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1. Bundesliga, 9. Spieltag

Hamburgs Energieleistung wird mit einem Punktgewinn belohnt

Hamburger SV - 1. FFC Frankfurt 2:2 (1:2)

Text von Jens Wolter, Fotos von Beate Wolter

06.12.2006

Eine gute kämpferische Mannschaftsleistung - namentlich in der zweiten Halbzeit - bescherte dem HSV den ersten Punktgewinn gegen Frankfurt in einem Ligaspiel. Der Meisterschaftsfavorit aus der Mainmetropole, der ohne die Stammkräfte Rottenberg, Lingor und Garefrekes antreten musste, lieferte - gemessen an seinen Ambitionen - nur Magerkost ab.

Nur zwei Wochen nach dem Aufeinandertreffen im Pokal (0:3) kam es zum Ligaduell zwischen Hamburg und Frankfurt. Hierbei ließ Frankfurt bereits in den ersten Minuten der Partie keinen Zweifel daran aufkommen, dass man entschlossen war, drei Punkte mit zurück an den Main zu nehmen. Bereits in der 4. Minute mußte Hamburgs Torfrau Bianca Weech mit dem Fuß vor Petra Wimbersky retten und nur zwei Minuten später verpasste Birgit Prinz eine hohe Hereingabe von Wimbersky nur knapp. In der 9. Spielminute folgte die erste von insgesamt vier Frankfurter Ecken, die fast zum Führungstreffer der Gäste geführt hätte, als Weech den Ball von Prinz in Bedrängnis wieder fallen ließ.

Christine Schoknecht, Steffi Jones

Die beiden "Schokos" im Zweikampf: Christine Schoknecht (vorne) und Steffi Jones.

Die erste Gelegenheit für Hamburg ergab sich in der 15. Minute, als Christine Schoknecht einen direkten Freistoß allerdings direkt in die Arme von Frankfurts Torfrau Ursula Holl schoss. Nur eine Minute später fiel dann - quasi aus dem "Nichts" - die Hamburger 1:0 -Führung, als Tanja Vreden bei einem Konter über die rechte Seite den Ball über die herausstürzende Ursula Holl hinweg mit einem gelungenen Heber ins leere Frankfurter Tor befördern konnte.

Petra Wimbersky, Bianca Weech

Petra Wimbersky traf per Foulelfmeter, scheitert hier aus dem Spiel heraus jedoch an der Torfrau der "Rothosen", Bianca Weech.

Die Antwort der Frankfurterinnen ließ keine 10 Minuten auf sich warten. Nachdem sie in der 23. Minute kurz vor dem Hamburger Strafraum gefoult worden war und die Hamburger Torfrau in der 24. Minute erneut eine Chance durch Fußabwehr zunichte gemacht hatte, stürmte Birgit Prinz in der 25. Minute am linken Strafraumeck in die Hamburger Gefahrenzone und kam dort zu Fall. Die Schiedsrichterin zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt und zückte die einzige gelbe Karte des Spiels gegen Hamburgs Friederike Engel. Den Elfmeter nutzte Petra Wimbersky durch einen platzierten Schuss zum 1:1-Ausgleich. Das Hamburger Publikum wertete die Aktion von Prinz als "Schwalbe" und bedachte alle weiteren Spielsituationen der Nationalstürmerin im weiteren Spielverlauf mit entsprechenden höhnischen Kommentaren.

Eine realistische Chance zur erneuten Hamburger Führung vergab in der 33. Spielminute Anna Blässe, als sie eine hohe Hereingabe von Schoknecht nicht richtig traf und so aus guter Position nur eine Art "Kullerball" produzierte. Besser machte es in der 35. Minute Birgit Prinz, als sie einen von Hamburgs Silva Lone


Jubel beim HSV

Riesenjubel bei den HSV-Frauen nach dem Ausgleich zum 2:2.

Saländer unglücklich in den eigenen Strafraum verlängerten Ball aus kurzer Distanz unhaltbar für Weech zum 1:2 hoch ins kurze rechte Eck schoss. Hamburgs einzige noch nennenswerte Situation vor dem Pausenpfiff ergab sich in der 44. Minute, als Shelley Thompson einen von ihr vor dem Frankfurter Strafraum eroberten Ball nur in eine deutlich zu hoch geratene Flanke umsetzen konnte.

