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1. Bundesliga, 11.Spieltag

Unentschieden mit zwei Verlierern

Hamburger SV - FCR 2001 Duisburg 2:2 (1:0)

Text und Fotos von Fuxi

26.02.2007   HSV gegen Duisburg - vom Papier her war das eine klare Geschichte. Duisburg kam als Tabellenführer in die Hansestadt, die Rothosen als Achte hatten gerade einen Punkt Vorsprung auf den Vorletzten aus Freiburg. Und die Vorbereitung beider hätte unterschiedlicher nicht sein können: Duisburg setzte auf viele Tore, probte oft gegen unterklassige Frauenteams und "verprügelte" im letzten Test Zweitliga-Aufstiegsaspirant Gütersloh mit 11:1. Der HSV hingegen holte sich fast ausschließlich Niederlagen gegen Jugendteams ab, testete lediglich den ZWeitliga-Achten Holstein Kiel und siegte 5:1. Schwer zu sagen, wer wo stand, zumal beide Trainer mit Aufstellungssorgen zu kämpfen hatten. HSV-Coach Achim Feifel fehlten Stephanie Ende, Vanessa Schröer und Marion Wilmes, zudem saß Urgestein Tanja Vreden wegen Trainingsrückstand nur auf der Bank. Duisburgs Thomas Obliers musste auf Sonja Fuss, Viola Odebrecht und Fatmire Bajramaj verzichten, brachte nur zwei Feldspielerinnen für die Bank mit.

Der HSV blieb bei seinem gewohnten 4-2-1-3-System, nur die Besetzung variierte. Vor Bianca Weech standen Christine Schoknecht, Alexandra Gärtner, Christina Plessen und Friederike Engel. Im defensiven Mittelfeld sollte Neu-Kapitänin Janina Haye neben Imke Wübbenhorst abräumen. Silva Lone Saländer sollte hinter dem Sturm die Strippen ziehen, flankiert von den Außenstürmerinnen Anna Blässe und Gina Heinßen. In der Mitte die frühere Duisburgerin Shelley Thompson. Dem gegenüber stand ein 4-4-2 der Gäste. Torhüterin Längert sollte den Kasten sauber halten, unterstützt von der Viererkette Vanessa Martini, Annike Krahn, Elena Hauer und Anne van Bonn. Die Mittelfeldreihe besetzten zentral-defensiv Hagedorn und Bender, außen offensiv Simone Laudehr und Jennifer Oster. Im Sturm: Inka Grings und Patricia Hanebeck.

Christina Plessen, Simone Laudehr

Das jähe Ende eines schönen Solos: Plessen (Nr. 5) fällt Laudehr (Nr. 11). Es gibt Elfmeter, aber keine Karte.

Die ersten zwanzig Minuten verliefen eher ereignislos. Duisburg war viel in der Offensive, lief sich aber immer wieder in dier HSV-Abwehr fest. Zudem unterliefen der Obliers-Truppe viele Abspielfehler, die die Bemühungen der Gastgeber unterstützten. Die Hamburgerinnen brauchten im Aufbauspiel zuviel Zeit, schalteten nicht schnell genug um und brachten sich dadurch immer wieder selbst in Schwierigkeiten gegen den früh attackierenden Tabellenführer. In der 21. Minute gab es die erste Torchance, und das war gleich eine hundertprozentige: Laudehr dribbelte línks durch zwei Hamburgerinnen hindurch in den Strafraum und wurde von Plessen gelegt - Elfmeter! Keine Karte für Plessen... Bajramaj nicht dabei, also trat Inka Grings an, um vom Punkt den FCR in Führung zu bringen. Sie lief an, schoss in die Mitte - und Torfrau Weech parierte mit den Beinen! Der HSV konnte klären, und Grings raufte sich die Haare. Zurecht. So schlecht, wie dieser Elfmeter geschossen war, verwunderte es schon, wie sie in der Vorsaison Torschützenkönigin werden konnte. Das allerdings deutete sie in der nächsten Szene an: Hanebecks langer Freistoß in den Strafraum verlängerte sie mit der Stirn nach hinten, aber Weech zeigte eine Klassereaktion, war blitzschnell unten und bog den Ball mit einer Hand um den Pfosten (23.).

