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1. Bundesliga, 7.Spieltag

Trotz Niederlage gegen Frankfurt gewinnt auch Potsdam

1. FFC Turbine Potsdam - 1. FFC Frankfurt 1:2 (1:1)

Text von Marko Schiller
Bilder von Jan Kuppert

15.11.2006   Selten haben sich diese zwei Spitzenmann- schaften ein solch interessantes Spiel im Potsdamer „Karli“ geliefert und dabei auch beide gewonnen. Die Frankfurterinnen gewannen die drei Punkte, die Pots- damerinnen Selbstvertrauen. Trotz diverser Scharmützel in den Printmedien zwischen den Verantwortlichen auf beiden Seiten verlief das Spiel sehr fair auf dem Spielfeld und den Zuschauerrängen.

Vorab ist das faire Miteinander der Fans auf beiden Seiten deutlich zu loben. Petra Wimbersky und Karolin Thomas wurden freundlich im Stadion begrüßt trotz des umstrittenen Wechsels zum „Erzfeind“. Die Plakataktion für beide wurde dann auch von Frankfurter Fanseite sehr begrüßt und mit Lob bedacht. Rivalität ist das Eine, fairer Sport und Verhalten gegenüber den Spielerinnen das Andere.

Bernd Schröder

Potsdams Trainer Bernd Schröder wirkte nicht immer zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft

Rein sportlich schickte Trainer Schröder erneut ein verändertes Team aufs Spielfeld. Dies war nach dem desaströsen Auftritt in Brauweiler auch nötig. Momentan scheint er auf der Suche nach dem gesunden Mix aus erfahren Spielerinnen und jungen Talenten. So gab er Inken Becher eine neue Chance in der Abwehrkette (mit Sonderbewachung von Petra Wimbersky beauftragt) und schickte dafür Aferdita Kameraj auf die Ersatzbank. Dort nahm auch wieder Isabel Kerschowski Platz und Bianca Schmidt bekam eine neuerliche Bewährungschance im Sturm neben Conny Pohlers und Ariane Hingst. Im Mittelfeld übernahmen Jennifer Zietz und Essi Sainio die direkte Bewachung von Renate Lingor (Sainio) und Birgit Prinz (Zietz). Auf den Außen agierten erneut Britta Carlson und Stefanie Draws. Babett Peter und Peggy Kuznik komplettierten die Abwehrkette. Frankfurt musste krankheitsbedingt auf Saskia Bartusiak und Katrin Kliehm verzichten. Im Sturm bot Trainer Tritschoks die „heimgekehrte“ Petra Wimbersky auf neben Birgit Prinz und Sandra Smisek.

Renate Lingor und Essi Sainio

Frankfurts Regiesseurin Renate Lingor am Ball, neben ihr als ständiger Schatten an diesem Tage Turbines finnischer Neuzugang Essi Sainio

Das Spiel begann zunächst mit Abtasten durch beide Seiten, wobei das Potsdamer Spiel in die Spitze zu ungenau war und man so Frankfurt leicht die Bälle überließ, die ihrerseits das Spiel zu bestimmen versuchten. In der 8. Minute bekam dann „Piwi“ (Petra Wimbersky) einen ersten Vorgeschmack auf den Rest des Spiels, als Inken Becher sich mit einem Foul „Respekt“ verschaffte. Sie sollte ein wirklich gutes Spiel gegen die ehemalige Mitspielerin bieten. Dennoch hätte eben jene Becher fast das erste Tor erzielt, aber in die falsche Richtung. Sie lenkte einen Schuss so ob, dass sich Nadine Angerer sehr auszeichnen musste, um das Gegentor zu verhindern.
Ab der 14. Minute wurde es dann bewegt und zwar vor beiden Toren. Zunächst hatte Prinz nach einer schönen Körpertäuschung die Chance zum Tor, das anschließende Gestocher im Strafraum endete mit einer Abseitsposition von Smisek nach einem Abpraller von der Latte.

Auf der Gegenseite überschätzte dann Silke Rottenberg ihre fußballerischen Fähigkeiten außerhalb des Strafraums und verlor den Ball an Pohlers, die aus spitzem Winkel direkt den Torschuss wagte aber scheiterte. Dann kam die Zeit der Sandra Smisek. Zunächst war sie frei vor Angerer nach schönen Pass von Garefrekes aber Angerer blieb Sieger. Direkt darauf entschied Angerer dieses Duell erneut für sich. Leider agierte sie in der 25. Minute weniger glücklich, als sich Judith Affeld auf der linken Seite bis in den Strafraum durchgesetzt hatte und aus spitzem Winkel abzog. Diesen Schuss lenkte Angerer ins eigene Tor und so führten die Gäste vom Main auch nicht ganz unverdient.


