Text von Jens Wolter, Fotos von Beate Wolter 15.11.2006
Im zweiten Heimspiel innerhalb einer Woche blieb der HSV erneut tor- und sieglos, während Bad Neuenahr mit seinem Minikader seine Position in der oberen Tabellenhälfte festigen konnte.
Einen Auftitt der Heimmannschaft "mit Selbstbewusstsein und Herz" hatte Charlotte Steinhübel, die frischgebackene Geschäftsführerin der HSV-Abteilung Frauenfußball, in ihrem Grußwort in der Stadionzeitung "Backstage" gewünscht. Genau dies war es jedoch, was die Gastgeberinnen an diesem Nachmittag erneut vermissen ließen. So bekamen die Zuschauer ein über weite Strecken recht zerfahrenes Spiel zu sehen, das eher von den beiden Abwehrreihen beherrscht wurde als von der "Abteilung Attacke". Die Aktionen der Gäste wirkten hierbei insgesamt durchdachter und engagierter.

Dieser Kopfballversuch von Sandra Minnert blieb ohne Erfolg.
Bis zur 10. Minute dauerte es, bis das Publikum den ersten Ansatz einer Torchance zu sehen bekam, aber HSV-Stürmerin Anna Blässe, die hier von Silva Lone Saländer in Szene gesetzt worden war, zielte deutlich zu hoch, um eine wirkliche Gefahr herauf zu beschwören. Dies gelang hingegen in der 18. Minute den Gästen, als HSV-Torfrau Bianca Weech im Herauslaufen gerade noch den Schuss von Célia Okoyino da Mbabi abwehren konnte, die geschickt durch die Abwehr gestoßen war. Der Nachschuss von Sandra Albertz bedeutete erneute Gefahr, fand jedoch auch nicht den Weg ins Tor.

 Der vielversprechende HSV-Sturm mit Shelley Thompson (unten) und Tanja Vreden lässt derzeit jegliche Durchschlagskraft vermissen. Hier zwei Beispiele, wie Neuenahrs Schlussfrau Jasmin Paganetti (oben) und Nationalspielerin Sandra Minnert den Angriffsbemühungen des Sturmduos ein Ende bereiten.
Fast eine Viertelstunde dauerte es dann, bis in der 31. Minute die nächste erwähnenswerte Szene zu sehen war. Nach einem von Hamburgs Christine Schoknecht verschuldeten direkten Freistoß aus rund 40 Metern von der rechten Außenposition konnte Lena Goeßling abziehen, der Schuss ging jedoch genau in die Arme von Weech. In der 38. Minute hatte dann Gäste-Torfrau Jasmin Paganetti die erste Möglichkeit, sich auszuzeichnen, als sie knapp vor der mit einem Steilpass geschickten HSV-Torjägerin Tanja Vreden retten konnte.
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Anna Blässe (r.) lieferte sich packende Duelle mit der SC-Abwehrreihe, besonders mit Eva Augustin (l.). Hier versucht sie an mit einer Körpertäuschung an Sandra Minnert vorbei zu kommen.
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In der 39. bzw. 40. Minute wurde ein von Schoknecht getretener direkter Freistoß nach einem Foul an Saländer für den HSV beinahe zu einem Bumerang, als dieser Schuss von der Gästeabwehr abgewehrt und in einen Konter umgewandelt wurde, der von Bianca Weech gerade noch abgewehrt werden konnte. Die beiden Schlussminuten der ersten Halbzeit gehörten dem HSV, konnten jedoch nicht zur Führung genutzt werden. Zunächst schoss Shelley Thompson nach gelungener Kombination am langen Eck des Gästetores vorbei, dann konnte Bad Neuenahr einen hohen Ball von Vreden, die sich im Strafraum den Ballbesitz erkämpft hatte, gerade noch per Kopf zur Ecke klären.
 Erzielte den goldenen Treffer: Sandra Albertz mit ihrem ersten Tor für den SC 07 Bad Neuenahr.