Es war wahrlich kein attraktives Spiel in dieser ersten halben Stunde. Duisburg leistete sich weiterhin ungenaue Pässe in die Spitze und verlor in der vielbeinigen Abwehr das Runde. Die Gastgeberinnen warteten noch auf ihre erste Chance. Der HSV operierte mit langen Bällen, so war Thompson meist auf sich allein gestellt. Der Rest der Mannschaft war mehr mit Defensive beschäftigt. Vor allem Außenstürmerin Gina Heinßen musste immer wieder gegen Laudehr, Hagedorn und Martini aushelfen, wühlte sich durch die erste Hälfte. An der ersten halben Torszene war sie dann aber doch beteiligt. Über Thompson wurde ein Konter vorgetragen. Martini ließ Heinßen in ihrem Rücken allein, um die Mitte zuzumachen, und musste bei Thompsons Abspiel wieder zurück. Heinßen wollte nochmal an den Fünfmeterraum flanken, der Ball rutschte ihr aber über den Schlappen und flog knapp über die Latte (31.).

Immerhin: Der HSV war geweckt. Einwurf Engel zu Saländer, die den Ball zu Heinßen prallen ließ. In Bedrängnis durch Martini schlug die kleine Stürmerin den Ball hoch an den Fünfmeterraum. Längert kam heraus, aber Thompson war vor ihr da und versuchte, sich um die Torhüterin zu winden. Die rang sie zu Boden, und die ansonsten schwache Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zeigte erneut auf den Punkt. Auch Längert sah keine gelbe Karte - immerhin war die Spielleiterin hier konsequent. Beim HSV sind Strafstöße eine Angelegenheit für Saländer.

Die Spielmacherin, die an diesem Tag blass blieb, wählte ebenfalls die Mitte, schoss aber strammer und platzierter und traf zum überraschenden 1:0 (34.). Duisburg ließ sich aber kaum beeinflussen. Bis zum Strafraum waren sie entschlossen... In der


Silva Lone Saländer, Kathrin Längert

So wird's gemacht! Saländer knallt den Ball vom Punkt in die Mitte, Längert fliegt vergeblich in die Ecke.

36. Minute konterten sie nach einem abgewehrten Eckball des HSV: Grings ließ die hohe Klärung über ihren Kopf rutschen und Laudehr marschierte mit dem Ball los. In der HSV-Hälfte stand allein Gärtner gegen drei Duisburgerinnen, die sich dem Strafraum näherten. Vor dem Tackling legte Laudehr nach links auf Hanebeck ab. Die stand frei vor Weech, wollte aber nochmal quer legen, und da lief Gärtner den Ball ab. Der FCR vergab diese Chance kläglichst und überheblich. Oder hatten sie plötzlich die Hosen voll? Sie waren extrem ungeschickt im Abschluss. Meisteranwärter sind normalerweise kaltschnäuziger.

Inka Grings

Elfmeter kläglich verschossen, aber doch noch den Ausgleich gemacht: Inka Grings

Die letzte Chance hatte wieder der FCR Duisburg. Nach Einwurf von Oster spielte Hauer direkt in den Strafraum, aber dort stand gar keine Mitspielerin. Gärtner hatte das Leder eigentlich sicher, ließ den Ball aber durch, weil Weech dahinter stand. Die verließ sich aber auf ihre Abwehrchefin, und der Ball kullerte an beiden vorbei - aber auch knapp links am Tor. Es blieb bei der durchaus glücklichen 1:0-Führung der Hausherrinnen. Eigentlich war der FCR die stärkere Mannschaft gewesen. Sie hatten mehr für das Spiel getan, aber agierten eher wie im Abstiegskampf: Fahrig, ideenarm, unpräzise im Zuspiel. Und sie machten teilweise einfachste Fehler. Der HSV beschränkte sich zumeist auf das Verteidigen, auch weil sie selbst Probleme mit dem Spielaufbau hatten. Den Rest besorgte Keeperin Weech.