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Lobenswerte Aktion: Petra Wimbersky, vor der Saison von Potsdam nach Frankfurt gewechselt, wurde von den Potsdamer Fans mit Plakatenfreundlich begrüßt. Im Spiel hatte sie es dann gegen Inken Becher (im Hintergrund) nicht leicht, konnte aber die Vorarbeit zum Siegtor leisten

Das Spiel beruhigte sich dann zunächst ein wenig und es dauerte bis zur 35. Minute, ehe das nächste Highlight folgte. Im Anschluss an eine abgewehrte Ecke, die von Draws getreten wurde, nahm Hingst den Ball volley und versenkte ihn unhaltbar im Frankfurter Tor. Der Ausgleich war etwas glücklich, aber durch ihren unermüdlichen Kampfeswillen wurde die mangelnde Potsdamer Spielkultur ausgeglichen und man bekam eine erneute Chance auf einen Befreiungsschlag. Bis zur Pause passierte dann zunächst nichts mehr außer kontrollierter Abwehrarbeit und ungenauem Offensivspiel auf beiden Seiten und so ging es mit 1:1 zum Pausentee.

Ariane Hingst und Tina Wunderlich

Mit einem herrlichen Volleyschuss in den Winkel erzielte Ariane Hingst den Ausgleich für Potsdam. Hier wird sie von Tina Wunderlich gestört

Aus der Pause kam Frankfurt deutlich wacher und offensiver. Innerhalb kurzer Zeit erspielten sie sich zwei große Torchancen. Eine weitere hatte dann die heute glücklose Garefrekes, als sie die komplette Abwehr ausspielte und dann auch Angerer. Allein vorm Tor lag den Frankfurter Fans der Torjubel schon auf den Lippen, aber Kuznik rette in letzter Sekunde per Rutscheinlage vor der schussbereiten Garefrekes.

Spielerisch begann Frankfurt nun das Spiel zu dominieren und sich einzelne Torchancen zu erarbeiten. Potsdam hatte in dieser Phase keine einzige Torchance. Und so reagierte Trainer Schröder mit einem Doppelwechsel. Dabei nahm er die erneut schwache und überforderte Schmidt vom Platz und brachte das andere Sorgenkind im Sturm, Isabel Kerschowski. Daneben wechselte er Kameraj für Carlson ein.

Nadine Angerer und Kerstin Garefrekes

Potsdams Torhüterin Nadine Angerer bot - von dem Fehler zum 0:1 abgesehen - eine Klasseleistung. Hier hindert sie Kerstin Garefrekes am Torschuss

Weiterhin kontrollierte aber Frankfurt das Spiel, ohne zählbaren Erfolg. Chancen für Garefrekes und Zerbe blieben ungenutzt, ebenso wie die erfolglosen Konterversuche der Potsdamerinnen. So ging es dann auch in die in Potsdam gefürchteten letzten 10 Minuten des Spiels. Erster Paukenschlag war ein Lupfer der freistehenden Smisek über die herauseilenden Angerer, der gegen den Pfosten ging und der anschließende Versuch von Garefrekes. Kurz darauf versuchte es dann Wimbersky mit einem Direktschuss, aber ohne Erfolg. Den hatte dann die heute starke Smisek, als sie aus Nahdistanz eine perfekte Hereingabe von Wimbersky verwertete und so Frankfurt erneut in Front schoss. Die direkte Antwort war ein Versuch durch Pohlers, die es in Bedrängnis ebenfalls mit einem Lupfer versuchte, der aber misslang. Potsdam war bemüht, nochmals den Ausgleich zu schaffen. Allerdings hatte Garefrekes die letzte Torchance des ganzen Spiels, als sie aus der Drehung direkt aus 5 Metern abzog - direkt in die Arme von Angerer.


So blieb es beim spielerisch sicher verdienten Sieg der Hessinnen, aber Potsdam konnte erhobenen Hauptes vom Platz gehen, da sie lange Gegenhalten konnten und sich als Mannschaft mit Herz und Willen präsentierten. Einzig Essi Sainio schien wenig glücklich mit ihrem Auftritt gewesen zu sein, da sie wenig zum Offensivspiel betragen durfte, weil sie „Wachhund“ von Renate Lingor spielen musste. Vielleicht kann sie ihre Qualitäten im Spielaufbau und ihre genauen Pässe in den kommenden Spielen wieder zeigen. Dass sie ein Juwel in dieser Mannschaft ist, bewies neben ihren bisherigen Auftritten im Turbinetrikot auch die Auszeichnung durch den finnischen Verband, der sie als beste Nachwuchsspielerin Finnlands kürte und den Pokal dafür durch einen Funktionär des Verbandes nach dem Spiel überreichte.

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Sandra Smisek (rechts), die glückliche Schützin des Siegtores, und Judith Affeld, die mit ihrer scharfen Hereingabe in den Strafraum das 0:1 erzwungen hatte, im Jubel



1. FFC Turbine Potsdam

Angerer – Peter, Kuznik, Becher – Carlson (62. Kameraj), Zietz, Sainio, Draws – Schmidt (62. I. Kerschowski), Pohlers, Hingst

1. FFC Frankfurt

Rottenberg – Affeld, Jones, T.Wunderlich, Zerbe – Weber, Lingor, Garefrekes – Wimbersky, Prinz, Smisek

Tore:
0:1 Eigentor Angerer (25.)
1:1 Hingst (35.)
1:2 Smisek (86.)

Gelbe Karten: Sainio, Prinz

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher (Oberhausen)

Zuschauer: 1513


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