Text von Marko Schiller, Fotos von Beate Wolter 17.10.2006
Ausgerechnet beim Angstgegner musste Turbine nach der deutlichen Niederlage in Kopenhagen wieder in die Erfolgsspur finden. Eine Reaktion der Mannschaft, aber auch des Trainerstabs musste jetzt erfolgen, um nicht frühzeitig die gesamte Saison zu verspielen.
So begann Trainer Schröder auch mit einer neuen Anfangself im Vergleich zum Mittwoch. Inken Becher rückte wieder in die zentrale Abwehrposition und Ariane Hingst ins defensive Mittelfeld. Zudem begann Neuzugang Essi Sainio in der zentralen Position im Mittelfeld. Sie ist der Hoffnungsträger des Trainerstabs und hat bereits gute Ansätze am Mittwoch nach ihrer Einwechslung gezeigt. Aferdita Kameraj kam gegen ihren alten Verein im Sturm neben Conny Pohlers und Isabel Kerschowski zum Einsatz.

Ariane Hingst (vorne links), die hier gegen Anna Mirbach zum Schuss kommt, zog im Potsdamer Offensivspiel erfolgreich die Fäden und erzielte die wichtige 1:0-Führung.
Potsdam begann offensiv verbessert und durchaus kampfbereit. Dies führte schon in den ersten Minuten zu Chancen, besonders in der 8. Minute durch Jenny Zietz und Isabel Kerschowski. Zuvor hatte Hamburg erste Angriffsbemühungen gezeigt. In der 9. Minute kam dann Silva Lone Saländer zum Kopfball nach Flanke von Shelley Thompson, aber konnte den Ball nicht richtig in Richtung Tor drücken.
In der 12. Minute ging dann Potsdam etwas glücklich in Führung. Bei einer Ecke wurde Torfrau Bianca Weech von Mit- und Gegenspielerinnen im 5-Meter-Raum attackiert und klatschte den Ball nur kurz ab. Diesen nahm Ariane Hingst volley und zimmerte den Ball ins Netz.
Dies sollte den Gästen aus Potsdam Sicherheit geben, aber stattdessen boten sich jetzt den Hamburgerinnen Chancen. Zunächst musste Essi Sainio als Abwehrspielerin agieren um eine durchgelaufene Gegenspielerin abzufangen, wenig später spielte Babett Peter den Ball unbedrängt direkt zu Tanja Vreden, die aus 20 Metern knapp am Tor vorbei schoss. Es dauerte bis zur 32. Minute, ehe Potsdam wieder gefährlich vors Hamburger Tor kam: mit einem Versuch von Conny Pohlers nach einer Ecke durch Britta Carlson. Auf der Gegenseite rette zunächst Inken Becher nach einem direkt geschlagenen Freistoß, ehe Inke Wübbenhorst die anschließende Ecke aufs Tor köpfte. Beide Abwehrreihen wirkten speziell bei Standards sehr unsicher und anfällig.
 Tanja Vreden (l.), hier gegen Peggy Kuznik und Inken Becher, hatte die größten Hamburger Chancen, blieb in ihren Bemühungen aber bis zur 87. Minute erfolglos.
Nur Sekunden später wurde Tanja Vreden geschickt, die clever in die Gasse gestartet war und so allein vor Nadine Angerer auftauchte.
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Aferdita Kameraj (l.), hier gegen Christine Schoknecht, zeigte im Gastspiel bei ihrem Ex-Verein eine starke Leistung und krönte diese mit ihrem Treffer zum 3:0.
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Diese parierte den Tunnelversuch in Weltklassemanier. Im Gegenzug versuchte Aferdita Kameraj den Potsdamer Sturm neu zu beleben, doch ihr Schuss war eher harmlos. Wiederum kam Hamburg gefährlich vors Gästetor. Erst durch Marion Wilmes und kurz darauf mit Anna Mirbach, die nur knapp verzog. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Ausgleich hochverdient gewesen. Kurz vor der Pause hätte dann Isabel Kerschowski für Beruhigung in den eigenen Reihen sorgen können, aber auch sie scheiterte nach schönem Solo an der herausgeeilten Bianca Weech. Den Schlusspunkte der ersten Halbzeit setzte die sehr gut aufspielende Ariane Hingst mit einem Kopfball, der nur knapp das Tor verfehlte. So ging es mit 0:1 aus Hamburger Sicht in die Kabine, was auf Grund der Spielanteile und Torchancen etwas schmeichelhaft für Potsdam war. Dennoch zeigten sie die bis dato beste Halbzeit in der bisherigen Saison. Diese nährte Hoffnung unter den zahlreich vorhandenen Anhängern der Turbinen im Stadion.