Die erste Aktion der zweiten Halbzeit gehörte wieder dem Gast, jedoch wertete Schiedsrichterin Moiken Jung das Geschehen in der 48. Minute als Angriff auf die Torhüterin und pfiff die Situation ab. Zwei Minuten später geriet ein Schuss von Saländer nach Vorarbeit von Vreden zu schwach, um das Frankfurter Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Uschi Holl, Tina Wunderlich, Steffi Jones, Tanja Vreden, Silva Lone Saländer, Christina Zerbe

Shelley Thompson, Steffi Jones, Tanja Vreden, Silva Lone Saländer, Christina Zerbe

Tanja Vreden bringt das Leder zum 2:2-Ausgleich im Tornetz unter. Tina Wunderlich und Steffi Jones können nur noch entsetzt zusehen, wie die HSV-Angreiferin Keeperin Uschi Holl überwindet.

In der 54. Minute brachte die Schiedsrichterin, der bereits der Prinz-Elfmeter in der ersten Halbzeit als unberechtigt vorgehalten wurde, erneut das Hamburger Publikum gegen sich auf, als sie einen Körperkontakt gegen Wimbersky mit einem direkten Freistoß für Frankfurt bedachte. Um so größer war der hämische Jubel, als - ausgerechtet - Birgit Prinz diesen Freistoß hoch über das Hamburger Tor hinweg schoss. Quasi im Gegenzug fiel dann in der 55. Minute das 2.2 für Hamburg, als Vreden im zweiten Nachschuss den Ball aus Kurzdistanz im Frankfurter Tor unterbringen konnte, während Holl vorhergehende Torschussversuche von Saländer noch erfolgreich abwehren konnte.

Petra Wimbersky, Alexandra Gärtner

Alexandra Gärtner (l.) spielte das ganze Spiel über sehr konzentriert und konnte gegen die Frankfurter Angreiferinnen Prinz und Wimbersky (r.) viele Zweikämpfe gewinnen. Nach dem Spiel verkündete sie scherzhaft ihren Rücktritt.

Mit fortschreitender Spieldauer wurde den Hamburgerinnen bewusster, dass an diesem Tag gegen den hohen Favoriten "etwas ging", während die Frankfurterinnen gleichzeitig immer gößere Probleme hatten,


überhaupt auf den Strafraum des HSV vor zu stoßen.

Steffi Jones, Birgit Prinz, Tanja Vreden

Tanja Vreden (r.) drückte diesem Spiel ihren Stempel auf, das den HSV-Frauen gegen die Großen des deutschen Frauenfußballs wie Steffi Jones (l.) und Birgit Prinz den ersten Punktgewinn in einem Ligaspiel einbrachte.

Für die einzige Schrecksekunde aus Hamburger Sicht sorgte in der 81. Minute erneut Birgit Prinz, als sie unbedrängt aus ca. 6 Metern Torentfernung rechts neben das Hamburger Gehäuse köpfte. Der Großteil des Hamburger Publikums (einschließlich des Berichterstatters) hatten diesen Kopfball schon "drin" gesehen. Nach knapp zwei Minuten Nachspielzeit war dann Anlass für die Gastgeberinnen, den ersten Hamburger Punktgewinn in der BL zu bejubeln.

Frei nach dem Sprichwort "Einmal Capri sehen - und dann sterben!" nahm Hamburgs Abwehrchefin und Spielführerin Alexandra Gärtner die Gelegenheit wahr, ihrem jubelnden Team noch auf dem Rasen ihren sofortigen Rücktritt von der aktiven Laufbahn zu verkünden. Dies war allerdings nur scherzhaft gemeint! (Zur Erklärung: In einem Interview mit der Zeitschrift "die elf" hatte sie einen Punktgewinn gegen Frankfurt als Ziel genannt, das sie noch erreichen wolle, bevor sie die Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen würde)

Christine Schoknecht, Gina Heinßen, Alexandra Gärtner

Während Christine Schoknecht sich noch des Ansturms der AutogrammjägerInnen erwehrt, können Gina Heinßen (Mitte) und Kapitänin Alexandra Gärtner ihr Glück kaum fassen.

Hamburger SV:

Weech - Engel, Haye, Gärtner, Ende - Blässe, Wübbenhorst, Saländer, Schoknecht (89. Schubert) - Vreden (79. Heinßen), Thompson (86. Mirbach)

FFC Frankfurt:

Holl - Zerbe, Affeld (62. T. Wunderlich), Jones, P. Wunderlich - Kliehm (78. Künzer), Weber, Hansen - Wimbersky, Prinz, Bartusiak

Tore:
1:0 Vreden (16.)
1:1 Wimbersky (25./FE)
1.2 Prinz (35.)
2:2 Vreden (55.)

SRin: Moiken Jung (Worms)

Gelb: Engel (25.)

Zuschauer: 870

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