Start in die noch junge Saison erwischt, und speziell Potsdam stand unter Druck. Dass mit Cristiane, Paula, Stephanie Ullrich und Annelie Brendel vier ehemalige Potsdamer Spielerinnen für Wolfsburg aufliefen, machte die Sache noch interessanter.

Bernd Schröder setzte bei der Heimpremiere in dieser Saison auf alterfahrene Kräfte der letzten Saison, aber auch auf zwei Neuverpflichtungen. So kamen Stephanie Draws und Aferdita Kameraj zu ihrem Debüt im „Karli“. Bereits von der ersten Minute an war Potsdam bemüht das Spiel zu bestimmen

Conny Pohlers, Hannelore Ratzeburg, Jana Wiske

Die DFB-Ausschussvorsitzende für Frauenfußball Hannelore Ratzeburg (l.) und Kicker-Journalistin Jana Wiske (r.) ehren Stürmerin Conny Pohlers, die mit 36 Treffern in der vergangenen Saison die Torschützenkrone errang.

und erste Torchancen zu erspielen. Davon bot sich Conny Pohlers, die als Torschützenkönigin 2005/06 vor dem Spiel geehrt wurde, die erste bereits nach nur drei Spielminuten. Sie köpfte freistehend nach einem Eckball aufs Wolfsburger Gehäuse, aber Cristiane stand dem Torerfolg im Weg.

Weiter bewegte sich das Spiel nur in eine Richtung, aufs Tor von Stephanie Ullrich. Diese wehrte einen Schuss von Ariane Hingst aus nur 10 Metern zur Ecke ab. In der neunten Minute war es dann erneut Conny Pohlers, die über die rechte Seite zum Strafraum zog, zwei Abwehrspielerinnen schwindelig spielte und dann knapp links am Tor vorbei schoss. Weiterhin hielt Potsdam das Tempo und den Druck aufrecht, aber Wolfsburg hatte die erste Welle schadlos überstanden. Vereinzelt schickten die Mittelfeldspielerinnen von Wolfsburg ihre zwei agilen Spitzen Martina Müller und Cristiane auf die Reise, aber diese waren bei Stephanie Draws und Peggy Kuznik in guten Händen.

In der zwanzigsten Minute war es dann Aferdita Kameraj, die das 1:0 auf dem Kopf hatte. Eine Flanke von Conny Pohlers köpfte sie als Aufsetzer in Richtung Wolfsburger Tor, aber dieser Sprang nur auf die Latte und nicht ins Tor. Ebenfalls

Ariane Hingst, Saskia Kampf

Mit viel (Saskia) Kampf (r.) und Einsatz wehrten sich die "Wölfinnen" gegen die Angriffe der Potsdamerinnen um Spielführerin Ariane Hingst.

eine Kopfballchance, diesmal wieder nach einer Ecke, hatte Jennifer Zietz in der 26. Spielminute. Potsdam blieb die absolut bestimmende Mannschaft, aber ohne das nötige Glück im Abschluss. So auch in der 32. Minute, als Kameraj und Pohlers eine Hereingabe von Ariane Hingst nur knapp verpassten.


Cristiane, Jennifer Horwege

Unbändiger Jubel nach dem Siegtreffer durch Jennifer Horwege (l.), der ihr von Gratulantin Cristiane aufgelegt wurde.

In der 34. Minute sorgte dann Martina Müller auch erstmals für Torgefahr auf der gegnerischen Seite - eine der insgesamt wenigen guten Wolfsburger Chancen im ganzen Spiel. Die direkte Antwort war eine weitere Chance von Conny Pohlers, die Stephanie Ullrich nur mit Mühe verhindern konnte. So stand es zur Halbzeit 0:0, was schmeichelhaft und glücklich für Wolfsburg war und Potsdams schlechte Chancenverwertung dokumentierte.