In die zweite Hälfte starteten beide Teams mit Veränderungen. Beim HSV blieb mit Gina Heinßen eine der besten Hamburgerinnen draußen, und es kam die "alte Dame" Tanja Vreden. Bei Duisburg brachte Obliers nun Francesca Weber für Nicole Bender. Und die Eingewechselte probierte es in der 50. Minute mit einem Schuss aus der Distanz, den Weech aufnahm. Die Partie gestaltete sich ansonsten kaum anders als in den ersten 45 Minuten. Knapp eine Stunde war vorbei, als sich der HSV mal wieder zu Wort meldete. Saländer schickte halbrechts Thompson durch. Am Strafraumeck wurde die von Martini gestellt, aber nicht wirklich gestört. Thompson machte einen kurzen Haken, und als alle inklusive Torfrau Längert mit einer Flanke auf die mitgelaufene Vreden rechneten, zog die Ex-Duisburgerin den Ball mit links trocken, scharf und rotzfrech direkt in den kurzen Winkel - 2:0! Patsch - der nächste Nackenschlag für den Meisteranwärter.

Aber der FCR antwortete direkt nur eine Minute später. Nach Osters Flanke übersprang Grings Gärtner und köpfte knapp drüber. Auf der Gegenseite drehte Schoknecht einen Freistoß von der rechten Torauslinie direkt auf den Kasten, aber Längert lenkte diesen Kracher noch neben den Pfosten (67.). In der 69. Minute dann das Aus für Wübbenhorst. Sie hatte sich ein hartes Duell mit Laudehr geliefert, war kurz zuvor verwarnt worden und wurde dann von ihrer Gegenspielerin wohl unabsichtlich rausgetreten. Für die am Knöchel Verletzte kam Anna Mirbach. Und in der Folge merkte man, dass Duisburg mehr Räume bekam. Bis dato hatten sie kaum Chancen erspielt. Die stereotyp durch die Mitte vorgetragenen Angriffe verpufften, aber der Ausfall von Wübbenhorst wog schwer. Zunächst köpfte erneut Grings einen Freistoß von Hanebeck knapp drüber (73.). Dann wurde sie in der 75. Minute von Laudehr links bedient, dribbelte sich an Engel vorbei und spielte den Pass an den Fünfmeterraum. Dort hatte sich Hanebeck freigeschlichen und konnte frei zum 2:1 einschieben. Bianca Weech, Alexandra Gärtner, Janina Haye

Grings hat geköpft, aber Weech pariert zur Erleichterung von Gärtner (Nr. 3) und Haye (Nr. 17) mit einer tollen Reaktion.

Beim HSV brannte es jetzt hinten lichterloh. Der FCR, bei dem jetzt Annemieke Kiesel Elena Hauer ersetzte, kam über Hagedorn. Deren hoher Ball in den Strafraum wollte sich Weech schnappen, aber Plessen war dazwischen, bekam das Spielgerät an den Hinterkopf, und von dort sprang es zu Grings. Die drehte sich um Weech, versuchte einzuschieben, aber Gärtner stand auf der Linie und klärte (77.). Aber der nächste Angriff rollte. Nach Ballverlust des HSV wurde Oster rechts zur Grundlinie geschickt und brachte das Leder flach herein. Zunächst schlug Grings noch drüber, aber


von der Brust der auf dem Boden liegenden Haye sprang es wieder zurück zur Stürmerin, und die stocherte es aus drei Metern an der verdutzten Torfrau vorbei ins Netz. Das 2:2 war wegen der Spielanteile verdient.