Die erwähnenswerten Szenen der zweiten Halbzeit gehörten überwiegend den Gästen aus Bad Neuenahr. Die HSV-Abwehr konnte in der 50. Minute nach einer hohen Flanke gerade noch vor der einschussbereiten Lydia Neumann retten. Nur zwei Minuten später konnte Torfrau Bianca Weech einen Weitschuss in letzter Sekunde noch über die Latte lenken.
In der 62. Minute setzte Anne-Kathrin Sabel einen weiteren Weitschuss auf das HSV-Gehäuse an, zielte allerdings etwas zu hoch. Wieder zwei Minuten später rutschte Isabell Bachor eine hohe Flanke von Lydia Neumann über die Stirn, so dass der Ball ins Toraus ging. Eine Minute später geschah dann das, was sich für den Beobachter allmählich abgezeichnet hatte: Bad Neuenahr ging in Führung. Nach einem Steilpass auf Sandra Albertz konnte diese von der HSV-Abwehr und der heraus stürzenden Bianca Weech nicht mehr entscheidend gestört werden. Albertz umspielte die Torhüterin und hatte keine Mühe mehr, den Ball zum 0:1 ins Tor zu befördern (65.).
Nur zwei Minten nach der Führung von Bad Neuenahr hatte der HSV die Möglichkeit zum Ausgleich, aber Saländer zielte zu hoch, nachdem die Gästeabwehr einen direkten Freistoß nur bis zur Strafraumgrenze abwehren konnte. In der 71. Minute bot sich dem HSV die größte Chance zum Ausgleich, aber ein Schuss von Thompson nach guter Vorarbeit durch Schoknecht wurde von der Gästeabwehr in
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Gemeinschaftsarbeit auf der Linie abgewehrt. Anschließend war die HSV-Mannschaft zwar weiterhin erkennbar um konstruktives Angriffsspiel bemüht, kam aber nicht mehr zu hochkarätigen Chancen. Im Gegenteil bot die offensive Ausrichtung den Gästen mehrfach die Möglichkeit zu gefährlichen Gegenstößen, aber Sandra Minnert (78. und 80. Minute) und Okoyino da Mbabi (80. und 87.) verfehlten jeweils das Tor.
Die Schlussphase sah auch die beiden einzigen und höchst überflüssigen gelben Karten des Spiels für Anna Mirbach vom HSV und Okoyino da Mbabi. Hierbei sorgte die Karte gegen Mirbach für ungläubiges Gelächter beim Publikum, da der begangene Regelverstoß (auch vom Berichterstatter!) als "Allerweltsfoul" empfunden wurde, während es vorher bereits Szenen von beiden Mannschaften gegeben hatte, die, von außen betrachtet, eher "gelbwürdig" erschienen, jedoch ungeahndet blieben.
Nach vier Minuten Nachspielzeit (wegen Verletzungsunterbrechungen) konnten die Gäste aus Bad Neuenahr dann jubelnd die Arme empor reißen, während es auf Hamburger Seite sogar Tränen der Enttäuschung gab. Bad Neuenahr zeigte über die gesamte Spieldauer das größere Selbstvertrauen und den größeren Einsatz und kam so zu einem insgesamt verdienten Erfolg.
 Tanja Vreden ließ ihrer Enttäuschung nach Abpfiff freien Lauf. Zuspruch fand sie bei ihren Mitspielerinnen, hier Anna Blässe (hinten) und Gina Heinßen.
Hamburger SV:
Weech - Engel, Plessen (77. Gärtner), Schoknecht - Ende, Saländer, Wübbenhorst, Mirbach (82. Heinßen) - Blässe, Thompson (82. Schubert), Vreden
SC 07 Bad Neuenahr:
Paganetti - Schmacher, Minnert, Schmitz, Himmighofen - Goeßling, Okoyino da Mbabi - Neumann, Albertz, Bachor
Tor:
0:1 Albertz (65.)
SRin: Riem Hussein (Bad Harzburg)
Gelb: Mirbach (78.) - Okoyino da Mbabi (89.)
Zuschauer: 370
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