 Britta Carlson und die sehr sichere Torfrau Nadine Angerer klären hier mit vereinten Kräften vor der einschussbereiten Shelley Thompson (r.).
Druckvoll begann in der zweiten Spielhälfte Hamburg das Spiel und hatte direkt nach Wiederanpfiff zwei große Einschusschancen, aber Nadine Angerer hielt den Kasten sauber. Auf der Gegenseite versuchte Potsdam sein Glück, aber agierte unglücklich im Abschluss. Essi Sainio konnte einen schönen Angriff nicht mit Erfolg krönen. Dennoch war sie eine der auffälligsten Spielerinnen auf Seiten der Potsdamerinnen. Immer anspielbereit verteilte sie die Bälle klug im Mittelfeld und schaltete sich sowohl in Angriffs- als auch Abwehrspiel aufopferungsvoll ein. Dies gilt ebenso für Britta Carlson und Ariane Hingst, die heute ihren Führungsrollen im Team gerecht wurden und sehr gute Leistungen zeigten. Dann war es aber wieder einmal Conny Pohlers, die Potsdam auf die Siegerstraße brachte. Hatte sie noch kurz vorher gelb gesehen, so lud sie all den Frust in diesem einen Schuss ab und erzielte das umjubelte 0:2 in der 57. Minute. Von da ab kontrollierte Potsdam das Spiel und kam zu Chancen durch Isabel Kerschowski, Aferdita Kameraj und Conny Pohlers.
Das Hamburger Spiel in die Spitzen war von Fehlpässen und Missverständnissen geprägt, daher kam auch keine Chance auf den Anschlusstreffer zustande.
Auf der Gegenseite lief es besser und Aferdita Kameraj traf zum 0:3 in der 73. Minute, nachdem Isabel Kerschowski zuvor den Ball an die
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Latte genagelt hatte und Kameraj den Abpraller einköpfte. Nun schien alles klar für Potsdam, aber stattdessen bäumte sich der HSV nochmals auf und kam zu zwei weiteren Chancen. Potsdam agierte passiv und „bettelte“ um das Gegentor. Tanja Vreden ließ sich nicht bitten und erzielte in der 87. Minute den Ehrentreffer für Hamburg. Speziell in der Schlussphase ist Potsdam momentan sehr anfällig, wobei das erschreckt, da sie früher als das Team mit der besten Kondition galten und 90 Minuten Tempofußball spielen konnten.
 Die Finnin Essi Sainio (Mitte), die hier den Ball gegen Shelley Thompson (r.) verliert, erwies sich als intelligente Spielgestalterin und klare Verstärkung für Turbine Potsdam. Links Silva Lone Saländer.
So blieb es dann beim 1:3 aus Hamburger Sicht. Der Sieg der Turbinen war verdient über das komplette Spiel gesehen, aber sie waren nur maximal ein Tor besser als Hamburg und keine zwei. Schlussendlich war eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem UEFA-Cup-Spiel in Kopenhagen zu erkennen, aber Abwehrfehler und Unkonzentriertheiten wie in der Schlussphase kann man sich am Mittwoch nicht erlauben, will man das Fußballwunder gegen Kopenhagen schaffen. Immerhin kehrte zeitweise Spielkultur und schöner Angriffsfussball, gepaart mit kämpferischem Einsatz, wieder ins Spiel der Turbinen ein.
Aus Hamburger Sicht (1)
Aus Hamburger Sicht (2)
Hamburger SV:
Weech - Schoknecht, Plessen, Haye, Engel - Wilmes, Saländer, Wübbenhorst, Mirbach (65. Heinßen) - Vreden, Thompson
Turbine Potsdam:
Angerer - Peter, Becher, Kuznik - Zietz, Hingst, Sainio, Carlson (75. Podvorica) - I. Kerschowski, Pohlers, Kameraj
Tore:
0:1 Hingst (11.) 0:2 Pohlers (58.) 0:3 Kameraj (73.) 1:3 Vreden (86.)
SRin: Nicole Schumacher (Oberhausen)
Gelb: Engel (72., Foulspiel), Schoknecht (89., Foulspiel) / Pohlers (51., Ballwegschlagen)
Zuschauer: 820
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