Zur Halbzeit wechselte Bernd Huneke zum ersten Mal aus und nahm die schwache und gelbverwarnte Nathalie Bock heraus, brachte die Brasilianerin Paula und komplettierte damit das Potsdamer Quartett auf Wolfsburger Seite. Das Bild des Spiels blieb vorerst das gleiche. Potsdam rannte an und Wolfsburg agierte aus einer massiven Deckung. Mit der Zeit wurden die Zuspiele der Potsdamerinnen in die Spitze immer ungenauer und die guten Torchancen Mangelware.

Annelie Brendel, Navina Omilade

Ein Wiedersehen in Potsdam gab es auch für Navina Omilade (l.) und die Ex-Turbine Annelie Brendel.

Nächster Tiefpunkt war der Platzverweis von Peggy Kuznik wegen wiederholten Foulspiels in der 62. Minute. Schröder reagierte sofort, wechselte die durch einen Magen-Darm-Infekt geschwächte Isabel Kerschowski aus und brachte ihre Zwillingsschwester Monique ins Spiel. Diese übernahm die Position auf der rechten Seite von Navina Omilade, die mehr in die Mitte rückte, weil Babett Peter die Position von Peggy Kuznik einnahm und aus dem Mittelfeld in die Abwehr zurück rückte.

Franziska Unzeitig, Aferdita Kameraj

Aferdita Kameraj (r.), hier mit Franziska Unzeitig um Kampf um den Ball, feierte ihr Debüt im "Karli".

Trotzdem blieb Potsdam spielbestimmend, aber glücklos vor dem Tor. Diverse Chancen durch Monique Kerschowski, Conny Pohlers und Aferdita Kameraj blieben ungenutzt. In der 77. Minute brachte dann Trainer Schröder eine dritte Debütantin mit Bianca Schmidt, die im Sturm die Position von Aferdita Kameraj einnahm. Auch Wolfsburgs Coach Bernd Huneke nutzte in der 85. Minute seine letzte Chance zum Wechsel und brachte Jennifer Horwege für Annelie Brendel.


Dass eben Jene das Spiel entscheiden und Potsdam in die Ratlosigkeit schicken sollte, war nicht abzusehen. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit setzte Wolfsburg voll auf Defensive und konterte nur gelegentlich. In der 90. Minute war es ein solcher Konter, den Jennifer Horwege mit einem satten Schuss ins linke obere Ecke abschloss. Die Sensation war perfekt, da Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus kurz darauf abpfiff. Lediglich die mitgereisten Fans der Wolfsburgerinnen unter den 1674 Zuschauern hatten Grund zur Freude. Hatte man sich auf Potsdamer Seite mit dem Unentschieden schon abgefunden, war der späte Treffer ein „Lucky Punch“, der vielen auf dem Platz und den Tribünen schwer zusetzte.

Andrea Wilkens, Conny Pohlers

Conny Pohlers rannte und kämpfte, doch der Torerfolg blieb ihr verwehrt. Hier klärt Andrea Wilkens erfolgreich.

Das Team von Potsdam steht am Wochenende gegen Crailsheim unter Erfolgsdruck, um mit einem guten Gefühl in die nächsten UEFA-Cup-, Liga- und Pokalwochen zu gehen. Dort warten mit Kopenhagen, Hamburg und Duisburg schwerere Gegner, die allerdings nicht so defensiv agieren.

Jubel Wolfsburg

Jubel pur beim Aufsteiger, nachdem Jennifer Horwege in den Schlusssekunden das 1:0 für den VfL erzielt hatte, dem Schiedsrichterin Steinhaus sogleich den Schlusspfiff folgen ließ.

Turbine Potsdam:

Angerer – Draws, Becher, Kuznik – Omilade, Peter, Hingst, Zietz – I.Kerschowski (62. M.Kerschowski), Pohlers, Kameraj (77. Schmidt)

VfL Wolfsburg:

Ullrich – Wilkens, Kampf, Unzeitig, Pieper – Brendel (85. Horwege), Freimuth (72. Tetzlaff) , Bock (46. Paula), Kappel – Cristiane, Müller

Tore:
0:1 Horwege (90.)

SRin: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Gelb: Zietz - Bock

Gelb-rote Karte: Kuznik (62.)

Zuschauer: 1.674

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