Fansoccer-Logo

1. Bundesliga, 2. Spieltag

Eine Notbremse kippt das Spiel

Hamburger SV - SC Freiburg 3:1 (1:1)

Text von Jens Wolter, Fotos von Beate Wolter

21.9.2006

Jeweils mit drei Toren Unterschied hatten die beiden Kontrahenten ihren Saisonauftakt verpatzt. Eine rote Karte gegen die Freiburger Torhüterin verhalf den Hamburgerinnen zur Wiedergutmachung.

Über weite Strecken der 1. Halbzeit boten beide Mannschaften den Zuschauern ein relativ unkonzentriertes Spiel mit zahlreichen Fehlpässen auf beiden Seiten und nur sehr wenigen Strafraumszenen. Den etwas besseren Start hatten dabei die Gäste, die in der 5. und 7. Minute zwei von Myriam Krüger bzw. Juliane Maier hereingebrachte Eckbälle erreichten, die jedoch das HSV-Tor nicht in Gefahr brachten. Aus dem zweiten dieser Eckbälle entwickelte sich im Gegenteil ein HSV-Konter durch Gina Heinßen auf dem rechten Flügel, die anschließende Flanke köpfte Christine Schoknecht knapp neben das Freiburger Tor.

Christina Plessen, Christine Kaltenbach

HSV-Neuzugang Christina Plessen (r.) versucht an Christine Kaltenbach vorbeizukommen.

Die beiden nächsten gefährlichen Situationen gehörten dann wieder den Freiburgerinnen, als Torfrau Bianca Weech in der 11. Minute den Ball nur knapp vor der einschussbereiten Katja Bornschein wegfischen konnte und die auf dem linken Flügel sehr gut freigespielte Verena Faißt in der 21. Minute nur den Außenpfosten des Hamburger Tores traf. In der 27. Minute entstand vor dem Freiburger Tor Gefahr durch eine Flanke von Tanja Vreden, die jedoch durch eine Faustabwehr von Torfrau Alexandra Schwaldt entschärft werden konnte. Ein weiterer HSV-Angriff in der 29. Minute führte nur zu einem Schuß über das Freiburger Tor durch Shelley Thompson.

Gewisse Unsicherheiten in der HSV-Abwehr, die sich bereits in vorangegangenene Szenen angedeutet hatten, führten dann in der 36. Minute zur nicht unverdienten Freiburger Führung. Nachdem zwei Freiburgerinnen durch Doppelpass die Hamburger Abwehr überwunden hatten, konnte Havva Kutal im Nachschuß zum 0:1 vollenden. Dieses Tor brachte auch die kleine Gruppe mitgereister Freiburger Fans zum Schweigen, die vorher in Sprechchören die Entlassung von Freiburgs Trainer Dietmar Sehrig gefordert hatte.

Alexandra Schwald, Nicole Söder, Christine Kaltenbach, Tanja Vreden, Imke Wübbenhorst

Freiburgs Torfrau klärt vor Tanja Vreden. Links beobachtet Imke Wübbenhorst die Szene. In der Mitte Nicole Söder, rechts Christine Kaltenbach.

Die Führung veranlasste die Hamburgerinnen, nun etwas konzentrierter auf das Freiburger Tor zu spielen. Gleich in der 37. Minute wurde ein Schuss von Hamburgs Spielgestalterin Silva Lone Saländer, die ein gutes Spiel ablieferte, erst durch eine Verteidigerin von der Linie des Freiburger Gehäuses geschlagen. Die Ausgleichsbemühungen der Hamburgerinnen wurden dann in der 41. Minute belohnt, als Shelley Thompson zum 1:1 abstauben konnte, nachdem Tanja Vreden nach guter Vorarbeit der sehr agilen Gina Heinßen nur den Pfosten getroffen hatte. Mit diesem Zwischenstand gingen die Mannschaften in die Pause.

Die erste Großchance der zweiten Halbzeit bot sich in der 51. Minute den Gastgeberinnen in Person von Christina Plessen, die nach Vorlage von Saländer von links in den Strafraum eindrang und die Freiburger Torhüterin zu einer Fußabwehr zwang. Wiederum Alexandra Schwald war es dann, die in der 54. Minute an der letzendlich spielentscheidenden


Shelley Thompson, Tanja Vreden

Das neue HSV-Sturmduo Vreden (l.)/Thompson besorgte alle drei Tore gegen den SCF.