Und der FCR drängte auf den Siegtreffer, der HSV schwamm, schaffte kaum Entlastung. Die Platzherrinnen hatte die Ordnung fast völlig verloren. Aber sie schafften es doch über die Zeit. Nur einmal wurde es noch gefährlich: Krahns Freistoß von links kam zu Grings, die es aus der Drehung versuchte, aber an Weech scheiterte (82.). Beim HSV kam noch Maja Schubert für Shelley Thompson herein, aber das hatte keine Auswirkungen mehr. Vor dem Spiel wäre der HSV mit einem Remis hochzufrieden gewesen, aber so waren die Hanseatinnen am Ende enttäuscht. So nah waren sie dran gewesen, den Tabellenführer zu besiegen. Grund zur Freude hatten sie dennoch. 75 Minuten lang hatten sie die Kreise des FCR erfolgreich gestört. Dann fiel etwas überraschend das 2:1 und erschütterte die Rothosen im Mark. Auch im vierten Bundesligajahr ist die Mannschaft noch nicht stabil genug, um so einen Vorsprung gegen ein Klasseteam wie Duisburg über die Zeit zu retten. Dass es zumindest bei einem Punkt blieb, dafür war die beste Hamburgerin, Bianca Weech verantwortlich. Auch Christine Schoknecht und Shelley Thompson konnten beim HSV gefallen. Bei Duisburg waren die eher unauffällige Verena Hagedorn, Patricia Hanebeck und die sich steigernde Inka Grings die besten Akteurinnen.

Elena Hauer, Shelley Thompson

Elena Hauer sieht hier Gelb für ein Foul an Thompson (links).

Entsprechend reagierten auch die Trainer. Thomas Obliers beglückwünschte den HSV zur Leistung und lobte ein gutes taktisches Verhalten. Zudem haderte er mit den vergebenen Chancen seiner Elf, machte seinem Team aber auch ein Kompliment, dass sie nie aufsteckten. Mit dem Punkt selbst war er nicht zufrieden, konstatierte aber, dass sie nach dem Spielverlauf mit der Punkteteilung hochzufrieden sein mussten. Kollege Achim Feifel sah das ähnlich. Seine Zufriedenheit war getrübt davon, dass sie das 2:0 nicht über die Zeit gebracht hatten. Aber er konnte mit dem Punkt gut leben. Weniger, weil es nun einen Sprung in der Tabelle bedeuten würde, sondern für die Moral. Auch er lobte den Gegner und sprach vor allem beim 2:1 davon, dass es nicht viele Mannschaften gebe, die ein Tor so herausspielen könnten. Abschließend fügte er hinzu, es werde Zeit, dass mal eine andere Mannschaft Deutscher Meister werde. Die Nachfrage von Obliers, eine andere Mannschaft als welche, war eher philosophisch.

Anne van Bonn, Tanja Vreden, Kathrin Längert

Da kriegt Längert Flügel - um diesen Ball Millimeter am Tor vorbei zu lenken. Vreden (Nr. 9) hofft noch auf ein Tor, van Bonn (Nr. 3) auf das Gegenteil.

Hamburger SV

Weech - Schoknecht, Plessen, Gärtner, Engel - Haye, Wübbenhorst (69. Mirbach) - Saländer - Blässe, Thompson (88. Schubert), Heinßen (46. Vreden)

FCR 2001 Duisburg

Längert - Martini, Krahn, Hauer (60. Kiesel), van Bonn - Laudehr, Hagedorn, Bender (46. Weber), Oster - Grings, Hanebeck

Tore:
1:0 Saländer (31./FE)
2:0 Thompson (59.)
2:1 Hanebeck (75.)
2:2 Grings (79.)

Gelbe Karten: Wübbenhorst (68.) / Hauer (28.)

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Hannover) mit Monica Fornacon (Stöckse) und Corinna Hedt (Burgwedel)

Zuschauer: 520

Besondere Vorkommnisse: Grings scheitert mit Foulelfmeter an Weech (22.)


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