Szene beteiligt war. Nach Zuspiel von Thompson lief Tanja Vreden frei auf die Freiburger Torhüterin zu und wurde von dieser - beabsichtigt oder nicht - kurz vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Das anschließend von Christine Schoknecht erzielte Tor zählte nicht, da das Spiel wegen des Foulspiels bereits unterbrochen war. Die Aktion von Schwald wurde von der Schiedsrichterin als Notbremse gewertet und mit der roten Karte geahndet. Proteste aus der Freiburger Mannschaft gab es nicht. Als Ersatztorhüterin kam Marisa Brunner ins Spiel, für die Julia Zirnstein den Platz verließ.

Tanja Vreden, Alexandra Schwald

Tanja Vreden, Alexandra Schwald

Tanja Vreden, Alexandra Schwald, Nicole Söder

Freiburgs Torfrau Alexandra Schwald kann HSV-Stürmerin Tanja Vreden nur mit unerlaubten Mitteln stören, Nicole Söder kommt zu spät. Diese Szene führte zur roten Karte für die SC-Keeperin und kippte das Spiel.

Der direkte Freistoß, der ebenfalls noch aus der Aktion gegen Vreden resultierte, wurde von Schoknecht in die Mauer geschossen, von wo aus er ins Toraus ging. Die anschließende Ecke köpften die Hamburgerinnen über das Tor. Der HSV setzte nach und kam in der 58. und 59. Minute zu Chancen durch Thompson, Vreden und Saländer, die jedoch nicht zu einer Resultatsänderung führten. Der Führungstreffer zum 2:1 gelang den Hamburgerinnen erst in der 70. Minute durch Vreden nach Querpass von rechts durch Tompson.

Marisa Brunner, Havva Kutal, Silva Lone Saländer

Freiburgs Ersatzkeeperin Marisa Brunner hatte gleich viel zu tun. Hier fängt die Schweizer Nationaltorfrau den Ball vor Silva Lone Saländer (r.) ab.

In der 75. Minute bot sich Freiburgs Nadine Enoch, die zwei Minuten vorher für Myriam Krüger eingewechselt worden war, nach einer Unachtsamkeit der HSV-Hintermannschaft die Chance zum Ausgleich, der Ball ging jedoch über das Tor. Eine Minute später bot sich für Christine Schoknecht nach einem Sololauf von Tanja


Vreden die Gelegenheit, das Spiel für Hamburg zu entscheiden, ihr Ball landete jedoch knapp rechts neben dem Freiburger Tor. Die Entscheidung fiel dann in der 78. Minute durch Shelley Thompson, die einen Querpass von Vreden zum 3:1 verwertete. Die letzten drei Minuten mußten dann auch die Hamburgerinnen mit neun Feldspielerinnen auskommen, da Saländer wegen Muskelproblemen außerhalb des Spielfeldes behandelt wurde und bis zum Schlusspfiff nicht zurückkam.

Christine Schoknecht

Christine Schoknecht präsentierte sich in ihrem ersten HSV-Heimspiel äußerst engagiert und bot eine starke Partie.

Im Nachhinein erwies sich die Freiburger Vorgehensweise, nach dem Platzverweis ihrer Torhüterin weiterhin die Offensive zu suchen, als Fehler. Die Hamburgerinnen durchstießen mehrfach die aufgerückte Freiburger Abwehr und nur einige Abseitspfiffe vereitelten weitere HSV-Chancen und somit eine deutlichere Niederlage der Gäste aus Südbaden.

Lobenswert ist auf jeden Fall, dass die Schiedsrichterin dieses Spiels, Inka Müller aus Stendal, keine Hemmungen hatte, die ihr zur Verfügung stehenden Disziplinierungsmittel in Form der Karten auch tatsächlich einzusetzen (mein subjektiver Eindruck aus den letzten Spielzeiten ist, dass zahlreiche Schiedsrichterinnen hier unangebrachte Skrupel haben).

HSV-Team

Der Fehlstart ist abgewendet - das HSV-Team bejubelt den ersten Saisonsieg.

Last but not least sei dem neuen Stadionsprecher des HSV hiermit geraten: "Hemmungen überwinden, mehr Selbstvertrauen!"

Hamburger SV:

Weech - Engel, Gärtner, Plessen, Haye - Saländer, Wübbenhorst (82. Mirbach), Schoknecht (77. Wilmes) - Heinßen, Thompson, Vreden (85. Schröer)

SC Freiburg:

Schwald - Kaltenbach, Söder, Kury, Stegmann - Maier, Kutal, Krüger (73.Enoch), Zirnstein (55. Brunner/TW) - Bornschein, Faißt

Tore:
0:1 Kutal (36.)
1:1 Thompson (41.)
2:1 Vreden (70.)
3:1 Thompson (78.)

SRin: Inka Müller (Stendal)

Gelb: Heinßen (39.), Wübbenhorst (72.), Mirbach (84.) - Stegmann (9.)

Rot: Schwald (54.)

Zuschauer: 320

Zur FanSoccer-Startseite